Das aktuelle Wetter NRW 2°C

Megaevents

Loveparade-Katastrophe wird zum Lehrstück

30.07.2010 | 06:38 Uhr
Loveparade-Katastrophe wird zum Lehrstück
Aus der Loveparade in Duisburg wurde ein Albtraum. Nun will man aus den Fehlern lernen. Foto: Ilja Höpping / WAZ FotoPool

Essen.Der Präsident des Bundesamtes für Bevölkerungsschutz, Christoph Unger, fordert Nachhilfe für Städte bei Großveranstaltungen. Bundesweit sind Konsequenzen in der Diskussion.

Die Katastrophe von Duisburg wird zum Lehrstück. Die Berliner Feuerwehr will Einsicht in die Sicherungskonzepte der Duisburger Loveparade haben, um aus den Fehlern zu lernen. Sachsen hat die Überprüfung aller Sicherungspläne für Großveranstaltungen und Stadien angekündigt, nachdem 2009 bei einem ­AC/DC-Konzert in einem Zugangstunnel des Leipziger Stadions vorübergehend eine ähnlich drangvolle Enge wie in Duisburg entstanden war. Der Präsident des Bundesamtes für Bevölkerungsschutz, Christoph Unger, fordert mehr Zusammenarbeit von veranstaltungserfahrenen und weniger erfahrenen Kommunen.

Bundesweit sind Konsequenzen für Planung, Durchführung und Rettungspläne von Massenveranstaltungen in der politischen Diskussion. Dabei setzt die Bundesregierung auch auf ein Konzept, dass der Katastrophenschutzexperte Dirk Oberhagemann zusammen mit renommierten Instituten erarbeitet. Es heißt „Risiko Großveranstaltung“ und soll durchgreifende Verbesserungen für die Sicherheit vorbereiten.

Allerdings ist Koordinator Oberhagemann bei der Arbeit auf der Loveparade in Duisburg massiv behindert worden. Er durfte weder den umstrittenen Tunnel filmen noch erhielt er die Sicherheitsunterlagen ausgehändigt.

Report bis Ende 2011

In seiner Arbeit beleuchtet sein Team die Entwicklung von Besucherzahlen, Einsätzen, kritischen Situationen und auch kritischen Veranstaltungen; Ende 2011 soll der Report vorliegen. Die Regierung erwartet Aussagen zu brisanten Fragen: Wie viel Personen sind auf welcher Fläche erlaubt? Wie viel Rettungskräfte sind wann notwendig? Bund und Länder wollen daraus Konsequenzen ziehen.

„Eine Loveparade ist die kritischste Veranstaltung“, sagte er unserer Zeitung. Sie sei drei bis vier Mal kritischer als eine Kieler Woche. „Schon in Essen und Dortmund ist es zu schwierigen Situationen gekommen“. In Duisburg, glaubt er, hätte keine Loveparade stattfinden dürfen.

Die Duisburger Behinderungen haben ihn hart getroffen. Beim NRW-Tag in Hamm, bei „Bochum total“, der Cranger Kirmes, auf der Kieler Woche und erst kürzlich bei den Kölner Lichtern konnte er dagegen ungehindert Videoaufzeichnungen ma­chen. „Ich habe viele Beispiele, wie es gut gelaufen ist. So etwas wie in Duisburg ist noch nie dagewesen“.

Mehr Übungen nötig

Der Chef des Bundesamtes für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe in Bonn, Christoph Unger, sagte unserer Zeitung, die Katastrophe am letzten Samstag habe klar gemacht, „dass es Probleme gibt bei der Vorbereitung und der Planung solcher Großveranstaltungen und beim Wissenstransfer“ – zumal die Zahl der Veranstaltungen zunahm.

Hier soll gegengesteuert werden: „Es müssen schwierige Szenarien mehr geübt werden, die Stäbe müssen stärker qualifiziert und ausgebildet und die Vorbereitungen intensiver werden“, fordert Unger. „Und wir müssen den Transfer der vorhandenen Kenntnisse verstärken.“ So funktioniere die Kölner Organisation reibungslos: „Denken Sie an Papstbesuch und Karneval. Es ist ganz wichtig, dass Erfahrene wie Köln weniger erfahrene Städte unterstützen“.

Unger lobte aber die Arbeit der Rettungskräfte in Duisburg. „Die Bewältigung der Aufgaben, nachdem die Katastrophe eingetreten war, hat gut funktioniert.“

Dietmar Seher

Facebook
 
Kommentare
30.07.2010
23:27
Blockierter Kommentar.
von Wurlecker | #14

Dieser Kommentar wurde von einem Moderator blockiert.

