Armut bedroht die Gesellschaft
19.02.2009 | 07:47 Uhr 2009-02-19T07:47:00+0100Düsseldorf. Die Arbeiterwohlfahrt (AWO) registriert eine Zunahme von Verwahrlosung, Zerfall von Familien, Wut und Gewalt. Folgen der sich ausbreitenden Armut seien das – und Folgen einer gescheiterten Politik.
Die Armut hat nach Ansicht der Arbeiterwohlfahrt in einzelnen Stadtteilen von NRW ein so großes Ausmaß angenommen, dass unsere Demokratie und Gesellschaftsordnung gefährdet sind. 2,1 Millionen Menschen seien in NRW arm; jedes vierte Kind ist von Armut betroffen.
"Die Leute prügeln sich um einen vorderen Platz in der Schlange"
„In Zeiten wirtschaftlichen Wachstums gelang es in NRW nicht, die Armutsquote nennenswert zu senken”, wirft AWO-Landeschef Gunder Heimlich anlässlich der AWO-Fachtagung „Armut bedroht unsere Gesellschaft” der Politik vor. Die Regierungen kümmerten sich zu wenig um die Ursachen von Armut. „Die Politik verabschiedet sich zudem von sozialstaatlichen Ansprüchen für arme Menschen und verlässt sich auf ein wachsendes Almosenwesen.” Mittlerweile existierten 800 örtliche Tafeln für arme Menschen – „moderne Suppenküchen”.
Die gesellschaftszerstörerische Wirkung von Armut erlebt Thomas Rüth vom AWO-Jugendhilfe-Werk täglich in einzelnen Siedlungen von Essen-Katernberg. „Die Schlangen vor unserer Suppenküche werden immer länger”, erzählt Rüth. „Wir erleben zunehmend, dass sich Leute um einen vorderen Platz in der Schlange prügeln; in den Schulen fallen Kinder wie hungrige Wölfe über das Frühstück her – und kommen selbst im Winter ohne Socken in den Unterricht.” Verwahrlosung, Zerfall der Familie, Wut und Gewalt seien zwangsläufig Folgen von Armut.
Regionale Ungleichheit
Armut sei regional äußerst ungleich verteilt: In verschiedenen Bezirken Essens lebten 65 Prozent der Bewohner in Armut. Rüth wirft der Politik vor, sich im Ruhrgebiet mehr um den reichen Süden als um den armen Norden zu kümmern: „Bei uns sind Kindergärten und Schulen deutlich verwahrloster als im Süden – das ist skandalös, man raubt den Kindern ihre Chancen.”
PEN-Präsident Prof. Johano Strasser hält die neoliberalen Auswüchse der vergangenen Jahre für eine Ursache für die Zunahme von Armut, da diese den Sozialstaat durchlöchert hätten: Der Niedriglohnsektor sei nun so groß wie in den USA, das Rentenniveau so niedrig wie fast nirgendwo in Europa. Ohne eine gerechtere Verteilung des erarbeiteten Volksvermögens sinke die Zustimmung zur Demokratie immer weiter – und gefährde die Basis unserer Gesellschaft.

16:37
Die Armut ist gewollt vom Bürger. Er kann sich wehren durch Wahlen oder in dem er sich selbst politisch einbringt. Aber er sitzt lieber am Mittag vorm TV und glotz Gerichtsendungen. Also ist alles perfekt - schimpft nicht auf die Politiker sondern auf die faulen Hunde vor der Glotze!
19:56
Armut wird immer mehr zum Schreckgespenst unsere Gesellschaft . Politiker bestimmen Regelsätze für Bedürftige die ihnen gerade zum Leben ausreichend erscheinen, erhöhen sich aber die Diäten um ein vielfaches dessen weil sie dem Glauben verfallen sind das Diätenerhöhungen ihren Leistungen (?) angepaßt werden müssen. Gleichermaßen wird von einigen Politikern der Sozialneid auf Leistungs und Niedrig - Lohnempfänger immer heftiger geschürt und ein Teil der Bevölkerung fällt auf diese miesen Machenschaften rein.
09:55
Keine Socken im Winter? Das finde ich übertrieben und fällt mir schwer zu glauben. Socvken bekommt man schon ab 99 cent.
22:47
Ist es nicht so, dass die AWO selbst ein Heer von 1 Euro Kräften beschäftigt und viele der sozalversicherungspflichtig Beschäftigten der AWO von ihrem Verdienst allein nicht leben könnten und deshalb teilweise sogar auf ergänzende Leistungen (Harz IV) angewiesen sind ? Also AWO, erst einmal mit gutem Bespiel vorangehen, den 1 Euro Kräften einen festen Job anbieten und den dann noch anständig vergüten. Erst wenn das geschehen ist, dürfte sich meiner Meinung nach die AWO wieder zum Problem der Armut melden.
17:23
Und das ist doch von der Politik so gewollt. Mittel dazu war u.a. Hartz IV. Denn, wer arm ist, wird abhängiger vom Staat und ist auch deswegen einfacher zu beeinflussen. Und deswegen ist auch das Thema Innere Sicherheit so hoch angesiedelt. Denn kein Politiker der jetzigen Regierungen möchte es haben, wenn die Armen auf die Straße gehen.
Und das mit den Tafeln: Wie hieß es noch von den Regierenden: Es ist Aufgabe der Kiche und den Sozialverbänden, sich um die amen Leute zu kümmern. Das sei nicht Aufgabe des Staates
#51:
Hä???
