Gelsenkirchener wollte von Polizisten erschossen werden
12.10.2011 | 20:49 Uhr 2011-10-12T20:49:00+0200
Gelsenkirchen. Der Gelsenkirchener, der vor zwei Monaten zwei Polizisten in einen Hinterhalt lockte, hat nun einer Gutachterin sein ungewöhnliches Motiv offenbart: Nach eigener Aussage wollte er sterben - aber „nicht kampflos“.
Töten wollte er. Das räumt Markus K. jetzt ein, der 21-Jährige aus Gelsenkirchen , der in der Nacht zum 9. August zwei Polizeibeamte in einen Hinterhalt lockte und mit dem Messer lebensgefährlich verletzte . Aber nicht die beiden hätte er umbringen wollen. Sterben sollte er selbst, behauptet er. Durch Schüsse aus ihren Dienstwaffen. Es gibt einen Begriff aus den USA dafür: Suicide by cops – Selbstmord durch Polizisten.
Fast zwei Monate hat der Auszubildende geschwiegen. „Fick dich“, rief er, blutend am Boden, einem Beamten Minuten nach der Tat zu. Und im Marienhospital Gelsenkirchen, wo ihm Projektile aus Bauch und Oberschenkel heraus operiert wurden, sagte er Vernehmungsbeamten, er werde nicht mit ihnen zusammenarbeiten . Das Vertrauen in den Staat fehle ihm. Jetzt erwartet ihn eine Anklage wegen zweifachen versuchten Polizistenmordes.
Psychose, Haschisch und Alkohol
„Ich konnte ihn nicht mit der Polizei reden lassen“, sagt sein Verteidiger Stefan Kixmöller, „was er mir in der Haft erzählt hat, erinnerte mich als psychiatrischen Laien an eine Psychose. Ich musste ihn schützen, weil ich Zweifel an seiner Schuldfähigkeit hatte.“
Erst bei der Gutachterin Maren Losch redet Markus K., als sie ihn Ende September zweimal im Essener Gefängnis besucht. Und die Psychiaterin erkennt eine Psychose mit schizophrenen und paranoiden Zügen, verstärkt durch jahrelangen Konsum von Alkohol und Hasch. Eine Tat aus innerlich aufgezwungener Angst, aus subjektiv empfundener Gequältheit. Mit Polizisten, die aus Zufall Opfer wurden.
Polizisten wollten Blechschaden aufnehmen
Sie kamen, um zu helfen . Am 8. August um 23.50 Uhr hatte Markus K. über 110 die Leitstelle „Erna“ der Gelsenkirchener Polizei angerufen: „Jochen Schmitz mein Name. Ich habe einen Auffahrunfall gemacht, beim Ausparken.“
Um 0.27 Uhr bekommt der Streifenwagen „Erna 21/31“ den Auftrag, zur Waterbergstraße 22 im Stadtteil Bulmke-Hüllen zu fahren, um den angeblichen Blechschaden aufzunehmen. Routine, nicht mehr, denken die 30-jährige Polizistin und ihr 45-jähriger Kollege. Doch als sie an dem Parkplatz in der Wohnsiedlung stoppen, und die Beamtin arglos aus dem Wagen steigt, greift der junge Mann sie sofort an. Sechsmal trifft sein Messer in Hals, Kopf und Arm . Der Täter eilt zur Beifahrerseite, sticht auf den Polizisten ein. Dreimal, ein Stich trifft die Lunge. Der 45-Jährige kann sich noch wehren, gibt vier Schüsse auf den Mann ab. Über Handy hört die Leitstelle „Erna“ alles mit. Die Schüsse, aber auch die kritische Lage der Beamtin, die das Bewusstsein zu verlieren droht: „Oh Gott, mir wird ganz schwindlig“, sagt sie, und aus dem Hintergrund hört „Erna“ den verletzten Kollegen, der sie wach halten will: „Bleib da!“
Die Messer kurz vorher gekauft
Alle Gelsenkirchener Streifenwagen werden zum Tatort gerufen, mehrere Beamte pressen die stark blutenden Wunden der Kollegin ab. Zwei kümmern sich um den angeschossenen Täter. Sie finden die Messer, die er erst sechs Stunden zuvor in einem Waffengeschäft der Essener Innenstadt gekauft hat: Magnum Satin Elegance (27,95 Euro) und Glock – Messer ohne Säge (39,90 Euro). Und eine Pistole im Hosenbund entdecken sie. Eine Gaspistole, sagt Markus K., den die Tat offenbar wenig erschüttert: „Wenn die scharf wäre, hätte ich sie benutzt.“
Bürgerlich ist er aufgewachsen, so sieht sein Lebensweg auf den ersten Blick aus. „Streng katholisch“, beschreibt ein Freund die Familie. Aber es gibt Brüche in der Familie: Der Vater, der sein Lehrerstudium geschmissen hatte und seitdem offenbar keinen Zugang zum Arbeitsmarkt fand; die auf Polizeibeamte unaufgeräumt wirkende elterliche Wohnung; die abgebrochene Kommunikation zwischen Markus’ Großmutter und seinem Vater.
