Rettung vor der Flut
27.05.2009 | 17:28 Uhr 2009-05-27T17:28:00+0200Wenn das Hochwasser alles überflutet hat, bleibt nur noch die Rettung aus der Luft.
Eine Notlage, wie sie typisch ist bei Überschwemmungen in aller Welt: Mauern brechen unter der Wucht des Wassers, Menschen können nur noch aufs Dach flüchten und müssen bei Wind und Wetter ausharren, bis Retter kommen.
So sah es gestern mitten im Rhein vor Grav-Insel aus: Nur noch die Dachspitze ragte aus dem schnell fließenden Fluss, auf dem First winkten drei „Bewohner” um Hilfe. Ein ums andere Mal flog der Helikopter der Bundespolizei das Ziel an, blieb flügelschlagend in der Luft stehen, ließ einen Retter langsam am Seil hinab - Treffer! Die Menschen auf dem Dach, die umso mehr ins Rutschen kamen, desto nasser das Holzdach wurde, wurden einer nach dem anderen in den Bauch des Hubschraubers gehievt.
Der Landrat ist beeindruckt
Landrat Ansgar Müller zeigte sich beeindruckt. Vor allem, weil die Luftretter, die bei diesen Rettungs-Aktionen von professionellen Polizei-Piloten auf spektakuläre Weise zur Unglücksstelle chauffiert werden, ihren Job rein ehrenamtlich lernen und ausüben. Wie zum Beispiel Jan Höpfner aus Alpen-Veen. Der 31-Jährige ist Luftretter bei der Wasserwacht des Roten Kreuzes am Niederrhein, seit vier Jahren dabei, auch als Chefausbilder der Rettungsbootführer.
Jedes Jahr müssen Jan und seine 17 NRW-Kollegen ran und in einer Fortbildung beweisen, dass sie noch fit genug sind, um jeweils zwei Leben am Haken sicher von A nach B zu bewegen. „Diesmal war es besonders kräftezehrend, weil der starke Wind und die neue Aufgabe, Leute vom Dach abzuholen, eine ziemliche Herausforderung waren”, sagt Jan Höpfner. Umso besser, dass man so was üben kann.
Sie sind eine kleine, feine Spezialeinheit: die Luftretter. Nach einem Konzept der DRK-Wasserwacht arbeiten bundesweit 100 Ehrenamtler der Wasserwacht, der DLRG und der Feuerwehren zusammen. Sie sind jeweils einem Fliegerstandort der Bundespolizei zugeordnet. In NRW stehen die Hubschrauber in Hangelar. Unter den 18 Luftrettern sind zwei vom DRK Niederrhein. Grav-Insel ist ihr bevorzugter Trainingsort.
Dazu hatten die Rotkreuzler das versenkbare Haus eigens aus Bayern geholt - ein bislang einzigartiges Übungssystem in Deutschland. Es bedurfte dann gestern auch aller Anstrengungen, damit es den Rheingewalten trotzen konnte - einmal machte sich das Haus auf in Richtung Holland, konnte aber von Rettungsbooten bald wieder eingefangen werden. „Wir haben allen Grund, der Weseler Wasserschutzpolizei für ihre Hilfe zu danken”, sagt Wasserwacht-Lehrgangsleiter Frank Kluge.
Ein plötzlicher Sturmregen setzte den Rettern auf Grav-Insel zu, Helikopterpilot Bayer umflog die dunklen Wolken, um nur wenige Minuten später neue Opfer im Rhein anzufordern. Von oben bis unten durchnässt waren jetzt ohnehin alle - und außerdem: Eine Flut ist niemals eine Schönwetter-Katastrophe.
Patschnass und erfolgreich
Der Rhein bei Wesel bot gestern alles, was Katastrophenschützer im Ernstfall ertragen müssen. Und so waren sie am Ende: erschöpft, aber bei bester Stimmung. Die fliegende Polizei und die Luftretter erwiesen sich als Top-Team.
08:23
@5
ja sicher, allerdings bei einer anderen Tätigkeit.
08:15
@Kollektiv
wenn das der Fall ist, hast Du Dich ja bestimmt schon längst als Ehrenamtler gemeldet, nicht wahr?
21:32
@2
mir erscheinen aber selbst in NRW, 100 Qualifizierte Luftretter zu wenig und nicht falsch verstehen, ich wollte nichts gegen Jan und die anderen sagen.
10:31
Man man man, auf dem Rhein bei Wesel ist in letzter Zeit ja richtig was los. Letzte Woche waren bereits Wasserrettungszüge aus Westfalen im Kreis Wesel unterwegs. Schon ne spannende Sache, da zuzuschauen und zu wissen, die üben echt jegliche Situation, um auf alles vorbereitet zu sein.
Leute weiter so - Ehrenamt ist Ehrensache!
07:27
Guten Morgen Kollektiv,
wie in dem Bericht erkennbar, sind bundesweit über 100 Luftretter jederzeit verfügbar. Die Einsatzbereitschaft erstreckt sich auf das gesamte Bundesgebiet und angrenzende Länder. Der Engpass liegt bei Katastrophenfällen eher auf der materiellen Seite. Sie können also beruhigt sein.... Luftretter sind bei Überschwemmungen in ausreichender Zahl vorhanden.
22:21
Jedes Jahr müssen Jan und seine 17 NRW-Kollegen ran
Hoffentlich werden nicht mehr als 2 Häuser von eine Überschwemmung bedroht......