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Der Aufstieg der Kämpferin Helen Zille

25.04.2009 | 14:18 Uhr
Der Aufstieg der Kämpferin Helen Zille

Kapstadt. Die südafrikanische Politikerin Helen Zille gewinnt an Popularität. Aber für die Anhänger des Afrikanischen Nationalkongresses ist sie das Feindbild Nummer 1. Trotzdem hatte keiner der Auguren vorhergesagt, dass ihre Partei in der Provinz um Kapstadt auf 50 Prozent der Stimmen kommen würde.

Jetzt werden die Töne sogar noch schriller werden. Schon bevor Helen Zille und die Demokratische Allianz (DA) bei den südafrikanischen Wahlen diese Woche mit einer überraschend satten Mehrheit die Westkap-Provinz vom Afrikanischen Nationalkongress (ANC) zurückerobern konnte, galt die deutschstämmige Kapländerin unter ANC-Anhängern als Feindbild Nummer 1.

Im Kapstädter Township Kayelitsha wurde sie von den Comrades der ehemaligen Befreiungsbewegung mit Stühlen beworfen, ANC-Provinzchef James Ngculu nannte sie stets nur das „GodZille”-Monster und Julius Malema, Chef der ANC-Jugendliga, beschimpft sie als „schlimmste Rassistin aller Zeiten”.

Wäre die 58-jährige, angeblich Urnichte des Berliner Milieu-Malers Heinrich Zille, nicht aus so hartem Holz geschnitzt: Sie hätte über die rüde Behandlung seitens der Enkel Nelson Mandelas zu Recht bestürzt sein können.

Familie selbst Opfer des Rassismus

Gewinnt sowohl an Popularität als auch an Feinden: Helen Zille. (Foto: afp)

Schließlich war ihre Familie selbst Opfer des Rassismus geworden: Ihre beiden Eltern mussten als Jugendliche Nazi-Deutschland verlassen, weil sie keine astreinen Arier-Ausweise aufbringen konnten. Im Apartheid-Südafrika deckte die junge Journalistin auf, dass der schwarze Bürgerrechtler Steve Biko keineswegs eines natürlichen Todes gestorben, sondern von der Sicherheitspolizei ermordet worden war. Und als eine von wenigen weißen Südafrikanern unterzog sie sich der Mühe, die afrikanische Sprache Xhosa zu erlernen.

Nach der Befreiung Südafrikas 1994 hätte Zille genauso gut beim ANC Karriere machen können – wenn sie nicht die Überzeugung davon abgehalten hätte, dass eine junge Demokratie auch eine starke Opposition braucht. Vor allem, wenn die herrschende Partei regelmäßig Wahlergebnisse über 66 Prozent erzielt.

Zille schloss sich der Demokratischen Allianz an

So schloss sich Zille der Demokratischen Allianz an, deren Vorgängerin – die Demokratische Partei – wenigstens im Rahmen der geduldeten Parameter gegen das Apartheidsregime vorgegangen war. Nach der großen Wende und dem Untergang der rassistischen „Nationalen Partei” fünf Jahre später zog die DA zahlreiche heimatlos gewordenen Apartheidsfreunde an: Sie sahen diese Allianz als letzte politische Bastion der weißen Minderheit.

Falsche Fakten
Nicht verwandt mit Maler Heinrich Zille

Seitdem Helen Zille 2006 in einem Interview von einer möglichen Verwandtschaft mit dem Maler Heinrich Zille ( 1929) gesprochen hat, wird oft behauptet, sie sei tatsächlich eine Großnichte dieses Malers. Dass beide nicht miteiander verwandt sind, erklärte Hein-Jörg Preetz-Zille dem Rundfunk Berlin Brandenburg (RBB) schon 2008. Der Urenkel des Malers gründete das Heinrich-Zille-Museum in Berlin-Mitte.

Schon Zilles Vorgänger Tony Leon suchte die DA angestrengt aus der tödlichen Ecke der weißen Nischenpartei herauszuführen: Es blieb jedoch seiner Nachfolgerin vorbehalten, wirkliche Erfolge in dieser Richtung zu erzielen.

Mit ungezügeltem Elan, einer Tanzkunst, die für Politikerkarrieren in Südafrika inzwischen unverzichtbar scheint, und einem frisch gelifteten Gesicht verschaffte sich Zille vor allem unter den Coloureds (Mischlingen) in der Westkap-Provinz enorme Popularität. Keiner der Auguren hatte vorhergesagt, dass die DA in der Provinz um Kapstadt auf fast 50 Prozent der Stimmen kommen würde.

Schon oft totgesagt

Allerdings hat Zille schon Erfahrung mit für sie wenig schmeichelhaften Prognosen. Das Stadion, das Kapstadt für die Fußball-WM 2010 in Südafrika baut, würde niemals fertig werden, hieß es. Doch es wird. Zilles Konter: Ein Jahr nach dem Baubeginn stellte sie sich auf den Punkt, wo beim Anstoß der Ball liegt und tönte: „Ich stehe hier inmitten der Arena, die nie gebaut wird.”

Das war im April 2008. Inzwischen ist es selbst unter schwarzen Südafrikanern kein Sakrileg mehr, für Zilles Allianz zu stimmen: Ein Grund mehr für die immer rüpelhafter auftretenden Comrades des ANC, auf die Bürgermeisterin von Kapstadt einzuhauen.

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Johannes Dieterich

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