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Neues Einkaufszentrum

150 Läden für Dortmund

20.03.2008 | 11:47 Uhr

Dortmund. Auf dem Gelände der ehemaligen Thier-Brauerei soll im Herzen der Stadt ein neues großes Einkaufszentrum entstehen.

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KOMMENTAR

Das Ruhrgebiet ist keine Einheit

Von Wolfgang Pott

Es hat schon etwas Reflexhaftes, wenn eine Woche nach Eröffnung des größten deutschen Innenstadt-Kaufhauses in Essen ausgerechnet in Dortmund ein ähnlich großer Bau angekündigt wird. Wenn Dortmunds Oberbürgermeister Langemeyer einen solchen Bau auch noch rechtfertigt mit der Begründung, gegenüber Essen als Oberzentrum attraktiv bleiben zu wollen, dann ist eigentlich schon alles gesagt.

Langemeyer hat nicht gelernt aus den Fehlern der Vergangenheit. Im Ruhrgebiet geht es nicht darum, dass die eine Großstadt die andere aussticht. Es geht darum, gemeinsam eine Zukunft aufzubauen. Das aber scheint angesichts der Eitelkeiten mancher Stadtoberhäupter geradezu utopisch. Und wieder zeigt sich, dass das Ruhrgebiet keine Einheit ist, sondern nur ein Konglomerat einzelner Städte.

Die Frage, wie viele Einkaufszentren die Region eigentlich verträgt, ist übrigens noch gar nicht beantwortet. Spätestens aber wenn Kunden ausbleiben und Ladenlokale nicht vermietet werden können, ist sie da, die Antwort.

Eine „Stadtgalerie” für 270 Millionen Euro will der Hamburger Projektentwickler ECE auf dem Areal der ehemaligen Thier-Brauerei in der Dortmunder City errichten. Anfang 2009 soll Baubeginn für das Einkaufszentrum mit Anbindung an den Westenhellweg, der Dortmunder Einkaufsmeile, sein. 2011 sollen sich die sechs Zugänge zu 150 Shops auf 29 000 Quadratmetern neuer Verkaufsfläche und 5000 Quadratmetern im Berlet-Haus am Westenhellweg öffnen. Diese Pläne stellten ECE und Dortmunds Oberbürgermeister Gerhard Langemeyer am Mittwoch vor.

Seit fast 20 Jahren mühen sich Investoren um die Entwicklung der Thierbrache. Nachdem das „3do”-Projekt zur Überbauung des Hauptbahnhofs Dortmund scheiterte, soll nun wenige hundert Meter entfernt ein neues Einkaufszentrum entstehen. ECE rechnet mit einem Einzugsbereich von drei Millionen Kunden. Oberbürgermeister Langemeyer sagte, dass Dortmund auch mit Blick auf die von ECE in Essen eröffnete Einzelhandelswelt als Oberzentrum attraktiv bleiben müsse. Mit der Stadtgalerie (sechs Etagen, breites Kultur- und Gastro-Angebot) werde eine noch offene Wunde des Strukturwandels im Stadtkern geschlossen.

Auch die alte Thier-Hauptverwaltung soll in die Stadtgalerie einbezogen werden. Im April startet ein Fassadenwettbewerb mit Architekten, um den Bau optimal ins Umfeld zu integrieren. Der Rat der Stadt soll am 29. April den Weg für das Projekt durch die Einleitung des Bebauungsplanverfahrens ebnen. Noch strittig ist die Frage der Sortimente: Vor allem die Grünen sind dagegen, dass 20 000 Quadratmeter für Textil-Unternehmen vorgesehen sind.

