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Diskussion: Was soll denn jetzt aufs Stadtschild?

24.10.2011 | 18:03 Uhr
Diskussion: Was soll denn jetzt aufs Stadtschild?
Ob die Stadt Bochum sich bald mit dem Zusatz „Univercity“ schmücken wird? Fotomontage

Ruhrgebiet.   In NRW dürfen Städte jetzt Zusätze auf ihre Ortsschilder drucken. Das lässt viel Raum für Fantasie - bei den Bürgern und der Verwaltung. Manche Kommunen wünschen sich aber lieber kein schmückendes Beiwerk auf den gelben Schildern. Doch welche Vorschläge haben eine Chance?

Eisleben hat jedenfalls absolut das Beste daraus gemacht, dass Martin Luther als Neugeborener, als Durchreisender und als Sterbender insgesamt bis zu drei Wochen in der Stadt war. Denn seit 1946 heißt die Kleinstadt in Sachsen-Anhalt „Lutherstadt Eisleben“, und „es gibt durchaus Leute, die davon angelockt werden“, sagt ihr Sprecher Maik Knothe.

Wir wissen nicht genau, ob man das auch sagen kann von der damaligen „Wilhelm-Pieck-Stadt Guben“, aber nun ist das Thema „Zusatz zum Ortsnamen“ auch im Ruhrgebiet gelandet. Denn seit letzter Woche dürfen NRW-Städte solche Zusätze auf ihre Ortsschilder drucken: etwas Besonderes oder etwas Historisches, um Reklame zu machen und den Lokalpatriotismus zu stärken. Seitdem regnet es Vorschläge: „Festspielstadt Recklinghausen“, „Herne Stadt der Spitzenmedizin“, „Familienstadt Gladbeck“, „Waldstadt Iserlohn“ . . .

Köln etwa und Essen wollen ihre Bürger dazu befragen, „Essen hat so viele Attribute, Einkaufsstadt, Energiestadt, Universitätsstadt“, sagt Sprecher Detlef Feige; „Lutherstadt Essen“ in Anlehnung an den Reichskanzler aus Essen unterschlägt er an dieser Stelle indes. Dumm nur, dass bei einer unrepräsentativen online-Umfrage die Mehrheit sich entschied für „Essen ist fertig“ – offenbar hat die Spaßfraktion da ebenso zugeschlagen wie bei diesem Vorschlag für Bochum: „Stadt des spukenden Konzerthauses“.

Doch im Ernst steckt der Teufel mal wieder im Detail. Etwas Besonderes soll es sein? Geht es nach den unabgestimmten Vorschlägen, die im Raum stehen, dann könnte ein Reisender bald in der „Hochschulstadt Mülheim“ starten, um dann die „Universitätsstadt Essen“ und die „UniverCity Bochum“ und die „Universitätsstadt Witten“ zu durchqueren und endlich in „Hagen Stadt der Fernuniversität“ zu landen. Es war ja auch wirklich ein langer Weg.

Davon ab, ist „Universitätsstadt“ sozusagen die Dutzendware unter den Alleinstellungsmerkmalen: „Universitätsstadt“ steht schon vor Koblenz und Marburg, Lübeck und Ilmenau, vor Landshut, Deggendorf, Weiden . . . und Siegen und Kleve wollen das jetzt auch noch.

Ob das überhaupt so kommt mit den Beifügungen, ist aber längst nicht ausgemacht. „Die Idee ist gut, die Umsetzung im Moment zu teuer“, sagt etwa Corinna Weiß für die Stadt Recklinghausen. Und „Kein Interesse“ verlautet knapp aus dem Büro des Bürgermeisters von Castrop-Rauxel; in Namensfragen reagiert die Stadt freilich immer etwas empfindlich. Wie wäre es mit der einfachen Umstellung „Castropstadt Rauxel“?

Grundsätzliche Einwände erhebt Frank Baranowski (SPD), der Oberbürgermeister von Gelsenkirchen: Die Namenszusätze könnten „zu einer Kleinteiligkeit in der Wahrnehmung der Region führen“. Und so gibt es auch die Meinung, die allen Revierstädten ein „Ruhrstadt“ voransetzen will: Ruhrstadt Duisburg, Ruhrstadt Herten, Ruhrstadt Hattingen usw.

