Schaller und Sauerland - ein Jahr nach der Loveparade
07.07.2011 | 17:50 Uhr 2011-07-07T17:50:00+0200
Essen. Die WDR-Dokumentation „Die letzte Loveparade“, die in den kommenden Wochen in ARD und WDR gezeigt wird, ist eindrucksvoll und sachlich. Im Bild: Duisburgs Oberbürgermeister Adolf Sauerland und Lopavent-Chef Rainer Schaller zeigen sich (in unterschiedlicher Weise) moralisch verantwortlich.
Ein gutes Jahr begleiteten die Filmemacher jene Männer, deren Namen wie keine anderen für die Katastrophe auf der Loveparade stehen: Duisburgs Oberbürgermeister Adolf Sauerland und Lopavent-Chef Rainer Schaller . Zwei, die juristisch nicht als Beschuldigte gelten, sich jedoch in unterschiedlicher Weise moralisch verantwortlich zeigen. Schaller von Anfang an, Sauerland erst jetzt und nur zögerlich. „Wir erlebten zwei Männer, die in einer Weise getroffen wurden, wie man es als Mensch kaum überstehen kann“, sagt Autor Maik Bialk.
Zusammen mit Eva Müller drehte er die WDR-Dokumentation „Die letzte Loveparade“, die in den kommenden Wochen in ARD und WDR gezeigt wird. Und es ist ein eindrucksvoller Film geworden. Nicht nur wegen jenes für Schlagzeilen sorgenden Interviews mit Adolf Sauerland , in dem der erstmals von seiner moralischen Verantwortung spricht. Aber ist das nun eine Entschuldigung oder nicht? „Wir empfinden es als Entschuldigung. Es war Teil eines langen Gesprächs, und ihm ein Anliegen, das loszuwerden“, sagt Autorin Müller. „Wir wollten nicht werten, sondern möglichst viel zeigen.“
Sauerland war „sprachlos“
Wortwörtlich gesehen erklärt Sauerland, warum er vor einem Jahr „sprachlos“ gewesen sei und sagt: „Das, was Pleitgen als erster getan hat, hätte von mir kommen müssen, die Übernahme der moralischen Verantwortung und sich bei den Angehörigen zu entschuldigen.“ Streng genommen vor allem ein Blick zurück, das Bedauern einer verpassten Gelegenheit. Wie werden die Verletzten der Loveparade, die Angehörigen der 21 Toten das empfinden?
Zwei von ihnen, das Lüner Ehepaar Kathleen L. und Thomas H., ließen das WDR-Team teilhaben an ihrem Leben danach, an ihrer Trauer. Ihr Sohn Fabian, der gerade das Abitur gemacht hatte, wurde nur 21 Jahre alt. Zurück bleiben, verwaist, die Eltern, das Zimmer des Jungen in der elterlichen Wohnung, all die Erinnerungen, denen sich das Paar kaum entziehen kann. Der Versuch, das Zimmer unberührt zu lassen, endet im Herbst, als das Paar beschließt, umzuziehen. Ein Leben dort erscheint ihnen unmöglich.
Verzweifelte Schreie
Rückblenden. Videos des Veranstalters Lopavent zeigen die wogende Menge in den Minuten des Unglücks. Schreie, verzweifelte, gellen aus der Masse. Polizisten bilden Ketten im Tunnel, doch der Druck überwältigt sie. Die Katastrophe nimmt ihren Lauf. Am Tag danach: Szenen aus der verheerenden Pressekonferenz, in der einzig Rainer Schaller seine Mitverantwortung formuliert und das Aus für die Loveparade verkündet. Adolf Sauerland hingegen kann keinen persönlichen Fehler erkennen.
Das Leben danach. Die Kameras zeigen Sauerland Reden haltend, betont locker plaudernd. Erste Spatenstiche absolvierend, und wie er am Tag der offenen Tür sein Büro im Rathaus öffnet, etwas unsicher, aber letztendlich trotzig am Amt klebend. “Ich habe mir immer gesagt: Du musst so lange durchhalten, bis du allen zeigen kannst, dass diese Katastrophe nicht durch dein Verhalten entstanden ist“, begründet er. Also lächeln und weitermachen...
Schaller ist abgetaucht
Rainer Schaller dagegen, der Geschäftsführer von Lopavent, ist abgetaucht. Ein kurzer Auftritt in Kerners Talkshow, danach sieht man ihn monatelang nicht mehr öffentlich. In „Die letzte Loveparade“ ist er wieder da. Sehr still, nachdenklich. Er, der Macher, der einstige Gewinner-Typ, arbeitet inzwischen erheblich weniger, hat sich in eine Psychotherapie begeben.
Den Angehörigen schreibt er bald einen Brief, bekennt sich zu seiner Verantwortung und bittet um ein Gespräch. Das Treffen soll es geben. Vier Stunden, hinter verschlossenen Türen. Fabians Eltern sind dabei. Danach werden sie erzählen, wie Schaller gewirkt habe. Eingeschüchtert. Verängstigt. Er habe verstanden, dass er die Verantwortung für sein Unternehmen zu tragen habe, sagt Thomas H.. Mit Sauerland wollen er und seine Frau nicht sprechen.
