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Schaller geht in die Offensive

28.08.2010 | 17:22 Uhr
Schaller geht in die Offensive
Pressekonferenz nach der Loveparade-Katastrophe: Detlef von Schmeling, stellvertretender Polizeipräsident, Loveparade-Veranstalter Rainer Schaller,und Oberbürgermeister Adolf Sauerland (v.l.) nehmen zu dem Unglück Stellung. Foto: Stephan Eickershoff/WAZFotoPool

Düsseldorf.Loveparade-Veranstalter Schaller geht in die Offensive: Er will Videos ins Netz stellen, die taktische Fehler der Polizei belegen sollen. Er schiebt den Einsatzkräften die komplette Verantwortung für die Katastrophe zu. Die NRW-Polizei ist empört.

Fünf Wochen nach der Massenpanik auf der Duisburger Loveparade mit 21 Toten spitzt sich der Streit um die Verantwortung für die Tragödie weiter zu. Loveparade-Veranstalter Rainer Schaller erhob am Samstag schwere Vorwürfe gegen die Polizei. Zugleich will er die Videoaufnahmen der Überwachungskameras ins Internet stellen, um die aus seiner Sicht taktischen Fehlleistungen der Polizei öffentlich belegen zu können. Die NRW-Polizei wies die Kritik Schallers entschieden zurück.

Die Einsatzkräfte hätten „aus unerklärlichen Gründen“ drei Sperrketten eingerichtet, als sich die Menschen am Unglückstag ab 15.50 Uhr vor den Zugängen im westlichen und im östlichen Bereich des Veranstaltungsgeländes stauten, sagte Schaller. Diese Ketten seien „vermutlich die Ursache der Katastrophe“ gewesen: „Für uns stellt sich die Frage, warum die Polizei dies tat.“ Ohne die Polizeikette auf der Rampe würden die „Menschen heute noch leben, zeigte er sich überzeugt.

Insgesamt 22 Stunden Videomaterial seiner sieben Überwachungskameras will Schaller ins Netz stellen. „Jeder soll sich selbst ein Bild von den Abläufen machen können“, sagte er. Vor dem Innenausschuss des Düsseldorfer Landtags, der sich am Donnerstag erneut mit dem Unglück beschäftigt, will er nicht erscheinen. Er werde aber Vertreter seiner Firma schicken.

Polizei reagiert empört

Ihm sei bewusst, dass er eine moralische Verantwortung habe, sagte Schaller. „Ich war Veranstalter, und die Menschen wären nicht gestorben, wenn die Veranstaltung nicht gewesen wäre. Wer Schuld hat, muss juristisch geklärt werden, selbstverständlich stelle ich mich auch hier der Verantwortung“, sagte Schaller.

Der Generalinspekteur der NRW-Polizei, Dieter Wehe, wies die Vorwürfe zurück. „Seine Aussagen werden nicht besser, nur weil er sie wiederholt. Der Veranstalter hat die Polizei um Hilfe gebeten, weil sein Sicherheitskonzept zusammengebrochen war. Er hatte zugesagt, die Eingangsschleusen zu schließen. Das ist nicht geschehen“, sagte Wehe.

Massenpanik an der Rampe zur Loveparade

Die Polizei werde den Landtag und die Öffentlichkeit am kommenden Donnerstag im Innenausschuss über die ihr vorliegenden Erkenntnisse zum Handeln der Polizei bei der Loveparade weiter informieren, kündigte Wehe an. „Dabei werden wir die Fakten darlegen. Entscheidend wird das Zusammenwirken von Veranstalter Lopavent, der Stadt Duisburg als Genehmigungs- und Gefahrenabwehrbehörde und der Polizei sein. Gerichte, Angehörige der Opfer und die Öffentlichkeit können danach ihre Bewertung vornehmen“, erklärte der Inspekteur. (ddp)

DerWesten

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Kommentare
30.08.2010
09:52
Schaller geht in die Offensive
von Vasa49 | #84

Ich habe mich sehr mit dem Thema beschäftig, nicht nur weil ich auch dort war.
Und es tut mit leid, sagen zu müssen, das Herr Schaller in teilen seiner Aussage recht hat. Es gibt ein Video bei Spiegel, in dem sieht man es am deutlichsten.
Die Polizeikette stand und ließ niemanden rein, aber alle raus die wollten. Plötzlich sieht man, das die Kette die Leute auch nicht mehr raus ließ. zudem wurden ihre Ketten vor den Tunneln überrannt. Dadurch entstand dieser Hexenkessel innerhalb weniger Minuten. Selbst während der Pnik haben die Crowdmanager die Situation nicht erkannt. (Funkgespräche?) Zudem ist unsere deutsche Polizei für solche Situationen geschult und besitzt mehr Respekt als die Ordner. Andererseits sind die Polizisten wegen Sparmaßnahmen nur speerlich Ausgerüstet. (keine Megaphone, analoge Funkgeräte und und). Können ihr erlerntes also nicht immer so Umsetzten wie sie gerne täten.

