Schaller-Videos tragen wenig zur Aufklärung bei
31.08.2010 | 08:17 Uhr 2010-08-31T08:17:00+0200
Duisburg.Loveparade-Veranstalter Rainer Schaller hat Filmaufnahmen von Überwachungskameras im Internet veröffentlicht. Zur Aufklärung tragen sie nur wenig bei.
Die Proteste der Staatsanwaltschaft waren vergeblich. Loveparade-Veranstalter Rainer Schaller hat wie angekündigt Filmaufnahmen von Überwachungskameras im Internet veröffentlicht , obwohl die Ermittler bis zuletzt versuchten, ihn davon abzubringen. Auf Schallers Internet-Seite heißt es, mit der Veröffentlichung wolle der Veranstalter seiner moralischen Verantwortung nachkommen und zur Aufklärung der Katastrophe beitragen. „Die Organisatoren der Loveparade werden alles tun, um die Staatsanwaltschaft bei der rückhaltlosen Aufklärung zu unterstützen.“
Doch gleich mit der Veröffentlichung der Filme hat er die Arbeit der Staatsanwaltschaft gestört. Die Ermittler sind der Meinung, es störe die Überprüfung der Angaben von Augenzeugen, wenn die Filme für jedermann zu sehen seien. Zudem könnten die Opfer der Parade traumatisiert werden, wenn die Dokumente veröffentlicht würden.
Viel Material, wenig Aufklärung
Dessen ungeachtet, findet sich auf der Internet-Seite Schallers viel Material, das wenig zur Aufklärung der Katastrophe beiträgt. Die Überwachungsfilme etwa sind seit Wochen im Umlauf nachdem sie von Schallers Büro in Medien lanciert wurden. Sie verraten nichts über die Befehlsketten und das Hilfeersuchen des Veranstalters an die Polizei.
Der Crowd-Manager aus Schallers Diensten hatte bislang die Aussage vor der Staatsanwaltschaft verweigert. Auf der Internetseite lässt er sich über den Spiegel mit Vorwürfen gegen die Polizei zitieren.
Verwirrung im Team
Zuletzt finden sich auf Schallers Seite einige Dokumente. Der veröffentlichte Zuwegeplan offenbart dabei die Verwirrung in Schallers Team. In der Einladung ist die Katastrophen-Rampe als alleiniger Aufgang gekennzeichnet. Im Sicherheitskonzept wird die Rampe als Auf- und Abgang ausgewiesen.
Schließlich veröffentlicht Schaller ein Dokument, das beweist, dass anstelle der 1300 geplanten Ordner nur rund 800 ihre Stempelkarten ordentlich benutzt haben. Etliche sind gar nicht aufgetaucht, einige sind weit über 60 Jahre alt und Hunderte haben sich nicht abgemeldet.

14:27
In anderen Beiträgen z.B. auf Spiegel Online findet man so Aussagen, wie
Die Polizei habe neben dem Veranstalter nur eine nachgeordnete Zuständigkeit gehabt...
Ich denke und es wundert mich, dass die Polizei
die Veranstaltung überhaupt zugelassen hat.
Es wäre auch die Aufgabe der Polizei gewesen, die Veranstaltung im Vorfeld auf alle Sicherheitsbestimmungen zu prüfen und bei der Abnahme mitzuwirken.
Dies hat die Polizei aus unerfindlichen Gründen unterlassen. Möglicherweise möchte man es nicht zugeben, dass man weggeschaut hat.
Im Zweifelsfall hätte die Polizei spätestens am Morgen des Katastrophentages die Veranstaltung abpfeifen müssen, gerade auch mit dem Hintergrund, wie argumentiert wird, nur eine sogenannte untergeordnete Rolle zu spielen.
Wo bleibt der TEAMGEIST mit dem Veranstalter ?
Denn wie kann eine Polizeibehörde sich als nachrrangig definieren und bei der Mißachtung von
Gesetzen zuschauen ?
Die Polizei ist genauso Schuld an der Katastrophe wie alle anderen Beteiligten,
da es sich um ein klassisches Organisationsverschulden
mit Misßachtung alle relevanten Sicherheitsbestimmungen handelt.
Zu was ist die Polizei denn da, wenn Sie die gesetzlichen Bestimmungen selbst nicht beachten will und kann ?
Welcher Gutachter kann sich anmaßen der Polizei die Verpflichtung abzusprechen für die Einhaltung von Gesetzten Sorge zu tragen ?