An einem Maitag, morgens in aller Früh, wagt sich Schaller in den Tunnel an der Karl-Lehr-Straße. So wie es seine Therapeutin geraten hat. Auch Adolf Sauerland hat sich vor kurzem erstmals mit Angehörigen von Opfern getroffen, heißt es. Eva Müller: „Er ist im Laufe des Jahres nachdenklicher geworden.“
- "Die letzte Loveparade“, ARD, 13. Juli, 23.30 Uhr, WDR, 20. Juli, 20.15 Uhr.
18:36
#21 dann lies doch Mickey Maus, du Vollpfosten!!!
12:48
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09:18
@30 Evald
Endlich jemand, der fast haargenau der gleichen Meinung wie ich bin und ebenfalls berechtigt die Frage stellt, warum keiner von den vor Ort anwesenden Leuten, die sich nachweislich daneben benommen haben, mitangeklagt sind??? Auf zig Videos oder sämtlichen Bildmaterial sind eindeutig so viele Leute zu sehen, die sich bewusst und absichtlich daneben benehmen und nach und nach die Lawine lostreten......
@ LInker Genosse
und ihnen muss ich sagen, da können sie planen wie sie wollen, so ein Unglück wird niemals komplett auszuschließen sein und kann sich dabei überall an sämtlichen Örtlichkeiten und jederzeit wieder mit unterschiedlichsten Ausmaßen wiederholen. Die Hauptverursacher sind für mich dabei immr die Bekloppten, die mit ihrem Verhalten (drängen, schubsen, schlagen usw.) im Endeffekt eine Kettenreaktion auslösen, die irgendwann so dynamisch wird und sich einfach nicht mehr aufhalten oder verhindern lässt und jederzeit überall auf Veranstaltungen aller Art immer wieder passieren kann und zum Glück eigentlich meistens immer noch gut ausgeht und dann kaum einer zu Schaden kommt.
Da ist dann für mich kein Bürgermeister, Polizeiführer oder Veranstalter, oder sonstiger Planungsfuzzi schuld, sondern einfach die Unvernunft zu vieler Idioten, die sich einfach nie bei egal was für eine Großveranstaltung benehmen können und sich dazu noch nicht einmal bewusst sind, was sie durch ihr schlechtes VErhalten so alles auslösen und verursachen können und wohl leider nie aussterben werden.
Ich finde es daher sehr verwunderlich, wie wenig hier eigentlich der gleichen Meinung sind und wenig bis gar kein Interesse zeigen, Leute aus der Menge, denen nachweislich Fehlverhalten vorgeworfen werden kann, ebenfalls anzuklagen und zur Rechenschaft zu ziehen und sie dabei mit verantwortlich zu machen.
Und da würden schnell eine ganze Menge Leute zusammenkommen......die mir aber aus unerklärlichen Gründen einfach von der Staatsanwaltschaft verschont und unbeachtet bleiben und das von anfang an!!!
Die Leute tragen für mich als Verursacher eine sehr große Mitschuld und nicht irgendwelche Verantwortlichen oder Planer, die nur aus moralischen und symbolischen Gründen den Kopf dann für die Idioten hinhalten müssen, damit die Meute ja einen Schuldigen hat und beruhigt ist.......
Muss man nicht wirklich und werde ich in diesem Fall wohl auch nie verstehen, warum in diese Richtung nicht ermittelt wird und viele ungeschoren davonkommen!! Ich kann mir sehr gut vorstellen, dass der ein oder andere Idiot, der sich über sein Fehlverhalten im nachhinein schon bewusst war, schön geschwitzt und dabei auch vermutlich den ein oder anderen Tag schlecht geschlafen hat, aus Angst das in seine Richtung auch ermittelt wird, weil da waren in den Videos schon sehr viele Leute gut und deutlich, teils bei der Ausführung von Straftaten, erkennbar.
09:21
# 28
Nett, dass Sie mir mir nur naives Denken bescheinigen und diesen Umstand zugleich milde stunden.
So what, es geht nicht um Sie oder mich.
Mir geht es mehr um die , ich nenne es Mal Bedingungen, die bei Massenvernstaltungen allgemein zu Drängeleien, Enge, Stress, Hektik und möglicherweise auch zur (Massen-) Panik führen können..
Passiert leider immer wieder bei Großveranstaltungen wie Fußballspielen, Demonstrationen, Festen u.a.m.
Menschen werden von nachströmenden Massen gestoßen , umgeworfen und, wenn es ganz hart kommt , niedergetreten, überrannt und an Blockaden (Wände, Zäune) gequetscht.
Ich bin weit davon entfernt den Opfern selbst die Schuld an ihren Unglück zu bescheinigen.
