Angst vor der zweiten Front
03.01.2009 | 09:27 Uhr 2009-01-03T09:27:00+0100
Jerusalem. Am "Tag des Zorns" demonstrierten tausende Palästinenser gegen die israelische Militäroffensive im Gazastreifen. Die Stimmung unter den 1,4 Millionen Arabern in Israel kocht. Die Regierung fürchtet, dass sich im ganzen Land Unruhen verbreiten.
Am Freitag kehrte die Intifada für kurze Zeit nach Jerusalem zurück. Als Protest gegen die israelischen Luftangriffe im Gazastreifen, die in einer Woche mehr als 420 Palästinenser töteten, demonstrierten hunderte Araber. Man warf Steine und Brandsätze auf israelische Polizisten. Dies mag bedrohlich erscheinen, doch die israelischen Sicherheitskräfte atmeten am Nachmittag erleichtert auf. Ihre größten Albträume blieben aus.
Regierung befürchtet die Eröffnung einer „zweiten Front“ von innen. Der israelische Geheimdienst dokumentierte in seinem Jahresbericht für 2008 einen starken Zuwachs an Terrorismus durch Araber mit israelischer Staatsangehörigkeit. Besonders nach Beginn der Operation in Gaza ist es zig Mal zu spontanen Protestkundgebungen arabischer Jugendlicher oder Studenten gekommen, die selten auch in Gewalt mündeten:„Wir haben etwa 350 Personen verhaftet“, sagte Polizeisprecher Micki Rosenfeld der WAZ. Etwa die Hälfte der Inhaftierten sind Minderjährige, die vermummt randalierten, Steine warfen, Straßen sperrten oder die Ruhe störten. Bisher wurden mindestens 56 Polizisten zumeist leicht verletzt. Mehrmals versuchten Einzeltäter, Attentate zu verüben. Der „große Anschlag“, mit dem die Hamas droht, ist aber bisher ausgeblieben.
Zum traditionellen Freitagsgebet wollte man jedoch keine Risiken eingehen, schließlich ereignen sich Unruhen erfahrungsgemäß, nachdem Imame in Predigten die Gemüter weiter anstacheln. Mehr als 12 000 Beamte befanden sich im ganzen Land in höchster Alarmbereitschaft. Hundertschaften wurden an Eingängen arabischer Dörfer aufgestellt. Die Polizei verbat sogar Fußballspiele zwischen jüdischen und arabischen Vereinen, um Zusammenstöße zwischen den Anhängern zu verhindern. Die Armee verhängte eine Ausgangssperre über das Westjordanland, um Unruhen vorzubeugen.
Dabei will man die Wiederholung eines tragischen Präzedenzfalls vermeiden. Aus Protest gegen das harte Vorgehen der israelischen Armee gegen palästinensische Demonstranten zu Beginn der zweiten Intifada gingen im Oktober 2000 zehntausende Araber in Israel auf die Straße und sperrten Hauptverkehrsadern. Für mehrere Tage war Israel geteilt. Die Polizei ging damals unerbittlich hart vor und erschoss 13 Demonstranten. Zwischen Israel und seinen arabischen Bürgern klaffte ein tiefer Abgrund.
"Man hat dazugelernt"
Israel und Palästina - Konflikt ohne Lösung?
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Inzwischen ist auf beiden Seiten mehr Vorsicht zu erkennen. Wadie Abunassar, Direktor einer Denkfabrik in Haifa, die sich mit jüdisch-arabischen Beziehungen beschäftigt, attestiert: "Man hat dazugelernt." Die Polizei versucht mit zahlenmäßiger Überlegenheit zu agieren, der Einsatz von Schusswaffen wurde stark eingeschränkt. Erst vor drei Wochen probte sie die Auflösung von Massenkundgebungen, dabei wurden 54 Polizisten, die Demonstranten spielen sollten, verletzt – ihre Kollegen hatten ihnen Knochen gebrochen. So ist zu erwarten, dass die Beamten sich inzwischen ihrer Kraft bewusst geworden sind.
Doch viele Akteure, nicht zuletzt arabische Knessetabgeordnete, versuchen, die Stimmung weiter anzuheizen. So forderte einer, Verteidigungsminister Ehud Barak wegen Kriegsverbrechen vor Gericht zu stellen. Keiner der elf Abgeordneten konnte sich jedoch dazu durchringen, den Raketenbeschuss israelischer Städte zu verurteilen: "Das liegt daran, dass die Araber in der Besatzung das ursprüngliche Übel sehen. Die Hamas reagiert in unseren Augen nur", sagt Abunassar. Auf israelischer Seite hat man dafür kein Verständnis. Besonders in Kriegszeiten betrachtet man deswegen die Araber, von denen viele Familienbande in den besetzten Gebiete und Gaza haben, misstrauisch.
In Düsseldorf wollen Palästinenser am heutigen Samstag ab 12 Uhr gegen die israelische Militäraktion im Gaza-Streifen demonstrieren.
Die Polizei erklärte, von der palästinensischen Gemeinde seien 2000 bis 3000 Teilnehmer angemeldet worden. Die Demo steht unter dem Motto "Frieden im Nahen Osten". In den vergangenen Tagen gab es Proteste in Bonn und Dortmund.