Was das für ein Gutachter ist kann man sich ja denken...
Toni Lechner
13:18
Die VIDEOS haben eine enorme Aussagekraft.
Man kann erkennen, dass alle Beteiligten
- Veranstalter
- Polizei
- Stadt- und Landgenemigung des Konzeptes
enorme Defizite entwickelt haben.
Die strömungstechnische Fehl-Organisation, wie auch die fehlende Wegeverschleusung wird sehr deutlich.
Es fehlt an einem gemeinsamen Steuerungskonzept; es herrscht echte Konzeptlosigkeit und Chaos.
Da sieht man mal wohin schlechte Organisation und Missachtung von Baurichtlinien (in Analogie zum Fussball-Stadiumsbau) führt.
Ich persönlich hätte das Wegekonzept niemals abgenommen.
Man muss entweder völlig unwissend oder total verantwortungslos sein um dieses Gelände abzunehmen und für die Massen freizugeben.
Toni Lechner
02:55
Was sollen die Videos belegen ? Werden so 21 Tote wieder Lebendig ? Wann steht endlich einer auf und sagt , Ja ich trage Schuld ich habe versagt in meiner Verantwortung als Oberbürgermeister ,Veranstalter,Sicherheitsbehörde, Ordnungsamt ? Diese Versuche sich gegenseitig den schwarzen Peter zuzuschieben ist mehr als erbärmlich ,unwürdig und den Opfern der Katastrophe gegenüber beschämend.
gez.
Bobby Gebhardt
Event Manager
22:25
@12 betroffene
Ich stimme wieder einmal mit vielen Aspekten Ihrer Ausführungen überein.
Das Beispiel „Party und Bier geht aus“ ist allerdings ein wenig flach . -)
Planung, Sicherheitskonzept, Krisemanagement bleiben auch für mich wichtigste Stichwörter, weil dadurch die mangelnde Behandlung von Restrisiken angezeigt werden kann.
Ich bin wirklich gespannt, wie weit sich ALLE mit dem Spruch herausreden können: ja, DAS konnten wir doch auch nicht ahnen, das war doch Zufall, unglückliche Umstände etc. etc.
Da muss man auf den Staatsanwalt setzen, er verdeutlicht hoffentlich, dass die ganze Planung letztendlich als BULLSHIT bezeichnet werden darf.
Man mag als einfacher, vielleicht sogar betroffener Bürger nicht jede Sache akkurat einschätzen, aber die Besucher nur über Tunnel/Rampe einzuleiten und abzuführen…
ich werde es nicht müde, pack mich immer wieder an den Kopf, MIT WIEVIEL GOTTVERTRAUEN da ALLE BETEILIGTEN mitgemacht haben bzw. das Sicherheitssystem abgesegnet haben.
Ich verstehe seitdem die Welt nicht mehr!
Es ist ja auch kein Zufall, WANN das ganze System zu kippen begann und letztendlich einstürzte:
- in der Phase. als viele Besucher genug hatten, vielleicht seit Mittags schon vor Ort waren, Abendtermine wahrnehmen mussten und deshalb raus wollten!
- gleichzeitig ein weiterer Schwung Besucher aus entfernten Regionen endlich in Duisburg eintrafen (quasi früh los und ab frühen Nachmittag dann da, um ein Großteil der Party noch mitzuerleben)
- dann die LP-Kenner, die auf jeden Fall zur Abschlusskundgebung im Areal sein wollten und sich nicht schon zu früh verausgaben wollten usw.usf.
Es war im Grunde genommen kurz vor der LP-PRIMETIME als die Tragödie ausbrach.
In dieser Zeit ist das AN- und Abreiseverhalten der Besucher vollkommen unterschätzt worden.
Zu erwarten, dass die Besucher stundenlang sich draußen die Füße in den Bauch stehen, ist auch arg viel verlangt. Es rechtfertigt allerdings nicht das Verhalten Einiger, die Polizeiketten überwanden.
Der so genannte CROWDMANAGER von „lopavent“ ist abgetaucht? Also DAS überrascht mich überhaupt nicht!
Ich schreibe es jetzt doch einmalig in einem Zusammenhang, dem eigentlich jeder hier klar sein sollte:
Wie FAHRLÄSSIG manche im Vorfeld oder auf der LP mit der Veranstaltung umgingen, zeigt sich an den Sicherheitsdiensten. Es war nicht genug und nicht ausreichend kompetentes Personal vorhanden! Es bleibt zudem zweifelhaft, ob die Ordner sinnvoll und zweckmäßig eingesetzt wurden.
