Loveparade
Sauerland sagt „ich muss durchhalten“
27.07.2010 | 16:15 Uhr 2010-07-27T16:15:00+0200Duisburg.OB Sauerland will nachweisen, dass er keine Fehler begangen habe. Die Schuld für die Katastrophe gibt er der Polizei. Unterlagen, die DerWesten vorliegen, zeigen auch: Schon vier Wochen vor der Tragödie gab es massive Sicherheitsbedenken.
Duisburgs Oberbürgermeister Adolf Sauerland denkt trotz des zunehmenden Drucks nicht an Rücktritt. Wenn er für die Tragödie die Verantwortung übernähme, würde er für den Rest seines Lebens für die Todesopfer verantwortlich gemacht, sagte Sauerland im Gespräch mit der Westdeutschen Allgemeinen Zeitung. Wenn er sich so verhalten würde, wäre das quasi wie ein Eingeständnis, den Tod der Besucher verursacht zu haben. „Ich muss das durchhalten“, sagte Adolf Sauerland. Er werde nachweisen, keine Fehler begangen zu haben. Der Duisburger Verwaltungschef macht im Gespräch mit der WAZ, wie bereits vor ihm Loveparade-Veranstalter Lopavent, das Fehlverhalten der Polizei für die Katastrophe am Tunnel verantwortlich.
Sauerland kannte Details der Sicherheitsbedenken
Bereits vier Wochen Wochen vor der Loveparade 2010 in Duisburg hat das Bauordnungsamt massive Einwände gegen das vorgelegte Sicherheitskonzept erhoben. Das geht aus einem Sitzungsprotokoll hervor, das DerWesten vorliegt. Danach mussten die Sicherheitsbedenken auch dem Duisburger Oberbürgermeister Adolf Sauerland entgegen bisherigen Aussagen im Detail bekannt gewesen sein. Dies geht aus dem Verteiler hervor, der handschriftlich auf dem Protokoll vom 18.06. vermerkt ist und das Kürzel OB trägt. Das bedeutet, dass das Protokoll an den Oberbürgermeister geleitet wurde.
In dem Schriftstück, das an Stadtbaudezernent Jürgen Dressler gerichtet ist und das eine Sitzung mit dem Loveparade 2010 in Duisburg-Veranstalter Lopavent, der Feuerwehr, dem Ordnungsamt und dem Ordnungsdezernenten Wolfgang Rabe zusammenfasst, ist der Streit um die Fluchtwege dokumentiert.
„Überrascht, welche rechtlichen Anforderungen die Bauaufsicht stelle“
Lopavent wehrte sich dem Protokoll zufolge gegen die Vorschrift, bei 220 000 Besuchern 440 Meter Fluchtwege nachweisen zu müssen. In dem Protokoll werden die Lopaventvertreter mit den Worten zitiert: „Die rechtlichen Voraussetzungen hätten sie noch nie machen müssen. Sie seien überrascht, welche rechtlichen und formalen Anforderungen die Bauordnung stellen würde.“
Lopavent bestand dem Papier zufolge auf 155 Meter Fluchtweg, da es ihrer Erfahrung „ausreichend sei, wenn 1/3 der Personen entfluchtet werden können.”
„Die Anforderungen ließ er nicht gelten“
Aus dem Schriftstück geht weiter hervor, dass der Ordnungsdezernent Wolfgang Rabe, der an dem Gespräch teilnahm, Druck ausübte. „Herr Rabe stellte in dem Zusammenhang fest, dass der OB die Veranstaltung wünsche und dass daher hierfür eine Lösung gefunden werden müsse. Die Anforderungen der Bauordnung, dass der Veranstalter ein taugliches Konzept vorlegen müsse, ließ er nicht gelten“, so das Protokoll. Rabe forderte das Bauordnungsamt, das normalerweise nur Kontrollfunktion hat, auf, „an dem Rettungsgwegekonzept konstruktiv mitzuarbeiten“.
