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Kommentar

Bedrohung im Alltag

01.05.2009 | 18:23 Uhr

Der Überfall auf die Mai-Kundgebung in Dortmund ist ein weiterer Beleg: Rechtsextremismus ist längst keine Randerscheinung mehr.

Rechtsextremisten verprügeln in Halberstadt mehrere Schauspieler, überfallen Gewerkschafter auf einer Thüringer Autobahnraststätte, attackieren in Schwerin französische Gäste mit Steinen, greifen in Haltern mehrere Jugendliche an und überfallen jetzt den Mai-Umzug in Dortmund. Wer wollte noch daran zweifeln: Rechtsextremismus ist keine Randerscheinung mehr.

Mag sein, dass der Extremismus von rechts keine substanzielle Gefahr für unseren Rechtsstaat bedeutet. Aber die Zivilgesellschaft nimmt ihn längst als Bedrohung wahr – weil er das Alltagsleben prägt. Die Zahl der rechtsextremistischen Gewalttaten hat 2008 einen neuen Höchststand erreicht. Jeder siebte Jugendliche outet sich als „sehr ausländerfeindlich”, mittlerweile tummeln sich mehr 15-Jährige in Kameradschaften als in demokratischen Parteien.

Daran wird sich nichts ändern, solange die Neonazis die bisweilen besten Freizeitangebote haben. Staat und Gesellschaft haben sich vielerorts von einer aktiven Jugendarbeit verabschiedet. In der Empörung über Rechtsextremismus schwingt reichlich Heuchelei mit.

Norbert Robers

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