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Warum Bochums Ex-Polizeichef OB Sauerland anzeigte

27.07.2010 | 07:47 Uhr
Warum Bochums Ex-Polizeichef OB Sauerland anzeigte
Bochums ehemaliger Polizeipräsident Thomas Wenner. Foto: Karl Gatzmanga / WAZ

Bochum/Duisburg.Bochums ehemaliger Poizeipräsident Wenner verhinderte die Loveparade in Bochum 2009. Auch er musste damals gegen Widerstände kämpfen. Nun zeigte er Duisburgs Oberbürgermeister Sauerland an.

Wäre der Anlass nicht so traurig, müsste auch er sich im Nachhinein bestätigt fühlen. Thomas Wenner (62), der in den Ruhestand versetzte Bochumer Polizeipräsident, hatte großen Anteil daran, dass Bochum 2009 die Loveparade wegen der Sicherheitsrisiken absagte. Der wortgewaltige Jurist machte sich damals nicht nur Freunde, als er einen offenen Brief zur Loveparade schrieb, der ausgerechnet und fast prophetisch mit den Worten endete: „Überleben ist wichtiger...“

Dass er sich nun entschied, gegen Duisburgs Oberbürgermeister Adolf Sauerland (CDU) und leitende Beamten der Stadt Strafanzeige wegen fahrlässiger Tötung zu erstatten, hat mit einem Statement zu tun, dass Sauerland vor laufenden Kameras gab. „Herr Sauerland argumentierte, das Sicherheitskonzept sei in Ordnung gewesen, die Menschen hätten falsch reagiert. Das war der Moment, in dem ich mich zur Strafanzeige entschloss“, so Wenner.

Metropole Ruhrgebiet als Monstranz der Popularität“

Dass das Sicherheitskonzept offenkundig nicht funktionieren konnte, müsse jedem klarwerden, der sich vorstelle, dass man ein 80 000 Menschen fassendes Stadion nur über einen Eingang füllt.

Wenner hatte sich im Januar 2009 mit einem Offenen Brief an die Öffentlichkeit gewandt. Schon damals gab es gehörigen politischen Druck, die Loveparade, die 2007 aus Berlin ins Ruhrgebiet geholt worden war, in einer Art Fünfklang – erst Essen, dann Dortmund, Bochum, Duisburg und Gelsenkirchen – als juveniles Großevent durchzuziehen. Das Ruhrgebiet zeigt sexy Berlin, wie es besser geht.

Wenner jedoch, einig mit Bochums Oberbürgermeisterin Ottilie Scholz, hielt die Loveparade in Bochum für nicht machbar. Der Bahnhof und sein Umfeld könne über eine Million Menschen auf einmal nicht verkraften. „Was denken sich eigentlich Politiker und Journalisten, die die Metropole Ruhrgebiet als Monstranz ihrer Popularität vor sich hertragen, wenn es um die Verantwortung derer geht, die als Amtsträger für die Folgen ihres Handelns persönlich haften?... Die die Enge des Veranstaltungsraumes und die Disfunktionalität der Zu- und Abfahrtsströme kennen, die wissen, dass es schon in Dortmund diesbezüglich heikle Situationen gegeben hat? Die wissen, dass ein Großteil der bis zu 1,5 Millionen junger Teilnehmer unter Alkohol und Drogen stehen wird und die sich die Auswirkungen einer Panik unter so vielen Menschen auf so engem Raumvorstellen können“.

Anvertraute Menschen, die es zu schützen gilt

Wenner spricht von Sicherheitsbedenken, von Verantwortung und der körperlichen Unversehrtheit und dem Leben anvertrauter Menschen, die es zu schützen gilt. Damals sah er sich einer manifesten „Geht-nicht-gibt’s-nicht!“-Fraktion gegenüber. Die Stadtspitze Bochums, von der Polizei, aber auch von der lokalen Feuerwehr beraten, blieb dabei: keine Loveparade.

Thomas Wenner jedoch waren nur noch zehn Monate in Bochum vergönnt. Im November 2009 wurde er von Innenminister Wolf (FDP) in den Ruhestand versetzt, weil er, der SPD-Sympathisant, die SPD-Landtagsfraktion in einer Streitfrage zum Thema Organisierte Kriminalität unterstützt haben soll.

Hayke Lanwert

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Kommentare
28.07.2010
15:17
Warum Bochums Ex-Polizeichef OB Sauerland anzeigte
von aseier | #52

@B.Schmitz:
Der NRW-Innenminister gibt gerade ein PK.
derwesten-Liveticker unter http://ticker.derwesten.de/we_ticker.php?kennung=PK_Loveparade_Landtag&headergrafik=&1280322727

28.07.2010
15:10
Warum Bochums Ex-Polizeichef OB Sauerland anzeigte
von B.Schmitz | #51

Was mich wundert ist, dass die Einsatzleiter der Polizei bzw. der Polizeipräsident nicht vor die Presse treten. Es kommt immer nur ein Sprecher der Polizeigewerkschaft. Aber die Polizei macht ja keine Fehler; sie werden schon ein Bauernopfer finden.

28.07.2010
12:02
Warum Bochums Ex-Polizeichef OB Sauerland anzeigte
von insider2010 | #50

SPD-Mann Wenner ist seinerzeit von einer CDU/FDP-Landesregierung in den vorzeitigen Ruhestand geschickt worden.
Umgangssprachlich würde man sagen, er ist mit Schimpf und Schande geschasst worden.

