Die Senioren-Sheriffs von Heiligenhaus
23.06.2009 | 14:17 Uhr 2009-06-23T14:17:00+0200Heiligenhaus. Im Bezirk der Kreispolizei Mettmann kämpfen 78 Rentner gegen Trickbetrüger und für offene Augen im Straßenverkehr.
Es klingelt an der Tür. Ein erster Blick durch den Spion. Ist es wieder ein Vertreter, der irgendeinen Kram für den Hausrat verkaufen will? Oder jemand, der nur mal kurz eben die Toilette benutzen möchte? Antworten fallen schwer – und genau hier lauert die Gefahr: Trickbetrüger klingeln immer häufiger an Haus- und Wohnungstüren.
Um Mitglied zu werden, ist eine Schulung nötig
Das Aktionsbündnis Senioren-Sicherheit (ASS!) wurde 2007 ins Leben gerufen und ist ein Projekt der Kreispolizei im Rahmen der Senioren-Prävention.
Die Heiligenhauser Gruppe gibt es seit April 2008. Die zehn Mitglieder treffen sich zum gemeinsamen Austausch alle vier bis sechs Wochen im kleinen Sitzungssaal im Heiligenhauser Rathaus. Immer mit dabei: Susanne Wulf von der Polizei (Verkehrsprävention- und Sicherheitsberatung) und Jörg Saborni, Leiter der Abteilung Soziales bei der Stadt.
Besonders Senioren sind dieser Art von Kriminalität meist schutzlos ausgeliefert. „Manche machen achtlos ihre Tür auf. Doch wenn die erstmal offen und der Fuß drin ist, ist es vorbei. Dann hat man keine Chance mehr, sich zu wehren”, warnt Günter Schulz. Der 77-Jährige ist seit dem Anfang Juni Senioren-Sicherheitsbeauftragter für Heiligenhaus und mit diesen Themen vertraut. Seine Frau Ursula macht schon länger mit bei dem Aktionsbündniss Senioren-Sicherheit (ASS!) des Kreises Mettmann. „Ich habe sie immer gefahren und war dann als blinder Passagier dabei”, berichtet Günter Schulz. Aus dem „blinden Passagier” ist jetzt ein echtes „Ass” geworden.
Doch um überhaupt Mitglied im Bündnis zu werden, musste der Hobbyjäger erst einmal eine Schulung bei der Polizei machen. „Das war schon ganz schön anstregend”, beschreibt Schulz. Einen ganzen Tag lang hörte er sich Vorträge über Trickdiebstahl und Straßenverkehrssicherheit an. Er lernte auch, wie man ein Sicherheitsgespräch führt. „Ich hab mich sehr gefreut, so viel Wissen mitnehmen zu können”, so das Neu-„Ass”. Zum Abschluss gab's noch eine Urkunde, die einen Ehrenplatz an der Wohnzimmerwand bekam. Natürlich eingerahmt.
Doch was macht ein Senioren-Sicherheitsbeautragter eigentlich genau? „Wir sind nicht die Polizei”, stellt er erstmal klar. Aber: „Manche Menschen sind nicht mehr ganz so gut drauf. Wenn wir sehen, dass sie Schwierigkeiten haben, über die Straße zu gehen, helfen wir ihnen rüber und geben ihnen kleine Sicherheitshinweise”, erklärt der Rentner. Doch ab und zu wird das ganz schön schwierig: „Manche Menschen wollen einfach keine Hilfe, dann lassen wir sie natürlich auch in Ruhe.”
An erster Stelle sind es Bekannte und Verwandte, denen das Ehepaar Schulz nützliche Tipps für den Alttag gibt. So verteilen sie an Freunde auch fleißig gelbe Reflektionsbändchen – damit die Rentner im Dunkeln besser gesehen werden.
Verkehrssicherheit liegt Schulz am Herzen
Besonders am Herzen liegt dem ehemaligen Kraftfahrzeugmeister aber die Verkehrssicherheit der Senioren. Ob als Fußgänger oder selbst hinterm Steuer sitzend. „Manche ältere Menschen sollten überlegen den Führerschein abzugeben, wenn es nicht mehr geht. Dafür ist zu viel los auf den Straßen”, sagt Schulz, der früher mal Fahrlehrer war. Auf der Verkehrssicherheit wird daher auch sein besonderes Augenmerk liegen.
Keine Frage: Günther Schulz nimmt seine neue Aufgabe ernst. Im Grunde ist sie auch genau das Richtige, denn getreu dem Motto „Wer rastet, der rostet” sagt der Senior heute: „Ich muss immer in Bewegung bleiben.”
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