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Autobranche

Artega trotzt der Autokrise

16.01.2009 | 18:34 Uhr
Artega trotzt der Autokrise

Delbrück. Der junge Sportwagenbauer Artega aus Ostwestfalen-Lippe startet mitten in der Branchen-Depression seine Serienfertigung. Die Liste der Vorbestellungen ist lang: Zahnärzte und Liebhaber wollen den vier Meter langen Flitzer kaufen.

Klaus-Dieter Frers, 55, ist an diesem Vormittag einigermaßen erzürnt. Seine Telefonanlage funktioniert nicht und sein Handy zeigt den Batterie-Notstand an. Für einen Perfektionisten wie ihn ein schlimmer Zustand. Frers ist Vorstandsvorsitzender des Automobilzulieferers Paragon aus Delbrück in Ostwestfalen-Lippe. Das Unternehmen läuft rund, auch in der Krise der Branche. Denn es ist breit aufgestellt, liefert die Hälfte seiner Produkte an die Marken des Volkswagen- und Audi-Konzerns. Aber auch andere große Marktteilnehmer wie Daimler gehören zum Kundenstamm. Diese breite Aufstellung macht ihn weniger anfällig in Krisenzeiten.

Dass die Branche weltweit in einer heftigen Krise steckt, bestärkt noch durch die Misere in der Finanzbranche, ist seit Monaten Fakt. So ist der Pkw-Markt in Europa im vergangenen Jahr deutlich eingebrochen. Nach Angaben des Verbandes der Europäischen Autohersteller, sank die Zahl der neu zugelassenen Fahrzeuge um 7,8 Prozent auf 14,7 Millionen. Das war der tiefste Stand seit 1993.

Artega GT auf Genfer Autosalon

Ausgerechnet in dieser schwierigen Phase geht Frers in die Offensive. Mit Beginn des Genfer Autosalons im März steigt er in die Serienproduktion mit seinem Sportwagen Artega GT ein. Für verrückt erklärt den passionierten Rennsportfahrer, der mit seinem Porsche 997 GT3 RSR, Baujahr 1964, zahlreiche Titel gewonnen hat, in der Branche deswegen niemand. Denn Frers hat eine Marktlücke entdeckt. 2005 beschloss er, ein eigenes Auto zu entwickeln, als eine Art Visitenkarte für seine Zuliefer-Teile: für Luftgütesensoren, diverse Elemente im Armaturenbrett und für Media-Systeme. Vor zwei Jahren stellte er in Genf den Prototypen erstmals vor. Genau jener silberne Flitzer hängt inzwischen wie ein überdimensonales Kunstwerk bei Frers im Büro an der Wand. In der Produktionshalle nebenan wird jetzt produziert.

Um Delbrück herum scheint derweil die Autowelt in sich zusammenzubrechen. Der japanische Autobauer Toyota schließt zeitweise Werke in den USA und in Kanada. Volkswagen macht zwischenzeitlich ein Werk in Mexiko dicht. China beschließt, die Umsatzsteuer für Autos zu halbieren. Außerdem erhalten Bürger dort Fördermittel, wenn sie sich von ihrem alten Auto trennen und dafür ein neues, kraftstoffsparendes Fahrzeug kaufen. Die Maßnahme ähnelt der Abwrackprämie in Deutschland.

Während hierzulande übers Verschrotten diskutiert wird, denkt Frers über den Aufbau neuer Modelle nach. Zunächst aber soll der Artega GT auch als Rechtslenker auf den Markt kommen. Dann wird an einem Cabrio-Modell gearbeitet. Später einmal könnte sich der studierte Maschinenbauer mit Hauptfach Kraftfahrzeuge eine Palette bestehend aus drei verschiedenen Fahrzeugen vorstellen. „Das ist aber noch eine Vision.”

Real dagegen ist die hohe Nachfrage nach dem Artega GT. 500 Autos pro Jahr sollen schon bald von den 50 Mitarbeitern produziert werden. Die Liste der Vorbestellungen ist lang. Eine mittlere vierstellige Zahl soll es sein. Darunter sind Autoliebhaber, die sich die 75 000 Euro für das vier Meter lange Fahrzeug mit 300 PS mühsam ersparen. Es ist aber auch der Zahnarzt, der nach dem dritten Porsche mal was anderes fahren will.

Derweil hat die Krise in der Autoindustrie nach Einschätzung von EU-Industriekommissar Günter Verheugen dramatische Ausmaße angenommen. „Es gibt keine Garantie, dass alle wichtigen europäischen Produzenten diese Krise überleben können”, sagte er gestern erst.

Von Vergleichen zwischen seiner Erfolgsgeschichte und manchem ums Überleben kämpfenden Autokonzern, hält Frers nichts. Stolz ist er dennoch auf das Erreichte, wofür er keinen Cent Fördergeld vom Land erhielt. Die Politiker schmücken sich dennoch bei offiziellen Anlässen mit ihrem neuen Liebling Artega aus Delbrück, dem jüngsten Autobauer Europas.

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Wolfgang Pott

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