Ab in die Werkstatt
07.08.2009 | 16:17 Uhr 2009-08-07T16:17:00+0200Wahrscheinlich ist es ein Verschleißteil. Irgendein neurologisches Ding, das sich mit der Zeit abnutzt.
Wie soll man sich sonst erklären, dass sich die meisten Mütter innerhalb von wenigen Jahren von manischen Sicherheitsglucken (erstes Lebensjahr) zu gefährlich sorglosen Risikotanten (sechstes Lebensjahr) entwickeln?
In der Regel beginnt es doch so: Wird eine Frau schwanger, erhöht sich ihr Konsum an Ratgebern und Test-Berichten. Und man glaubt gar nicht, was alles geprüft wird: Schnuller, Sandspielzeug, Kinderbadewannen – Motto: „An mein Kind lasse ich nur Wasser und Stiftung Warentest.”
Das nimmt ab. Irgendwann lässt man sein Kind Farbstoffbomben lutschen, auch mal ohne Helm mit dem Laufrad fahren oder an der Tankstelle zwischen Waschanlage und Zapfsäule unangeschnallt vorne sitzen. Dann kommt der Tag, wo das Kind zu groß ist für den Kindersitz auf dem Gepäckträger, also klettert es hinten drauf. Obwohl jeder weiß, wie gefährlich das ist. Die Füße können in die Speichen geraten.
Und natürlich wissen alle: Bis zum zwölften Lebensjahr müssen Kinder im Auto in einem Kindersitz angeschnallt werden. Trotzdem wird mittlerweile ein Drittel der Kinder ab sechs Jahren nur noch mit dem Erwachsenengurt angeschnallt. Was ist da los? Wieso rennen wir uns am Anfang die Hacken ab, um garantiert schadstofffreie Kautschukschnuller zu kriegen, und dann so was? Ich sag's ja. Es muss ein Verschleißteil sein. (Wann habe ich noch mal Inspektion? Erst wieder mit 40?)
Das Buch „Familienbande” (Klartext, 95 S. 7,95 Euro) versammelt Julia Emmrichs Kolumnen
