Zwölf Millionen arm oder von Armut bedroht
21.12.2011 | 16:43 Uhr 2011-12-21T16:43:00+0100Rund zwölf Millionen Menschen in Deutschland, das entspricht 14,5 Prozent der Bevölkerung, sind von Armut bedroht oder leben bereits in Armut. Diese alarmierenden Zahlen veröffentlichte am Mittwoch der Paritätische Gesamtverband.
Es waren keine gute Nachrichten, die der paritätische Gesamtverband am Mittwoch zu verkünden hatte. Rund zwölf Millionen Menschen sind in Deutschland von Armut bedroht oder leben bereits in Armut. Das sind rund 14,5 Prozent der Bevölkerung. Nach den Zahlen des Armutsberichts 2011 sind besonders die Menschen in Berlin und Nordrhein-Westfalen von Armut gefährdet, in NRW sei besonders die Lage im Ruhrgebiet besorgniserregend. Dabei scheint die Armutssituation unabhängig von der gesamtwirtschaftlichen Entwicklung zu sein, sagt der Hauptgeschäftsführer des Paritätischen Gesamtverbandes Ulrich Schneider: "Alarmierend ist, dass sich diese außerordentlich hohe Zahl auf diesem Rekordniveau in den letzten Jahren wirklich verfestigt hat, ganz unabhängig von wirtschaftlichen Entwicklungen. Das macht den Eindruck, es kann Wachstum einsetzen wie will, die Armut will nicht abnehmen." Im Osten sei die Gefahr, in Armut abzusinken, nach wie vor größer als im Westen. Auch Menschen oberhalb des Hartz-IV-Bezugs sind zunehmend betroffen. Von Armutsgefährdung wird gesprochen, wenn jemand weniger als 60 Prozent des durchschnittlichen Einkommens hat. 2010 lag die kritische Schwelle für einen Single-Haushalt bei 826, für eine vierköpfige Familie bei 1735 Euro. "Die Marktkräfte, der Markt und die Wirtschaft sind offensichtlich in der Lage Reichtum zu erzeugen, sie sind aber nicht mehr in der Lage diesen Reichtum auch sozial ausgeglichen zu verteilen. Das wäre eine Aufgabe der Politik und diese Aufgabe wurde offensichtlich in den letzten Jahren nur sehr unzureichend wahrgenommen." Bayern und Baden-Württemberg haben dem Bericht zufolge bundesweit die niedrigste Armutsquote. Aber auch dort seien die Zahlen kaum gesunken. Die Autoren des Armutsbericht fordern deshalb unter anderem höhere Hartz-IV-Sätze und den Ausbau der öffentlichen Beschäftigung. Im Gegenzug sollten große Einkommen, Erbschaften und Vermögen stärker besteuert werden.
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