Bundeswehr-Soldat starb im Taliban-Hinterhalt
30.04.2009 | 18:14 Uhr 2009-04-30T18:14:00+0200Berlin. Dem ersten Hinterhalt entkamen die Soldaten unversehrt. Fünf Kilometer weiter geriet die Patrouille der Bundeswehr in der Nähe des Feldlagers Kunduz am Mittwochabend in einen zweiten Hinterhalt. Eine Panzerabwehrwaffe traf eines der Fahrzeuge.
„Unser Kamerad ist dabei gefallen”, sagte Generalinspekteur Wolfgang Schneiderhan, der gemeinsam mit Verteidigungsminister Franz Josef Jung am Donnerstag die Öffentlichkeit über die Anschläge in Afghanistan informierte. Vier weitere Soldaten wurden bei diesem Angriff verletzt. Wenige Stunden zuvor hatte ein Selbstmordattentäter fünf deutsche Soldaten verwundet.
Ein Toter und neun Verletzte an einem Tag. Der Einsatz wird immer gefährlicher, die Strategie der Taliban immer bedrohlicher, wie der doppelte Hinterhalt zeigt. „Zum ersten Mal steckt ein militärischer Plan dahinter”, so Schneiderhan. Er wolle nicht von einer neuen Qualität sprechen, aber dieser Angriff sei anders gewesen und müsse genau untersucht werden. Bisher habe die Strategie der Taliban gelautet: schießen und wegrennen.
Ein schlimmer Verdacht
Einen Zusammenhang zwischen den Anschlägen und dem Besuch von Außenminister Frank-Walter Steinmeier in Afghanistan wollte der Generalinspekteur nicht herstellen. Aber ein Verdacht drängt sich auf, den die Taliban gezielt nähren. Ein Sprecher der Taliban teilte mit, der Anschlag sei ein Zeichen für den deutschen Außenminister gewesen sei. Man habe von dem Besuch gewusst. Steinmeier war aus Sicherheitsgründen ohne Ankündigung nach Afghanistan geflogen, ebenso wie Kanzlerin Angela Merkel vor drei Wochen. Kurz nachdem Merkel das Lager in Kunduz verlassen hatte, wurde es mit Raketen beschossen.
Niemand kam zu Schaden, aber auch diesen Angriff erklärten die Taliban hinterher zur Botschaft an den Besuch aus Deutschland. Verteidigungsminister Jung hält die Reisen von Politikern nach Afghanistan für wichtig, weil sie den Soldaten den Rücken stärkten. Sollte sich aber verdichten, dass die Taliban die Angriffe während des Aufenthalts von Politikern ausweiten, dürfte eine Debatte darüber aufbranden, ob die Besuche das Sicherheitsrisiko für die Soldaten erhöhen. Jung geht davon aus, dass die Taliban die deutsche Bevölkerung verunsichern wollen. Eine öffentliche Diskussion über Politikerreisen nach Afghanistan verbuchten die Taliban vermutlich als Erfolg. Um keine Spekulationen über einen Abzug aufkommen zu lassen, betonte Jung, dass die Bundeswehr ihren Auftrag weiterführen werde. „Dies sind wir auch unseren gefallenen und verwundeten Soldaten schuldig.”
Den Abzug forderte nur Linke-Chef Oskar Lafontaine. Die anderen Parteien äußerten Anteilnahme mit Opfern und Angehörigen. (mit ddp)

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