„Angelika Express" lässt Fans investieren
07.04.2009 | 07:27 Uhr 2009-04-07T07:27:00+0200Köln. Während landauf, landab Aktien ihre Anleger ins Unglück stürzen, garantiert das gleiche Prinzip der Kölner Band „Angelika Express“ Erfolg und ihren Fans ein neues Album.
Eine kleine Revolution ist es schon: Die Kölner Indie-Band „Angelika-Express" hat sich ihr Comeback-Album „Goldener Trash“ nicht von einem Label, sondern von Fans vorfinanzieren lassen – und zwar über Aktien. Das Konzept könnte Zukunft haben: Während die Musikindustrie über sinkende Umsätze klagt und gegen das kostenlose Downloaden zu Felde zieht, war die Angelika-Aktie innerhalb kürzester Zeit ausverkauft – obwohl sämtliche Songs schon vorher im Internet zu haben waren und zwar für lau.
Das Prinzip ist denkbar einfach und so einleuchtend, dass man sich wundert, warum nicht schon mehr Alben auf diese Art produziert worden sind: Kalkulierte Produktionskosten von 25.000 Euro werden in 500 Aktien á 50 Euro gesplittet und an den Mann bzw. die Frau gebracht. Wenn der Verkauf des Albums gut läuft, bekommen die Anleger ein Stück vom Kuchen: 80 Prozent zukünftiger Gewinne sollen an die Aktionäre, 20 Prozent an die Musiker gehen.
Comeback im Alleingang
Kollektiv statt kommerziell, das galt bislang für Kooperativen zwischen Fans und Bands. "Angelika Express" probiert aus, ob kollektiv auch kommerziell geht.
Kollektive Finanzierung von Musikprojekten:Taufrisch ist die Idee nicht mehr; die Einstürzenden Neubauten arbeiten seit Jahren mit diesem Konzept. Neu ist allerdings, dass die Unterstützer finanziell am Endprodukt beteiligt werden sollen. Ob letztendlich genug Alben verkauft werden, um der Band und ihren Aktionären Gewinne zu bescheren sei dahingestellt. Profitiert haben die Beteiligten allemal: Für die Fans gibt’s ein neues Album, für die Band eine Menge mediale Aufmerksamkeit und eine emanzipierte Produktionsweise. Lediglich der Musikindustrie bleibt ein Grund mehr, sich zu beklagen.
Die Idee stammt ursprünglich von der Elektropop-Combo "Morton Valence" aus Großbritannien. Als Robert Drakogiannakis im Frühjahr vergangenen Jahres versuchte, seine alte Band „Angelika Express“ wiederzubeleben, kam ihm das Konzept gerade recht. Die Stamm-Formation hatte sich 2005 aufgelöst; im Alleingang veröffentlichte Drakogiannakis zwischen April und August 2008 neue Songs auf der bandeigenen Homepage und ergänzte das Ein-Mann-Unternehmen um Bassistin Dani Hilterhaus und Drummer Mirko „Caddy“ Cardeneo.
Die neuen Stücke konnten zunächst kostenlos im Internet heruntergeladen werden. „Das Einspielen von Songs kann man dank technischer Entwicklung problemlos selber machen, dafür braucht man keine großen Plattenfirmen mehr,“ sagt Drakogiannakis. Mit dem Vorschuss aus den Fan-Aktien sei vielmehr Pressung, Artwork des Covers und Promotion finanziert worden.
Fans wünschen sich Album
Viele Fans wünschten sich nämlich – freier Download hin oder her - trotzdem einen richtigen Tonträger; an ein Label wollte sich die Band aber nicht mehr binden. Stattdessen wandte sie sich mit 500 Aktien an ihre Fans, die meisten Wertpapiere waren nach wenigen Tagen verkauft. So groß war der Ansturm, dass Angelika Express die letzten Aktien per Losverfahren unter die Leute bringen musste.
„Ich war überrascht vom Erfolgder Aktion“, sagt Dani Hilterhaus, aka das Bassmädchen, „ich hatte schon überlegt, wie ich meinen Eltern übriggebliebene Aktien andrehen kann.“
Handelbar sind die Wertpapiere allerdings nicht. Mit dem Projekt sollten keine lediglich am Gewinn orientierten Mittelsmänner, sondern langfristig an der Band interessierte Fans und Förderer angesprochen werden. „Sonst hätten wir ja auch gleich bei einer Plattenfirma bleiben können“, sagt Drummer Caddy. Aus dem gleichen Grund wurde auch ein Großaktionärs-Anwärter abschlägig beschieden, der gleich 50 Angelika-Aktien erwerben wollte. Schließlich, so Drakogiannakis, wolle man sich nicht in musikalische Entscheidungen hineinregieren lassen.
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