Insofern ist da schon ein Stück verantwortung anzukreiden.
ABER:
Herr Schaller hat die größte Erfahrung was die LP angeht. Es war klar, das das die erste eingezäunte LP sein wird. Von daher hätte ihm selbst von vornherein klar sein müssen, das das Sicherheitskonzept Wasserdicht sein muss, und nicht mal eben hingeklatscht. Wenn man eine solche Menge Menschen nicht selbst mal mit eigenen Augen gesehen hat, kann man sich keine Vorstellung davon machen. Wirklich nicht. Er hätte wissen müssen, und wusste es laut den Unterlagen auch, das die ein und Ausgangsgeschichte sehr sehr auf Kante gebüglet ist. Eigentlich war ihm klar, aber auch der Polizei, das hier keine Fehler passieren dürfen. Er hätte für mehrere Ein und Ausgänge sorgen müssen.

Und weil er dies wusste, trifft auch ihn hier ganz klar eine direkte Schuld. Man könnte ihm fast Vorsatz unterstellen.

30.08.2010
02:13
Schaller geht in die Offensive
von vaikl | #83

@ #79 bis 82

Vielleicht ist dieser Stand vom Unglückswochenende objektiver als Alles, was danach an angeblichen Wahrheiten so propagiert wurde.

Ihre kleine Treppe hat auch nicht den Ausschließlichkeits-Anspruch gepachtet, denn es gibt keine zweifelsfreien Beweise, dass das Gerangel nur zum Erreichen dieser Treppe diente, auch wenn manche Videos dies suggerieren. Es gibt ebenso Videos, die zeigen, dass die Druck auslösenden Wellenbewegungen in der Masse am unteren Rampenende in alle möglichen Richtungen gingen.

30.08.2010
01:48
Schaller geht in die Offensive
von thiesbuerger | #82

@petrag

Und auch hier schon wieder der Tunnel.
5 Wochen nach der Katastrophe sind viele noch auf dem Stand des Samstagabends, 24.7.2010

30.08.2010
01:48
Blockierter Kommentar.
von thiesbuerger | #81

Dieser Kommentar wurde von einem Moderator blockiert.

30.08.2010
01:46
Schaller geht in die Offensive
von thiesbuerger | #80

@Marcel

Der Grund für die Katastrophe ist doch nicht der Tunnel.
Tunnen scheinen ja wirklich die Fantasie vieler Leute anzuregen.

Der Gefahrenpunkt war die kleine Treppe an der Rampe. Nirgendwo bei der Veranstalgung sind Leute im allgemeinen Gedränge totgedrückt worden sondern ausschließlich im Gerangel um den Treppenaufgang.
Da wurden Leute totgetrampelt.

30.08.2010
01:46
Blockierter Kommentar.
von thiesbuerger | #79

Dieser Kommentar wurde von einem Moderator blockiert.

29.08.2010
20:35
Schaller geht in die Offensive
von kersten | #78

Bildausfall im Lagezentrum:
http://www.welt.de/vermischtes/weltgeschehen/article9276125/Bildausfall-waehrend-der-Loveparade-Katastrophe.html

29.08.2010
17:14
Schaller geht in die Offensive
von zebrafannin | #77

Ach ja, und der damalige OB Krings war auch bei den Demos dabei. Aber sein Mitwirken konnte die Schließung des Stahlwerks auch nicht verhindern, da die Oberen der Industrie schon alles in trockenen Tüchern hatte, bevor es überhaupt per Zufall bekannt wurde kurz vor Weihnachten, dass Krupp Rheinhausen platt gemacht werden sollte...

29.08.2010
17:12
Schaller geht in die Offensive
von zebrafannin | #76

Nr. 74:
Ich war sogar life dabei, und diese Demo war auch genehmigt und es verteilte sich auf mehrere Bereiche wie Straßen und Brücken. Es war dabei auch viel Polizei im Einsatz, die jedoch nicht von den beteiligten Demonstranten zur Seite gedrückt wurde, weil diese das Stahlwerk - damals Veranstaltungsort der Kundgebung - erreichen wollten. Es war eine sehr gedrückte Stimmung damals 1987, bei jeder dieser Demos. Von daher ist diese Veranstaltung nur insoweit mit der LoPa zu vergleichen, dass es dort auch viele Beteiligte gab.

29.08.2010
16:01
Schaller geht in die Offensive
von Bianca M., Oberhausen | #75

Ist doch ganz einfach: ALLE Beteiligten haben Schuld!!! Jeder auf seine eigene Art und Weise!!!

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