30.07.2010
19:23
Loveparade-Katastrophe wird zum Lehrstück
von SendSOS | #13

So tragisch das Loveparade-Unglück auch ist, wann wird der vielen Verkehrtoten (immerhin täglich ELF im Schnitt) gedacht?

30.07.2010
13:10
Loveparade-Katastrophe wird zum Lehrstück
von glabowski | #12

@fatih:
Die Veranstaltung war (angeblich auf der Basis von 300 000 erwarteten Besuchern) bei der AXA versichert. Mit einer Deckungssumme von lediglich 7,5 Mio. Es gibt Schätzungen, daß der tatsächliche durch die Loveparade hervorgerufene Schaden ein vielfaches der Versicherungssumme betragen könnte. D.h. die Hinterbliebenen der 21 Getöteten und auch die mehr als 500 Verletzten werden wohl nur unzureichend entschädigt werden.

30.07.2010
11:40
Loveparade-Katastrophe wird zum Lehrstück
von leserin | #11

Kündigt eure McFit Verträge damit solche Geldgierigen Leute wie R. Schaller solche Events erst gar nicht durchführen kann.
Schaller ist einer der Hauptschuldigen an 21 toten jungen Menschen und über 500 Verletzten.
Der ist krupellos und Machtbesessen.
Hier nur 2 Artikel aus der Vergangenheit von Schaller . . .
McFit-Chef Rainer Schaller: „Ich bin 100 Prozent risikobereit.“
War Schaller dass in Duisburg auch???

Zu lesen unter:
http://www.handelsblatt.com/mcfit-chef-rainer-schaller-ich-bin-100-prozent-risikobereit;2434073

McFit begann auch mit einer Lüge, eine Aussage von Rainer Schaller in der Main-Post. Jetzt lügt er wieder . . .

Zu lesen unter:
http://www.mainpost.de/lokales/franken/Geschaeftsmann-Rainer-Schaller-Der-Mann-fuer-McFit-und-die-Love-Parade;art36895,5042813

30.07.2010
11:03
Loveparade-Katastrophe wird zum Lehrstück
von tomtom | #10

Was ich fatal finde ist, das man jetzt so tut als ob man in Deutschland nicht in der Lage wäre eine Großveranstaltung durchzuführen.
Seit Jahrzehnten gibt es große Events.
Es gibt strenge Vorschriften und Auflagen. Jeder Veranstalter muss sich daran halten. Also muss an den Vorschriften eigentlich nichts geändert werden. Wenn man aber politisch diese Regeln und Gesetze ausser Kraft setzt, dann gibt es Chaos !!!

30.07.2010
10:47
Loveparade-Katastrophe wird zum Lehrstück
von fatih | #9

Nein, die Katastrophe von Duisburg wird nicht zum Lehrstück.

Sicherheit und Risiken von Großbveranstaltungen ist nicht erst seit dem traurigen Wochenende in Duisburg ein Thema. Die Medien greifen es jetzt nur auf. Weltweit werden wohl monatlich Groß-Events veranstaltet. Man denke allein anden Fußball. Nicht zu letzt an die WM. Es gibt allgemein bekannte Standards, die beachtet werden müssen. Entwickelt wurde diese Standards aufgrund von wissenschaftlichen Analysen von Großevents. Störungen, Unglücksfälle etw. werden genau analysiert. Schaut man sich diesen Katalog an, wird man auf eine traurig tödliche Parallele stoßen: Die jugendliche Sportveranstaltung `Air & Style´ in Innsbruck. Auch hier war die Örtlichkeit für das Event nicht geeignet.

Warum schreibe ich das? Nun, Großevents müssen versichert werden. Die Versicherungen haben diese Risikoanalyse, denn danach richtet es sich aus, ob versichert wird und wie hoch die Prämie ist. Die Haftpfliochtversicherer kennen die Groß-Events, bei denen es zu Schäden kam, haben sie analysiert und würden Groß-Events, bei denen ähnliche Risiken bestehen überhaupt nicht versichern.

Meine Frage: Gab es eine Versicherung, die bei diesem Konzept der Loveparade eine Haftpflichtversicherung abgeschlossen hat? Wenn nein, dann war allen klar, dass diese Verantsdaltung zu risikant war.

30.07.2010
09:51
Loveparade-Katastrophe wird zum Lehrstück
von mbuerger | #8

Autokratische Führungsstile sind im Ergebnis nicht zwangsläufig schlecht, sofern die Führungskraft nicht eigennützig handelt und über das notwendige Fachwissen sowie Sozialkompetenz verfügt. Das gilt insbesondere in Krisensituation, wenn rasches Handeln erforderlich ist und nicht erst eine Generalversammlung einberufen werden kann.

