Phänomen Hochdeutsch
21.10.2009 | 22:01 Uhr 2009-10-21T22:01:00+0200Wie entstand die hochdeutsche Sprache? Antworten auf diese Frage fand Brian Melican in Hannover.
Als Student besuchte ich mal eine sehr interessante Vortragsreihe zum groß angelegten Thema „Die Entwicklung der deutschen Sprache von 900 bis 1945“. Abgehalten wurden die Vorträge von einem gewissen Chris Wells. Er war für uns Germanisten an der Universität Oxford schon einigermaßen eine Legende, ein eifriger Verfechter der alten universitären Anschauung, der Zweck eines Studiums seien keine Noten oder Abschlüsse oder sowas niederträchtiges: Nein, wir brauchten Bildung, Erfahrung und vor allen Dingen Zeit.
Darum liefen seine Vorlesungen immer zu lang; er musste meistens zehn Minuten nach der Stunde von einem Funktionär der Sprachwissenschaftlichen Fakultät in vollem Redefluss etwas abrupt gestoppt werden. Und darum war der Stoff in den Vorlesungen so weitläufig, so reichhaltig, so gewollt unfokussiert. Abschweifen passierte bei ihm nicht von ungefähr –er strebte das nach Kräften an. Mit dem einen oder anderen Anekdötchen – fast völlig ohne Bezug zum Thema, versteht sich – konnte man immer rechnen.
Mehr Norm als Wirklichkeit
Es ist unter den Voraussetzungen erstaunlich, dass ich den Vorlesungen überhaupt irgendetwas an Stoff abgewinnen konnte. Viel war es nicht - wobei ich immer noch so einiges über die Frau und die Katze vom Prof. Wells aus dem Stegreif zu erzählen vermag. Jedoch weiß ich eins sehr wohl noch: Hochdeutsch ist ein Kunstwort, ein Sprachstandard, an dem kein Mensch sich so wirklich hält. Dabei sind viele Deutsche der Überzeugung, man müsse nur nach Hannover fahren, um richtiges Hochdeutsch zu hören.
08:57
@PS3, leider macht der Brain nicht mehr weiter, er hat uns Deutsche den Spiegel (in netter Art) vorgehalten, ich empfehle dir alle seine Bericht ´mal durchzugehen, freundlichen Gruß klaus h
22:24
Sehr schöner Artikel, vielen Dank. War sehr lesenswert.
08:01
die meisten Jugendlichen sind heute leider schon weit,´weit von der deutschen Sprache entfernt.
Von Hochdeutsch gar nicht zu reden.
Es ist immer wieder erfreulich, wenn man mal auf Jugendliche trifft, die hochdeutsch sprechen und ganze, sinnvolle Sätze bilden können.
Mit wär der Dialekt egal, wenn der Inhalt stimmt
09:49
Hallo Brian,
im Gegensatz zu meinem Vorkommentator finde ich wieder deinen Anstoß interessant;
man sagt Kleider machen Leute und so ist dies auch mit der Sprache (upperclas Englisch und aus Soho, ich glaube Cockney-Englisch) ist es genau so.
Ich kam mit 11 Jahren von Berlin nach Braunschweig und mußte Hochdeutsch lernen, was mir damals sehr schwer fiel, aber Gott sei Dank auch meinen Lebensweg dann geprägt hat.---heute kann ich nicht verstehen warum manche Deutsche, die in der Schule die selbe Sprache gelehrt bekommen, anders sprechen als sie schreiben.
Bei mir war es auch so, großgeworden mit Icke, dette kicke mal und wa? anstatt wie und warum), dann die Umstellung so zu sprechen wie man schreibt war für mich sagenhaft schwer!
Ich bin froh dass es mir gelungen ist, kann aber auch wenn ich will heute noch Berlinern oder hier im Ruhrpott die Ruhr-Pott-Sprache. übrigens ist es in den Niederlanden ähnlich, in Harlem wird das beste Niederländisch gesprochen (ich habe dort gearbeitet und über die, die Amsterdammer-Dialekt sprachen wurde abwertend hergezogen).
Ich finde es einmal wieder gut über eine Thema zu sprechen, über das man sonst nicht nachdenkt; übrigens sprichst du ein hervorragendes Hochdeutsch,
freundlichen Gruß klau h aus Duisburg-
23:57
Habt Ihr keine anderen Sorgen? --
Also auf der Zugspitze ist das Hochdeutsch
Auf dem Brocken Mitteldeutsch
Und auf dem Meeresgrund, vor Helgoland, Niederdeutsch
Das Gleiche gilt auch für Trächtig
Zugspitze = Hochträchtig,
Brocken = Mittelträchtig,
alles andere = Niederträchtig.
21:23
Wer das Bedürfnis hat, den hannöverschen Dialekt, der im Gegensatz zu den Aussagen der am Kröpcke Befragten durchaus noch in Hannover haamisch ist, mal live zu hören:
http://www.wir-sind-hannoveraner.de/
oder auch
http://siggiundraner.de/blog/ (ein Comedy-Duo)
Das in Hannover und Umland gesprochene Hochdeutsch ist darüber hinaus ja in der Aussprache auch noch stark von niederdeutschen Einflüssen geprägt. Viel mehr, als den meisten Sprechern überhaupt bewusst ist.
12:46
gar nicht mal so uninteressant