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Automobilindustrie

Kann dieser Scheich Opel aus der Krise retten?

05.04.2009 | 13:23 Uhr

Berlin. Dieser Scheich ist wahrhaft reich. Wenn seine Königliche Hoheit Scheich Hamdan die WAZ an diesem Morgen in Berlin bitten lässt, dann natürlich ins Ritz. Der Reichtum seines Landes könnte die Rettung für Opel sein.

So also residiert jemand, für den Geld keine Rolle zu spielen scheint. In der Suite im 11. Stock am Potsdamer Platz. Weicher Teppich. Die schweren Vorhänge mit Goldmuster an der Sofaecke sind zugezogen. Auf dem Tisch steht ein opulentes Gesteck mit orangefarbenen Lilien, daneben ein Schälchen Pralinen und Datteln. Auf dem weichen Sofa sitzt Scheich Hamdan – und sieht so gar nicht aus, wie man sich Scheichs gerne vorstellt. Dunkelblauer Anzug, Einstecktuch und passende Krawatte, sorgfältig gepflegter Bart und verbindlicher Händedruck; er könnte auch Bankmanager sein. An einem Tisch im Hintergrund sitzen Männer aus seiner Delegation, manche mit dunkler Sonnenbrille. Im Flachbildfernseher läuft Al Arabija ohne Ton, Nachrichten und Werbespots. Für Toyota.

Für Opel nicht. Opel? Das Unternehmen, von dem das Ruhrgebiet hofft, dass er es rettet? Opel, GM-Tochter, Krise – da zieht der Scheich die Augenbrauen kraus. Dann sagt er, dass er noch in den letzten Stunden mit der Führung in Abu Dhabi über Opel geredet habe. Und dass man schon in anderen Ländern in der Autobranche investiert habe.

Plaudern mit Humor

Scheich Hamdan aus Abu Dhabi. Foto: Matthias Graben

Doch Konkretes lässt sich das Mitglied des Köngishauses kaum entlocken. Scheich Hamdan spricht leise, in sanft klingendem Arabisch. Sein Dolmetscher, links von ihm, übersetzt ins Englische. Immer wieder betont Scheich Hamdan, dass die Beziehungen zu Deutschland seinem Emirat sehr wichtig seien, dass man Geld in die Hand nehme, dass man auch am Golf auf erneuerbare Energien setze und deutsche Firmen dafür gerne ins Boot holen würde. Und wenn es nach ihm ginge, könnte das alles ruhig schneller gehen.

Die Fingerspitzen aneinandergelegt, ganz Diplomat, gibt er stets fast die gleiche Antwort. Und was man ihm wegen seiner gleichbleibend ernsten Miene nicht auf den ersten Blick ansieht: Wenn er auftaut, ist der Scheich ein schlagfertiger Mann, bei dem sich ein Lächeln einschleicht, ein Augenzwinkern; der mit seinem Botschafter Witze auf Arabisch macht, die der tapfere Dolmetscher dann den verdutzten Deutschen übertragen muss. Sogar für Erinnerungsfotos hat er Zeit, er lässt sich die Kamera geben und schießt sogar selbst welche.

Nicht zu viel Eile mit dem E-Auto

Nur als das Gespräch aufs Thema Erdöl kommt – da hat auch Scheich Hamdan keine Antwort in der Pipeline. Er schweigt für Sekunden. Dann antwortet er, Abu Dhabi hoffe, alternative Energien können den Bedarf bald decken. „Wir werden bei Solartechnologie die Nummer eins, schließlich haben wir 365 Tage im Jahr Sonne.“ Trotz allen Engagements für grüne Energien: Abu Dhabi hängt am Öl. Wenn sein Land bei Opel einsteigen würde, würden dann Elektro-Autos entwickelt? „We are not in a rush“, sagt Scheich Hamdan auf Englisch, lächelt und zwinkert: Da haben wir keine Eile.

Eile haben dagegen die Berater des Scheichs, die das Gespräch schließlich ziemlich abrupt beenden: Seine Hoheit müsse dringend zu einem anderen Termin und sei schon zwanzig Minuten zu spät dran. So bleiben viele Fragen ungestellt: Wie ist es, so viel Geld zu haben, dass man nicht nur die Suite mieten, sondern wohl gleich das ganze Hotel kaufen könnte? Welches Auto fährt der Scheich, saß er vielleicht schon mal in einem Opel?

