Ansturm auf die Spritzen
05.11.2009 | 18:54 Uhr 2009-11-05T18:54:00+0100
Ruhrgebiet. Der Andrang auf die Grippe-Schutzimpfung nimmt deutlich zu. Schwarze Schafe in weißen Kitteln weigern sich, an der Aktion teilzunehmen.
Jetzt wollen sich anscheinend alle gleichzeitig impfen lassen. Nach einer zögerlichen Startphase bei der Schweinegrippe-Impfung nimmt der Andrang deutlich zu. Mancherorts gibt es bereits Engpässe, lange Wartezeiten, verärgerte Patienten und: gestresste Ärzte.
Ein regelrechter Anmeldungs-Ansturm hat die Praxis von Stephan Arntz in Gladbeck überflutet: 350 Termine innerhalb von drei Tagen, 100 Anrufe täglich. Arntz vermutet, dass die Schweinegrippe-Infektion bei Tennis-Idol Tommy Haas der Auslöser für die Welle ist. In Düsseldorf will die Stadt nach dem großen Ansturm am Mittwoch eine zweite Impfstelle einrichten. Über 1200 mal pieksten sie allein am Mittwoch, im Minutentakt spritzten sie das Mittel Pandemrix. Doch nur in größeren Städten gibt es von den Gesundheitsämtern eingerichtete Stellen. Auf dem Land kümmern sich die niedergelassenen Ärzte um das Problem – manche von ihnen allerdings überhaupt nicht mit Begeisterung.
„Obwohl ich als Mitglied der Freiwilligen Feuerwehr zur ersten Risikogruppe gehöre, wollte mich der aufgesuchte Mediziner nicht impfen und schickte mich zu meinem Hausarzt. Doch dieser verabreicht keine Schutzimpfung gegen Schweinegrippe”, ärgert sich Stefan Kuhn. „Die Ärzte bekommen nur 5 Euro pro Impfung, das ist denen wohl zu wenig”, kritisiert der 43-Jährige.
Immer wieder werden Impfwillige nach Hause geschickt, auch Manfred Schwedtmann, der sich am Gelsenkirchener Gesundheitsamt geduldig in die Warteschlange einordnete und nach einer Dreiviertelstunde erfuhr: „Sie werden nicht geimpft, Sie gehören nicht zur Risikogruppe I.”
„Das sollte eigentlich nicht passieren, auch Bürger, die nicht zur Risikogruppe I zählen, sollten behandelt werden, wenn sie es wünschen”, kommentiert Kathrin Rebbe, Sprecherin des NRW-Gesundheitsministeriums, den Vorfall. Wenn Ärzte den Stich in den Oberarm verweigerten, sollten sich Patienten beim örtlichen Gesundheitsamt über die „schwarzen Schafe” beschweren, rät Rebbe.
Nicht immer liegt es aber an den Ärzten selbst, wenn sie die Nadel nicht zücken. Allgemeinmediziner berichten auch von Lieferengpässen. Die zuständige Apotheke habe keinen „Impfstoff” mehr vorrätig. Der stellvertretende Apothekersprecher des Kreises Recklinghausen, Volker Mattern, wundert sich wiederum, warum nur so wenige Kollegen Pandemrix anbieten können.
Produktion und Verteilung des Impfstoffes sind Einschränkungen unterworfen, wie Ministeriumssprecherin Rebbe erläutert: „Das Land NRW holt den Impfstoff aus Dresden ab und verteilt ihn an die Apotheken in ganz NRW. Das führt zwangsläufig dazu, dass längst nicht alle Apotheken im Verteiler sein können.” In der ersten Woche wurden 340 000 Einheiten ausgeliefert, in der zweiten produktionsbedingt nur rund 200 000. 11 Millionen sind angefordert. Geduld ist also weiterhin ein gutes Rezept.

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