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Integration

Auch nach Islamkonferenz sind sich Muslime nicht grün

26.06.2009 | 09:24 Uhr
Auch nach Islamkonferenz sind sich Muslime nicht grün

Berlin. Es war das vierte religiöse Gipfeltreffen seiner Art: Doch auch nach drei Jahren an Gesprächen lautet das wichtigste Ergebnis der neuerlichen Runde: Es soll weitergehen. Und weiterhin sind die Gräben zwischen Moslem-Verbänden und nicht-organisierten Gläubigen in Deutschland tief.

Die Islamkonferenz, vor drei Jahren von Bundesinnenminister  Wolfgang Schäuble ins Leben gerufen, um die Integration der Muslime  in Deutschland zu verbessern, wird fortgesetzt und künftig stärker  mit der Länderebene und den Städten und Gemeinden vernetzt. "In den  vergangenen drei Jahren haben wir das Verhältnis von Staat und  Muslimen in Deutschland grundlegend verändert und einen Prozess der  Integration auf den Weg gebracht", sagte der CDU-Politiker gestern  zum Abschluss der letzten Sitzung des Gremiums vor der  Bundestagswahl. Es bestehe große Einigkeit darüber, so Schäuble, von  diesem Kurs nicht abzuweichen. Während Kritiker wie der hessische Innenminister Volker Bouffier  (CDU), selbst Konferenzteilnehmer, "greifbare Ergebnisse" vermissen,  glaubt die Bundesregierung mit dem Instrument in vielen praktischen  Fragen dem Ziel der "Akzeptanz von Vielfalt" deutlich nähergekommen  zu sein.

Muslime aus 49 Staaten

Im Mittelpunkt der vierten Sitzung seit Start der Konferenz im  Herbst 2006 standen die Ergebnisse einer Studie, bei der Muslime in  Deutschland zum ersten Mal repräsentativ zu Herkunftsländern und  Lebensgewohnheiten befragt wurden. Danach leben rund vier Millionen  Muslime aus 49 verschiedenen Staaten in Deutschland - mehr, als  bisher vermutetet wurde. Die allermeisten (über 60 %) haben  türkische Wurzeln. Fast alle Muslime leben in den alten  Bundesländern, jeder dritte in NRW. Knapp die Hälfte der Muslime  besitzt einen deutschen Pass. Die Studie gibt auch Aufschluss über Details, die immer wieder den  Integrationsalltag beschäftigen. Danach bleiben wohl aus religiösen  Gründen sieben Prozent der muslimischen Schülerinnen dem gemeinsamen  Schwimmunterricht in der Schule fern, zehn Prozent fahren nie bei  einer Klassenfahrt mit. Hierzu wurden Handreichungen für Schulen  beschlossen, mit denen Konflikte durch intensive Gespräche beigelegt  werden sollen. Tenor: besser nach Geschlechtern getrennter  Unterricht als gar kein Unterricht.

Massives Kräftemessen

Absehbar war auch gestern die Fortsetzung eines massiven  inner-muslimischen Kräftemessens. Während sich die großen Verbände  am Verhandlungstisch (Ditib, Zentralrat, Islamrat) als  Garanten  einer gelingenden Integration sehen, werfen ihnen die  nicht-organisierten, meist liberalen und säkular orientierten  Muslime (die Rechtsanwältin Seyran Ates oder die Soziologin Necla  Kelek) in der Konferenz genau das Gegenteil vor. Konsequenz: Der Islamrat, dominiert von der unter Beobachtung des  Verfassungsschutzes stehenden  Organisation Milli Görüs, verweigerte  die Unterschrift unter einen Teil der Schlusserklärung. Hintergrund:  Etliche Teilnehmer der Konferenz riefen die Verbände vehement dazu auf, ihre Einnahmen öffentlich zu machen; auch die aus dem Ausland stammenden. Gegen Funktionäre von Milli Görüs wird derzeit in diesem Zusammenhang wegen Verdachts auf Bildung einer kriminellen Vereinigung ermittelt.

Innenpolitiker von FDP und Grünen, die das Ergebnis der Konferenz  als "unterm Strich zu dürftig" bezeichneten, sagten,  dass eine  Fortsetzung der Arbeit in den kommenden vier Jahren gleichwohl nötig  sei. In dieser Zeit müsse man sich aber auf "konkrete  Reformprojekte" verständigen. Von zentraler Bedeutung sei hier die  Einrichtung eines  islamischen Religionsunterrichts mit staatlichen  Lehrkräften, die an deutschen Universitäten ausgebildet werden  müssten.

Dirk Hautkapp

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