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Straßenstrich

Dortmund nach dem Strich - neue Ruhe im Norden

28.06.2011 | 19:40 Uhr
Dortmund nach dem Strich - neue Ruhe im Norden
Im Dortmunder Norden hofft auch Alex, dass sich die Lage weiter entspannt. Foto: Ulla Michels / WAZ FotoPool

Dortmund.   Nach der Schließung des Straßenstrichs im Dortmunder Norden sind die Anwohner geradezu euphorisch. Noch immer weit davon entfernt, ein normaler Stadtteil zu sein, aber zumindest auf einem guten Weg.

So öde wie diese Straße ist keine zweite in Dortmund. Grauer Asphalt, mannhohe Stahlgitter rechts wie links, und dazwischen nichts als Leere. Ravensberger heißt sie und war einmal das Synonym für, sagen wir einmal, das pralle Leben. Zu Hunderten gingen die Huren hier anschaffen. Rumäninnen und Bulgarinnen zumeist, die Armen Europas. Viele verkauften sich für nicht einmal zehn Euro. Vor sechs Wochen schloss die Stadt den Straßenstrich in einer Art Notwehrakt. Seitdem ist Schluss mit lustig. Und die Dortmunder Nordstadt atmet auf. Weit davon entfernt, ein normaler Stadtteil zu sein, aber auf einem guten Weg.

Beamte in Zivil

„Geht’s Dir gut?“, fragt sie und steigt professionell lächelnd die Treppe hinauf. 50er Jahre. Linoleum. Abgeschabtes Leben. Sie im knappen, schwarzen Lederdress. Er, ein Mittfünfziger vielleicht, trägt über Wohlstandsspeck ein dunkles Jackett mit Goldknöpfen. „Lange nicht gesehen!“, sagt sie und er, erfreut, wiedererkannt zu werden, müht sich um einen charmanten Ton: „Ja, war länger nicht in der Gegend!“. Haus Nr. 8 in der Linienstraße, Dortmunds Bordell. Selbst hier, einen Kilometer Luftlinie entfernt vom ehemaligen Straßenstrich, ist man froh, dass wieder Ruhe einkehrt. Und das nicht aus Konkurrenz-Gründen, wie alle eilig betonen.

Dortmunds Nordstadt, sie ist seit Jahrzehnten nicht wirklich schön. Einst Vergnügungsviertel Westfalens, war sie später Arme-Leute-Gegend, Wohnplatz der Migranten. 140 Nationalitäten will man hier gezählt haben. Mit der EU-Osterweiterung, ab 2007, kamen neue hinzu. Und mit ihnen die Probleme: Ein Stadtteil verkam zuletzt in Prostitution, Kleinkriminalität, Drogen und vermüllenden Häusern. Eine seiner zentralen Straßen, die Mallinckrodt-Straße, galt als Schwarzarbeiter-Strich. Hier wurde abgeholt, wer sich für wenig Lohn illegal verdingte. Auf ihrem begrünten Mittelstreifen wurde campiert und gekocht.

Die Huren sind tatsächlich verschwunden

Monate brodelte es, protestierten Schüler, Eltern, Anwohner und Geschäftsleute. Am 16. Mai dann schloss die Stadt den Straßenstrich, riss die 2006 aufgestellten Verrichtungsboxen ab und stellte eine Task Force aus Polizei und Ordnungsamt auf. Beamte, in Zivil und in Uniform, patrouillieren nun rund um die Uhr, kontrollieren die Prostituierten sowie die Freier, Drogenhändler und jene Häuser, in denen ungezählte, vor allem aus dem bulgarischen Plowdiw eingereiste Roma für 200 Euro pro Matratze Unterschlupf fanden.

Dortmunds Bordell-Zone

Die Huren, sind tatsächlich verschwunden. Bis auf wenige Ausnahmen. Wohin, weiß niemand so genau. In den Nachbarstädten wie Bochum oder Essen tauchten sie bislang nicht auf. Es gebe Hinweise darauf, dass sie in ihre Heimatländer zurückgekehrt seien, sagt Polizeisprecher Kim Freigang und: „Wir sind überrascht, wie ruhig es geworden ist, wie gut alles angelaufen ist“.

„So wie es war, konnte es nicht mehr weitergehen“, sagt Gisela Zohren von der evangelischen Mitternachtsmission, die Huren betreut und beim Ausstieg aus der Prostitution unterstützt. Wie kaum eine zweite kennt sie das Milieu, weiß sie, wie sehr mit der osteuropäischen Einwanderung der Menschenhandel zugenommen hat. „Wir hatten in der Mitternachtsmission schon 16-Jährige, die zur Prostitution gezwungen worden sind“, sagt Zohren.

Viele erkennen eine deutliche Beruhigung in der Nordstadt

Kaum eine Woche sei vergangen ohne Messerstecherei, ohne Revierkämpfe. Mit den unaufgeklärten Frauen habe es vermehrt Abtreibungen gegeben und plötzlich wieder Krankheiten wie Syphilis und Hepatitis. Das Niveau sei abgesackt, heißt es im Milieu.

