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Musik

Gecheckt: Trail of Dead

13.07.2009 | 15:22 Uhr

"Trail of Dead" gastierten in der Bochumer Zeche. Kurz zuvor baten wir die Band zum Soundcheck.

Info
Wie funktioniert der Soundcheck?

Vor der Frage kommt die Musik. Deswegen spielen wir den Musikern Lieder vor. Von sich, von anderen - aber immer mit Bezug zur eigenen Person. Bei "Soundcheck" geht es nicht um das Erraten der Lieder, sondern um die Geschichten dahinter.

Den schon absurd-umständlichen Namen dieser Formation aus Texas sollte man sich noch einmal auf der Zunge zergehen lassen: „And you will know us by the trail of dead” bedeutet in etwa „An der Spur der Toten sollt ihr uns erkennen”. Die Inspiration stammt angeblich aus einem alten Ritual des Maya-Volks, mit dessen Kultur sich die Bandmitglieder einst intensiv beschäftigten. Könnte auch der Titel eines fiktiven Italo-Westerns sein, auf jeden Fall spricht ein solcher Name für das Selbstvertrauen und die Kauzigkeit der Band, denn eine Plattenfirma muss angesichts einer solchen Unvermarktbarkeit schier verzweifeln.

Ist wohl auch so. Denn ihr aktuelles, sechstes Album "The Century of Self" ist auf einem Label erschienen, das der Band selbst gehört. Was dem Erfolg des Sextettes allerdings keinen Abbruch zu tun scheint. Rund 400 Gäste - darunter überraschend viele weibliche - waren in die Zeche gekommen und erlebten eine wacker aufgelegte Band. Was wiederum nicht unbedingt zu erwarten war. Im Vorfeld, beim kleinen Interview, machte Frontmann Conrad Keely einen etwas ermatteten Eindruck und verlangte vergnügt nach Drogen, so wie es die Rock-Tradition eben fordert. Aber Keely hatte keine dabei. Rotwein half. Aber, ermattet darf er auch sein, schließlich machen er und seine Freunde im Rahmen ihrer Welttournee (nicht wirklich üblich bei Alternativ-Rockbands) in mehr als hundert Städten Halt. Während hinten am Merchandise-Stand alte Heino-Platten auf verdutzte Gesichter grinsten (die Jungs sind ja so drollig), verbreitete die Band auf der Bühne schon mal erste Vorgeschmäcker auf epischen Lärm, der sich nach einigen Schleifen und Fransen meist in geschlossene Rockhymnen bündelte.

Zwischen derb und mystisch anmutend

Früher war das Musikstilraten ein Merkmal der Band. Hier ein bisschen Bowie, da eine Runde Canned Heat oder eine Prise Rolling Stones. Das hat sich gelegt, eine verbliebene Referenz-Konstante scheint Led Zeppelin zu sein und auch die nur entfernt. Denn die Band hat längst einen eigenen Sound entwickelt, eine zünftig-derbe, manchmal mystisch anmutende Rock-Variante, die den veritablen Hard Rock allerdings und Gott sei Dank nur streift, denn für Hard Rock sind die Jungs zu smart. Manchmal werden Instrumente getauscht, dann geht's mit zwei Schlagzeugen zur Sache. Ziemlich intensiv, das Ganze.

Ihrer braven Vergangenheit als Chorknaben ihrer Gemeinde im nordost-texanischen Plano zollten die Urmitglieder auch schon mal mit einem Triett Tribut. Da schlich sich mehr als eine Ahnung von Harmoniebedürfnis ein, das ansonsten erfolgreich in die Schranken gewiesen wurde. Eineinhalb Stunden Muskelrock mit Hirn.

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Marcus Römer, André Bauer

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