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10.000 Erzieher demonstrieren in Duisburg

22.06.2009 | 18:29 Uhr

Duisburg. Erzieherinnen und Sozialpädagogen gehen in die siebte Streikwoche. 10.000 demonstrieren in Duisburg. Sie wollen mehr Anerkennung für ihren Job. Und sie wollem kämpfen, damit die Kitas nicht zur Verwahranstalt werden.

Über 10000 Erzieherinnen und Sozialpädagogen demonstrierten am Montag in Duisburg. Fotos: Stephan Eickershoff

Ist dies jetzt der 15. Tag? Der 16.? „Das Zählen fällt langsam schwer”, sagt die Erzieherin aus Castrop-Rauxel; es ist die siebente Streikwoche, und Demonstrationen haben keine laufenden Nummern. Können Sie noch? „Wir müssen können”, sagen sie. Und: „Wir wollen hoffen.” Das sind in wenigen Worten viele Wörter, die man „Modale Hilfsverben” nennt – was etwas aussagt über die Hilflosigkeit der Erzieher.

Am Montag sind sie wieder zu Tausenden auf der Straße statt auf den Stühlchen in der Kita, die sie ja auch beklagen, weil sie Rückenschmerzen machen. 18.000 seien im Ausstand, meldet ihre Gewerkschaft, und mehr als 10.000 sammeln sich in Duisburg – aus Köln und Ennepetal und Dortmund; eine Verdi-rote Demonstration ist das, und eine laute, mit Pfeifen, Ratschen und Gebrüll lauter als die „Lärmbelästigung” einer Kindergartengruppe je sein könnte – und eine lustige: Diese Frauen, Männer eher vereinzelt, sind es gewohnt zu bespaßen, sie klatschen und singen und tanzen, „Erzieherinnen sind kreativ”, ruft es von der Bühne am Burgplatz.

Anliegen geht zwischen Karstadt und Opel unter

Und genau das hat man ihnen vorgeworfen in den letzten Wochen: „Die spielen doch nur”, diese „Kindergartentanten”, hat Tanja Kontoris gehört, was muss man da also demonstrieren? Ihr Anliegen geht ja tatsächlich etwas unter zwischen all den Protesten von Verkäuferinnen, Autobauern, Schülern, Studenten, Iranern... Es demonstrieren so viele in diesen Zeiten – und nun auch noch die Eltern, die ihre Kinder nicht betreut kriegen (siehe Zweittext). Zu Tanja Kontoris hat jemand gesagt: „Ihr braucht doch nicht zu streiken, es geht nicht um euren Arbeitsplatz.”

Im vielsagenden "Arbeitsanzug": Claudia Haurand aus Marl.

Nein, nicht um seinen Verlust, um den Arbeitsplatz schon: Der ist laut, der ist unbequem, der ist schlecht bezahlt, sagen die Erzieher. Zu große Gruppen gebe es, klagen die Frauen vom Naturkindergarten aus Castrop-Rauxel, dafür keine Vertretungskräfte, „man rotiert ein bisschen”, sagt Kosta Daniilidis, der aus der Jugendarbeit kommt. Claudia Haurand aus Marl trägt einen Arbeitsanzug, der alles sagt: „Protokolle schreiben”, „Personalgespräch”, „Förderpläne” steht auf bunten Kärtchen auf ihrem Körper, so viel Bürokratie, dazwischen ist nur noch wenig Platz für den eigentlichen Job: „Vorlesen”, „Trösten”, „Füttern” und bei alledem noch: „Geduld haben”.

Irgendwie schaffen sie es immer noch, sagen die Erzieherinnen aus Castrop, „aber eigentlich können wir unsere Konzeption nicht mehr richtig fahren”. Sie mühen sich „über das Limit” hinaus. Deshalb wollen diese Frauen, die einst ein Anerkennungsjahr machen mussten, nun wirklich Anerkennung: als „Zukunftsgestalterin”, steht auf ihren roten Hemden. Sie wollen, dass einer merkt, dass immer weniger Kollegen immer mehr Arbeit haben, sie wollen, dass die Leute nicht mehr glauben: „Denen geht es nur um Kohle”, wünscht sich Rainer Lümmen, der Sozialarbeiter. Allerdings auch: Denn es gibt ja dieses T-Shirt mit dem schrägen Vergleich in schrägem Deutsch: „Erzieherinnen sind wie Dessous: Spitzenqualität für ein Hauch von Nichts.”

