Schrilles, schönes, schauriges Fantasy-Festival
21.09.2009 | 14:01 Uhr 2009-09-21T14:01:00+0200
Arcen. Beim "Elf Fantasy Fair Festival" bevölkerten Elfen und Aliens, Ritter und Krieger und richtig nette Alpträume die Schlossgärten in Arcen. Da öffnete sich die Pforte zu einer anderen Welt mit ihren ganz eigenen Bewohnern.
Irgendwo zwischen der Nationalstraße N271 und den Schlossgärten von Arcen muss ein Kobold sitzen, der den Leuten die Ohren langzieht. Und ganz irdisch ausschauende Menschen mit Ohren, die aussehen, wie Ohren nun einmal aussehen, in Wesen aus einer anderen Welt, von einem anderen Stern verwandelt, in Elfen, Elben, Aliens, schrill, schräg und manchmal auch schaurig, die, kaum haben sie die Schlossbrücke zu den Kasteeltuinen überschritten, eines gemein haben: spitze Ohren. Denn hier war es am Wochenende nicht nur schön grün – hier war es unfassbar bunt. Hier stieg nicht nur das Elf Fantasy Fair Festival – hier öffnete sich die Pforte zu einer anderen Welt: Elfien. Ein Staat mit eigenem König, eigener Geschichte, eigenem Geld und ganz eigenen Besuchern, pardon, Bewohnern.
Verkleidet? Verwandelt!
Sie sind Karnevalsfreund und fanden Ihr diesjähriges Kostüm originell? Vergessen Sie es! Egal was es war – es war Sack und Asche gegen diese Verkleidungen, ach was, Verwandlungen! Hier wurden nicht nur kleidgewordene Träume übergezogen mit Flügeln aus Gold, hier glühten nicht nur grüne Augen in noch grüner schimmernden Gesichtern, hier wurden nicht nur aus Fingern Krallen, von den Ohren, den spitzen, ganz zu schweigen – hier änderte sich auch gleich die Lebensgeschichte. Wer sich beim Personathlon, dem Kostümwettbewerb, vorstellte, hatte sich nicht bloß verkleidet – er wurde zur Elfe, zu Gandalf, zum sprechenden Baum, mit einer eigenen Geschichte, die auf der Bühne des Amphitheaters deklamiert wurde, beäugt von opulenten Barock- und tiefschwarzen Gothic-Ladies im Publikum, von Rittern und Kriegern und einem menschgewordenen Kettensägen-Massaker, das statt der linken Hand eine Säge und in der rechten eine Pepsi trug.
Aber was, bitteschön, bedeutet eigentlich dieses Wesen auf Stelzen, das recht tot aussieht aber noch lebendig genug ist, um Stunde um Stunde bei Affenhitze durch den Park zu staksen und bedrohlich zu gucken? „Nightmare before christmas” ist die freundliche Auskunft. Hier ist auch der böseste Alptraum nett. Ebenso wie die Armee der Stormtroopers, die mit großem Gehabe und Darth Vader an der Spitze ins Gewächshaus, pardon, Holodeck einmarschiert, einem mürrisch dreinblickenden Zuschauer auf die Schulter klopft und so freundlich, wie das mit verzerrter Stimme eben geht, fragt: „Amüsierst Du Dich?”. Macht er. Die Armee verschwindet hinter einer Wand, es erklingt lautes Seufzen. Nein, kein Kampf. Ist bloß heiß unterm Helm.
Alien in der Maschine
Tote gibt es ohnehin genug hier. Ein Alien dümpelt in einer Maschine, die die unbedarfte Presse für eine Eistheke gehalten hat – bis zwei mittelalterliche Damen den Brutkasten begeistert mit ganz und gar nicht mittelalterlichen Kameras ablichteten. Ein paar hundert Meter weiter köpfen Piraten mit schöner Regelmäßigkeit Passanten oder knüpfen sie neben einer nicht ganz frischen Leiche am Galgen auf, und wer das überlebt hat, verläuft sich mit Sicherheit im Labyrinth, das eigentlich ein Minigolfplatz ist.
Alle drei Stunden lassen drei Schauspieler bei der Foltershow zwischen Keltendorf und Mittelaltermarkt ihr Leben, fighten 60 Stormtrooper, abends kämpfen Valgarde und Nerghul, also Gut und Böse, gegeneinander.
Der Vizekönig ist tot - es lebe der König!
Nur Vizekönig Ar-Lath rettet kein Kampf mehr – der dümpelt ebenso dekorativ wie tot in einem Boot im Gewässer, während sein Nachfolger, König Gyan, erkennbar an den Zacken an der Krone, im Schloss zur Audienz bittet. Der Vizekönig ist tot – es lebe der König. Mit ihm residiert im Schloss die Elite der Body Painter. Petra Tronser etwa verwandelt Julia Kahlert in sechsstündiger Arbeit in ein grünes Elfenwesen, das wiederum die Kostüme draußen blass aussehen lässt. Julia, eigentlich eine normale Besucherin, sprang spontan für ein nicht erschienenes Model ein. Wie es sich so anfühlt, nackt und bemalt, im Gedränge zu stehen? „Gut. Ich bin ja auch nicht ganz nackt”, sagt sie. Stimmt. Sie hat Flügelchen. Und einen Lendenschurz.
Und sonst? Die Guten besiegten zweimal die Bösen, Tarja sang, „Victor Krum” schaute vorbei und sogar ganz finstere Gestalten schnupperten auf dem Heimweg verzückt an den Rosen am Wegesrand. Elfien ist nicht verloren.

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