Und Markus K., der das Gymnasium besucht hatte und von vielen Freunden als nett und freundlich geschildert wird? Tatsächlich sackten seine schulischen Leistungen seit dem zwölften Lebensjahr ab. Er verließ die Schule in der zwölften Klasse ohne Abschluss. Ein schlaksiger Typ, der nach Angaben der Freunde kiffte, Alkohol trank, zur rechten Szene engen Kontakt pflegte und sich auch schon mal prügelte. Mit Türken und Deutschen. „Ohne Anlass“, sagt ein Freund, „nur weil ihm die Nase nicht passte“.
Zunehmend verschlossen wirkte er auf seine Eltern, bei Freunden klagte er schon mal über den Sozialstaat, dass Deutschland zu viel Geld bezahle. Über das Internet besucht er die Homepage des rechtsextremen Norwegers Anders Breivik, bevor dieser am 26. Juli auf einer Ferieninsel 93 Menschen erschoss. Auch für Dignitas, die umstrittene Schweizer Sterbehilfeorganisation, interessiert er sich. Bei der Psychiaterin Maren Losch nennt er sein Motiv: Er habe gehofft, dass die Polizisten ihn erschießen. Aber nicht kampflos habe er sterben wollen, er wollte ein Fanal setzen, um die Institutionen Polizei und Politik zu treffen. Diese zerstörten den Staat durch Scheinsozialität und Überfremdung, meint er.
Völlig verwirrt beim Anruf
„Wenn das sein Motiv ist, dann ist er krank“, sagt Verteidiger Kixmöller. „Er sieht in allem ein Zeichen“, erzählt der Anwalt über die Rückfahrt aus Essen nach dem Messerkauf: „Sein Navigationsgerät stürzte ab, und das war für ihn das Zeichen, heute loszuschlagen.“ Auch die Gutachterin ist sich sicher, dass Markus K. nicht voll schuldfähig ist und wegen seiner weiterhin bestehenden Gefährlichkeit in die geschlossene Psychiatrie gehört. Die Justiz reagierte. Sie hat ihn aus der Untersuchungshaft geholt und dort untergebracht.
Die 18 Jahre alte Freundin von Markus K., die erst seit drei Wochen mit ihm zusammen war, hat kurz vor der Tat geahnt, wie es um ihren Freund bestellt ist. Gegen Mitternacht, eine halbe Stunde vor dem Angriff auf die Polizisten, telefonierte er per Handy mit ihr. Völlig verwirrt wirkte er, sagt sie. Von Mauern erzählte er, die sich in ihm und um sich herum befänden, die zu hoch seien. Ob er an Selbstmord denke, fragte sie ihn. Nein, hätte er geantwortet, aber gleich werde etwas Schlimmes passieren. Was, das sagte er nicht.

21:51
#13
Wer sagt denn, dass ich ihn im Knast sehen will?
21:50
#13
Wer sagt den das ich ihn im Knast sehen will?
21:21
#3
Natürlich gibt es umgangssprachlich den Begriff Polizistenmord, der allerdings nicht im Strafgesetzbuch explizit aufgeführt wird und somit natürlich unter dem § 211 StGB -Mord- zu suchen ist.
#15
Christian, es ehrt dich zu deinem Freund zu stehen aber wie du richtig erkannt hast widert auch mich diese schreckliche, hinterhältige und völlig unverständliche Tat dermaßen an, dass ich mich hier sehr zurückhalten muss um einer Edition durch die Redaktion zu entgehen. Ich brauche einen Menschen nicht gesehen oder kennengelernt zu haben, der vorsätzlich und in Selbstmitleid zerfliessend, zwei völlig unschuldige Menschen töten will. Wenn ich immer wieder lesen muss, wie schlecht seine Kindheit war, dass er gesoffen und gekifft hat, mit dem rechten Mob sympathisiert, Schlägereien anzettelt nur weil er gerade schlecht drauf ist und eine abgebrochene Kommunikation zwischen Großmutter und Vater nicht verkraften kann, dann frage ich mich warum er nicht schon vor der verabscheuungswürdigen Tat psychologische und ärztliche Hilfe in Anspruch genommen hat??? Erst jetzt wo alles zu spät ist besinnt man sich unter dem Deckmäntelchen der Schizophrenie und schlechte Kindheit alles so zu drehen, dass er doch irgendwie das Opfer ist und man doch gefälligst verstehen muss, dass er gar nicht schuld sein kann!!! Allein die Aussage unmittelbar nach der Tat (...f...dich!) sowie die Ablehnung der Zusammenarbeit mit den Ermittlungsbehörden zeigen welche Abgebrühtheit und blanker Hass aus ihm hervorgehen.