Klaus Buske

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Kommentare
01.04.2008
13:13
150 Läden für Dortmund
von Bianca Prielipp, Johannes Lührs u.a. | #18

Stellungnahme der Hausprojektbewohner in der Silberstr. 36 zu den Neubebauungsplänen des ECE

Dortmund verliert sein Gesicht

Einige Dortmunder haben es wahrscheinlich bereits mitbekommen, die alte Thierbrauerei, mitsamt ihrer Wohnhäuser wird abgerissen, um einem neuen Einkaufszentrum Platz zu machen.
Frei nach dem Motto: wenn einem so wirklich gar nichts einfällt, dann ist ein Einkaufszentrum immer eine großartige Idee.
Nun möchten wir die Frage stellen, braucht Dortmund das?
Betrachtet man die Infrastruktur Dortmunds tauchen bereits erste logistische Probleme auf.
Bei dem Versuch mit dem PKW in die Dortmunder Innenstadt rein oder wieder raus zu kommen, findet man sich mit vielen Mitleidenden in einem endlosen stop & go wieder. Hat man es dann geschafft sich dem Zentrum zu nähern, steht man schon vor dem nächsten Problem: der Parkplatz. Nach mehreren Extra- Runden hat man vielleicht auch das irgendwann gemeistert.
Vom ökologischen Standpunkt aus betrachtet ist eine Steigerung dieser Situation untragbar und Dortmunds Versuche dem Feinstaub mit verschärften Rauchergesetzen entgegen zu wirken, bekommen dabei einen lächerlichen Beigeschmack.
Nach diesen Überlegungen mag man fast vermuten, dass hinter anderen Einkaufszentren, wie zum Beispiel dem im Gewerbegebiet errichteten Centro O, mit direkter Autobahnanbindung und Parkplatzanlagen, die das Mehrfache der Thierbrauerei übersteigen, ein durchdachtes Konzept steckt.
Zudem stellen wir uns noch die Frage, wer denn eigentlich noch zum Einkaufen kommen soll?
Aus den umliegenden Städten wie Unna und Witten kommen die meisten Menschen bereits nach Dortmund um fleißig zu konsumieren und durch ein Millionen- Projekt, das auch der Steuerzahler mittragen wird, werden bei den Dortmundern eher Bedürfnisse als Kaufkräfte geweckt.
Bei diesen ganzen Überlegungen möchten wir auch nicht die Situation der Einzelhändler der Innenstadt vergessen, diese haben es ohnehin schon scher genug sich bei den hohen Ladenmieten langfristig zu halten und weichen bereits jetzt schon den großen internationalen Einkaufsketten.
Möchten wir also ernsthaft eine Innenstadt ohne Vielfalt für einen neuen Konsumtempel???
Was braucht Dortmund denn wirklich??

Dortmund braucht sein Gesicht zurück!

Mit der Kommerzialisierung der Brückstraße hat unsere Stadt bereits an Kultur verloren, wir mochten Dortmund wieder sein Gesicht geben und dafür braucht Dortmund uns.
Wer wir sind?
Wir sind die Silberstraße 36, ein angegliedertes Wohnhaus der alten Thierbrauerei.
Wir sind die Evil Flames, die mit ihren Feuershows schon einige Veranstaltungen erhellt haben, wir sind Künstler, die mit ihren Ausstellungen die Stadt bunter machen, wir sind Musiker, die Dortmunds Nächte mitgestalten und wir sind Sozialarbeiter, die sich sozial und politisch für ein gerechtes Dortmund engagieren. Zu alledem sind wir einfach 13 Menschen, die gemeinsam in einem selbst finanzierten Projekt ein alternatives Stadtleben erproben, das sich fern von Großstadtanonymitäten und Intoleranzen bewegt.
Unsere Meinung ist, dass Dortmund mehr kulturelle und soziale Zentren, mehr Raum für Austausch und Politik benötigt aber mit Sicherheit keiner weiteren Schönheits- OP auf dem Weg zum Einheitsgesicht bedarf.

20.03.2008
17:26
150 Läden für Dortmund
von Martin Tönnes | #17

@ Dortmunder: Aber dann stimmt die ganze Argumentationskette von Langemeyer nicht mehr. Er begründet dies doch explizit mit der Konkurrenz in Essen.

Teile des Westenhellweg werden sicher profitieren. Aber der Ostenhellweg wird dann noch weiter zu einer 1-Euro-Shop-Meile absacken. Wenn an dieser Stelle noch die großen Geschäfte auf die Thier-Fläche abwandern, dann kann man dort Gute-Nacht sagen.

