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Das Oktaeder war für viele das kleinere Übel

01.05.2008 | 08:00 Uhr
Das Oktaeder war für viele das kleinere Übel

Lehrer üben harsche Kritik an Schulministerin Barbara Sommer: „Unverschämt, uns als Sündenböcke darzustellen”.Umstrittene Mathematik-Aufgabe im Zentralabitur war ein Exoten-Thema. Doch die Alternativen waren noch abstrakter.

Essen. Sind tatsächlich die Lehrer Schuld daran, dass sich ungezählte Abiturienten an einem Oktaeder die Zähne ausgebissen haben? Die Aufgabe aus der Linearen Geometrie, in der Grund- und Leistungskurse je fünf Teilaufgaben zur Berechnung einer Doppelpyramide lösen mussten, steht in der Kritik. Selbst gute Mathe-Schüler hatten erhebliche Probleme, sie in der vorgegebenen Zeit zu lösen.

Schulministerin Barbara Sommer (CDU) hatte im WAZ-Interview erklärt, kein Lehrer hätte die umstrittene Aufgabe für die Abi-Klausur wählen müssen, wenn er wusste, dass die Schüler seines Kurses den Stoff nicht beherrschen – es habe bei acht zentral entwickelten Aufgaben genügend Alternativen gegeben.  Das Echo aus den Schulen ist heftig; in Briefen und Online-Foren empören sich Schüler und Lehrer darüber, dass die Ministerin jegliche Verantwortung von sich weist. Selbst der eher dezente Philologenverband fährt schwere Geschütze auf: „Es ist unverschämt, jetzt die Lehrerinnen und Lehrer als Sündenböcke darzustellen. Bei zentral gestellten Aufgaben trägt eindeutig das Ministerium die Verantwortung”, wettert der Vorsitzende Peter Silbernagel.

Auch er fürchtet, dass die Zahl der Abweichungsprüfungen in diesem Jahr stark steigen wird. Viele Lehrer fühlen sich von ihrer obersten Chefin als „uninformiert und dumm” an die Wand gestellt. „Wie kann ich eine Aufgabe in einen Pool fürs Zentralabitur einstellen, von der ich später sage: Die muss doch keiner nehmen”, ätzt einer, der die Aufgabe „ganz in Ordnung” findet. Nur die viel zu knappe Zeit zur Lösung sei eine Zumutung gewesen. Dorothea Schäfer hat 28 Jahre lang Mathematik an Gymnasien und Gesamtschulen unterrichtet. „Ein Oktaeder ist mir in dieser Zeit im Unterricht nicht begegnet”, sagt die Vize-Vorsitzende der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW).

„Diese Aufgabe hat einer erdacht, der großen Spaß daran hat.” Dass der Spezialfall – in den Musteraufgaben des Ministeriums zur Abi-Vorbereitung taucht er nicht auf – von vielen Lehrern trotzdem gewählt wurde, habe daran gelegen, dass die zwei Alternativen in diesem Prüfungsbereich (Matrizen) „noch viel abstrakter und schwieriger waren”.

Das bestätigt Manfred Schubert von der Essener Gustav-Heinemann-Gesamtschule: Weil die Unterrichtszeiten insgesamt zu knapp waren, um jeden Kurs auf alle Prüfungsbereiche intensiv vorzubereiten, hätten viele Kollegen die Oktaeder-Aufgabe als „das kleinere Übel” gewählt. Das Schulministerium weist alle Vorwürfe entschieden zurück. Dass die Mathe-Noten diesmal dramatisch schlechter ausfallen könnten, sei „reine Spekulation”, so der Sprecher Andrej Priboschek zur WAZ. „Wir nehmen Kritik und jeden Hinweis sehr ernst und überprüfen alles.”

Dass Materialien zu umfangreich gewesen seien oder einige der 750 Aufgaben weit schwerer als im Abitur 2007, sei falsch. „Es gab auch keine politische Vorgabe, diesmal das Qualitätsniveau höher zu setzen”, sagt er und warnt vor „Panikmache”. Abzuwarten sei, wie die schriftlichen Noten tatsächlich ausgefallen sind. Ob etwa die Bewertungsvorgaben zu ändern sind, könne dann erst Thema sein.

> Diskusion zum Thema: Wer trägt Schuld an den schweren Klausuren?

Sigrid Krause

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Kommentare
09.07.2008
18:44
Das Oktaeder war für viele das kleinere Übel
von Ernst Heinig | #4

Seit mehr als 15 Jahren bin ich als Nachhilfelehrer (vorw. Mathe SEKII, GK und LK) tätig. Aus dieser Erfahrung heraus kann ich mit gutem Gewissen behaupten, dass die Oktaeder- Aufgabe durch mindestens 50% der sächsischen LK-Schüler zeitgerecht und vollständig gelöst worden wäre. Natürlich unter Zuhilfenahme des entsprechend programmierten GTR (TI-83 oder Casio CFX 9850). Ob sie dem zumutbaren Schwierigkeitsgrad in NRW entspricht, kann ich nicht beurteilen.
Jedenfalls gibtes hier seit Jahrzehnten das in NRW und anderswo als Turboabi diffamierte Abitur nach 12 Schuljahren als Zentralabitur - ein bisschen Erfahrungsaustausch im Vorfeld hätte möglicherweise Wunder gewirkt. Aber das kann man ja noch nachholen. Sämtliche Matheaufgaben unseres Zentralabiturs sind im Internet abrufbar.
Mit freundlichen Grüßen
E.Heinig, Strehla an der Elbe (Freistaat Sachsen)
PS: Ich bin erst jetzt über die Diskussion in NRW gestolpert.

02.05.2008
17:35
Das Oktaeder war für viele das kleinere Übel
von Hunko | #3

Aber es kann auch nicht seien, dass man nur dann sein Abi kriegt, wenn man den richtigen Lehrer hat bzw. im richtigen Jahrgang das Abi macht.

02.05.2008
02:19
Das Oktaeder war für viele das kleinere Übel
von larslange | #2

Warten wir doch erst mal der Dinge ab, die da kommen.

Mathematik ist ein anspruchsvolles Fach. Keine Frage. Leider sind viele Mathelehrer einfach faul und inkompetent. Das kann ich aus eigener Erfahrung berichten. Daher sollten sie ein Stück weit Kritik annehmen.

Allerdings gebe ich auch zu Bedenken, dass die Aufgabenstellung nicht von Ministerialbeamten, sondern Lehrern entworfen werden sollte. Ich habe mein Abitur im Saarland gemacht, wo auch ein Zentralabitur abgehalten wird. Nur dort reichten Lehrer Vorschläge beim Ministerium ein und daraus werden dann Aufgaben für die Abiturprüfung ausgewählt. Das hat den Vorteil, dass Aufgaben nicht von Schulfremden erstellt und dennoch anspruchsvoll genug sind, um als Abiturprüfung durchzugehen. Es kann ja nicht sein, dass einem heute das Abitur quasi nachgeworfen wird.

Gruß

Lars Lange

01.05.2008
18:29
Das Oktaeder war für viele das kleinere Übel
von www.matheboykott.de.vu | #1

Dies ist die offizielle Unterschriftenaktion für eine Anhebung der Noten im Fach Mathematik!!!!
Also beteiligt euch alle damit es was bringt und schickt diesen Link an alle in eurer Liste weiter:

http://www.matheboykott.de.vu

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