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Kolumne

Abwrackprämie - das (Un-) Wort des Jahres

30.01.2009 | 15:39 Uhr

Essen. Wenn das so weitergeht, ist die Abwrackprämie als (Un-) Wort des Jahres kaum noch zu verhindern. Der Begriff Bußgeldkatalog 2009 kann ihr auf jeden Fall nicht gefährlich werden.

Es ist wahrscheinlich nur eine Frage der Zeit, wann die Abwrackprämie im comedyschen Wortschatz auftaucht und beispielsweise in Zusammenhang mit dem spätnächtlichen Abschleppen unhübscher Mitmenschen gebraucht wird. Wie viele Autos durch sie in diesem Jahr mehr verkauft, geschweige denn in Deutschland mehr gebaut werden, das weiß, wenn man mal ehrlich ist, niemand. Dass es kaum einen positiven Einfluss auf die Umwelt hat, ist jedoch unstrittig. Ebenso, dass es keinen negativen gibt.

Die DDR wurde vor 20 Jahren abgewrackt. Ihr Anfang vom Ende begann sicher lange bleierne Jahre vor dem ersten unzweistaatlichen Ruf „Wir sind ein Volk”. Vielleicht mit dem Import der ersten VW Golf.

Die ersten Volkswagen (West) wurden 1978 nur in Berlin (Ost) an privilegierte Arbeiter und Bauern gebracht. (Die übrige werktätige Bevölkerung musste warten und sich dann mit Citroëns bescheiden, welch' subtile Rache des Kapitalismus!) Leicht kann man sich vorstellen, wie die DDR-hauptstädtische Bohème im Golf stolz wie Erich um den damals gerade mal zwei Jahre jungen Palast der Republik kurvte.

Der Rest ist Historie. Honeckers abgerissenes Spießerparadies kommt aber noch einmal weit herum und groß raus. Laut gesamtdeutschem Bundesbauministerium auf parlamentarische Anfrage rollen die eingeschmolzenen Stahlträger des Republikpalastes nach Dubai zum Bau des höchsten Hauses der Welt. Und als Motorblöcke der sechsten Golf-Generation durch die Welt. Geschichte wiederholt sich nicht. Aber manchmal wird sie recycelt.

Am Sonntag ist Schluss mit billig: Der neue Bußgeldkatalog tritt unerbittlich in Kraft und hebt die Strafen auf unteren EU-Durchschnitt. Auch nach der Verdoppelung der Sätze für Raserei und Drängelei bleibt Deutschland wegen seines Hochlohnniveaus noch ein Leichtbußland. Am stärksten angehoben wurden übrigens die Strafen für den (wörtlich) Tatbestand: „Als Führer eines Kraftfahrzeugs an einem Kraftfahrzeugrennen teilgenommen”. 400 statt 150 Euro werden dafür fällig. Aber weiterhin nur vier Punkte, denn die Einträge in der Flensburger Verkehrssünderkartei ändern sich nicht, ebensowenig die Regelungen für die Fahrverbote.

Wundern darf man sich auch über manche Abstufung. Wer außerhalb der Stadt 20 km/h zu schnell erwischt wird, zahlt weiterhin 30 Euro. Ein weiterer Kilometer zu viel kostet dann ab dem ersten Februar 70 statt 40 Euro (und weiterhin nur einen Punkt). 70 Euro, das ist die Untergrenze, ab der voraussichtlich noch in diesem Jahr Bußgelder EU-weit vollstreckt werden.

Welche Buße mag der Katalog für diesen englischen Touristen vorsehen? Der 36-Jährige wurde in dieser Woche zweimal schlafend unter einer Autobahnbrücke der A 30 entdeckt, meldet die Nachrichtenagentur ddp. Wie die Polizei mitteilte, war der Wiederholungstäter seinem Ziel Niederlande von der einen zur anderen Übernachtung auf dem Standstreifen immerhin 16 Kilometer näher gekommen. Nach eigenen Angaben befindet sich Brückenliebhaber auf Europatour und ist von Dänemark in die Niederlande unterwegs, wo er sich die Tulpenblüte ansehen will. Strafe genug, oder?

Ein betrunkener Autofahrer in Sachsen wollte die eigene Bestrafung nicht dem Zufall überlassen wollen, so der Nachrichtendienst ap. Der 30-Jährige hatte sich nach Polizeiangaben nach reichlich Alkoholgenuss ans Steuer gesetzt, war dann aber offenbar selbst über sich erschrocken und fuhr direkt zu einem Polizeiposten. Dort gab er an, er wolle für sein Fehlverhalten zur Verantwortung gezogen werden. Die Beamten ließen sich nicht lange bitten und registrierten reichliche 1,54 Promille Alkohol im Blut. Da kommt man mit dem Bußgeldkatalog nicht weiter, hier gibt es ein Verfahren.

Eine Strafe verdient hat auch das britische Wirtschaftsministerium (BERR). Ein BERR-Sprecher hat dem Formel-eins-Team des japanischen Automobilherstellers Honda Kredite aus einem 2,5 Milliarden Euro schweren Rettungspaket für die angeschlagene Automobilindustrie auf der Insel in Aussicht gestellt, so der Sportinformationsdienst.

Honda war am 5. Dezember als Folge der weltweiten Wirtschaftskrise aus der Formel eins ausgestiegen. Seitdem sucht das ehemalige Werksteam neue Partner. „Es gibt keinen Grund, warum sich Honda Racing nicht um Hilfe aus dem Paket bewerben könnte”, sagte der Sprecher des Ministeriums. Aber gibt es einen Grund, warum das weltweite Herumrasen im Kreis staatlich subventioniert werden sollte?

Gerd Heidecke

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Kommentare
31.01.2009
12:50
Abwrackprämie - das (Un-) Wort des Jahres
von ruhrlehning | #5

Mein Unwort: Politikverlogenheit. Nie wieder wählen!

31.01.2009
08:56
Abwrackprämie - das (Un-) Wort des Jahres
von sandberg | #4

Mein Unwort lautet:
Gewinnoptimierung

31.01.2009
01:47
Abwrackprämie - das (Un-) Wort des Jahres
von karlosdallos | #3

fuer mich:

Soziale Marktwirtschaft

30.01.2009
17:30
Abwrackprämie - das (Un-) Wort des Jahres
von Seajak | #2

Gibt es auch eine ABWRACKPRÄMIE für Politiker die zu lange im Amt sind ( Angie ) wenn das Volk ( Mob ) sie abwählt bekommt jeder was vom Staat...........:-)))))

30.01.2009
17:12
Abwrackprämie - das (Un-) Wort des Jahres
von test | #1

So neu ist ist das Wort doch gar nicht hiess früher nur Rente !

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