Das ALLES ändert aber nichts daran, dass auch die Polizei in der Verantwortung steht!
Als Beteiligte und Abnicker des Konzeptes, als Präventivorgan und damit Beschützer von Leib und Seele Ihrer Bürger UND als zu spät (vielleicht sogar falsch?) handelnde Einheit kurz vor der Tragödie.
Die mangelnden Kommunikationsoptionen…dazu fällt mir nun gar nix mehr ein!!!
Mal ehrlich, ganz krass finde ich einige hier, die die Polizei ganz(!) aus dem Desaster raus nehmen wollen. Am Liebsten noch mit Heiligenschein.
Unbestritten bleibt aber für mich der großartige Einsatz der Beamten mit den Rettungsdiensten, ohne die vielleicht noch mehr Tote zu beklagen wären. Es hilft nur leider viel zu Vielen nicht mehr!
Der Beitrag von Nr.15 @Tim Verlaans ist besonders gut, da ich bei der Nennung von Verantwortlichen und bei der Betrachtung möglicher Teilschuld bisher zu ähnlichen Schlüssen gelange. Auch die Medienschelte kann ich in Ansätzen verstehen, aber wir benötigen Bürger und Presse, damit die Tragödie nicht zu früh vergessen wird. Das Interesse erlahmt sowieso schon!
zu @16 und 19 Betroffene
Ich halte es für absolut verkehrt oder gefährlich, ein oder zwei die Hauptschuld anzudichten und die Übrigen zu vernachlässigen. Kein Gießkannenprinzip zwar, aber es sollten schon Alle(!), die „Schuld“ auf sich geladen haben, ernsthaft zur Rechenschaft gezogen werden!
Da wünsche ich mir eine aufrechte, standhafte Staatsanwaltschaft!
21:29
Schaller muss genauso bezahlen wie Sauerland.
Ich habe meinen McFit Vertrag vor 3 Wochen gekündigt weil ich einen wie Schaller nicht noch reicher machen möchte.
2 Jahre auf Bewährung die er höchstens bekommen kann, tun dem Multimillionär Schaller nicht weh.
Aber wenn die Hälfte der Mitglieder kündigen, dann kann er seine Buden schließen.
Sprecht in eurem Bekanntenkreis das Thema doch mal an und kündigt eure Verträge.
Egal wie lange die Kündigungsfrist auch ist.
Hier in NRW darf er zumindest keinen Fuß mehr auf den Boden bekommen.
21:26
@ Christian Gruber,
danke für die weiteren Einzelheiten. SO entsteht aus dem Puzzle ein schemenhaftes Bild - noch nicht klar und abgrenzend deutlich, aber eine Richtung, die es lohnt weiter zu verfolgen.
21:12
#28 Genauso sehe ich das auch.
Diese Art der Präsentation bzw. was nicht erzählt wird ist schon erschütternd eindeutig.
Dem gegenüber steht der Mut, die Menge an Material zu veröffentlichen. Die Zeitschwankungen sind zwar fragwürdig, ergeben aber im Detail mE keinen Unterschied.
Was sich nicht genau einschätzen kann ist, ob die Größenrelationen auf http://www.lopavent.de/orte/ort-des-geschehens richtig dargestellt sind. Bei den Bildern der Kamera 4 scheint mir der Abstand zwischen Floatstrecke und ostlicher Rampenböschung geringer. Ab ca. 1530 zeigt sich das Versagen des Veranstalltungskonzeptes. Der Zulauf konnte nicht von der Rampe runter. Also geht es ab über die Böschungen. Genauso, das bereits nach 2,5 Stunden der Veranstallter überforder war und in Persona Crowdmanager um Hilfe gebeten hat. Irgendwo war noch Platz, aber nicht dort wo er gebraucht wurde. Warum dann in weiterer Folge die Floats eine Stunde gestanden sind wird die nächste spannende Frage. In irgendeinem Blog wurde dazu die Überlegung geäußert, das Hr. Schaller zufällig im WDR Interview so gegen 1645 zufällig im Hintergrund den stehenden McFit - Float gehabt hätte.
Alles im allem hätte vielleicht theoretisch das Zugangskonzept ohne störende Einflüsse funktionieren können. Praktisch muß mit störenden Einfüssen gerechnet werden.