Insgesamt verhält sich die Mehrheit der Palästinenser innerhalb wie außerhalb Israels noch ruhig. Das liegt zum Teil auch daran, dass die Fatah, die die palästinensische Autonomiebehörde (PA) kontrolliert, jeden Protest im Keim erstickt. Sie hat Angst davor, dass Demonstrationen gegen Israel zu Kundgebungen für ihre politischen Rivalen von der Hamas werden und in einen Aufstand umschlagen könnten. Araber im israelischen Jerusalem können deswegen im Augenblick ihre Meinung freier sagen als im benachbarten Ramallah. Für den heutigen Samstag wurden in Tel Aviv und in Nazareth von der Polizei zwei Großkundgebungen gegen den Krieg in Gaza genehmigt. "Sie dürfen demonstrieren, nur nicht randalieren", sagte dazu Polizeisprecher Rosenfeld.

16:56
Als israelischer Araber muß ich noch einmal klar stellen: Wir israelischen Araber - Palästinenser sagt bei uns keiner - sind nicht vertrieben worden. Teile unseres Volkes sind 48 der Aufforderung des Großmuftis von Jerusalem und persönlichen Freundes Hitlers gefolgt, freies Schußfeld für die Arabische Legion zu schaffen. Und viele haben dem Großmufti geglaubt, der ihnen die jüdischen Siedlungen und Kibbuzim als Beute versprach. Doch diejenigen, die geblieben sind, wurden gut behandelt. Jedenfalls besser als in Joranien, dem Libanon oder Syrien. Bei uns stirbt keiner vor Hunger oder wegen irgedwelcher Infektionen. Die Juden haben, das muß man ihnen lassen, ein sehr gutes Gesundheitssystem aufgebaut. Und ich durfte mit einem israelischen Stipendium studieren. Erst in Jerusalem, jetzt in Bochum!
Es gibt immer welche, die trotzdem demonstrieren und gern einen eigenen Staat hätten, aber das ist eine Minderheit. Wir wurden nicht vertrieben, sonst gäbe es jetzt nicht 1,4 Mio israelischer Araber. Und dass Leute demonstrieren ist ihr gutes Recht. In Gaza oder Rammallah dürften wir das nicht
#53 von Omar Y. RUB, vor einer Stunde
18:16
Alle schreien, wenn es zu spät ist! Wer hat der Hamas Einhalt geboten?
17:10
Wenn ich der Berichterstattung glauben darf, und ich glaube daran, dann ist es doch so, dass die Hamas es einfach nicht unterlässt Raketen auf Israel zu verschiessen. Das würde auch ich nicht hin nehmen.
Irgendwann ist das Maß voll und jetzt ist es das.
16:43
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15:32
Ich finde die WAZ Berichterstattung furchtbar einseitig, diesen Konflikt, in dem die palästinensische Zivilbevölkerung die leidtragende ist, so einseitig pro israelisch darzustellen finde ich richtig unverschämt, ich bin erst vor kurzem aus der Westbank, wo ich gearbeitet habe, zurückgekehrt und vor Ort sieht das alles ganz anders aus, als es hier von voreingenommenen Amatuerjournalisten dargestellt wird..Was ist zum Beispiel mit einer Meldung über die Brüder Khawaja, die vorkurzem in Nilin von israelischem Militär erschossen wurden? Wie kommt die israelische Armee überhaupt dazu mit scharfer Munition auf KInder zu schiessen? Und was ist mit den ganzen festgenommenen minderjährigen Randalieren? Die werden jetzt auf unbestimmte Zeit ohne richtigen Prozess irgendwo festgehalten, bis sich jemand dazu entschliesst sie wieder freizulassen. Und weshalb? Weil sie Steine auf Soldaten (die mit Schutzhelm und Kugelsichererweste ausgerüstet sind) geworfen haben? Ich bitte Sie dringend Ihre Berichterstattung zu überdenken.
09:21
@ rosi
Solch ein Blödsinn. Israel kann Angst vor einer 2. Front haben weil Israel eben keine Vertreibungen ausgeführt hat. Wo sind denn die Juden aus Ägypten, aus Jordanien oder dem Irak? Sie wurden alle 1948 umgebracht oder vertrieben. Und wo sind die Palästinenser aus Israel? 1,4 Mio. leben als Bürger mit gleichen Rechten in Israel, sie wurden eben nicht vertrieben, da liegt der Unterschied zwischen einer israelischen Demokratie und einer arabischen Autokratie. Und laßt euch nicht einreden, in Gaza gebe es Flüchtlingslager! Ich bin da und in der Westbank gewesen. Das sind ganz normale Städte, wie überall im arabischen Raum. Etwas schmuddelig, aber das ist in Ägypten oder im Libanon nicht anders. Aber natürlich möchte man gern in die mit viel Fleiß aufgebauten Häuser der Juden ziehen, die aus ihrem Teil Palästinas etwas gemacht haben. Wie das dann aussieht, sehen wir in Gaza. In den vor drei Jahren geräumten jüdischen Siedlungen in Gaza existiert keine Landwirtschaft mehr, die Häuser wurden von den Palästinensern weitgehend zerstört.
09:15
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03:44
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01:04
Angst vor einer zweiten Front muss man nur haben, wenn man im Unrecht ist.
Israel ist im Unrecht.
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00:09
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