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Briten wollen Taliban nach IRA-Vorbild spalten

28.07.2009 | 15:51 Uhr

Neue Strategie: London will mit moderaten Aufständischen verhandeln

London. Für die Briten geht mit 22 toten Soldaten der blutigste Monat seit acht Jahren in Afghanistan vorbei. Offiziell gilt die „Offensive Pantherkralle” als Erfolg, doch in der Heimat scheint dieser Krieg längst verloren. Die Mehrheit der Briten fordert den Rückzug der Truppen, während die Regierung auf ihre Nordirland-Erfahrung setzt: Mit den Taliban will man wie einst mit der IRA verhandeln.

Britische Soldaten kämpfen seit 2001 am Hindukusch, doch ihr Einsatz ist selten so kontrovers diskutiert worden wie jetzt. Sechs Wochen lang haben sie versucht, die südafghanische Provinz Helmand unter ihre Kontrolle zu bringen. „Was wir hier erreicht haben, ist bedeutend und ich bin mir absolut sicher, dass die Operation ein Erfolg war”, betonte Brigadegeneral Tim Radford. Doch die Offensive hatte ihren Preis - die letzten vier der 22 getöteten Soldaten sind gestern zurück ins Königreich geflogen worden, wo jeder neue Konvoi von Särgen das militärische Mantra des „Mission erfüllt” in Frage stellt.

Afghanistan entwickelt sich für viele, die die Leichenzüge in Kleinstädten beobachten, zum britischen Vietnam – 191 Männer sind seit 2001 am Hindukusch umgekommen, mehr Soldaten als im Irak. Der Afghanistankrieg kann nicht mehr gewonnen werden, glaubt mittlerweile die Mehrheit. Nach jüngsten Umfragen plädieren 52 Prozent für einen schnellstmöglichen Abzug, während nur noch 43 Prozent den Einsatz von Truppen unterstützen.

Nicht nur die Grundsatzfrage polarisiert in Großbritannien, auch ein Wechsel in der Taktik wird zum Zankapfel. Die Offensive „Pantherkralle” sollte nach Militärkreisen vor allem die zweite Führungsriege der radikalislamischen Taliban an den Verhandlungstisch mit der Regierung bringen. Auf ihnen ruht die neue Hoffnung des britischen Außenministers David Miliband, der moderaten Aufständischen explizit die Möglichkeit geben will, „einen anderen Weg zu wählen”. Es gebe unter den Taliban einen „kompromisslosen Kern”, aber auch Menschen, „die zu den Waffen griffen, weil sie dazu gezwungen oder dafür bezahlt wurden”, sagte Miliband am Montag im Brüsseler Nato-Hauptquartier. Diese sollen zum Überlaufen bewegt werden, indem man ihnen eine Existenzgrundlage als Bauer oder Sicherheitskraft verschafft.

Ganz im Stil des Nordirland-Friedensprozesses wollen die Briten bei allem militärischen Druck auch die Tür zu einer politischen Lösung offen halten. Mit der IRA haben sie seit geraumer Zeit erfolgreich einen alten Gegner über Stadt- und Landesparlamente in den demokratischen Prozess eingebunden. Für ihr Engagement in Afghanistan bedeutet die demonstrative Dialogbereitschaft der britischen Regierung jedoch ein überraschendes Umdenken.

Jasmin Fischer

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