Opels Zukunft, so scheint es, steht also weiter in den Sternen. Am Fenster in der Suite steht ein goldenes Teleskop – bestimmt kann der Scheich damit darin lesen.

Das exklusive Interview lesen Sie am Sonntag auf DerWesten.de.

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Rafael Heiling

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Kommentare
07.04.2009
05:01
Kann dieser Scheich Opel aus der Krise retten?
von larslange | #29

@27 Als Nokia ging, war kein Wahlkampf. Jetzt ist Wahlkampf und die Zeit großer Versprechen.

Dabei wäre es besser den Opelandern gegenüber ehrlich zu sein und nicht zu viele Erwartungen zu wecken.

Das darf man Rüttgers vorwerfen und nicht, dass er zu wenig für Nokia getan hat. Ich bin sogar der Meinung, man hätte lieber drei oder vier mittelständige Betriebe nach Bochum geholt, als einmal Nokia. Das wäre für alle hier besser gewesen.

Gruß

Lars Lange

07.04.2009
04:59
Kann dieser Scheich Opel aus der Krise retten?
von larslange | #28

Die Automobilbauer haben in den letzten Jahren ein Überangebot produziert. Darunter leiden vor allem Marken wie Opel.

Ist Opel zu retten? Die Ausgangssituation sieht nicht gut aus. Opel ist im Grunde eine Hülle, das Gelände, die Werke usw. gehören den Banken.
Auf welchen Deal werden die sich einlassen? Ist ein Herauslösen von Opel, eine europäiche Lösung unter den gegebenen Umständen überhaupt machbar oder macht die Politik hier, in Wahlkampfzeiten, den Mitarbeitern bei Opel falsche Versprechungen?

Es ist an der Zeit ehrlich zu sein und den Menschen zu sagen wo sie stehen, womit sie sehr wahrscheinlich rechnen müssen. Es ist unredlich ihnen falsche Hoffnungen zu machen. Aber es ist ebenso noch zu früh zu pessimistisch zu sein.

Allerdings sollte der Staat davon absehen Milliarden an Steuergeldern in Opel zu pumpen. Es könnte böse Nebenwirkungen haben. Beispiel Holzmann. Damals versucht die Regierung Schröder den angeschlagenen Konzern zu retten und stattete diesen mit Steuergeldern aus. So konnte sich Holzmann, ein schlecht geführtes Unternehmen, mit staatlicher Hilfe und Geldsegen gegen viele gesunde Unternehmen durchsetzen, die daraufhin alle pleite gingen. Am Ende ging Holzmann auch diesen Mittel aus und auch Holzmann verschwand. Alles wurde schlimmer und selbst gesunde Unternehmen wurden dank Schröders Geschenk an Holzmann in den Abgrund gerissen. Ähnlich könnte es anderen Autobauern ergehen, wenn man nun Opel unterstützt. Man denke da an Ford in Köln oder Saarlouis, an VW in Wolfsburg. Unternehmen die besser geführt sind als Opel. Staatliche Zuwendungen würden das Verzerren und das könnte mittelfristig auch hier Arbeitsplätze kosten, hinzu kommt, dass Opel irgendwann auch diese Mittel ausgehen werden und dann wiederholt sich die Geschichte wie bei Holzmann.

Deshalb müssen andere Lösungen her. Lösungen die auch in Betracht ziehen, dass Opel nicht mehr zu retten ist. Hierfür braucht es einen Plan B und der erfordert das die Konzentration der Wirtschaftsförderungen im Ruhrgebiet allein auf ihre Stadt und allein auf große Namen aufgegeben wird, zugunsten einer besseren Kooperation und kleinere und mittlerer Betriebe. Bis jetzt lehnen Wirtschaftsförderungen solche Ansiedlungen oft nur aus Prestigegrünen ab und versteifen sich zu sehr auf große Namen, die nie kommen werden. Dann doch besser der kleine Betrieb, der echtes Interesse zeigt.

