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27.02.2009 | 21:55 Uhr

SCHULE. Mit neuen Gesamtschulen wollen Kommunen der hohen Nachfrage nach Plätzen gerecht werden. Die Landesregierung bremst.

Bonn/Hemer. Eine neue Schule zu gründen, kann ein ziemlicher Kampf sein. Vor allem, wenn es sich dabei um eine Gesamtschule handelt. Etwas mehr als 200 gibt es derzeit in NRW. Und weil die Anmeldezahlen seit Jahren steigen, die Gesamtschulen im Lande aber mangels Kapazität zahlreiche Schüler ablehnen müssen (siehe Kasten), wollen viele Kommunen derzeit neue Schulen gründen. Die Stadt Bonn konnte sich gestern gegen den Einspruch der Bezirksregierung Köln durchsetzen. Das Verwaltungsgericht Köln gab ´grünes Licht´, jetzt eine vierte Gesamtschule einzurichten.

Ohrfeige für die Landesregierung Die Zahlen waren deutlich: 600 Bonner Viertklässler wären im vergangenen Jahr gerne auf eine der drei Gesamtschulen in der Stadt gewechselt. Doch sie wurden abgelehnt. Mangels Kapazität. Für Angelika Maria Wahrheit, Bonns Schuldezernentin, ist der Beschluss der Kölner Richter "eine richtungweisende Entscheidung im Interesse aller Eltern in NRW" - und damit eine Ohrfeige für die schwarz-gelbe Landesregierung. Dass deren Interesse an neuen Gesamtschulen nicht allzu groß ist, zeigte sich in Bonn daran, dass die Bezirksregierung Köln das Projekt zu stoppen versuchte, indem man dem künftigen Startjahrgang eine "mangelnde Leistungsheterogenität" ankreidete und dies daran festmachte, dass unter den 121 künftigen Fünftklässlern nur 30 Kinder seien, die eine Empfehlung für das Gymnasium hätten; dies seien genau acht zu wenig. Hintergrund: Gesamtschulen sind gehalten, ein ausgewogenes Verhältnis von Hauptschul- bis Gymnasial-Empfehlung unter den Jahrgängen sicher zu stellen. Doch das Gericht stellte klar: Das Landesschulgesetz mache dafür "keine starren Vorgaben".

Auch im sauerländischen Hemer ließen sich die Pläne für eine eigene Gesamtschule, die dort zum kommenden Schuljahr entstehen soll, nur mit großem Einsatz einer Eltern-Initiative - die sich inzwischen als Schulförderverein gegründet hat - gegen heftigen Widerstand verwirklichen. Anfang Februar kam das Okay für die neue Schule durch die Bezirksregierung Arnsberg - aber mit einer Auflage, die dem Gesamtschul-Prinzip eigentlich zuwider läuft: "Wir dürfen nur Halbtagsbetrieb machen", berichtet Bürgermeister Michael Esken. Die Vorgabe aus dem NRW-Schulministeri um mag der 42-Jährige nicht kommentieren, wo Ministerin Barbara Sommer (CDU) in Sachen Ganztagsbetreuung die Prioritäten klar auf Haupt- und Realschulen setzt. Der Förderverein will sich jedoch nicht damit abfinden, sagt Mitglied Ingo-Olaf Schumacher: "Wir wollen das ehrenamtlich auf die Beine stellen."

Bürgermeister Michael Esken sieht die Forderung nach mehr Gesamtschulen als "Zeichen der Zeit". Er folge damit "dem Elternwillen" - nicht dem Partei-Dogma; Esken ist CDU-Mitglied. Die Unterstützung in dem 38 000 Einwohner-Städtchen bei Iserlohn zudem sei enorm: Bei einer Umfrage hatten die Eltern von 194 Kindern ihr Interesse an der neuen Schule angemeldet. Esken: "Das ist die Hälfte des aktuellen Jahrgangs der Viert-klässler".

Mischung aus starken und schwächeren Schülern So hoch die Nachfrage nach Gesamtschul-Plätzen ist: der Ausbau ist nicht überall sinnvoll, meint Karin Teetzmann, Leiterin der Gesamtschule Mittelkreis im niederrheinischen Goch. 157 der 307 Vierklässler musste Teetzmann für das kommenden Schuljahr leider ablehnen. Laut Landesschulgesetz würden schon 112 Kinder ausreichen, um die Gründung einer zusätzlichen Schule zu rechtfertigen. Eine zweite Gesamtschule in Goch oder Umgebung - die sich auch dort viele Eltern wünschen würden - würde aber eher kontraproduktiv wirken, weil sie die geforderte Mischung von ´schwächeren´ und ´stärkeren´ Schülerinnen und Schülern beeinflusst. "Entstehen würde dann eine Gesamtschule, die von der Schülerschaft her eigentlich nur aus Haupt- und Realschule besteht." Das, sagt Teetzmann, macht die Qualität der Schule dann nur schlechter. (NRZ)

Dagobert Ernst

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28.02.2009
07:48
Zeichen der Zeit
von Pullmann | #2

Ich sehe es ähnlich, das läuft auf ein zweigliedriges Schulwesen hinaus, besonders in ländlichen Gebieten. Also sollte man Haupt- und Realschulen zu Gesamtschulen zusammenfassen, neben den Gymnasien. Wo es genug Anmeldungen gibt, sollten Realschulen daneben erhalten bleiben.

Im Prinzip hat die Politik die Elternwünsche umzusetzen. Dabei darf es aber keine Privilegierung von Gesamtschulen geben, wie unter Rotgrün. Der Anteil an Ganztagsschulen darf nicht höher sein als im gegliederten Schulsystem, die Versorgung mit Lehrern nicht besser.

28.02.2009
07:18
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von runningvalentino | #1

Die Landesregierung spielt hier auf Zeit. Ich denke die Damen und Herren brüten ein ganz neues Ei aus.
Was sie vorhaben? Nun , die Schülerzahlen sind rückläufig und Geld ist wenig vorhanden. Ergo werden demnächst Haupt - und Realschulen abgeschafft, Förderschulen ebenfalls. Somit wird es nur noch das Gymnasium mit dem Turboabitur für die geistige Elite und eine Gemeinschaftsschule für das gemeine Schülervolk geben. Strittig ist vielleicht noch der Übergang von der Primarstufe zur Gemeinschaftsschule - nach sechs oder vier Jahren.

Das könnte das kostengünstige Modell der Zukunft sein.

runningvalentino

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