Das aktuelle Wetter NRW 7°C
Kommentar

Das straffe Studium ist richtig

22.11.2009 | 17:23 Uhr

Wo Studierende Recht haben, wenn sie protestieren. Und wo nicht. Ein Uni-Check

Lassen wir die lustige Antikapitalismus-Kritik der Studenten einmal weg. Nehmen wir sie also ernst. Was ist von ihren Vorwürfen und Forderungen zu halten? Sie beklagen eine Ökonomisierung des Studiums. Damit haben sie recht. Aber diese Ökonomisierung war gewollt – und notwendig. Was soll man dagegen haben, Studiengänge stärker am späteren Arbeitsplatz auszurichten? Ist dieser Weg, vor allem angesichts der größten wirtschaftlichen Krise der Nachkriegszeit, nicht der richtige? Schließlich haben die Steuerzahler ein Anrecht darauf, dass ihr Geld vernünftig verwendet wird.

Studenten, den alten Humboldt unterm Arm (Wissen um seiner selbst willen), einfach mal losstudieren zu lassen, ist nicht im Sinne der arbeitenden Bevölkerung. Sie beklagen die Verschulung des Studiums. Es stimmt: früher gab es Nebenfächer, die kamen mit drei Prüfungen bis zum Examen aus. Aber früher haben auch viel mehr Studenten abgebrochen, was eine so demütigende wie teure Angelegenheit ist. Die Uni Bochum hat ermittelt, dass die Zahl jener, die ihr Studium in der Regelzeit beenden, von 26 auf 49 Prozent gestiegen ist.

Zwei Millionen Studierende, eine halbe Million in NRW – wir haben die Massen-Universität. Ohne dem Studium eine straffe Struktur zu geben, geht es da nicht. Allen Ernstes protestieren Studenten dagegen, dass nach jeder Vorlesung eine Prüfung folgt. Warum? Jedem ist doch klar, dass man sich um den Stoff mehr kümmert, wenn man am Ende darüber geprüft wird. Und weshalb keine Anwesenheitspflichten? Was würden Abwesenheitsmöglichkeiten in der Lehre verbessern? Sie beklagen den Wettbewerb der Universitäten. Der aber ist richtig und gut. Universitäten sollten um Studierende konkurrieren müssen. Davon profitiert die Qualität der Lehre.

Klar, es gibt Probleme. Professoren, die Diplom und Magister in den Bachelor gepresst haben. Immer noch zu volle Hörsäle. Immer noch zu wenig Geld. Immer noch zu wenig Wechsel ins Ausland. Das muss gelöst werden. Aber diese Reform hat schon sehr viel erreicht. Etwa die Verdoppelung der Studierenden. Und in Duisburg-Essen ist jeder sechste Studierende Ausländer. Dolles Ding.

Ulrich Reitz



Empfehlen
Kommentare
Kommentare
24.11.2009
18:09
Das straffe Studium ist richtig
von Anony Mous | #30

Ja, am Prinzip gibt es nichts auszusehen, die Ausführung ist aber mangelhaft.

Und Anwesenheitspflicht ist Unsinn. Büffeln aus dem Buch ist häufig produktiver als stupides Abpinnen der unlesbaren Ausführungen an der Tafel. Und manche Veranstaltungen laufen ja leider auch parallel.

Viele der Gegenargumente die ich hier lese, waren schon für das alte Studium nicht gültig.
Seit wann betreiben schon Studenten aktiv Wissenschaft? Erst einmal muss man die
Grundlagen lernen und das macht der Bachelor.

Qualität kostet Geld und wo sind die Studiengebühren geblieben? Da
sehe ich schwarz für die doppelten Jahrgänge bei
Fachabitur und Abitur.

24.11.2009
15:16
Das straffe Studium ist richtig
von Msteinmen | #29

Neben einer auf unterstem Stammtisch-Niveau angesiedelten Argumentationslinie offenbart Herr Reitz hier ein ganz erbärmliches Wissenschaftsverständnis: Stoff bimsen und Prüfungen ohne Ende. Das hat mit Wissenschaft allerdings herzlich wenig zu tun.