Nun, nach Schließung des Straßenstrichs, wollen viele eine deutliche Beruhigung in der Nordstadt erkennen. „Das heißt nicht, dass es keine Straßenprostitution mehr gibt, aber es ist nicht vergleichbar mit vorher“, sagt Jürgen Walther, der Leiter der 45-köpfigen Task Force. Anwohner und Geschäftsleute reagieren angesichts dessen geradezu euphorisch. „Endlich können unsere Angestellten wieder zur Arbeit gehen, ohne von den Freiern angemacht zu werden“, sagt Till Kummer, der einen Holzbetrieb neben dem ehemaligen Straßenstrich führt.

Razzia am Straßenstrich

„Die Polizei hat die Situation wirklich gut gemeistert“, sagt auch Gisela Schultebraucks, Leiterin der Grundschule Kleine Kielstraße. Deren Schüler und Eltern hatten Unterschriften gesammelt, weil sie es nicht mehr ertragen konnten „alle ungelösten Probleme unserer Gesellschaft vor der Haustür zu haben“. Schultebraucks: „Die Nordstadt ist der kinderreichste Stadtteil Dortmunds und die Kinder hatten schlicht Angst“.

„Das war Menschenhandel in höchster Form“, sagt auch er, der Betreiber des Bordells in der Linienstraße Nummer acht. Er verstehe nicht, wie man den Dortmunder Norden so aufgeben konnte. Geschätzte 45 ist er. Einer, der darauf achtet, dass in seinen Häusern Regeln und Gesetze eingehalten werden.

Sicheres Arbeiten

Und so sitzt er auch an dem vor Jahren von den Behörden eingerichteten Runden Tisch „Prostitution“, wird um seine Einschätzung gebeten. Er wisse, dass man ihm Konkurrenz-Gedanken unterstellen könne. Aber Bordelle hätten eine andere Klientel, andere Freier als der Straßenstrich. Ihm gehe es um den Stadtteil, um die Kinder und um ein sicheres Arbeiten für die Frauen“.

Alex, die junge Lettin, sitzt hinter der gläsernen Haustür der Nr. 8. Weißes Lackkleid über fast knabenhafter Figur. Blondes Kurzhaar. Dezentes Make-up. Vor einiger Zeit wurde sie auf dem Weg zum Kino überfallen.

Huren-Marsch in Dortmund

Seitdem hat sie Angst, seitdem hofft auch sie auf mehr Ruhe im Viertel.

Hayke Lanwert

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Kommentare
10.07.2011
09:09
Blockierter Kommentar.
von HagenNeinDanke | #10

Dieser Kommentar wurde von einem Moderator blockiert.

01.07.2011
10:13
Dortmund nach dem Strich - neue Ruhe im Norden
von pritt1 | #9

Komisch, beim Lesen der Kommentare erweckt sich bei mir der Eindruck, dass einige gar nicht gut damit leben können, dass es in der Nordstadt ruhiger geworden ist, und da kann man noch so viel das Gegenteil behaupten, es ist nun mal so! Wenn man nicht mehr Profit von den Prostituierten ziehen kann, redet man sie wieder herbei, so einfach ist das.

30.06.2011
15:27
Dortmund nach dem Strich - neue Ruhe im Norden
von Codi | #8

Peinlich dass in dem Artikel geschrieben wird, der Schwarzarbeiterstrich sei Vergangenheit. Nach wie vor stehen diese Tagelöhner, vermischt mit Drogendealern, an der Ecke Mallinckrodt-/Schleswiger Strasse und warten auf Arbeit.


Genauso traurig ist, dass nach wie vor das Märchen von zig HUNDERTEN Prostituierten hoch gehalten wird, die am Strassenstrich gearbeitet haben sollen.


Und dann kommt auch wieder der vom Strassenstrich so ach geplagte Herr Kummer wieder ins Spiel, dessen Mitarbeiterinnen ja jetzt wieder glücklich zur Arbeit kommen. Der Herr Kummer hat aber nie in seinen Interviews bzw. Kommentaren zugegeben, dass ihm der Strich ein kostenloses und intensives Marketing für sein Unternehmen gebracht hat. Zig tausend Autos sind Woche für Woche an seinem Unternehmen vorbei gefahren und haben durch seine Werbung erfahren was er so anbietet. Wieviele Freier werden wohl auch bei ihm eingekauft haben? Wie viele tausend Euro Umsatz hat er wohl durch diese sonst zu verachtenden Kunden zusätzlich gemacht und gut davon gelebt?


Nee, auch dieser Bericht soll wiedermal den Normalbürger manipulieren, dass dieser glaubt, durch die Schliessung des Strich, würde es sich in der Nordstadt plötzlich wieder besser und ungefährlicher leben lassen.


