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Loveparade

Land macht Veranstalter für Unglück verantwortlich

28.07.2010 | 06:37 Uhr
Land macht Veranstalter für Unglück verantwortlich
Am Mittwoch sollen neue Ermittlungsergebnisse vorgestellt werden.

Duisburg.Die neue NRW-Landesregierung macht laut einem Pressebericht den Veranstalter der Loveparade für die Katastrophe verantwortlich. Dieser habe sich mehrfach über die Bedenken der Behörden hinweggesetzt und weniger Ordner eingesetzt als angekündigt.

Die Landesregierung von Nordrhein-Westfalen macht laut einem Pressebericht den Veranstalter der Loveparade für die Katastrophe verantwortlich, bei der 21 Menschen ums Leben kamen. In dem vorläufigen Bericht, den Innenminister Ralf Jäger (SPD) am Mittwoch vorstellen will, heißt es laut „Süddeutscher Zeitung“, der Veranstalter habe sich mehrfach über Bedenken der Behörden hinweggesetzt. Nach Informationen der „SZ“ kommen die Sicherheitsbehörden zu der Einschätzung, dass die Lopavent GmbH um den Fitnessunternehmer Rainer Schaller in ihrem Sicherheitskonzept von völlig falschen Berechnungen ausging, wie sich die Besucherströme auf dem Festivalgelände verteilen würden.

Das Land wirft dem Veranstalter vor, Warnungen der Behörden ignoriert zu haben.

Der Veranstalter habe nicht mit einem Stau gerechnet, obwohl die Polizei ihn zuvor immer wieder auf diese Problematik hingewiesen habe, berichtete die „SZ“ unter Berufung auf Polizeikreise. Der Veranstalter habe auf seine Erfahrungen verwiesen. Das Unternehmen ging in seinem Sicherheitskonzept nach „SZ“-Informationen davon aus, dass die verschiedenen Lastwagen mit Tänzern und DJs auf der Ladefläche die Besucher auf das Gelände locken und verteilen würden. Die Behörden kritisieren in ihrer Ursachenanalyse jedoch, dass die Lkw viel zu nah an der Rampe - dem Zugang zum Partygelände - vorbeigefahren und dort zudem Würstchenstände aufgebaut worden seien, an denen die Menschen stehenblieben.

Ordner, die den Stau hätten beseitigen können, waren dem „SZ“-Bericht zufolge offenbar nicht in ausreichender Zahl vorhanden, weil der Veranstalter viel weniger eigene Ordnungskräfte eingesetzt habe als angekündigt. Dies habe Innenminister Jäger dem Landeskabinett in Düsseldorf berichtet. Außerdem habe der Veranstalter Vorschläge ignoriert, im Zugangsbereich eine Videoüberwachung zu installieren.

Veranstalter weist Vorwürfe zurück

Der Organisator der Loveparade, Rainer Schaller, weist die Vorwürfe hingegen zurück, die Sicherheit bei dem Event in Duisburg vernachlässigt zu haben. Die Genehmigung sei erteilt worden, sagte Schaller der „Bild“-Zeitung. „Ohne diesen offiziellen Stempel hätten wir die Loveparade niemals stattfinden lassen“, sagte der Geschäftsführer des Loveparade-Veranstalters Lopavent.

Er habe auch niemanden unter Druck gesetzt, fügte Schaller hinzu. Ihm sei auch nicht bekannt, dass jemand von seinen Mitarbeitern dies getan habe. Es sei klar, dass es bei solchen Konzepten immer Bedenken gebe. Deshalb treffe man sich ja gemeinsam und spreche darüber. „Fakt ist auch: Diese Bedenken wurden gelöst - sonst hätte keiner der Beteiligten zugestimmt. Auch die Polizei darf sich da nicht ausschließen“, sagte er.

Er wisse, „dass wir als Veranstalter eine große Verantwortung haben“, sagte Schaller. Es werde „lückenlos aufgedeckt, ob wir irgendwo Schuld haben oder andere“. Bei den Untersuchungen sei man am Anfang. „Alle Auflagen, die wir bisher geprüft haben, haben wir zu 100 Prozent erfüllt“, sagte Schaller.

Rainer Schaller, Organisator der Loveparade.

