Verschwiegenes Leiden

Dr. Hisham Ashour (l.) und  Dr. Alois Kranz referieren beim Gesundheitstag
Dr. Hisham Ashour (l.) und Dr. Alois Kranz referieren beim Gesundheitstag
Foto: IKZ
Was wir bereits wissen
Dr. Alois Kranz und Dr. Hisham Ashour widmen sich in ihrem Vortrag der Harninkontinenz.

Iserlohn..  Eines Tabuthemas wollen sich Dr. Alois Kranz (Chefarzt Urologie und Kinderurologie, St. Elisabeth Hospital) und Dr. Hisham Ashour (Ärztlicher Direktor, Chefarzt Frauenklinik, Evangelisches Krankenhaus Bethanien) beim Gesundheitstag annehmen: „Wenn die Blase nicht mehr hält – das verschwiegene Leiden“ haben die beiden ihr Vortragsthema getauft.

Sechs Millionen Menschen sind in Deutschland betroffen

Obwohl die Harninkontinenz weitaus häufiger verbreitet ist als Diabetes, scheuen sich viele Betroffene davor, über die Schwierigkeiten zu sprechen. Immerhin leiden fünf Millionen Frauen und eine Million Männer darunter, die Dunkelziffer liegt weitaus höher. „Oft reden die Patienten nur darüber, wenn man sie darauf anspricht“, weiß Dr. Alois Kranz. Dr. Hisham Ashour ergänzt: „Viele Frauen sehen Inkontinenz als Gott gegeben an.“ Die beiden Fachleute halten nicht umsonst einen gemeinsamen Vortrag – schließlich arbeiten sie eng zusammen. „Wir erstellen gemeinsame Konzepte, wollen allen helfen.“

Den ersten Teil des Vortrages übernimmt der Chefarzt der Urologie und Kinderurologie am St. Elisabeth Hospital. Dr. Alois Kranz wird auf die verschiedenen Formen der Blasenschwäche – beispielsweise Reflex-, Belastungs-, Drang- oder Überlauf-Inkontinenz – eingehen. Ebenso zeigt er die Ursachen, wozu unter anderem Überaktivität oder Überempfindlichkeit der Blase, Störungen von Nerven oder Rückenmark, Beckenbodenschwäche oder Folgen von Operationen zählen können. Auch Demenz könne zu Inkontinenz führen, so Dr. Kranz.

Er wird auch die Diagnose-Möglichkeiten vorstellen: Je nach Beschwerdebild kommen verschiedene Untersuchungsmethoden zum Einsatz. Zunächst müssen natürlich Erkrankungen wie Blasenentzündungen, Blasensteine und Tumoren als Ursache ausgeschlossen werden. Mittels Ultraschall-Untersuchung lassen sich die Nieren und die Blase beurteilen.

Außerdem wird der Druck in der Harnblase und im Bauchraum während der Füllung beziehungsweise Entleerung der Blase gemessen. Auch die Funktion des Blasenschließmuskels prüft der Arzt unter Ruhe- und Belastungsbedingungen. Manchmal ist eine Spiegelung notwendig, um die Blase von innen zu begutachten und Veränderungen der Schleimhaut oder Steine aufzudecken. Das Therapiekonzept bei Inkontinenz und Blasensenkung stellt der Chefarzt der Frauenklinik am Evangelischen Krankenhaus Bethanien vor. „80 Prozent der Therapien werden konservativ vollzogen: durch eine lokale Hormontherapie, Physiotherapie, Pessar, Elektrostimulation, Medikamente“, so Dr. Hisham Ashour.

Beckenbodengymnastikhilft bei 20 Prozent

Bei 20 Prozent der Betroffenen könne das Leiden durch Beckenbodengymnastik gelindert beziehungsweise sogar ausgeräumt werden. Schlagen alle anderen Therapien nicht an, muss operiert werden. Dies geschieht heute größtenteils minimalinvasiv, also durch die so genannte Schlüssellochtechnik, und birgt so weniger Risiken.