Andere Bundesländer praktizieren die Zusatznamen schon länger, wie Bayern: „Sie fördern die Identifizierung der Bürger mit ihrer Stadt“, sagt Rainer Knäusl vom Bayrischen Städtetag. Ganz ähnlich sieht das sein Kollege in Hessen: „Es hebt das Selbstwertgefühl der Bevölkerung. Sie soll schon selbstbewusst herumlaufen“, sagt Stephan Gieseler. Den Informationswert der Zusätze schätzt er hingegen äußerst gering ein und parodiert das am Beispiel der vorgeschlagenen „Domstadt Köln“: „Und wir in Hessen haben uns bei den Karnevalsumzügen im Fernsehen immer gefragt, was das bloß für ein großes Gebäude im Hintergrund ist?“

Hubert Wolf und die Stadtredaktionen

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Kommentare
26.10.2011
17:22
Diskussion: Was soll denn jetzt aufs Stadtschild?
von Insider43 | #16

Was sich da als Ausdruck von Lokalpatriotismus gebärdet, dürfte am Ende eher als Lokalparodismus (Copyright bei mir!) daherkommen...
...meint der Insider!

25.10.2011
18:23
Diskussion: Was soll denn jetzt aufs Stadtschild?
von Krieger_Alf | #15

@ge, Ruhrstadt, für alle Städte, die nicht an der Ruhr liegen. Das schafft Verwirrung.

Oder doch Baranowskistadt Gelsenkirchen. Dann haben wir für den OB gleich ein Denkmal gespart.

25.10.2011
17:25
Diskussion: Was soll denn jetzt aufs Stadtschild?
von zynikus | #14

Bleiben wir doch realistisch:
Provinzstadt Essen

25.10.2011
10:34
Diskussion: Was soll denn jetzt aufs Stadtschild?
von Otto99 | #13

Lutherstadt Eisleben heißt übrigens offiziell so, das hat mit dem Thema Zusatz auf Eingangsschildern eher indirekt zu tun.

Übrigens: Welche Stadt hätte denn mehr Recht, sich als Lutherstadt zu bezeichnen, als die Geburts-, und Sterbestadt?

25.10.2011
10:25
Diskussion: Was soll denn jetzt aufs Stadtschild?
von Otto99 | #12

Für Gelsenkirchen kann es eigentlich nur Stadt der 1000 Feuer heißen.

25.10.2011
09:54
Diskussion: Was soll denn jetzt aufs Stadtschild?
von AntonC | #11

falsch #7 es klingt nach Selbstbewusstsein. Wir haben es nicht nötig uns klein zu machen, uns von den Kleingeistern in schwache Minieinheiten aufspalten zu lassen.

25.10.2011
09:19
Diskussion: Was soll denn jetzt aufs Stadtschild?
von wgrobi | #10

Als ob Deutschland und NRW keine anderen Probleme hätten. Manche Themen erinnern mich an Brot und Spiele in der Antike oder wie hält man ein Volk dumm

25.10.2011
08:56
Diskussion: Was soll denn jetzt aufs Stadtschild?
von sprichdichaus | #9

Am besten alles so lassen wie es ist. Ein Zusatz macht eine Stadt weder attraktiver noch interessanter.Ob sich dadurch Bürger mehr mit ihrer Stadt identifizieren glaube ich in Zeiten von drastischen Sparmaßnahmen und dadurch resultierender bröckelnder Bürgernähe nicht. Ausserdem sind ja die meisten Städte schon genug mit Schulden belastet . Sollen die Kosten für neue Schilder noch zusätzlich dem Bürger zugemutet werden?

25.10.2011
08:38
Diskussion: Was soll denn jetzt aufs Stadtschild?
von holmark | #8

Hurenstadt Dortmund geht ja nun nicht mehr. ;o)

25.10.2011
08:21
Diskussion: Was soll denn jetzt aufs Stadtschild?
von hoern | #7

Zusätze sind nicht nötig, erst Recht nicht Ruhrstadt, das klingt zu sehr nach Einheitsstadt und Moloch!

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