Und andererseits:
*Abgesperrtes Gelände, abgesperrte Zugangswege, bekannte Tunnelkapazität,kritsch wirkende Geländekapazität?
* zu geringes Ordnerpersonal bekannt wenige Tage vor Veranstalltung,
*kein fertiges Veranstaltungsareal (Einlass 12.00!)
*nicht alle Unterlagen bei allen beteiligten(Polizei erhielt letztes Konzept erst am Morgen der Veranstalltung)
- Gewagt, unter diesen Umständen eine Veranstalltung um 23.00 Uhr am Vortag zu genehmigen.
17:29
das ist doch wirklich alles MUMPITZ!!!
fakt ist doch ganz einfach, dass man diesen tunnel niemals sowohl als zulauf noch als ablauf - geschweige denn beides gleichzeitig hätte nutzen dürfen!
ER IST EINFACH ZU KLEIN für so viele menschen.
eigentlich kann man weder den ordnern, noch der polizei in irgendeiner weise die schuld zu schieben. dass diese mit den örlichen gegebenheiten in verbindung mit dieser menschenmasse hoffnungslos überfordert waren, dürfte nicht so schwer zu verstehen sein.
die, die man zur verantwortung ziehen kann - und muß, sind ALLE, die diesem konzept im vorfeld zugestimmt haben bzw. diese veranstaltung ohne zu wissen was sie fordern, gefordert haben.
das dürften dann unter anderem herr schaller, OB sauerland und der pleitgen sein. wobei man auf diese liste sicher noch 50 andere namen setzen kann.
17:24
Schuld oder nicht schuld. Ich denke, wer am wenigsten Schuld hatte, waren die Polizisten und Ordnungskräfte vor Ort.Sie haben ihr Menschenmöglichstes getan. Auch wenn diesen Fehler unterlaufen sind, ist es nicht zu verdenken. Zwar sind sie dazu ausgebildet worden, aber dennoch in erster Linie Menschen, die auch Angst haben dürften und im Stress falsche Entscheidungen treffen können.Das ist zwar nicht toll, aber bis jetzt haben wir ja keine Roboter, die Polizisten sein können, was in anderen Fällen bestimmt zu anderen Katastophen führen würde. Was ich mich aber immer Frage ist: wenn ich auf die Idee käme, eine öffentliche Veranstaltung zu machen, obwohl ich keinen Plan davon habe und das auch andere wissen, warum würde es mir dann eine Stadt bzw. eine Behörde erlauben sollen? Wenn sie es tun, dann sind sie meiner Meinung nach auch Schuld daran, wenn etwas passiert. Dafür wählen wir doch die Politiker, damit sie Entscheidungen in unserem Namen treffen.Dafür müssen sie alles abwägen um das Wohl der Menschen, die ihnen den Auftrag dazu gegeben haben, zu schützen.Wenn sich kluge Köpfe über Politikverdrossenheit Gedanken machen, dann müssen sie meiner Meinung nach nicht lange nach Antworten suchen. Einem Kind bringt man bei, dass es zu seinen Fehlern stehen soll, aber Politiker, die als Vorbilder für Kinder, Jugendliche und Erwachsene vorran gehen sollten, machen es nicht. Ich möchte niemanden mehr hören, der sich über die heutige Jugend beklagt... Ich finde, die Filme, die Herr Schaller veröffentlicht nicht hilfreich, aber auch nicht die Debatten, die darüber geführt werden.Ich wünsche mir erst dann wieder über die Schuldigkeit in Duisburg zu hören, wenn der Dumme gefunden wird, der seinen Kopf hinhalten muss.Ich glaube nicht daran, dass es zu einer überzeugenden Aufklärung kommen wird.
Ansonsten sollte sich auf die Opfer bzw. die Hinterbliebenenen konzentriert werden und all die Zeit, das Kapital und das Potential, die für unnütze Debatten verbraucht wird, für sie investiert werden und darauf, dass so etwas nie wieder passieren kann. übrigends nicht nur nicht in Deutschland...
16:12
Weit über 60 Jahre alt? Also ich muss bis 67 Jahre arbeiten. So möcht es die Bundesregierung. Das bedeutet, dass ich bis 67 Jahre im Sicherheitsdienst arbeiten muss. Wenn jemand ein Problem damit hat dann müssen die Gesetzte entsprechend geändert werden.