Alltours-Chef fordert Mindestlohn

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Duisburg. Der Chef des Duisburger Reiseunternehmens Alltours, Willi Verhuven, spricht sich im Interview mit der WAZ-Gruppe vehement für einen generellen Mindestlohn aus. Bei Alltours selbst gibt es bereits einen betriebsinternen Mindestlohn. Eine zu geringe Bezahlung findet Verhuven unerträglich.

Es begann 1974 mit einem Ein-Mann-Reisebüro in seiner Heimatstadt Kleve. Mittlerweile ist Alltours mit 1800 Mitarbeitern Deutschlands viertgrößtes Reise-Unternehmen. Um die Geschäfte kümmert sich nach wie vor der Firmengründer und Alleininhaber Willi Verhuven (59). Seine Gesprächspartner trifft er gerne in einem lichtdurchfluteten Konferenzraum der Alltours-Zentrale im Duisburger Innenhafen. Im Interview sagt Verhuven, wie er sein Unternehmen führen will und warum er schon vor Jahren einen betriebsinternen Mindestlohn eingeführt hat.

Herr Verhuven, die meisten Menschen kennen den Namen Alltours. Dagegen ist der Mann, der das Unternehmen gegründet und groß gemacht hat, vergleichsweise unbekannt. Sehen Sie sich eigentlich selbst als Mister Alltours?

Verhuven: Nein, ich bin ich und nicht Mister Alltours. Ich möchte wie jeder Mensch mit meinem Vor- und Nachnamen angesprochen werden. Alltours ist mehr als Willi Verhuven. Wir sind eine Alltours-Familie, insofern würde ich mich eher als Familienoberhaupt sehen.

Gibt es eine besondere Unternehmenskultur bei Alltours?

Verhuven: Ja, denn wir sind ein inhabergeführtes Unternehmen, das wesentlich langfristiger plant als viele Konzerne. Das macht unsere Stärke aus. Die Nachhaltigkeit war übrigens auch eine wichtige Voraussetzung für das Wirtschaftswunder in Deutschland. Nicht Konzerne, sondern viele Familienunternehmen, die angepackt haben, haben dieses Land groß gemacht.

Gehen Sie anders mit Ihren Beschäftigten um als der Chef eines Konzerns?

Verhuven: Das weiß ich nicht. Ich weiß aber, dass wir keine Kurzarbeit eingeführt haben, als die Krise kam und wir haben allen Mitarbeitern auch im Krisenjahr einen kleinen Bonus gewährt. Ich möchte, dass ein Beschäftigter bei Alltours von seiner Arbeit leben kann. Ein anderer Zustand wäre für mich menschlich unerträglich. Bei Alltours gibt es schon seit 2002 einen betriebsinternen Mindestlohn. Im Moment haben wir die Regelung, dass bei uns niemand weniger verdienen darf als 1850 Euro im Monat bei 13,5 Gehältern. Ich bin auch der Meinung, dass es generell einen Mindestlohn geben muss.

Wie wichtig ist Ihnen die Rendite?

Verhuven: Alltours ist anders als ein börsennotierter Konzern nicht auf hohe Gewinne oder kurzfristige Kurssprünge fixiert. Meiner Meinung nach gibt es zu viele Unternehmen, die zu viel verdienen wollen. Mir persönlich bedeutet Geld an sich nichts. Es ist für mich nicht ausschlaggebend, um glücklich zu sein. Mein Leben war früher, als ich meinen Urlaub auf Zeltplätzen und nicht in komfortablen Hotels verbracht habe, mindestens genauso schön. Natürlich wollen wir bei Alltours auch Geld verdienen, nicht zuletzt um das Unternehmen abzusichern und weiterzuentwickeln. Deshalb bilden wir auch Rücklagen und investieren in das Unternehmen. Aber wir sind nicht auf der Welt, um Geld zu horten.

Sie hätten es sich leicht machen können und Alltours an einen Konzern verkaufen können. Warum haben Sie es nicht getan?

Verhuven: Alltours ist unverkäuflich. Ich bekomme immer wieder Angebote. Aber ich habe alle abgelehnt. Alltours ist schließlich mein Kind.

Sie sind Alleineigentümer und Geschäftsführer des Unternehmens. Geht eigentlich jede Entscheidung über ihren Tisch?

Verhuven: Zum Glück nicht. Ich versuche, mich aus dem Tagesgeschäft herauszuhalten und mich stattdessen vor allem um die strategischen Entscheidungen zu kümmern. In den vergangenen Monaten habe ich mich allerdings wegen der Wirtschaftskrise nicht nur um die großen Linien, sondern auch wieder stärker um einige Details gekümmert.

Steht die Branche vor einem weiteren schweren Jahr?

Verhuven: Die Talsohle ist durchschritten. Im vergangenen Jahr hat die gesamte Reisebranche stark unter der Abwrackprämie gelitten. Geld, das in den Kauf neuer Autos geflossen ist, hat uns gefehlt. Die Finanzkrise tat ihr übriges. Aber wir haben schon ab Mitte Dezember festgestellt, dass die Buchungen anziehen und jetzt wieder höher liegen als vor zwölf Monaten. Es geht wieder aufwärts. Die Menschen wollen offensichtlich wieder mehr reisen.