Der Leiter des Baudezernats, Jürgen Dressler, kommentierte das Schreiben handschriftlich: „Ich lehne aufgrund dieser Problemstellung eine Zuständigkeit und Verantwortung (...) ab. Dieses entspricht in keinerlei Hinsicht einem ordentlichen Verwaltungshandeln und einer sachgerechten Projektstellung.“
Hier geht es zum Gesprächsprotokoll: http://files1.derwesten.de/flashmm/PDF/protokoll.pdf

12:48
Der Herr Sauerland hat nicht umsonst sein Festhalten am Thron der Stadt Duisburg bekannt gegeben.
Trotz Druck von außen.
Seine Parteifreunde haben das zur Kenntnis genommen und werden ihn nicht aus Liebe sondern Angst um jeden Preis schützen wollen.
Der Klüngel ist durchaus etwas dicker.
Und ein einfacher Rücktritt des OB wäre zuhöchst unbefriedigend.
Es muss sich übrigens kein Duisburger schämen wegen korrupter Politiker, das wäre Quatsch, denn Politik ist ja weltweit Korruption und Heuchelei.
;)
22:41
Mir scheint so, als ob den Duisburgern die Liebe zu ihrer Stadt verlorgen geht: Man schämt sich zu sagen, daß man aus Duisburg kommt. Als Neu-Duisburger, der seit ca. 30 Jahren lebt, kann ich dieses Gefühl nur unterstreichen.Dazu trägt wesentlich das derzeitige Verhalten der hiesigen Kommunal- und Stadtpolitiker bei. Sie haben das Image der Stadt und auch der Region wesentlich und für die nächsten Jahrzehnte beschädigt: Geht es hier um den OB und seine Leute oder um unsere Stadt?
21:59
Altes Managementgesetz: Erfolg wird am Ergebnis gemessen. Das Ergebnis der Veranstaltung ist leider eine Tragödie. Die Verantwortung dafür tragen die Stadt und der Veranstalter bzw. deren Repräsentanten. Leider ist es in Deutschland mittlerweile die Regel geworden, das bei Mißerfolgen die Verantwortung immer bei anderen gesucht wird. Das Herr Sauerland im Amt bleibt ist nicht zu nur unerträglich sondern einfach wiederlich. Gibt es keine rechtliche Möglichkeit diesen Mann und seine Erfüllungsgehilfen aus dem Amt zu entfernen ?
Wie diese Menschen morgens in den Spiegel schauen können und von sich behaupten keine Schuld oder Mitschuld zu tragen ist mir unerklärlich.
Mit christlich moralischen Maßstäben ist das nicht zu vereinbaren.
Ich hoffe nur dieses jämmerliche Schauspiel der Verantwortlichen hat bald ein Ende. Das gebietet schon der Respekt vor den unschuldigen Opfern.
Hoppe
21:50
Mir scheint so, als ob den Duisburgern die Liebe zu ihrer Stadt verlorgen geht: Man schämt sich zu sagen, daß man aus Duisburg kommt. Als Neu-Duisburger, der seit ca. 30 Jahren lebt, kann ich dieses Gefühl nur unterstreichen.Dazu trägt wesentlich das derzeitige Verhalten der hiesigen Kommunal- und Stadtpolitiker bei. Sie haben das Image der Stadt und auch der Region wesentlich und für die nächsten Jahrzehnte beschädigt: Geht es hier um den OB und seine Leute oder um unsere Stadt?
21:39
@ Hassia
...werde jetzt nicht auch 10mal antworten, aber:
Ja, ich wohne keine 5 km vom Ort des Geschehens entfernt, und ja, genau das habe ich auch gesagt...
Man hätte am nördlichen Ende des Geländes wenigstens einen Ausgang machen können, weitere Eingänge wären über die (ohnehin gesperrte) A59 (Ab-/Auffahrtfahrt Stadtmitte & Hochfeld) möglich gewesen. Zudem hätte man von vornherein die durch die Medien auch bekannte 2. Rampe von vornherein als Ausgang benutzen können...
Wie gesagt...HÄTTE KÖNNEN...hilft jetzt auch nichts mehr...
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