24.11.2009
11:54
Das straffe Studium ist richtig
von felix_hh | #28

Studieren ist an deutschen Hochschulen dank des tollen Bachelor-Systems eigentlich kaum noch möglich.
Z.B. sieht der Stundenplan eines Studis oft so aus, dass er in der Woche 8 Vorlesungen mit je 90 min hat, dazu kommt dann ein Nachbearbeitungsaufwand von rund 2h pro Vorlesung, da in diesen Vorlesung lediglich Zeit zum Mitschreiben bleibt, mitdenken und nachvollziehen ist in der Regel nicht wirklich möglich.

Zu diesen Vorlesungen gibt es dann noch gekoppelte Pflichtveranstaltungen, z..B. 3 mal 90 min pro Woche. Und für diese Übungen sind dann jeweils Aufgabenblätter vorzubereiten mit einem Aufwand von je 4h bis 5h Arbeitszeit. (Oft wird da auch dann Stoff vorrausgesetzt, der nicht in der Vorlesung angesprochen wurde und der dann selbst erarbeitet werden muss. (Z.b. ist es sehr beliebt den Erstsemestern in Ingenieurwissenschaften schwierige Differentialgleichungen hinzuknallen, damit der Tutor (meist ein Student aus höheren Semestern) auch schön zeigen kann, was er so drauf hat...)

Und als ob das nicht genug wär, da gibts noch das ein oder andere Pflichtpraktikum im Studium, denn Student soll ja auch mal ein bisschen was von der Theorie in der Anwendung sehen. Macht dann noch mal 90min Praktikum + mind. 2h Vorbereitungszeit zu Hause (das wird dann mit einem Test geprüft...)

Macht also pro Woche 12 mal 90 min, die man an der Uni verbringen muss + 16h Nachbearbeitung der Vorlesungen + 15h Arbeitsaufwand für Übungen + 2h Vorbereitung fürs Praktikum.

Also zusammen so rund 50h Arbeit pro Woche - und da sind dann weder Fahrzeiten noch Pausen eingerechnet.
(Im Diplom waren es noch ca. 35h bis 40h pro Woche, die man investieren musste, aber da wurde der Stoff der 6 Semester auch auf 10 Semester verteilt...)

Natürlich kann man das auch mit weniger Arbeitsaufwand machen, der Lehrplan sieht z.B. nur rund 35h vor - aber dann hat man seinen Bachelor höchstens mit einer 3.0 in der Tasche - und nur die allerbesten dürfen überhaupt den Master machen!
Denn anders als im Diplom-Studium fließt jede Benotung, jeder Test und jede Abgabe in die Endnote mit ein.

Und nicht nur, dass die Studenten irgendwann ausgepowert und am Rande eines Burn Outs sind (und oft zu Psychopharmaka greifen...) - ein eigentständiges Studieren ist überhaupt nicht mehr möglich, man hat im Prinzip die Nachteile einer Schule (sehr strikt vorgegebene Lerninhalte ohne große Wahlmöglichket, ständige Anwesenheitspflicht, ständige Leistungskontrolle, usw.) mit den Nachteilen einer Universität kombiniert (überfüllte Hörsäle, keine persönliche Kontakte zu seinem Prof, da sowas bei z.T. 300 Studenten pro Vorlesung nicht möglich ist... usw.)

kurzum: Die Verschulung des Diplomstudiums der letzten Jahre war noch ein Witz gegen das, was die Reformer nun aus dem höheren Bildungssystem gemacht haben: Sie haben es de facto abgeschafft.

Es gibt in diesem Land keine Universitäten mehr, an denen man studieren kann wie noch vor 30 Jahren. Es gibt lediglich Anstalten fürs Bullimielernen, an denen jemand ein Schild Universität angebracht hat...

24.11.2009
11:01
Das straffe Studium ist richtig
von M.Nüller | #27

Ich finde, Uli Reitz hat recht!

