Angst in Griechenland
12.03.2009 | 17:44 Uhr 2009-03-12T17:44:00+0100Athen. Die griechische Terrorgruppe "Revolutionärer Kampf" droht mit Anschlägen. Eine Athener Zeitung veröffentlicht ein geheimes Polizeipapier mit möglichen Zielen.
Die griechische Terrororganisation „Revolutionärer Kampf” (EA) hat die Verantwortung für zwei Sprengstoffanschläge auf Bankgebäude der Citigroup in Athen übernommen und weitere Attentate angekündigt. Die Gruppe plane Anschläge, um Griechenland „zu feindlichem Territorium für die kriminellen Agenten des internationalen Kapitals, wie Citibank, zu machen”, heißt es in einem Bekennerschreiben, das die satirische Athener Wochenzeitung „Pontiki” zugespielt bekam und am Donnerstag veröffentlichte. Polizeiexperten halten das Schreiben für echt.
Die Gruppe „Revolutionärer Kampf” hatte vergangene Woche einen Sprengstoffanschlag auf eine Citibank-Filiale im Athener Vorort Filothei verübt. Dabei entstand schwerer Sachschaden. Vergangenen Monat konnte die Polizei eine Autobombe der Organisation vor einem Citibank-Verwaltungsgebäude im Vorort Kifissia entschärfen. Die Bombe mit 60 Kilo Sprengstoff hätte laut Experten verheerende Zerstörungen angerichtet, ging aber wegen eines technischen Fehlers nicht hoch.
Der „Revolutionäre Kampf” war zuerst 2003 mit einem Anschlag auf ein Athener Gerichtsgebäude in Erscheinung getreten. Er gilt als Nachfolgeorganisation der Terrorgruppe „17. November”, deren führende Mitglieder 2002 festgenommen und wegen fast zwei Dutzend Morden verurteilt worden waren. Ihren bisher spektakulärsten Anschlag verübte die EA im Januar 2007, als sie eine Panzerfaust auf das Gebäude der US-Botschaft in Athen abfeuerte. Die Granate explodierte aber nicht.
"Revolution ist unsere Pflicht"
Nach den Unruhen vom Dezember 2008 – angefacht durch Tod eines 15-jährigen Schülers, der durch eine Polizeikugel starb – wächst in Griechenland die Furcht vor einer Rückkehr des Terrorismus. Diese Befürchtungen scheinen sich nun zu bestätigen. Im Bekennerschreiben droht die Organisation auch mit Anschlägen auf Medienunternehmen, Journalisten und einen namentlich genannten früheren konservativen Minister. „Die Revolution ist unsere Pflicht, hier und jetzt”, heißt es in dem Schreiben. Die Finanzkrise müsse „zum Grab des Systems werden”.
Für Aufregung sorgt unterdessen in griechischen Regierungskreisen die Veröffentlichung eines geheimen Polizeipapiers, in dem prominente Wirtschaftsführer, Justizbeamte und Journalisten sowie Unternehmen als besonders gefährdete mögliche Ziele von Terroristen aufgelistet werden. Das Papier nennt namentlich 82 Personen und Firmen. Die oppositionsnahe Athener Zeitung „To Vima” hatte die Liste publiziert. Ministerpräsident Kostas Karamanlis sei empört über die Veröffentlichung, hieß es in griechischen Medien. Das Innenministerium hat eine Untersuchung eingeleitet. Vier Offiziere der Anti-Terror-Sondereinheit der Polizei wurden vom Dienst suspendiert.

0mitdiskutieren