Aber sonst geht`s noch, ne...
16:43
Die Tafeln dienen nur dazu den Sozialleistungsempfängern eine weitere Einnahmequelle zu sichern. Warum sollten sie sich noch um Arbeit bemühen? Wenn die Deppen sich ein gutes Gewissen verschaffen und immerzu „Helfen“ wollen, bitte. Das motiviert aber dieses Klientel nicht dazu selbst mal tätig zu werden und zu arbeiten.
15:11
.....da schauen sie nur kurz auf und grasen dann gemütlich weiter. (Zitat)
Es ist noch etwas Gras da. Einige wenige zermarten sich das Hirn wie sie es am besten und in welcher gesellschaftlichen Runde sie es rauchen können.
Andere sorgen sich ob es denn zum sattwerden bis Übermorgen noch reicht. Es wird nicht mehr lange reichen. Es waren mal die intellekt. Schlupfwinkel gemeint, die da knapp werden sollten und dies sei das Zeichen dafür endlich auf zu stehen. Es scheint als würde die blanke Existenzangst erst dazu führen. Es ist nicht das erste Mal das eine Gesellschaft es versäumt hat rechtzeitg und entschlossen genug gegen den eigenen Verfall anzugehen.
Von den vielen gen. Beispielen wie anfällig Demokratie ist, möchte ich für mich das Beispiel H. Kohl hervorheben. Eine ein Mann Kapelle. lebte sein Demokratieverständnis, 16 Jahre lang!
Abschließend zu den gelesenen Komment. in Anlehnung an H.D.Hüsch:
Alle haben sie Recht. Die Armen, die Reichen, die Kurzen und die Langen, die Dicken und die Dünnen, alle haben sie Recht. Die Christen und die Moslems, die Hindus und die Juden ja, alle haben Recht. Alle haben sie Recht, die Fleißigen, die Faulen und jene die hungern und jene die satt sind, alle haben Recht. Recht haben sie , alle haben sie Recht, alle.
14:55
Diese ganze Diskusion verwundert mich doch hier sehr.--Natürlich wären der eine oder andere Euro mehr in der Tasche nicht schlecht.Bei wem wäre das nicht so?---Aber weder ich noch meine Kinder sind auf die Tafel angewiesen.Trotzden gibt es immer etwas auf den Tisch.Und ich rede nicht von Pommes oder Hamburgern.--Schon garnicht müssen meine Kinder ohne Socken zur Schule!!!Wo gibt es denn soetwas?!?!.Das liegt dann nicht an den Hartz 4 Sätzen,sondern ausschließlich an den unverantwortlichen Eltern.---Nur ein kleiner Einwand.Gruß,ein Bedürftiger.
14:44
Gut gebrüllt, AWO! Was sie keineswegs daran hindert, sich an 1-Euro-Jobs gütlich zu tun.
Bemerkenswert: Der gesamte Artikel kommt ohne das Wort Hartz IV aus!
PEN-Präsident Prof. Johano Strasser hält die neoliberalen Auswüchse der vergangenen Jahre für eine Ursache für die Zunahme von Armut... Strasser war früher der führende Stamokap-Vertreter und Spitzen-Juso. Es sind also nur neoliberale Auswüchse (!) eine Ursache. Hätte der Neoliberalismus keine Auswüchse (die ja nicht normal sind!), wäre also alles in Ordnung. An sich ist der Neoliberalismus ja gut, aber diese Auswüchse...
Nein, der Neoliberalismus trägt die Armut in sich wie die Wolke den Regen!
Die Auswüchse sind gar keine, sie sind vielmehr die Normalität.
Genau darum funktioniert die Bekämpfung der Arbeitslosigkeit meist nicht.
Würde man die Arbeitslosigkeit richtig bekämpfen, müsste man das System bekämpfen. Aber ein System bekämpft sich selbst nicht. Genau da beisst sich die Katze in den eigenen Schwanz.
Miau!
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#47: Zu viele Sozialleistungen für Banken, genau Ihrer Meinung!
14:19
Ich bin davon überzeugt, dass sich zuviele Sozialleistungen bei den Bürgern kontraproduktiv auswirkwirken. Wie #16 von herbergen schon geschrieben hat, ist es vom Grundsatz her einfach nicht normal, sein Essen in der Tafel einzunehmen. Essen zu Hause ist auch mit den derzeitigen H4 Sätzen grundsätzlich möglich. Nur viele gehen einfach dort hin, weil es bequemer ist. Und genau das ist dann wieder ein Problem. Werden diese Leistungen einmal eingestellt, was ja durchaus möglich ist, müssen diese Menschen dann verhungern? Hier muss einfach Eingenverantwortung her und nicht immer nur mehr Geld. Auf der anderen Seite gibt es tatsächlich Leute, die in den letzten Jahren Millionen Eur verdient haben, und ein Desaster angerichttet haben. Wieviel Menschen z.B. könnten im Arbeitsleben mtl. mehr verdienen, legt man z.B. die Bonuszahlungen eines einzelnen Mitarbeitersbei der Dresdner Bank i.H. v. 45 Mio. Euro zugrunde. Das ist einfach eine unvorstellbare Summe und wäre bei 100.000 Menschen und 450 Eruo jährlich mehr besser aufgehoben!!!
Aber vom Grundsatz: Zuviel Fürsorge verdirbt den Anstand, auf der einen wie auch auf der anderen Seite...