24.11.2009
02:05
Das straffe Studium ist richtig
von marilou | #26

Die, die die Party feiern! War schon auf dem Kindergeburtstag so: wer mitfeiert muss aufräumen! Und es nicht für die liegen lassen die nachher kommen.
Anstelle seine Kinder/Enkelkinder dafür in 60- Stunden Wochen zu hetzen wäre es vll besser zu überlegen wie man Probleme wie die heutigen vermeiden kann-und zwar durch mehr Werte in der Wirtschaft, die nicht gerade durch Ökonomie im Studium gefördert werden. Vll sollte man sich nicht derartig blasphemisch über junge Menschen lustig machen, die Bedingungen fordern die man selber bei sich für selbstverständlich hält.(bei mir 36 SWS, + ca. 20 Stunden Referate, Ausarbeitungen usw. naja und eigentlich sogar noch Vor/Nachbereitungen= mind. 50-60 Stunden die Woche-meist noch mehr) ach ja : und arbeiten, denn von 300 euro Bafög die ich, wie viele andere auch, bekomme kann man auch nicht besonders gut leben-so zu sagen gar nicht! so viel zu dem Recht der ARBEITENDEN BEVÖLKERUNG, denn auch die meisten Studenten müssen heute arbeiten!
Ohne Ökonomie ist alles nichts, mit zu viel Ökonomie(wie gerade im Bildungssystem) gibt es überhaupt kein alles mehr. Zumindest keinen der sich daran erfreuen kann.
Aber: ein Gutes hat die Sache: wer dieses Studium einmal geschafft hat , bekommt auch kein Burn-Out mehr- Perfekt für die Wirtschaft wenn die schwachen vorher aussortiert werden- das spart Ausfallkosten im Betrieb!
Nciht nur die Studenten protestieren übrigens sondern fast das gesamte Bildungswesen. An unserer Uni werden wir von der Unileitung sowie von seiten der Professoren und anderen Angestellten der Uni unterstützt- das sollte zu denken geben denn alle die die Verhältnisse kennen gesellen sich auf die Seite der Protestierenden!!
Zumindest sollten, finde ich, Beiträge zur Meinungsbildung besser recherchiert und sachlich geschrieben werden. Bei derartiger Berichterstattung wundert es mich nicht wenn man auf der Straße als faules Studentenpack beschimpft wird, dass doch nur zu faul zum arbeiten ist! Medien sind Macht und Macht sollte vll bedachter eingesetzt werden!

24.11.2009
00:31
Das straffe Studium ist richtig
von ulrich reitz | #25

als geisteswissenschaftler muss ich ihnen sagen: ökonomie ist wirklich nicht alles. Aber ohne ökonomie ist alles nichts. Wer soll denn die party zahlen, please?

24.11.2009
00:21
Das straffe Studium ist richtig
von cortomaltese62 | #24

Wow!
Eigentlich wollte ich gerade meinem Ärger über diesen unsäglich oberflächlichen Kommentar Luft machen, aber nach den ganzen Leserkommentaren hier (die mich im Gegensatz zu dem sonst meist hier verbreiteten Kommentaren positiv überrascht haben) bleibt nichts mehr zu schreiben.
Lediglich einen schlauen Satz unseres ehemaligen Bundespräsidenten und NRW-Ministerpräsidenten Rau:
Wer die Welt nur ökonomisch erklärt, wird eine junge Generation bekommen, die von allem den Preis und von nichts den Wert kennt.
Ihnen, Herr Reitz, hat man die Welt anscheinend auch nur ökonomisch erklärt.

24.11.2009
00:07
Das straffe Studium ist richtig
von ulrich reitz | #23

Weshalb ist der gesellschaftliche Rückhalt für die Proteste so gering? Das größte Problem der Proteste ist doch, das jene jetzt Verständnis vorgeben, die die Bologna-Reformen beschlossen und umgesetzt haben. Der Zug ist längst abgefahren, ein Zurück hinter Bologna gibt es nicht mehr. Nun kommt es auf die Probleme im einzelnen an. Und die sind nun einmal bei den Geisteswissenschaftlern völlig anders als in den Mint-Fächern. Sie sind bisweilen sogar an den Unis unterschiedlich. Und selbstredend kommt es auf den Prof. an. Aber das war früher, als ich studiert habe (Jg. 60) auch nicht anders.
Nach meiner Erfahrung haben ausländische Hochschulen die Reform bodenständiger umgesetzt. Beispiel Maastricht: Hier lernt man nach amerikanischer Konkret-Methode (PBL= problem based learning), in kleinen Gruppen, gelenkt von einem Tutor, übt sich in der öffentlichen Präsentation seiner Referate. Jedes Fach wird in Englisch gelehrt. Europäer zahlen faktisch keine Studiengebühr. Und es ist keine private, sondern eine staatliche Hochschule. weshalb kriegen wir so etwas in Deutschland an unseren Staats-Unis nicht hin?

