Bsirske: Lohnverzicht ist der falsche Weg
26.10.2009 | 18:03 Uhr 2009-10-26T18:03:00+0100Essen. Auch für die drei größten deutschen Gewerkschaften - Verdi, IG Metall und IGBCE - ist die Lage nicht einfach: Können sie Lohnerhöhungen in der Krise durchsetzen? Verdi-Chef Bsirske meint: Lohnverzicht ist der falsche Weg. IG Metall-Boss Huber argumentiert anders.
Die Dienstleistungsgewerkschaft Verdi will trotz der Wirtschaftskrise Lohnerhöhungen durchsetzen. „Lohnverzicht ist in einer Zeit, in der wir uns am Rande einer Deflation bewegen, der falsche Weg”, sagte Verdi-Chef Frank Bsirske der WAZ-Gruppe. „Zudem gibt es auch Branchen wie den Energiebereich, die gute Gewinne machen. Für uns bleibt der Ausgleich von Preissteigerung und Produktionszuwachs der Maßstab.”
Bsirske widersprach damit indirekt IG Metall-Chef Berthold Huber. Mit der klassischen Formel für Tarifverhandlungen, die sich aus Inflation und Produktivität zusammensetze, werde man diesmal nicht weiterkommen, hatte Huber gesagt. Die IG Metall plane keine Lohnforderungen im üblichen Sinn, sondern werde die Priorität auf den Erhalt von Arbeitsplätzen legen, so der IG Metall-Chef. Damit setzen die beiden größten deutschen Gewerkschaften deutlich andere Akzente. Die nächste Tarifrunde in der Metallbranche steht zu Beginn des kommenden Jahres an.
"Passgenaue Job-Pakete"
Der nordrhein-westfälische IG Metall Oliver Burkhard sagte, es gehe „sehr stark um passgenaue Job-Pakete”. „Natürlich werden wir dabei auch über Geld sprechen, schließlich zahlen die Beschäftigten heute schon für die Krise”, fügte er hinzu.
Auch die Industriegewerkschaft Bergbau, Chemie, Energie (IGBCE) will den Erhalt von Jobs in den Vordergrund rücken. Die Lage in den Branchen sei sehr unterschiedlich, erklärte Peter Hausmann, Mitglied des geschäftsführenden IGBCE-Hauptvorstands. „Es gibt Betriebe, denen es schon wieder gut geht, andere stecken noch in großen Schwierigkeiten”, sagte Hausmann. Die Forderungen für die Chemie-Tarifrunde 2010 will die IGBCE – Deutschlands drittgrößte Gewerkschaft – am 23. November beschließen.
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