Nicht ein Wort der Reue, eine ehrliche Entschuldigung oder eine Geste seines Fehlverhaltens einzugestehen zeigt wie kalt und berechenbar sein Verbrechen geplant war. Markus vermutet wahrscheinlich nicht einmal ansatzweise, welches Leid und welchen Schmerz (nicht nur den Körperlichen) er den Familien, Freunden und Kollegen der beiden Polizisten angetan hat. Ich hoffe und wünsche mir, dass er eine gerechte Strafe im Namen des Volkes erhält und ewig an dieses abscheuliche Verbrechen denkt das er verursacht hat!
21:14
Hallo Gelsenkirchener22
Sorry, aber wenn sie es wären der so Verletzt worden wären, dann würden sie evtl. anders denken.
Was konnten die Polizisten/innen dafür, die nur einen Unfall aufnehem mussten und dann so verletzt worden sind?
Auch wenn es ihr Freund/Bekannter ist.
Sorry, leider hat der Polizist nicht richtg getroffen auf Grund seiner Verletzung.
Möchte mal wissen wie sie denken würden, wenn sie 6 mal mit einem Messer angestochen werden und um ihr Leben fürchten, für jemanden der... ach ne lieber nicht.
Den beiden Polizisten/innen alles gute bei der Gennesung und das sie die das geschenen gut verarbeiten.
19:40
Guten Abend.
Mein Name ist Christian ich bin ein Freund von Markus... ich möchte mich zuerst mal darüber auslassen wie ihr hier eure Meinung ausdrückt ....
ich kann sehr gut verstehen das ihr wütend oder angewidert von dieser grausamen tat seid aber niemand von euch kennt Markus wirklich.... ihr urteilt über einen Menschen den ihr weder gesehen noch selbst erlebt habt.... ich selbst hätte ihm diese tat auch nicht zugetraut allerdings kann ich auch nicht verstehen warum er sich das Leben nehmen wollte.... ich habe kurz vorher noch mit ihm gesprochen und ihn sogar gesehen.... er schien normal zu sein, naja so wie immer halt ... Markus hatte es meiner Meinung nach nie wirklich leicht ... wir haben oft über Probleme etc. gesprochen aber von einem Selbstmord bzw Syc war nie die rede.... Syc (suicide by cops) ist auch mir ein begriff...ich hatte ihn mal drauf angesprochen, auf Selbstmordgedanken aber diese wies er ab mit dem satz (dafür ist mir mein leben zu wichtig) ich weiß nicht warum ihr über Menschen urteilt die ihr nicht kennt trotz das er diese tat beging aber ein wenig Respekt darf man wohl erwarten... oder würde es euch gefallen wenn andere so über euer Kind reden würden? wenn er krank ist helft ihm ! Kinderschänder bekommen auch Hilfe und eine zweite Chance.... es stößt mich ab zu hören wie sich Leute über anderer Leute Angelegenheiten den Mund fusselig reden. DIE WELT IST KRANK GENUG, GEHT UND KÜMMERT EUCH UM EURE SACHEN !
17:20
10
Ja, ich glaube auch das der Selbstmordversuch nicht beabsichtigt war. Er hatte sich ja auch mit einem falschen Name gemeldet. Wenn er mit dem Tod gerechnet hätte wäre ihm das ja egal gewesen. Also ganz bewusst geplant!
15:37
@5
Im Knast zahlt der Steuerzahler auch für ihn.
14:43
@7: In Fachkreisen nennt man mich auch den Bestrafer!!!
14:29
Eine 9mm Luger Patrone ist billiger, als lebenslang in der Psychiatrie auf meine Kosten
14:28
Das wichtigste steht im Bericht ganz am Schluß.
Unmittelbar vor seinem feigen Überfall hat er seiner Freundin am Telefon verklausuliert die Tat angekündigt, gleichzeitig aber eine Selbstmordabsicht abgestritten.
Also für mich ist das nichts anderes als ein hinterhältiger Mordversuch. Der beabsichtigte Selbstmord durch eine Polizistenkugel ist nur ein Märchen, welches neuerdings aber wohl öfter zu hören ist. Siehe die kürzlich erfolgte Messerattacke auf Polizeibeamte in Oberhausen. Auch da hat der Täter behauptet, er wollte eigentlich sterben. Deswegen schleppt man dann auch zwei Schußwaffen und zwei Messer mit sich herum. Ja nee, is klar...