Es stellt sich auch die Frage, was dann aus der Kampstraße werden soll. Hier will doch die Stadt mit etlichen Millionen einen Boulevard ausbauen, wenn die Straßenbahn unter der Erde ist.

Die Shopping-Malls von ECE sind doch absolut introvertiert angelegt. Die Leute sollen nur dort kaufen; insoweit wird sich der Optimismus, dass andere Bereiche davon profitieren sehr in Grenzen halten.

Martin Tönnes

20.03.2008
15:58
150 Läden für Dortmund
von Dortmunder | #16

Ich denke, das Thier-Einkaufszentrum wird die City in Dortmund eher stärken. Es wird ja nicht auf die grüne Wiese gebaut, sondern an den Hellweg angeschlossen. Daher fließt keine Kaufkraft aus der City. Besonders der bisher schwächere westlichste Teil des Hellwegs (ab Saturn westlich) wird provitieren. Für die Dortmunder City ist das Zentrum positiv und wird mehr Kunden aus dem Umland anziehen. Für kleinere Städte im Umland wird sich das Zentrum eher negativ auswerten, da der ohnehin schon dominante Standort Dortmunder City zusätzlich an Attraktivität gewinnt. Und im Gegensatz zu Essen scheint die Größe des Zentrums moderat. Bei den Essener Dimensionen könnte ich mir schon eher vorstellen, dass die restliche dortige Innenstadt leidet.
Ich denke wie auch andere hier, dass Essen aber keine direkte Konkurrenz zu Dortmund darstellt. Viele Kunden in Dortmund kommen aus dem nördlichen Münsterland, Städten wie Lünen, Unna, Soest, Schwerte und dem östlichen Sauerland. Alles Einzugsgebiete, die Essen nicht abdeckt.

20.03.2008
11:41
150 Läden für Dortmund
von Martin Tönnes | #15

Wolfgang Pott hat in seinem Kommentar vollkommen recht - aber hier müssen sich die Medien in der Region auch an die eigene Nase packen. Die Metropole Ruhr ist auch bei den Medien keine Einheit.

Die angestossene Diskussion ist gut, wie auch die vielfältigen Kommentare zeigen. Die Menschen im Ruhrgebiet interessieren sich doch für die Region. Dies hat doch bereits auch die Debatte um das unselige Ruhr (hoch) n bewiesen.

In der Diskussion um den Limbecker Platz in Essen und die Thier-Einkaufsfläche in Dortmund geht vollkommmen unter, dass die Einkaufszentren in Herne, Castrop, Gelsenkirchen, Hattingen oder Witten wahrscheinlich in dem Konkurrenzkampf der Großen über die Wupper gehen. Wolfgang Pott hat recht, es fehlt ein Einzelhandelskonzept Ruhr, dass einerseits die Interessen der Oberzentren berücksichtigt. Gleichzeitig muss aber die ortsnahe Einzelhandelsversorgung in den Klein- und Mittelstädten für die dort lebenden Menschen gewahrt bleiben.

ECE will hier in der Region die schnelle Mark machen. Dies funktioniert solange die Städte in der Region lieber untereinader konkurrieren anstatt die Konkurrenz mit den Metropolen in Deutschland und Europa aufzunehmen. Am Ende müssen wir uns nicht wundern, wenn wir in weiten Teilen kaputte Innenstädte und insbesondere kaputte Nebenzentren haben.

Deshalb meine Bitte an Wolfgang Pott und die WAZ. Weiter so und mehr Debatten über das Ruhrgebiet und die hier lebenden fünf Millionen Menschen.