DER OB WILL DAS SO
Ich kenne Herrn Sauerland nicht näher, habe aber mehrfach festgestellt, dass manche Menschen - mit Verweis auf die Autorität des Chefs und seine angeblichen Wünsche - ihre höchst eigenen Ideen und Vorstellungen durchdrücken. Es wird halt weniger hinterfragt, wenns scheinbar vom Boss kommt.
Vorsichtig ausgedrückt: es muss nicht überall Sauerland drin sein, wo Sauerland draufsteht. Auch wenn er es sich (wegen des Anscheins) wohl zurechnen lassen muss.

30.07.2010
09:47
Loveparade-Katastrophe wird zum Lehrstück
von pyrexx | #7

Ich denke, es sollte eine Behörde geschaffen werden, die solche Veranstaltungen planen. Die unabhängig von Lokalpolitik ist, die nahezu ohne wirtschaftlichen Hintergrund arbeitet, eineArt Servicestelle für Veranstaltungsplanung. Ich glaube es gibt genug Beamte und Angestellte, vom mittleren bis höheren Dienst, die Aufgrund von Alter, Erkrankung oder sonstigen ursprünglichen Dienst nicht mehr ausführen können. Diese sitzen doch bisher in NRW im sog. PEM.
Bei der LoPa sind Vorwürfe aufgetaucht, das Dezernenten angeblich umgesetzt wurden, weil sie die LoPa so nicht genehmigen wollten. Alles geschah vor dem Hintergrund, das Duisburg die LoPa wollte, weil sie dadurch einen kleinen Aufschwung erfahren wollte.
Durch eine eigene Servicestelle würden solche Sachen dann ohne wirtschaftlichen Hintergrund, der im Bereich der Stadtverwaltung ganz sicher da ist, geplant.

30.07.2010
09:30
Loveparade-Katastrophe wird zum Lehrstück
von LakiGG | #6

A P P E L L

DUISBURGER, RESPEKT FÜR DIE DEMONSTRATIONEN GEGEN SAUERLAND !!!
WEITER SO. WENN IHR BEHARRLICH DRANBLEIBT, BLEIBT DEM OB KEINE WAHL, DER DRUCK WIRD FÜR IHN UNERTRÄGLICH, ER WIRD ZURÜCKTRETEN MÜSSEN, ANSTATT AUF SEINE PENSION ZU GEIERN !!!

DANKE DUISBURGER SAMT UMLAND!!!

30.07.2010
08:58
Loveparade-Katastrophe wird zum Lehrstück
von Das Grauen | #5

Auf dieser Seite kommentieren ausschließlich Universalexperten und Generalspezialisten.
Ach so! Na dann will ich auc nicht fehlen. Leider fällt mir zu diesem Artikel gerade mal kein Geistesblitz ein, da wird schon alles gesagt.
Egal, dabeisein ist alles!

Trackbacks

Die Trackback URL zu diesem Artikel ist: http://www.derwesten.de/services/trackbacks/article/3318737/create

Umfrage
Der Schalker Jermaine Jones bedaudert im Interview das Foul gegen den Gladbacher Marco Reus. Zugleich wehrt er sich gegen sein Bad-Boy-Image. Kommt das glaubhaft rüber?

Der Schalker Jermaine Jones bedaudert im Interview das Foul gegen den Gladbacher Marco Reus. Zugleich wehrt er sich gegen sein Bad-Boy-Image. Kommt das glaubhaft rüber?

 
Neueste Aktivität
Aktuelle Fotos und Videos
Aus dem Ressort
„Wollen uns jetzt die Krone aufsetzen“
Hallenfußball-Stadtmeiste...
Es war offensichtlich ein gutes Omen. Schon bei der Ge-sprächsrunde im Rundschau-Haus vor Beginn der Hallen-Stadtmeisterschaft hatte Do-minik Behrend keinerlei Be-rührungsängste gezeigt. Beim Gruppenbild mit den sechs Kollegen der anderen Klubs nahm er entschlossen jene Trophäe in die Hand, die er...
Rieske widerlegt sämtliche Skeptiker
Hallenfußball-Stadtmeiste...
Was die Hallenfußball-Stadtmeisterschaft betrifft, war der FC Brünninghausen bislang ein unbeschriebenes Blatt. Erst zum sechsten Mal hatte sich der Landesligist für die Endrunde qualifiziert, war dort zuvor meist sang- und klanglos ausgeschieden. Jetzt startete das Team von Trainer Volker Rieske...
Video