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Alles hängt an der Zuwanderung

08.12.2009 | 17:25 Uhr
Alles hängt an der Zuwanderung

Dortmund. Die Ringveranstaltung „Die alternde Gesellschaft” startete. Ein Wissenschaftler plädiert für flexiblen Renteneintritt und wundert sich, dass in Deutschland niemand gegen die starre Regelung klagt.

Mal ganz plakativ: Wir werden weniger, älter und bunter. Wobei bunt für den Anteil der Menschen mit Migrationshintergrund steht. Eine Entwicklung, die sich europaweit abzeichnet und besonders stark im Ruhrgebiet. Völlig neu ist das alles nicht. Doch jetzt wird verstärkt über die Herausforderungen und Chancen einer alternden Gesellschaft nachgedacht.

Endlich habe die Gesellschaft die Bedeutung der sogenannten „Silver Ager” erkannt, stellte Helmut an de Meulen, Vorsitzender von „Pro Ruhrgebiet”, zum Auftakt der ruhrgebietsweiten Ringveranstaltung des Wissenschaftsforums Ruhr in Dortmund fest, die auch von der Stiftung Mercator unterstützt wird. Wobei Silver Ager für Menschen jenseits der 55 bis hin zur beginnenden Demenz steht. Eine Zielgruppe, deren Mitglieder oft körperlich und geistig fitter sind als jüngere – und die ein aktives, selbstbestimmtes Leben bis ins hohe Alter führen wollen. Längst sind die konsumfreudigen und oft finanziell gut ausgestatteten älteren Menschen hochinteressant für die Werbewirtschaft, haben die 25 bis 49-Jährigen auf dieser Skala überholt. Doch der verharmlosende Begriff des demografischen Wandels darf nicht darüber hinwegtäuschen, dass neue Formen der Stadtentwicklung, des Wohnens und der Arbeit gefunden werden müssen, um der Herausforderung einer schrumpfenden und alternden Bevölkerung zu begegnen. Ein Grund für an de Meulen, eine Steuerungsstelle anzuregen, mit deren Hilfe man planvoller handeln könne.

Steigende Lebenserwartung

Seit vielen Jahren sei bekannt, dass durch die steigende Lebenserwartung und die niedrigere Geburtenrate Probleme entstehen. Nur wären diese immer wieder von anderen Ereignissen überlagert worden, zum Beispiel von der deutschen Wiedervereinigung, stellte Prof. Thomas Bauer vom Rheinisch-Westfälischen Institut für Wirtschaftsforschung (RWI) fest. Bis 2020 bleibe die Bevölkerungsentwicklung in Deutschland konstant – um dann dramatisch einzubrechen. Gleichwohl müsse man „mit Prognosen im kleinen Raum vorsichtig sein, „denn alles hängt an der Zuwanderung”. Weitere Zahlen: 2030 wird der Anteil der unter 18-Jährigen von jetzt 19,1% auf 14,5% sinken, während der Anteil der über 64-Jährigen von 16,2% auf dann 28% steigt. Was dazu führt, dass 2050 auf zwei Erwerbsfähige ein Rentner kommt. Konsequenz: Das Renteneintrittsalter müsste schon 2030 bei 70 Jahren liegen. „Immer unter der Voraussetzung, dass alles so bleibt”, betont der Wissenschaftler. Und fragt: „Was hindert uns daran, dass jeder selber entscheiden soll, wann er in Rente geht.” Dies mit 55 Jahren bei entsprechenden Abschlägen zu tun, müsse ebenso möglich sein, wie mit 75 Jahren noch zu arbeiten. Rentenversicherungstechnisch sei alles machbar, sagt Bauer und verweist auf viele Länder, in denen der flexible Ausstieg möglich sei: „Mich wundert, dass niemand gegen diese Diskriminierung geklagt hat”. Ob die Vorhersagen tatsächlich eintreffen, sei aber fraglich. Generell sei eine Prognose immer falsch, „weil Personen ihr Verhalten verändern, wenn sie bekannt wird”.

Rolf Kiesendahl

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Kommentare
09.12.2009
21:05
Alles hängt an der Zuwanderung
von dinobett | #2

Zuwanderung ist zu begrüßen und wohl auch notwendig.
Unerklärlich bleibt mir aber warum Deutschland anders als alle bekannten Einwanderungsländer nicht auf den Zuzug von Fachkräften setzt.
USA, Kanada, Schweiz und Australien werben ausgebildete Fachleute. Deutschland setzt auf Asylanten und Familienzusammenführung aus Anatolien.
Gute Nacht Deutschland.

09.12.2009
17:14
Blockierter Kommentar.
von Matthias.Kiesel | #1

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