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Auf Nummer sicher

28.04.2009 | 20:05 Uhr
Auf Nummer sicher

Recklinghausen/Meschede. Drei Verdachtsfälle in NRW haben sich bislang nicht bestätigt. Das Krisenmanagement jedoch läuft auf Hochtouren.

Urlaub in Mexiko und laufende Nasen im Anschluss – eine verdächtige Kombination in diesen Tagen. Hamburg, Süddeutschland, Donauwörth und die Schweiz, von überall her werden derzeit Verdachtsfälle auf Schweinegrippe gemeldet. Drei Patienten sind allein am Dienstag in Nordrhein-Westfalen in Quarantäne gesteckt worden – zwei aus Recklinghausen, einer aus dem sauerländischen Meschede. In allen Fällen sind bisher die Schnelltests negativ ausgefallen, Entwarnung gaben die Behörden dennoch nicht.

Man will auf Nummer sicher gehen. Keine Panik, lautet unisono die Botschaft – und jeder falsche Alarm hat auch sein gutes: Die bislang theoretischen Notfallpläne werden einem ersten Test unterzogen.

So hatte das Kreisgesundheitsamt Recklinghausen am Montag erst seinen Pandemie-Plan für die Region vorgestellt – und keine 24 Stunden später wurde ein Paar mit Grippesymptomen bei seinem Arzt vorstellig. Es war kurz zuvor aus dem mexikanischen Ferienort Cancu´n zurückgekehrt. Per Rettungsdienst wurden die Patienten ins Krankenhaus nach Dorsten auf die Isolierstation gebracht. Der Influenza-Schnelltest fiel zwar negativ aus, aber zur Sicherheit wurde noch am Dienstag Abstrichmaterial per Express-Kurier zum Robert-Koch-Institut nach Berlin gebracht. Spätestens Donnerstag soll das Ergebnis kommen. Bis dahin bleiben die Mexiko-Heimkehrer vorsorglich isoliert.

Reise lag schon Wochen zurück

Ähnlich verlief der Fall in Meschede. „Es ist eher ein halber Verdachtsfall”, erklärt Kreis-Sprecher Martin Reuther. Der Mexiko-Heimkehrer meldete sich schon am Wochenende beim Arzt mit den Symptomen, die vom Robert-Koch-Institut für den Verdachtsfall definiert wurden. Allerdings: Seine Reise lag schon Wochen zurück und „es bestand keine Notwendigkeit zur Behandlung”, sagt Reuther. Mit dem Ergebnis der obligatorischen Laboruntersuchungen wird heute gerechnet. Außerdem wurden (wie in Recklinghausen) die Kontaktpersonen des Mannes ermittelt. Sehr lange wird die Quarantäne in beiden Fällen wohl nicht dauern. Das Geschwisterpaar, das sich am Montag in Bielefeld gemeldet hatte, konnte bereits am Dienstag nach einem DNA-Test die Klinik verlassen.

„Verdachtsfälle wie diesen hier im Sauerland wird es in den nächsten Tagen noch zahlreiche geben”, vermutet Kreis-Sprecher Martin Reuther. Jeder, der die Symptome einer Grippe aufweist und aus Gebieten wie Mexiko kommt, ist verdächtigt und wird gemeldet. Die Krisenmaschinerie läuft also auf Hochtouren, spätestens seit die Weltgesundheitsorganisation gestern die Warnstufe 4 (von sechs möglichen) ausrief.

Impfstoff wird entwickelt

Der Hochsauerlandkreis etwa hatte schon vor vier Jahren als einer der ersten Landkreise einen Pandemieplan verabschiedet. Nun wird zum Beispiel eine Rufbereitschaft rund um die Uhr beim Gesundheitsamt eingerichtet. Ärzte und Krankenhäuser werden auf Schutzmaßnahmen für Beschäftigte und Patienten hingewiesen. Die Krankenhäuser haben ihren Vorrat an Schutzausrüstung aufgestockt.

Laut NRW-Gesundheitsministeriums ist auch das Land auf eine Pandemie vorbereitet. Für rund ein Drittel der knapp 18 Millionen Einwohner stünden Medikamente gegen Schweinegrippe zur Verfügung. An der Entwicklung eines Impfstoffes arbeiten derzeit vier Labors der Weltgesundheitsorganisation in Großbritannien, Kanada und den USA. Dazu müssen die Virenproben in einem langwierigen Verfahren in präparierten Hühnereiern vermehrt werden. Nach Einschätzung von Experten dürfte es einige Monate dauern, bis ein handelsüblicher Impfstoff zur Verfügung steht.

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Inge Ansahl u. Heinz Kirscher

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