Kriminalität in verschiedenen Formen und Drogenhandel gibt es weiterhin in der Nordstadt.


Wie schon weiter oben geschrieben, wird immer mehr deutlich dass die Verantwortlichen für die Hexenjagd nichts gelernt haben.

30.06.2011
01:08
Dortmund nach dem Strich - neue Ruhe im Norden
von movienrz | #7

Die Task-Force leistet gute Arbeit und die Situation für die Nordstadtanlieger hat sich weitest gehend gebessert. wer seinem Ziganismus frönen will, hat dazu ausreichend Gelegenheit auf der Mallinckrodt zwischen Bornstrasse und Nordmarkt

29.06.2011
18:51
Dortmund nach dem Strich - neue Ruhe im Norden
von narit | #6

Ich weiß ja nicht, von wem die euphorische Stimmung gerade mal wieder eingekauft wurde, aber es ist eher Realität, dass die Nordstadtbewohner aufgrund der vielen Repressalien durch die sogenannte Task Force eher weniger Lust haben nach draussen zu gehen, als zuvor. Wer hat auch schon Lust auf dem Weg zum Einkaufen fünfmal den Ausweis vorzuzeigen? Wem würde die Stadt Dortmund dies in einem anderen Stadtteil zumuten? Hier wird rigide gegen Menschen vorgegangen, weil vermutet wird, sie könnten ja eventuell kriminell werden sein könnten. Sein könnte, Lieblingsworte einer integrationsunwilligen SPD-Fraktion, die noch nicht einmal mehr registriert, dass sie zutiefst antiziganistisch agiert. Sorry, wer zu blöd für EU-Fonds ist, gehört einfach nur noch bestraft. Wer nur noch Hinter Hornbach.de unterwegs ist und damit meint Arbeitslosigkeit ohne Perspektive lösen zu können, hat für mich wirklich echt gar nichts geschnallt. Da können Sie noch so bunt an Ihren Häusern herummalen, es bleibt trotzdem, was es ist. Eine Arbeitslosigkeit, die endlich nach einer Lösung fragt!

29.06.2011
14:16
Dortmund nach dem Strich - neue Ruhe im Norden
von butcher99 | #5

Einer, der darauf achtet, dass in seinen Häusern Regeln und Gesetze eingehalten werden.
Liebe WAZ, das läuft normalereise unter: Onkel Hottes Märchenstunde, für wie blöd haltet ihr eure bald EX-Leserschaft?

29.06.2011
11:51
Dortmund nach dem Strich - neue Ruhe im Norden
von jakov.efroni | #4

#2 Weil es in die gesamte Kampagne paßt wie so vieles widerliche , wenn sich Behörden mit Medien zusammenschließen , um mit einem Rundumschlag unter Benutzung eines Argumentes (Straßenstrichproblematik) ein ungelösten Problem auf unerwünschte Personengruppen auszudehnen . Niemand hat den Behörden in Dortmund verboten , in den letzten 20 Jahren ähnliche Probleme zu lösen oder sie erst gar nicht auftreten zu lassen .

29.06.2011
11:47
Dortmund nach dem Strich - neue Ruhe im Norden
von vaikl | #3

Was sagen denn die Kollegen aus der WR-Redaktion zu solch einem Kessel Buntes aus Mutmaßungen, Vorurteilen, Hörensagen und Schwarz-Weiß-Malerei von der Kollegin aus der Essener WAZ-Zentrale?

Man hatte ja bei den damaligen Stellenstreichungen schon befürchtet, dass der zentrale Content-Desk nur journalistischen Müll abliefert, wenn es um lokale Themen geht. Die Befürchtung war wohl begründet.

29.06.2011
11:12
Dortmund nach dem Strich - neue Ruhe im Norden
von AxelHumpel | #2

Warum benutzt diese Zeitung penetrant das Schimpfwort Hure für Prostituierte?

29.06.2011
10:17
Dortmund nach dem Strich - neue Ruhe im Norden
von jakov.efroni | #1

Gehts Dir gut? Eine Frage , die ich auch an die Nordstadt stelle . Euphorie allseits vor Ort , Sodom und Gomorrah vertrieben , Kinderreichtum eingestellt, Drogen - Nein Danke , Kleinkriminalität tschüss , Menschenhandel - nicht mehr in Dortmund, und die Nordstadt auf dem besten Weg zum schönsten Dorf Deutschlands gekührt zu werden und das und sehr viel mehr unter Leitung der neugegründeten und scheinbar mit allen liberalen und demokratischen Mitteln oder auch nicht ausgestatteten Macht der TASK FORCE und unter Anleitung u.a. besonders auch von dieser Zeitung begleitet , polemisch und populistisch angehaucht , Hexenjagd erfolgreich beendet . Ein Riesenerfolg natürlich auch für die populistisch verantwortlichen Politiker vor Ort . Ein Sturm geboren 2007 - gestorben 2011 ! Frage : Wer werden die nächsten Opfer der Populisten ?

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