Wohl sehe ich aber eine (Mit-) Schuld bei Menschen, die rücksichtslos weiter drängen, obwohl klar ersichtlich ist, dass es kein weiter gibt., weil eben alles überfüllt undt kein freier Platz (mehr) vorhanden ist.
Von dem Unglück habe ich im Urlaub über das DW-TV erfahren.
Ich sah Bilder von Menschen die versuchten sich aus der Enge zu befreien, in dem sie alle möglichen und unmöglichen Fluchtwege zu nutzenn versucheten
Trotzdem drängten (immer noch) Massen nach.
und verschärften so die Gefahr.
Seien wir hier mach Mal großzügicg und attestieren wir diesen Menschen (aus der Distanz) einfache Struktuern und einen Hang zur Naivität im Nicht-Erkennen der Gefahr, die sie (mit-) erzeugten (Herdendrang). Und das, obwohl Helfer, Ordner, Polizei u.a. vor dem Tunnel auf die Gefahr hinwiesen. §Die Masse drängt weiter, wie bei einer Stampede.
Ohne unter Agoraphobie zu leiden, meide ich selbst große unübersichtliche Menschenmassen (ich wurde selbst Mal leicht panisch, als ich bei einer Veranstaltung in die Enge getrieben wurde).
Noch einmal: die Opfer sind nicht schuld (was auch ich nicht explizit betonen muss, es aber hier mache).
Schuld sind viele Umstände, Mängel in der Planung, nicht vorhersehbare interaktionelle soziologische Phänomene und zig andere Gründe.
Mit meiner einfältigen Gutgläubigkeit komme ich zu diesem vorläufigen Ergebnis; Sie selbst, mit Ihrem erweiteren Horizont und genauerer Detailkenntnis, mögen profundere Ergebnisse sehen.
14:47
@ #20
Entweder lügen die Wikipedia und de Homepage der Stadt Duisburg oder meine Zahlen sind richtig. Vgl:
http://de.wikipedia.org/wiki/Ergebnisse_der_Kommunalwahlen_in_Duisburg
Klar war Sauerland für die LP. Wie viele andere Ratsmitglieder auch. Aber die Kampagne von Linkspartei/Grünen/Sozis zeigt, dass man letztlich nur einen eigenen Mann oder eine eigene Frau auf dem Posten haben will. Ansonsten sollte man als Stadtrat konsequent für komplette Neuwahlen einstehen. Aber dann könnte man ja sein Pöstchen verlieren. DAS wäre konsequent und nicht verlogen und taktierend!
Was die Frage nach der Genehmigungsfähigkeit angeht, so sei mir die Frage nach ihrer fachlichen Qualifikation gestattet.
09:31
@Evald
Die Schuld nun bei denen zu suchen die Ihnen keine Antwort darauf geben können, ist eher Ihrem naiven Denken geschuldet.
Wenn Sie auf eine solche Veranstaltung gehen, dann gehen Sie unter der Vorraussetzung dort hin dass die zuständigen Behörden im Vorfeld gewissenhaft gearbeitet haben.Das dies jedoch nicht der Fall war konnten die Besucher nicht im entferntesten Sinne erahnen.
Dieses Event war seitens der Behörden nicht zulassungsfähig!
09:27
Wie widerwärtig ich Sauerland finde, kann ich eigentlich nicht in Worte fassen, die nicht sofort editiert würden.
Aber, 16 Menschen, zu denen Sauerland nicht gehört, stehen im Fokus der Staatsanwaltschaft.
Die hat offenbar übersehen, dass kein Schreiben der Stadt Duisburg, vom Knöllchen für Falschparker bis zur Genehmigung der Loveparade, ohne die Unterschrift Der Oberbürgermeister, im Auftrage versandt wird.
Dieser Text macht unmissverständlich deutlich, dass Sauerland zwar jeden Mitarbeiter der gegen seinen Willen einen Verwaltungsakt erlassen hat disziplinarisch belangen kann, er aber letztlich die volle Verantwortung hierfür trägt. Ansonsten würde diese Formulierung machen.
Soviel zum Thema Ich habe nichts unterschrieben.
Ekelhaft!
09:14
Jetzt Mal ganz unabhängig von Schaller, Sauerland und diversen Anderen:
Ist nicht auch jede/r der TeilnehmerInnen, die in diesen Tunnel drängten (und sich z.T. wohl nicht an Anodrnungen, Aufforderungen und Bitten der Ordnungsdienste etc. hielten) auch ein klein wenig (mit-) verantwortlich?
08:59
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08:51
Das Thema Loveparade langweilt einfach nur noch.
#21von mvince, am 08.07.2011 um 07:07
Da muss ich Ihnen teilweise zustimmen.
Fakt ist jedoch, und das sollten Sie sich einmal hinter Ihre grünen Ohren schreiben, dass dieses Thema schon längst passeè wäre, wenn der Verantwortliche endlich das tun würde was man von einer, ins Amt gewählten Person verlangen kann. Nämlich endlich seinen Hut nehmen!