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Das schwere Gewicht auf der Seele

23.01.2009 | 16:30 Uhr

Ein leiser Tatort aus Köln: Anna Maria Mühe spielt eine Krankenschwester an der Grenze ihrer spychischen Belastbarkeit. Die Kommissare Ballauf und Schenk treten hinter dieser sensiblen Darstellung zurück.

Schwester Marias Gespür für Schmerz: Die sensible Frau (Anna Maria Mühe) glaubt, durch ihre Hände zu heilen. Foto: WDR

Mord im Krankenhaus. Das Opfer? Ausgerechnet der Chefarzt der Geburtsstation. „Ich mag das ja nicht, wenn das Schicksal ironisch wird”, sagt Kommissar Max Ballauf. Mordwaffe? Eine Kanne Tee, versetzt mit einer Ampulle aus der Giftvitrine. Das Motiv?

Tja, an dieser Stelle wird es schwierig, denn das Opfer war auf der ganzen Station, sogar im ganzen Krankenhaus beliebt, galt darüber hinaus als Vollprofi. Lange Verhöre, keine Ergebnisse. Und was war mit den drei Todesfällen vor ein paar Monaten? Drei Mütter, die allesamt kurz nach der Geburt ihrer Babys gestorben sind. Aber die Witwer hegten keinerlei Groll gegen den Chefarzt, der sich teils sogar aufopferungsvoll um sie gekümmert hat. Wer also kann's getan haben?

Stiller und sensibler als die anderen Kölnkrimis

An dieser Stelle wird der Tatort „Rabenherz” (ARD, Sonntag, 20.15 Uhr) ein wenig anders als die anderen. Er wird stiller, tiefer, sensibler, als man es von den Kölnkrimis ansonsten gewohnt ist. Während Kommissar Ballauf (Klaus J. Behrendt) sich mit Magenschmerzen im Revier plagt, geht Kollege Freddy Schenk (Dietmar Bär) dorthin, wo er mehr zu finden versucht: in den grauen Klinikalltag.

Als Praktikant putzt und ermittelt er zugleich, lernt den Mikrokosmos Krankenhaus kennen, wo der Kreißsaal nicht weit von der Krebsstation liegt. Er begegnet den Oberschwestern, die streng sind aber doch nachsichtig, dem Pflegepersonal, das am Rande der Belastbarkeit arbeitet, dem verkniffenen Psychologen, und schließlich der so niedergeschlagen wirkenden Krankenschwester Maria (Anna Maria Mühe), der das Schicksal ihrer todgeweihten Patienten sehr viel näher geht, als es für sie gesund ist.

Schenk redet mit ihr, sie redet mit Schenk, ganz behutsam. Redet über den Tod. Und redet darüber, dass sie glaubt, Patienten ganz einfach heilen zu können, indem sie ihnen die Hand auflegt.

Einblicke in Marias gequälte Seele

Wir blicken in Marias Träume, in denen sie über dem Waldboden schwebt, sehen, wie sie mit blutendem Handgelenk auf dem Boden liegt. Und wie die Patienten sie in einer Horrorvision verfolgen. Was wir sehen, ist eine gequälte Seele, wie sie in einem Tatort bisher nicht dargestellt wurde. Und wir sehen die überwältigende schauspielerische Leistung einer Anna Maria Mühe, der es ebenso leicht gelingt, mit Hilfe des Regisseurs Torsten C. Fischer aus träumerischen Sphären wieder auf den harten Boden der Tatsachen zu prallen. Selbst Kommissar Schenk tritt respektvoll dahinter zurück.

Doch was nützt die Schauspielkunst, wenn der Krimi nicht spannend ist? Seien Sie beunruhigt: Es geht unter die Haut. Und wenn man auf halber Strecke meint, auf der richtigen Fährte zu sein, so erkennt man doch, dass überirdisches Leiden oft im allzu Irdischen Wurzeln schlägt.

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Georg Howahl


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