Claudia Haurand aber hat ja den Anzug an und will kein „Randthema” mehr sein, „wir haben das lange genug so ausgesessen”: dass Kinder und Bildung in Deutschland keinen hohen Stellenwert hätten. „Wir müssen unten anfangen, und das ist nun mal die Kita!” Verdi-Frau Gabriele Schmidt ruft vom Podium, man müsse kämpfen, „dass Kitas nicht zur Verwahranstalt werden”. Ein Verhandlungsergebnis habe es nur deshalb bislang nicht gegeben, „weil die Arbeitgeber keins wollten”.

Streikpläne reichen bis in den August

Und genau daher rührt ja dieses hilflose Gefühl: Könnte es nicht sein, dass die Arbeitgeber bewusst den Ausstand verlängern? „Die Städte sparen doch, wenn wir streiken”, sagen die Erzieherinnen. „Sie behalten ja unsere Gehälter und die Elternbeiträge ein.” Wie auch immer: Am Dienstag, hat Verdi angekündigt, entscheidet eine Versammlung: „Wie geht es in den Sommerferien weiter, wie nach den Sommerferien.” Sie geben noch nicht auf.

Annika Fischer

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Kommentare
27.06.2009
00:16
10.000 Erzieher demonstrieren in Duisburg
von maiplatz | #26

@23 von Günni,
wenn Du schreibst sieh ´mal, mir ist völlig Wurscht, bei wem Du meinst, dass ich meine Vorwürfe vortragen soll; wer mit wem und warum zu verhandeln hat.
Dann wird weiß ich, dass es Dir gar nicht um das Thema und um Lösungen geht, sondern dass Du hier nur nörgeln möchtest. O.K. wieso sollte ich Dir dies verbieten wollen. Aber wundere Dich dann nicht, wenn ich Dich wegen Deiner offensichtlichen Wurschtigkeit herablassend behandele. Du bist hier ja gar nicht mein Klient.

26.06.2009
13:26
10.000 Erzieher demonstrieren in Duisburg
von Günni | #25

@maiplatz,
sieh ´mal, mir ist völlig Wurscht, bei wem Du meinst, dass ich meine Vorwürfe vortragen soll; wer mit wem und warum zu verhandeln hat.

Diese Falscheinstufung war bei der Tarifumstellung im öffentlichen Dienst auch ein Versäumnis der Gewerkschaften, das es jetzt auszugleichen gilt. Diese Aussage ist doch von einem Sozialarbeiter, der nach mehr Anerkennung durch höhere Bezahlung strebt!?
Die Konsequenz daraus wäre ein Gewerkschaftsaustritt und nicht die Aussetzung von Kinderbetreuung gewesen. Wenn Du Deiner Klientel gegenüber ein ebenso herablassendes Verhalten zur Schau stellst, kannst Du mit der Erfolgsquote nicht punkten.

Hier wird unter dem Deckmäntelchen eines Gesundheitstarifvertrages versucht über den Hintertür geltendes Tarifrecht zu umgehen. Gesundheit ist ein hohes Gut. Erzieherinnenstühle und eine bessere Gesundheitsvorsorge wünschenswert. Leider jedoch nicht der Grund für die vorliegende Tarifauseinandersetzung.
Bessere Vorraussetzungen für Kinder zu schaffen ist ein Ziel, dass sicher jeder mittragen kann. Mehr Personal ein richtiger Schritt in diese Richtung. Mehr Gehalt auch. Für wenige Monate, dann ist die Motivation aus Gehaltserhöhungen nämlich aufgebraucht!!! Diese Feststellung von ELTERNTEIL trifft den Kern.

Wenn ich über Mehrarbeit klage und der Meinung bin diese nicht schaffen zu können, lasse ich die Mehrarbeit liegen und setze nicht die Kinderbetreuung aus.

25.06.2009
23:39
10.000 Erzieher demonstrieren in Duisburg
von maiplatz | #24

#21 Ver.diHasser!
Zahlen die Eltern und Kinder unser Streikgeld? Deine Äusserungen zeigen, dass Du die Realität nicht mehr wahrnimmst. Dein Hass scheint Dich wirklich zu beherrschen.