23.11.2009
23:04
Das straffe Studium ist richtig
von Ri R. | #22

Schon witzig, dass er sich die Fragen in seinem Artikel stellt, die der Streik etc. alles zu beantworten versucht. Es geht genau darum den Leuten mit einer derart oberflächlichen Ahnung einmal zu zeigen, wo wirklich die Probleme liegen. Traurig, dass gerade ein Journalist sich nicht die einmal die Mühe macht, sich damit auseinander zu setzen. Es scheint ein trauriger Trend bei der WAZ-Mediengruppe zu sein. Man spart überall ein, leider auch an Journalismus.

23.11.2009
19:15
Das straffe Studium ist richtig
von Jessica Upadeck | #21

Anwesenheitspflichten mit maximal zwei erlaubten Fehltagen führen dazu, dass ich mich mit Neuer Grippe und 40 Grad Fieber zur Uni schleppen muss, wenn ich meine zwei Tage verbraucht habe, um bei unflexiblen Stundenplänen meiner Arbeit nachgehen zu können. Merkwürdigerweise akzeptiert mein Arbeitgeber (der mir Geld zahlt) einen Krankenschein, während die Uni (der ich Geld zahle) diesen als Entschuldigung nicht wertet und mich zwingt, ein Seminar (in dem ich eventuell auch schon eine Leistung erbracht habe) in einem Jahr zu wiederholen (was mich dann im ungünstigsten Falle zusätzliche Studiengebühren kostet). Ein einziges Seminar ist übrigens ohne Anwesenheitspflicht: dieses habe ich trotz 38,5h - Woche fast lückenlos besucht.

Aus dem Ressort
Hilfsbedarf steigt akut
WAZ-Info
In immer mehr Familien wird Hilfe benötigt, um den alltäglichen Anforderungen gerecht zu werden. Für die Allgemeinheit wird das teuer.
Mit King Kong in der Warteschlange
Kino im Bild
Zwei Wochen lang konnte man die „Kinohelden“ des gleichnamigen Jugendwettbewerbs der Kunst- und Musikschule in der Hauptstelle in Velbert-Mitte sehen. Die Ausstellung ging jetzt mit der Prämierung der Gewinner zu Ende.
Theater zwischen Einkaufswagen
Schauspiel im...
Zwischen Waschmitteln, Zahnbürsten und Kosmetikartikeln geht ein Theaterprojekt auf Stimmenfang. Die Wittener Schauspielerin Beate Albrecht präsentiert in einem Drogeriemarkt eine Szene aus ihrem Stück.
Viel Energie im Wissenschaftspark
Jobmesse
Wind, Wasser, Wärme - die drei „Ws“ der erneuerbaren Energien. Welche Chancen diese Branche, trotz Laufzeitverlängerung von Atomkraftwerken, birgt, zeigte am Freitag die bundesweite Jobmesse „Erneuerbare Energien“.
Neue Räume für den Kinderhospizdienst
Gesundheit
Die bunten Luftballons im Garten vor dem neuen Haus des Kinderhospizdienstes Ruhr e.V. waren schon von Weitem zu sehen.
Umfrage
Weil sie laut sind und Feinstaub aufwirbeln hat die Stadt Graz vor kurzem Laubbläser verboten. Würden Sie sich ein solches Verbot auch im Revier wünschen?

Weil sie laut sind und Feinstaub aufwirbeln hat die Stadt Graz vor kurzem Laubbläser verboten. Würden Sie sich ein solches Verbot auch im Revier wünschen?

 
Fotos und Videos
18. Tengelmann-Lauf
Bildgalerie
Fotostrecke
11. Retro-Börse im Zentrum Altenberg
Bildgalerie
Fotostrecke