Zu den erwarteten Besucherzahlen von bis 1,4 Millionen sagte Schaller, solche Zahlen vorab seien Schätzungen. Auf so einer langen Veranstaltung „kommen und gehen Menschen“. Fakt sei, dass bis 14.00 Uhr nur 105 000 Menschen mit der Bahn gekommen seien. Und Luftbilder bewiesen, dass der Platz zum Zeitpunkt der Tragödie nur zu 75 Prozent gefüllt gewesen sei. Auf die Frage, ob die hohen Zahlen also nur PR und nicht die echte Teilnehmerzahl gewesen sei, sagte Schaller: „Das kann ich nicht verneinen.“

Staatsanwaltschaft ermittelt gegen Unbekannt

Wie die Staatsanwaltschaft Duisburg mitteilte, ermittelt sie in dem Fall gegen Unbekannt wegen fahrlässiger Tötung und fahrlässiger Körperverletzung. Der Vorsitzende des Bundestags-Innenausschusses, Wolfgang Bosbach (CDU), fordert derweil bundesweit bessere Sicherheitsvorkehrungen für Großveranstaltungen. Er plädierte dafür, bei der Genehmigung solcher Veranstaltungen wie in Duisburg auch übergeordnete Behörden einzuschaltet. „Wenn wir eine solche Zentralisierung vornehmen sollten, dann könnte eine Kommune gegen das Votum des Landes oder der Bezirksregierung kaum eine Genehmigung erteilen.“

Der CSU-Innenexperte Hans-Peter Uhl empfahl, „bei Veranstaltungen mit mehr als 100 000 Teilnehmern sollten die Kommunen eine höhere Ebene einschalten“.

Wendt weist Bericht über Fehler der Polizei zurück

Nicht nur der Direktor der Berufsfeuerwehr Duisburg, auch ranghohe Polizeibeamte haben Oberbürgermeister Adolf Sauerland (CDU) vor der Loveparade offenbar schriftlich ihre Sicherheitsbedenken mitgeteilt. „Auf allen Schreiben stand der Briefkopf „Oberbürgermeister““, sagte ein Ermittler dem „Kölner Stadt-Anzeiger“ (Mittwochausgabe). Sauerland hatte am Dienstag bestritten, im Vorfeld entsprechende Warnungen erhalten zu haben.

Der Chef der Deutschen Polizeigewerkschaft, Rainer Wendt, weist Berichte über Fehler der Polizei zurück und fordert erneut den Rücktritt der politisch Verantwortlichen in Duisburg. „Der Oberbürgermeister und die politisch Verantwortlichen waren geradezu besessen von der Idee, die Loveparade in Duisburg zu veranstalten, dass sie die Warnsignale entweder nicht wahrgenommen oder beiseite geschoben haben“, sagte Wendt. Er selbst habe bereits vor einem Jahr gewarnt, dass die Stadt Duisburg ungeeignet sei, da sie zu eng für eine solche Veranstaltung ist. „Damals hat man mich als Spaßbremse und Sicherheitsfanatiker verspottet“, klagte Wendt. (apn/afp/ddp)

DerWesten

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Kommentare
31.07.2010
10:00
Land macht Veranstalter für Unglück verantwortlich
von dabbelju7 | #138

Ist ja jetzt klar!
Alle wissen was und versuchen es zu erklären.
Im Anschluss folgt immer ein Ergebnis und dann eine Veruteilung.
So wie sich die Verantwortlichen der LP verhalten, so auch hier die Leser und Kommentatoren.
Ein typisch menschliches Versagen.

29.07.2010
03:38
Land macht Veranstalter für Unglück verantwortlich
von ps | #137

Klar, die formale Verantwortung hat der Veranstalter. Da sein Konzept durchgewunken wurde, ist er sogesehen nur für das schuldig, was er abweichend vom Konzept gemacht hat. Möglicherweise kann er aber auch einfach hingehen und sagen, dass die Ordner leider doch nicht gut genug ausgebildet waren, die Kommunikation nicht funktionierte und eigentlich auch zu wenig Ordner da waren. Was solls, war ja schließlich genehmigt und nach dem Gesetz war die Ordnermannschaft gut genug dieses Konzept auszuführen...


Letztendlich hatte Schaller vermutlich einfach nicht die Kompetenz die Loveparade durchzuführen. Geldgier hin oder her, Schaller war doch eigentlich die Person, die es sich am wenigsten leisten konnte, eine Katastrophe herbeizuführen, schließlich ist sein Image und damit sein Geschäft jetzt vollkommen zerstört. Ich gehe mal davon aus, dass für McFit jetzt schlechte Zeiten anbrechen. Nicht nur wegen wegen ausbleibender Kunden, wenn er persönlich haftet, muss er das Geld aus McFit holen.


Meiner Meinung nach liegt die Hauptschuld bei denen, die den größten Anteil am Feilschen um die Sicherheit hatten und bei diesen Veranstaltungen anwesend waren.


Was ich nicht verstehe: Einerseits wird gesagt, dass die Loveparade zu teuer für Duisburg war. Andererseits soll der Veranstalter für das Geschehen auf dem Gelände verantwortlich und zuständig sein. Das macht keinen Sinn, schließlich hat die Loveparade doch auch die Stadt Duisburg Geld gekostet.


Was hat die Stadt Duisburg bezahlt? Die Floats? Das Planieren des Bodens? Die Ordner? Die Polizisten?