Martin Tönnes, Ruhrstadt

20.03.2008
10:52
150 Läden für Dortmund
von michelino | #14

@Marek Schulze

Bezüglich des Konzerthaus möchte ich gerne was richtig stellen: Viele Jahre zuvor schon hatte der Stadtrat in Essen darüber diskutiert, den maroden Saalbau zu sanieren, bevor dieser in seine Bestandteile zusammen fällt. Dann kam die Variante mit einem Neubau am Berliner Platz dazu. Letztendlich entschied man sich dann doch für den Saalbau. Dieser mußte allerdings bis auf die Grundmauern entkernt werden, da die Bausubstanz nicht mehr zu erhalten war. Das mit dem Bauarbeiten kurz nach der Eröffnung des neuen Konzerthaus in Dortmund begonnen wurde, ist reiner Zufall und nicht die Absicht von Essen, was Größeres zu bauen.

Sehe es im Übrigen genau so, dass Dortmund ein ganz anderes Einzugsgebiet hat als Essen und ich glaube auch nicht, dass wegen dem EKZ Limbecker Platz verstärkt Dortmunder nach Essen kommen. Das macht keinen Sinn. Essen als ehemalige Einkaufsstadt hat spät aber richtig auf das CentrO und die Erweiterung des RRZ reagiert. Man muß sich vorstellen, dass an der Stadtgrenze zu Essen die beiden größten Deutschen EKZ liegen. Jetzt versucht die Stadt nur, neue und alte Kunden zurück zu holen, was, wie ich finde, legitim ist. Für Dortmund hatte und hat weder der Bau des CentrOs noch der des LP in Essen eine größere Bedeutung, wie ich glaube. Es ist schön, dass Ihr auch ein schmuckes Center bekommen sollt. Sehe es aber nicht das Argument, dass ein EKZ gebaut werden soll, weil in Essen auch eines existiert, denn Essen steht wegen seiner Lage und Entfernung wie gesagt außer Konkurrenz für Dortmund.

20.03.2008
10:28
150 Läden für Dortmund
von Jasmin | #13

Im Rahmen des Kommunalwahlkampfes versucht die SPD- oder soll ich sagen die OB Langemeyer Wahl- mit allen Mittel Erfolge zu verkaufen.Der Westenhellweg ist eine bereits gut funktionierenden Shoppingmeile- da macht es natürlich Sinn, ein Bauklotz hinzustellen, obwohl der schäbige Bahnhof eine Rundumerneuerung dringender benötigt? ach so, ja- es sind ja Wahlen nächstes Jahr..

20.03.2008
09:51
150 Läden für Dortmund
von addi | #12

na, dat is n Thema für addi.

Warum nur 29.000 qm???
Wir sollten Essen auf der Überholspur paroli bieten!!!
100.000 qm ist dat mini-mum.

Marek
du kommst wohl aus Posen???
Wenn wir untereinander auch nich einig sind. Der Pott is von Duisburg - Doartmund!!!

20.03.2008
09:16
150 Läden für Dortmund
von PeterPeisert | #11

6 Etagen mit Mischung und nicht ein Flachbau mit Monokultur, das klingt gut. Da es eigentlich das Gebiet der Altstadt ist - hoffentlich werden die Fassaden KLEINTEILIG gestaltet sein (wenigstens einige traditionell/historisch bzw. POSTmodern wäre noch besser)

20.03.2008
09:13
150 Läden für Dortmund
von HermannJohann | #10

Wenn sich die gegenwärtige Entwicklung fortsetzt, wird die Kaufkraft weiter zurückgehen.Die Bevölkerungszahl in Dortmund wird abnehmen. Es wird mehr Rentner geben, aber die Kaufkraft der Renten wird sinken. Heute gibt es noch relativ wenig Altersarmut, aber in 10 Jahren wird sich das ändern. Auch die Reallöhne werden sinken, wenn nciht politisch gegengesteuert wird.. Dadurch wird der Konkurrenzkampft der Einzelhandelsunternehmen um die Kunden härter. Die Kleinen werden dicht machen, eingekauft wird nicht mehr in den Stadtviertel, sondern in den großen Zentren. Der Verkehr wird dadurch zunehmen

20.03.2008
08:32
150 Läden für Dortmund
von darkblue | #9

sollen die dortmunder ihre kaufkraft nach essen abziehen lassen ???also muß man reagieren genau wie duisburg und oberhausen (vergrößerung centro)

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