Offiziell war es eine Studie über Kriminalität, die damals angeführt wurde.
In Wirklichkeit waren es offenbar viel mehr eine große Anzahl an Vorkommnissen innerhalb seiner Behörde, die er veranlasst hatte.
Insbesondere sind unbequeme Mitarbeiter scheinbar systematisch bespitzelt und gemobbt worden.
Vorzugsweise auch solche, die eben nicht der SPD angehörten.

Und da ist es politisch nur opportun, wenn man sich jetzt mal wieder bei der neuen Landesregierung zu Wort meldet, also ein Lebenszeichen sendet.

Denn immerhin ist Wenners Posten seitdem nicht wieder neu besetzt worden.
Nach dem Motto: Liebe Hannelore, mich gibts noch. Ich will wieder mit spielen. Gib mir doch meinen alten Posten zurück !

Wäre Duisburgs OB SPD-Mann, hätte Wenner ihn dann auch angezeigt ?

28.07.2010
04:02
Warum Bochums Ex-Polizeichef OB Sauerland anzeigte
von Staufenberg | #49

Frau Kraft ist auch schuld, die neue Ministerpräsidentin wollte auch die LP in Duisburg- trotz aller Gefahren und der Rüttgers sowiso, aber auch alle Duisburger. Es war ein Unglück -ein Unfall - niemand ist Schuld!!!!

28.07.2010
03:10
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von Gruenkohl7 | #48

Dieser Kommentar wurde von einem Moderator blockiert.

27.07.2010
23:42
Warum Bochums Ex-Polizeichef OB Sauerland anzeigte
von Cerberus05 | #47

Herr Wenner hat in Bochum damals dem Geht nicht - gibts nicht-Druck standgehalten und ist nicht eingeknickt. Es müßte einfach mehr von diesen Querköpfen geben!
Außerdem würde mich immer noch interessieren, warum jemand wegen SPD-Sympathie entlassen wird, obwohl er doch anscheinend etwas über die organisierte Kriminalität (sprich Mafia) zu sagen hatte - komische Entscheidung des damaligen Innenministers Wolf.

27.07.2010
23:38
Warum Bochums Ex-Polizeichef OB Sauerland anzeigte
von bochum fan | #46

Herr Wenner macht knallharte Parteipolitik. Schämen Sie sich angesichts von 20 Toten

27.07.2010
17:34
Warum Bochums Ex-Polizeichef OB Sauerland anzeigte
von aseier | #45

@keineBauzäune:

Ich habe mir erlaubt, den Text ihres Kommentars als Notiz in mein facebook-Profil zu übernehmen und habe ein Mitglied des Innenausschusses des Landtags NRW auf Ihren Text hingewiesen.

MfG
http://www.facebook.com/aseier

27.07.2010
16:51
Blockierter Kommentar.
von Staufenberg | #44

Dieser Kommentar wurde von einem Moderator blockiert.

27.07.2010
16:50
Warum Bochums Ex-Polizeichef OB Sauerland anzeigte
von NiewiederLP | #43

#30
Zum Thema Bauzäune: Mir ist aufgefallen, dass die sog. Schleusen, die den Zufluss in den Tunnel begrenzen sollten, auch nur mit Bauzäunen eingefasst waren. Zumindest an den Seiten, auf die Vorderseite habe ich nicht geachtet. Das Ganze erschien mir angesichts der immer größer werdenden Menschenmasse, die darin auf Zugang gewartet hat, als ziemlich unsicher.

Nun behauptet der Veranstalter, die Polizei habe alle Schleusen geöffnet, was dann zu dem Gedränge im Tunnel geführt habe. Woanders habe ich gelesen, die Schleusen seien überrannt worden, was angesichts der Bauzäune ja nicht verwunderlich wäre. Vielleicht weiß dazu jemand genaueres?

Zur Ruhr2010/Pleitgen: Also ich denke, da wurde von vielen Seiten ordentlich Druck auf die Stadtverwaltung ausgeübt, was den OB und Konsorten allerdings nicht von ihrer Verantwortung frei spricht. Schuld an dem Desaster war der falsche Veranstaltungsort, Fehlkalkulation der Besucherzahl und sicherlich auch Fehler bei der Durchführung (z.B. die Einzäunung). Und das geht auf die Stadt, den Veranstalter und die Einsatzleitung der Polizei (oder wer auch immer da zuständig ist) zurück.
Auch die Presse, die jetzt die Bochumer Stadtverwaltung und Wenner loben, hat im letzten Jahr nach der LP-Absage, mit Hohn und Spott reagiert. Indirekt also hat die Presse auch Druck ausgeübt, aber ist sie deshalb Schuld an dem Unglück?

Zwischen Ruhr2010 und LP besteht für mich kein direkter Zusammenhang, zumindest glaube ich nicht, dass die LP ohne Ruhr2010 nicht stattgefunden hätte.
Und bei aller vielleicht berechtigter Kritik an Ruhr2010, hat sie vielen Menschen schöne Momente beschert und zu einem ganz neuen Selbstverständnis und Zusammengehörigkeitsgefühl geführt, was man jetzt im Nachhinein aufgrund der tragischen Ereignisse nicht schlechtreden sollte. Eine Beendigung der Ruhr2010 würde ich persönlich sehr bedauern.

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