Fünf Staatsanwälte ermitteln in Duisburg
26.07.2010 | 18:59 Uhr 2010-07-26T18:59:00+0200Duisburg/Bochum.
Nach der Massenpanik auf der Loveparade 2010, bei der am Samstag 19 Menschen gestorben sind, ermitteln jetzt fünf Staatsanwälte in Duisburg wegen fahrlässiger Tötung gegen Unbekannt.
„Wir haben im Rathaus und auch beim Veranstalter Lopavent gezielt alle Akten und möglichen Beweise sichergestellt, die zur Aufklärung des Sachverhaltes beitragen können“, berichtet Oberstaatsanwalt Rolf Haferkamp. Man müsse schnell Licht ins Dunkel bringen. Es sei nicht auszuschließen, dass bereits bei den Planungen des Events von verantwortlicher Stelle „wider besseren Wissens gewisse Gefährlichkeiten bewusst abgestuft oder ausgeblendet wurden“, um überhaupt das Ziel „Loveparade 2010 in Duisburg“ zu erreichen.
Filme und Videos auswerten
Dabei will sich die Staatsanwaltschaft aber nicht an Spekulationen oder Vermutungen beteiligen, sondern sich nur auf Fakten stützen. Neben den offiziellen Akten und Unterlagen liegt den Juristen eine Fülle von Filmen und Videos vor, die zeigen, wie die Massenpanik auf der Rampe vor dem Tunnel entstehen konnte. „Außerdem“, so Rolf Haferkamp, „werten wir die Mitschnitte des Kommunikationsverkehrs zwischen den Sicherheitskräften aus.“ Denn es sei ja auch denkbar, dass es erst während der Veranstaltung zu falschen Entscheidungen und damit zur Katastrophe gekommen sei.
Zurzeit sind die fünf Staatsanwälte dabei, das Ermittlungskonzept zu verfeinern, um die Arbeit so schnell wie möglich - auch im Sinne der Opfer und ihrer Hinterbliebenen - zu bewältigen. Trotzdem wird es Wochen oder Monate dauern, bis die Auswertungen abgeschlossen sind.
Wir hatten ein gutes Sicherheitskonzept
Bei ihren Ermittlungen müssen sich die Staatsanwälte auch mit den Vorwürfen des ehemaligen Bochumer Polizeipräsidenten Thomas Wenner auseinandersetzen, der noch am Sonntag per E-Mail neben den leitenden Angestellten und dem Veranstalter auch den Duisburger Oberbürgermeister Sauerland wegen fahrlässiger Tötung angezeigt hat. „Da sagt der doch: ,Wir hatten ein gutes Sicherheitskonzept, die Leute waren selber Schuld, die über die Zäune geklettert’ sind“, erbost sich Wenner, der die Loveparade 2009 in Bochum als Polizeipräsident im Einklang mit der Stadt wegen „massiver Sicherheitsbedenken“ abgesagt hatte (siehe Offener Brief). In Duisburg seien all die Gefahren, die aus der Masse heraus entstehen können, grob missachtet worden. Thomas Wenner: „Nun hat sich alles wie ein Menetekel bewahrheitet.“ Man dürfe die Sicherheit nicht auf dem Altar einer Spaßgesellschaft opfern. Das aber sei in Duisburg geschehen.
Eine Frau. Ein Wort
Soweit will Bochums Oberbürgermeisterin Dr. Ottilie Scholz (SPD) nicht gehen. Sie könne und wolle zu den Duisburger Planungen nichts sagen. Fest stehe aber, dass in Bochum seinerzeit die Quadratmeterzahl für die Loveparade mit der zu erwartenden Besucherzahl verglichen worden sei: „Da haben wir gesehen, es wird zu eng. Die Bebauung ist zu nah. Da haben wir die Loveparade 2009 abgesagt. Aus Sicherheitsgründen.“ Eine Frau. Ein Wort.
Anders in Duisburg. Auch hier hatten Experten im Vorfeld auf die Risiken der Loveparade auf dem Gelände eines alten Güterbahnhofs hingewiesen. So war die Dortmunder Feuerwehr in die Planungen einbezogen. Dortmunds städtischer Pressesprecher Udo Bullerdieck: „Es hat drei Gespräche in Duisburg gegeben.“ Dort habe die Dortmunder Wehr ihr Sicherheitskonzept von der „Loveparade 2008“ vorgestellt. Außerdem hätten sich im Frühjahr 2010 „alle über die Karten gebeugt“. Dabei hätten die Dortmunder auf mehrere „neuralgische Punkte“ hingewiesen. Udo Bullerdieck: „Dazu gehörte auch der Tunnel.“

10:00
Die Staatsanwaltschaft ist weisungsgebunden. Zu begrüßen ist die Verlagerung der Ermittlungshoheit nach Köln. Bin mal gespannt, ob die Kölner einen ordentlichen Job machen und die Verantwortlichen in Düsseldorf das durchhalten.
01:47
Hier in England gabs sowas aehliches:
http://en.wikipedia.org/wiki/Hillsborough_Disaster aber schon ein paar jahre her,89
22:59
staatsanwaltschaft koeln - macht eure arbeit ohne ansehen auf personen und deren stand
22:43
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20:11
der hergang scheint mir nun geklärt: die stadt hatte die teilnehmer auf dem platz auf 250.000 limitiert. aufgrund dieser vorgabe haben die veranstalter an der rampe mitgezählt (deshalb nur ein eingang !). als voll war, haben sie die rampe geschlossen, ohne die polizei außen zu informieren. der rest ereignete sich dann zwangsläufig. es ist ein wunder, dass es nicht mehr tote gab.