Mir scheint es, als sind eigentlich auch formal gesehen Lopavent und die Stadt Duisburg zusammengenommen der Veranstalter. Wenn dem nicht so wäre, hätte die Stadt Duisburg mit dem Sicherheitskonzept doch garnichts am Hut gehabt, sondern wäre ausschließlich für die Genehmigung zuständig. Dann aber wäre die Loveparade doch eine Gratisveranstaltung für Duisburg gewesen...

29.07.2010
02:33
Land macht Veranstalter für Unglück verantwortlich
von Nachdenker283283 | #136

Fakt sei, dass bis 14.00 Uhr nur 105 000 Menschen mit der Bahn gekommen seien.

`Vorsicht Nebelkerze: Und wieviele sind zudem direkt aus Duisburg, mit dem Auto und mit der Straßenbahn gekommen?

29.07.2010
01:37
Land macht Veranstalter für Unglück verantwortlich
von Nachdenker283283 | #135

Die Polizeisperre am unteren Ende der Rampe ist bis 16:40 aufrecht erhalten worden. Auf der Luftaufnahme von 16:43 sieht man oberhalb der Sperrlinie viel freien Platz. Auch um 16:30 bei der anderen Luftaufnahme ist oberhalb der Kette Platz.

In dem vom Innenministerium veröffentlichten Plänen gibt es keine Bauzäune auf der Rampe und im Tunnelbereich. Auf diesen Plänen gibt es auch keinen Container. Ich frage mich jetzt natürlich wieso diese im Plan nicht vorhanden sind, wohl aber auf dem Veranstaltungsgelände

29.07.2010
00:39
Land macht Veranstalter für Unglück verantwortlich
von FragenÜberFragen | #134

Auf Spiegel Online gibts Pläne, die die Polizei heute vorgelegt hat. Dort ist das Partygelände rot markiert, der Tunnel jedoch nicht. Kann man also davon ausgehen, daß der Tunnel zum Zuständigkeitsbereich der Polizei gehörte?

http://www.spiegel.de/fotostrecke/fotostrecke-57630-2.html

Der Zugang zum Tunnel wurde bis 16.14 Uhr gesperrt, die Rampe jedoch bis 16.40, es konnte in diesen 26 Minuten also niemand die Rampe in Richtung Partygelände verlassen. Warum?

Die Sperrlinie 1 (Polizeikette) versperrte den weiteren Zugang zum Tunnel direkt nach der schmalen Rampe, warum wurde diese nicht sofort geöffnet, um die andrängenden Besucher auf kürzestem Weg aufs Gelände zu lassen und so die gefährliche Kreuzung am unteren Rand der breiten Rampe zu entlasten?

28.07.2010
20:28
Blockierter Kommentar.
von grauerwolf | #133

Dieser Kommentar wurde von einem Moderator blockiert.

28.07.2010
19:41
Land macht Veranstalter für Unglück verantwortlich
von muetze51 | #132

*duisburger*
Sind sie ein Freund von Sauerland. Nach Angaben die sie hier machen hat Sauerland viel für Duisburg getan. Wo fängt denn bei Ihnen Duisburg an und endet es. Duisburg ist wohl also nur die Innenstadt.
Was der OB für Duisburg (Innenstadt) getaen hat sieht man jetzt, rein gar nichts.
Sauerland und ein paar anderen den Hut nehmen.
Dann brauch ich sein griensen nicht mehr sehen.IM Jäger saß noch vor kurzem im Rat der Stadt, heute hat er vergessen.

28.07.2010
17:46
Land macht Veranstalter für Unglück verantwortlich
von Ripoco | #131

Wozu soll der Staat denn da sein, wenn nicht, um die eigenen Bürger zu schützen?
Eine unsägliche Ausrede
- EIN ARMUTSZEUGNIS DER POLITIK.

Ich hoffe nicht, dass ich einen Politiker bei der Trauerfeier zu Gesicht bekomme.
Das könnte ich schwer ertragen.

28.07.2010
17:17
Land macht Veranstalter für Unglück verantwortlich
von susi z. | #130

Wichtig ist, dass die Hauptverantwortlichen zur Rechenschaft gezogen werden. Und das sind die, die dieses gefährliche Sicherheitskonzept mitgetragen und genehmigt haben. Wenn man eine Loveparade mit nur einem engen Zugang zulässt, provoziert man ja fast bei Fehlern in der Durchführung eine Katastrophe. Hat man ein gutes sicheres Konzept, so können einzelne Fehler auch einmal aufgefangen werden. Ich hoffe nicht, dass Herr Sauerland die Unverschämtheit besitzt, sich hinter den Fehlern der Veranstalter zu verstecken und von seiner eigenen Verantwortung abzulenken sucht.

28.07.2010
17:10
Land macht Veranstalter für Unglück verantwortlich
von jens neumann | #129

Schallers Mimik wird analysiert, sehr interessant!!!

http://www.youtube.com/watch?v=dNN2UlXI-Kw

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