Zum Scheich: Es ist fraglich wie ernsthaft sein Anliegen ist. Aber wenn es wirklich ernst gemeint ist, so zeigt die Erfahrung, wird es zum Vorteil für die Standorte sein. Den Araber denken langfristig und strategisch, danach richten sie auch ihre Geschäftsmodelle aus. Dies bedeutet ein Ende der Zeiten kurzfristiger Profitmaximierung auf Kosten der Belegschaft.

Aber wie gesagt, noch sollte man nicht zu viel erwarten und immer einen Plan B zur Hand haben.

Gruß

Lars Lange

05.04.2009
17:34
Kann dieser Scheich Opel aus der Krise retten?
von kohlenpott | #27

Wo war Herr Rüttgers als das Nokia-Werk geschlossen wurde? Soviel Einsatz für den Erhalt eines Werkes wie Opel hätten wir uns auch für Nokia gewünscht!

05.04.2009
16:44
Kann dieser Scheich Opel aus der Krise retten?
von D. Janzen | #26

am 03.04.09 wurde ein Bericht über einen
falschen Brandschutzsachverständigen aus Moers
ausgestrahlt.
Diesen Bericht kann ich nicht im Internet finden.

05.04.2009
14:31
Blockierter Kommentar.
von Matthias.Kiesel | #25

Dieser Kommentar wurde von einem Moderator blockiert.

05.04.2009
14:28
Kann dieser Scheich Opel aus der Krise retten?
von spacedrummer | #24

#19 DDT - - -
Um hier alles aufzuzählen, was Du verpaßt hast, reicht die Kommentarfunktion nicht.
Schönen Sonntag noch...

05.04.2009
12:17
Kann dieser Scheich Opel aus der Krise retten?
von r.kant | #23

@ G.E. Horster

Klasse Beitrag. Sie haben sehr genau aufgepasst und verstanden was jetzt passiert.

In de Emiraten geht langsam das Öl zu Ende. Und weil die Scheichs das wissen, tun sie alles um möglichst viel Öl zu verkaufen und die Entwicklung alternativer Energien zu verhindern.
Den Scheichs ist es nämlich peinlich, dass sie auf Kosten des Westens so reich geworden sind und wenn ihr Öl alle ist, wollen sie wieder zu einem ganz gewöhnlichen Wüstenstaat werden und Kamele züchten und keinesfalls mehr mit klimatisierten Autos durch die Wüstenhitze fahren.

Sie haben diese Wünsche der Scheichs sehr gut analysiert und daher wissen sie auch, dass die jetzt Opel kaufen wollen, weil die sonst nicht wissen, was sie mit ihrem Geld sonst noch anstellen könnten.

05.04.2009
11:07
Kann dieser Scheich Opel aus der Krise retten?
von G.E.Horster | #22

Warum sollte dieser Scheich in eine leere Hülle investieren? Jedenfalls weiß ich jetzt durch diesen Artikel warum daimler und Konsorten mit Brennstoffzellen/Wasserstoff und E-Antrieben nicht weiter kommen: dank arabischer Investoren. Die wollen ihr Öl verkaufen und Alternativen verhindern um jeden Preis. Darum ist der Kerl wohl hier.

05.04.2009
10:55
Kann dieser Scheich Opel aus der Krise retten?
von PeterPeisert | #21

@Erst verkauf(t)en sie uns ihr Öl, jetzt kaufen sie evtl. unsere Werke und Fabriken mit dem Geld, welches sie von uns für ihr Öl erhalten haben. Also besitzen sie evtl. demnächst das Öl (welches wir unbedingt benötigen) u n d die Industrie, für die Öl auf absehbare Zeit unabgingbar ist..

Zwingt Sie jemand, das ganze Leben zwischen dem Parkplatz und der Tanke zu verbringen? Das Autofahren abstellen, wenn man unabhängig sein möchte...

(Opel besitzt übrigens keine Vermögenswerte mehr - weder Patente noch Immobilien. Nur noch den verruchten Namen - oder haben die Amis auch den Markennamen verpfändet?)

05.04.2009
09:57
Kann dieser Scheich Opel aus der Krise retten?
von DDT | #20

Was ist das hier für ein Gejaule von wegen Ausverkauf von Deutschland. Dazu gehört Opel mit Sicherheit nicht, weil seit den30. Jahren des letzten Jahrhunderts, GM zugehörig. Oder habe ich irgend etwas verpasst.?

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