25.06.2009
22:18
10.000 Erzieher demonstrieren in Duisburg
von Ver.diHasser | #23

Das sind zusätzliche Urlaubstage die die Erzieherinnen jetzt haben,,,,,,,,,,,, Streikurlaub !!!!!
Auf Kosten der Kinder und Eltern....... Pfui

25.06.2009
19:52
10.000 Erzieher demonstrieren in Duisburg
von maiplatz | #22

So Günni, jetzt hast Du es auch selbst erlebt, was u.a. zu den Aufgaben von Sozialarbeitern gehört: Menschen, die Zusammenhänge und Regeln in unserer Gesellschaft nicht verstehen und/oder Schwierigkeiten bei deren der Umsetzung in ihrem Alltag haben, alles geduldig zu erklären, ihnen zu Mut machen und Lösungswege aufzeigen. Wenn Du auch noch nicht alles richtig verstanden hast, schreib nicht gleich zurück sondern lies doch noch Mal alle Beiträge auf dieser Seite langsam und bedächtig durch – mach Dir keinen Druck – Du kannst es schaffen.

25.06.2009
08:42
10.000 Erzieher demonstrieren in Duisburg
von Günni | #21

#18
Hoppla, ´mal langsam.
IHR habt Einfluss auf die Gewerkschaft genommen?
Kommt in der Presse nicht ´rüber, eher umgekehrt! Stellt das doch bitte richtig.

Also mache ich mich nun auf den Weg zu meinem Bürgermeister und unterbreite ihm:
Die Falscheinschätzung der Gewerkschaft bei der Tarifumstellung ist ja gar nicht deren Schuld, sondern die des Bürgermeisters. Also nimm ´mal Kontakt zum Arbeitgeberverband auf und bitte um Vergebung. Weiter hat der Bürgermeister und der Arbeitgeberverband künftig darauf zu achten, dass die Gewerkschaft ihre Hausaufgaben ordentlich macht, denn sonst müssen Mitarbeiter gegenüber der Gewerkschaft Nachbesserungen einfordern, die dann wieder unbeteiligte Dritte in Kriesensituationen stürzen!

Hast recht maiplatz, der Mensch braucht Gehirn!

25.06.2009
00:01
10.000 Erzieher demonstrieren in Duisburg
von maiplatz | #20

Ja Günni, Gehirn braucht der Mensch!

Aber ich glaube, Du verstehst nicht, dass es da unterschiedliche Vertragsebenen gibt. Die Mitarbeiter haben mit ihrem Arbeitgeber (dem KiTa-Träger) einen Vertrag und die Eltern haben mit dem KiTa-Träger einen Vertrag. Die Mitarbeiter werden in den Tarifverhandlungen von ihrer Gewerkschaft und die Arbeitgeber (dem KiTa-Träger) werden von ihrem Arbeitgeberverband vertreten. Wenn es zwischen beiden Verhandlungspartner nicht zur Einigung kommt, dann kann es zu Streik bzw. Aussperrung kommen. Dies ist z.Zt. der Fall. Wenn also in einer Arbeitskampfsituation der KiTa-Träger (Kommune)seinen Vertrag mit den Eltern nicht einhält, dann haben die Eltern aufgrund ihres Vertrages einen Anspruch gegenüber dem KiTa-Träger. Der KiTa-Träger kann dann auf seinen Arbeitgeberverband Einfluss nehmen, damit der Streik beigelegt wird. Wir haben auf unsere Gewerkschaft Einfluss genommen, dass wir mit Schlafmützigkeit nicht einverstanden sind und die Gewerkschaft jetzt einen gerechten Tarifvertrag aushandeln soll.

So einfach ist das!

Viele Eltern. Bürger, Politiker und Bürgermeister haben unsere Forderungen bereits als berechtigt anerkannt - nur der Arbeitgeberverband stellt sich quer.

Wende Dich mit Deinen Vorwürfen an Deinen Bürgermeister und den kommunalen Arrbeitgeberverband. Bei den Mitarbeitern und Gewerkschaften bist Du an der falschen Adresse.

24.06.2009
17:12
10.000 Erzieher demonstrieren in Duisburg
von Günni | #19

#16
Mensch maiplatz,
lass folgenden Satz doch ´mal ins Gehirn dringen:
Diese Falscheinstufung war bei der Tarifumstellung im öffentlichen Dienst (auch?) ein Versäumnis der Gewerkschaften, das es jetzt auszugleichen gilt.
Kommt Dir bekannt vor?
Warum also auf Kosten der Kinder und deren Eltern? Du hast die Schlafmützen doch ausfindig gemacht.

