Klopp guter Dinge
08.02.2011 | 15:40 Uhr 2011-02-08T15:40:00+0100Jürgen Klopp äußert sich gut gelaunt nicht nur zu seiner Zukunft beim BVB.
Am Rande des Sportbusiness-Kongresses in Düsseldorf freute sich BVB-Trainer Jürgen Klopp über das Abschneiden der Konkurrenz am 21. Spieltag und über die Berufung einiger seiner Schützlinge in die Nationalmannschaft.
19:28
Man dem Autor Knüppler nur zustimmen, wenn er über Klopp sagt:
Wie unterschiedlich man eben jene Professionalität auslegen kann, zeigen in diesen Tagen Jürgen Klopp und Felix Magath. In unmittelbarer Nachbarschaft wurden sie als Hoffnungsträger zu Traditionsclubs geholt, deren finanzielle Spielräume gering und deren Erwartungen traditionell hoch waren. Während Magath mittlerweile in jedem Interview betonen muss, dass er ein gefühlsneutraler Vollblutprofi sei und strikt nach Vorgaben seiner allseits bekannten Professionalität agiere, lässt Klopp Taten sprechen und dreht sich – wahlweise beschämt oder genervt – weg, wenn er auf eine Selbstverständlichkeit wie professionelles Verhalten angesprochen wird. Immer öfter stellte sich zuletzt in diesem Kontrast die Frage nach der Identifikation des „Felix M.“ und „Übungsleiter K“: Sollten wir mit „Onkel Jürgen“ tatsächlich den Glücksgriff eines Fantrainers getan haben, der noch nie von etwas anderem träumte und für Borussia alles stehen und liegen gelassen hätte? Oder haben wir es bei Klopp mit dem Musterfall eines medienaffinen Blenders zu tun, der für Geld alles erzählen und beim ersten spanischen Angebot davon ziehen würde? Beide Fragen lassen sich wohl mit nein beantworten. Denn Klopp vollbrachte das Kunststück einer klugen Zwischenlösung, wie es in jüngster Vergangenheit nur wenige vermochten. Jürgen Klopp spielte von Beginn an mit offenen Karten. Indem er den FSV Mainz nicht auf Zuruf im Stich ließ, demonstrierte er Verantwortungsbewusstsein. Obwohl mit Borussia Dortmund und Bayern München mindestens zwei der attraktivsten Vereine der Bundesliga vor der Tür standen, gab er seinem Club die Zusage, im Fall eines Aufstiegs nicht gehen zu werden. Eine Geste der Fairness und des Pflichtgefühls, das seine Glaubwürdigkeit über die Vereinsgrenzen hinweg wachsen ließ. Niemand erwartete fortan eine innigliche Sympathiebekundung zum BVB, die nur oberflächliche Ersteinschätzung seines neuen Vereins wirkte im Zweifelsfall ehrlich.Der vielleicht klügste Schachzug folgte nur kurze Zeit später. Weil er keine Ahnung hatte, welche Ziele er überhaupt erreichen sollte, fragte Klopp diejenigen, die es ihm am besten erklären konnten: In gemütlicher Runde stellte er sich einer bunt gewürfelten Gruppe von Fanvertretern vor, hörte sich neben Wünschen und Hoffnungen auch die großen Ängste und Sorgen an. Am Ende stand das Versprechen, dass Leidenschaft gezeigt, Derbys gewonnen und Schulterschlüsse zwischen Verein und Fans gesucht werden sollten. Statt Zuneigung vorzuspielen gab er Offenheit gegenüber Fans und die Bereitschaft zu erkennen, die Umgebung auf sich wirken zu lassen – ein guter Eindruck zum Nulltarif. Seither entwickelte sich der BVB zu einem Arbeitgeber mit traumhafter Atmosphäre, der Klopps Arbeit wertschätzt und ihm jedes Vertrauen dieser Welt entgegenbringt. Er konnte eine Mannschaft nach seinen Vorstellungen formen, den Verein neu ausrichten und – im Gegensatz zum FC Bayern, Leverkusen, HSV oder anderen Top-Clubs – seinen Stempel aufdrücken. Alle zwei Wochen gibt es ein volles Westfalenstadion, zwischendrin wird die Mannschaft von zigtausend Fans quer durch Deutschland bis hin in den Nahen Osten begleitet. Vertrauen, das gegenseitig immer wieder aufs Neue zurückgegeben wird und sich nebenbei stabilisierend auf das Gesamtkonstrukt auswirkt.So sind es eben nicht die zweifelsohne netten Details eines (geschenkten) Handys, einer Basecap oder eines Windbreakers mit Vereinsemblem, an deren Existenz sich Identifikation bzw. an deren Nichtexistenz sich Professionalität festmachen ließe. Es sind die Kommunikation auf Augenhöhe, das offene Ohr und die ausgestreckte Hand, die das Gefühl geben, ernst genommen zu werden. Da können andere noch zehnmal auf ihre Professionalität verweisen, Jürgen Klopp und seine Mannschaft machen sie vor.
Glück auf!