23.06.2009
18:44
10.000 Erzieher demonstrieren in Duisburg
von maiplatz | #18

Durch den Streik der Erzieherinnen und Sozialarbeiter wird doch die Schieflage in unserer Gesellschaft offenbar. Seit mehr als zehn Jahren wird vor allem in den Bereichen Bildung, Erziehung und Soziales gespart. Dies gilt für die Leistungen für Kinder, Jugendliche und Familien ebenso wie für die Ausstattung und die Entlohnung der in diesen Bereichen beschäftigten Mitarbeiter. Bei zunehmend schwieriger werdenden sozialen Bedingungen sollen die Fachkräfte qualifizierter und effektiver arbeiten. Stillschweigend wurde der Sozial- und Erziehungsdienst von der tariflichen Einkommensentwicklung im übrigen öffentlichen Dienst abgekoppelt. Dies macht für eine BerufsanfängerIn als Erzieher, Sozialarbeiter und Sozialpädagogin ein ca. 15 % geringeres Einkommen aus als vergleichbare Beschäftigte in anderen Bereich des öffentlichen Dienstes. Diese Abkopplung führt auch dazu, dass länger beschäftigte ErzieherInnen und Sozialarbeiter bis zu ihrem Ausscheiden aus dem Dienst keinerlei Aussicht mehr auf eine Höhergruppierung haben, wie Fachkräfte mit entsprechender Ausbildung und in ähnlich verantwortlichen Tätigkeitsfeldern des kommunalen Dienstes. Diese Falscheinstufung war bei der Tarifumstellung im öffentlichen Dienst auch ein Versäumnis der Gewerkschaften, das es jetzt auszugleichen gilt. Alle Seiten bekunden den ErzieherInnen der Kindertagesstätten und den SozialarbeiterInnen der Sozialdienste der Jugendämter ihr Verständnis für ihre Forderungen nach besseren Arbeitsbedingungen und einer ihrer bedeutsamen und verantwortungsvollen Aufgaben entsprechenden Entlohnung: Eine sehr große Zahl von Kindergarteneltern unterzeichneten Solidaritätsbekundungen. Bundes- und Landespolitiker fast aller in den Parlamenten vertretenen Parteien äußerten öffentlich ihr Verständnis für die offensichtlich berechtigten Forderungen nach Verbesserungen für die Beschäftigten in den kommunalen Sozial- und Erziehungsdiensten und auch eine sehr große Anzahl von Oberbürgermeistern, Bürgermeistern und Kommunalpolitiker signalisierten ihr Verständnis für die Forderungen der Streikenden. Letztendlich schickt man dann aber die Geschäftsführer der Arbeitgeberverbände in die Verhandlungen mit den Gewerkschaften und lässt sie verkünden, dass für einen Gesundheitsschutztarifvertrag kein Bedarf besteht und dass für eine umfassende Verbesserung des Einkommensstruktur aller im kommunalen Sozial- und Erziehungsdienst Beschäftigten kein Geld in den Kassen der finanzschwachen Städte und Gemeinden ist. In welcher Gesellschaft leben wir, dass von Bund und Ländern für Banken und Großunternehmen kurzfristig Milliarden von Steuergeldern bzw. staatlichen Bürgschaften locker gemacht werden, den Städten und Gemeinden aber derart wenig Finanzmittel zur Verfügung stehen, dass sie auf breiter Linie ihren Verpflichtungen im Bereich Bildung, Erziehung und Soziales nicht nachkommen können.
ErzieherInnen, SozialarbeiterInnen und alle anderen Berufsgruppen im Sozial- und Erziehungsdienst leisten gerne ihre Arbeit für die Menschen und zur Sicherung eines sozialen Gemeinwesens – sie sind aber nicht die Spardose der Gesellschaft, indem sie auf gesundheitsgerechte Arbeitsbedingungen und leistungsgerechte Entlohnung zu Gunsten der Staatskasse verzichten.

23.06.2009
16:10
10.000 Erzieher demonstrieren in Duisburg
von Günni | #17

@kein_verdifreund

Konstruktive Kritik !!

Kann man in Bezug auf Meinung wirklich von Zwang reden?

Von heute auf morgen (außerhalb von Tarifverhandlungen) eine höhere Eingruppierung zu fordern (die Entgelteordnung ist im TvöD verankert), dabei wissendlich Schutzbefohlene und deren Erziehunhgsberechtigte in Nöte drängen, das nenne ich Zwang.

Es verwundert mich wirklich, warum noch niemand den Weg der Klage beschritten hat. Wie schon angesprochen, Lehrer (besser: eine Lehrerin) klagt vor dem BGH gegen die öffentliche Benotung ihres Unterrichtes. Noch kein Elternteil klagt gegen die öffentliche Aussperrung des Schutzbefohlenen?

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