Die Politik muss das Praktika-Schlupfloch schließen
04.11.2011 | 22:45 Uhr 2011-11-04T22:45:00+0100Amazon ist ein Segen. Nicht nur für Menschen, die lieber am PC einkaufen, sondern auch für Rheinberg und Werne, wo der Konzern neue Logistikzentren und damit Hunderte Jobs in Regionen geschaffen hat, die vom Strukturwandel gebeutelt sind.
Und doch muss man den Wein mit etwas Wasser verdünnen. Dazu gehört die bittere Einsicht, dass die Amazon-Erfolgsbilanz der Arbeitsverwaltung ganz offensichtlich auch durch Tausende Euro unnötig gezahlter Hartz-IV-Bezüge und knapp 200 Euro Lohnverzicht von jedem neu eingestellten Arbeitslosen erkauft worden ist. Praktika, wie sie bei Amazon üblich waren, sind in der Sozialgesetzgebung explizit vorgesehen, also legal. Legitim sind sie in der Grundsätzlichkeit, mit der sie bei Amazon praktiziert wurden, keineswegs. Doch das kann man nicht Amazon zum Vorwurf machen, sondern nur dem Gesetzgeber, der dieses Schlupfloch schließen muss.
Amazon muss sich fragen lassen, ob die ständige Befristung von Arbeitsverträgen zum Bekenntnis passt, dauerhafte Jobs schaffen zu wollen. Das Prinzip „Hire and Fire“ mag in der US-Heimat des Konzerns üblich sein, hier ist es dies nicht.

08:57
Ich habe die Erfahrung gemacht "Jeder Arbeitgeber erfindet Deutschland neu für sich und keiner schaut hin". Was ist aus dem Arbeitsrecht geworden ? Jeder Arbeitgeber darf seine Arbeitsbedindungen selbst regeln und tut dieses auch. Anscheinend ist das gute alte Arbeitsrecht - der gute alte Arbeitsvertrag - das gute alte Arbeitsverhältnis das miteinander nichts mehr wert und die Arbeitsargentur findet dieses auch noch so in Ordnung. Arbeitnehmer werden gekündigt weil diese zu teuer sind und ein Arbeitsloser wird eingestellt weil die Arbeitsargentur einen großteil des Entgeldes übernimmt.Natürlich ist dann dieser Job befristet. Und dieses soll Ok sein? - Selbst miterlebt - Ich selbst übe eine Tätigkeit als Fahrer aus - kein Urlaub, keine Lohnfortzahlung im Krankheitsfall, Entgeld nur für geleistete Stunden - wenn nicht da kein Geld, keinen schriftlichen Arbeitsvertrag , bei Arbeits.- oder Wegeunfall muß ich das Geld beim evtl. Verursacher einklagen weil ich nicht bei der BG gemeldet bin oder der Arbeitgeber mich nicht melden brauch und keinen interessiert das ganze weil das Ok ist, für alle, in dieser wirtschaftlichen Situation. Kontrollen gibt es praktisch nicht, in acht Jahren wurde dieser Betrieb von keinen kontrolliert wo hätte so etwas auffallen können. Es will soetwas auch keiner wissen. Das ist für mich Deutschland
18:20
Da fällt mir ein, wenn die Subventionierung der Arbeitgeber durch Zuschüsse auf Lohn, etc. gestoppt wird, was die Frau von der Leyen da einsparen kann!!
Wo wir doch so einen Fachkräftemangel haben. Und Marktwirtschaft. Sozial ja nicht mehr.
Also müssen die Unternehmer endlich mal das Unternehmerrisiko übernehmen und Arbeitslöhne selbst tragen. In tariflich vereinbarter Höhe.
Und wenn die Arbeitgeber _qualifizierte_ Arbeitnehmer wollen, dann sollen sie die Qualifizierung bezahlen. Dann können sie auch nicht jammern, dass am Bedarf vorbei qualifiziert wurde.
18:06
@2 und überhaupt alle Arbeitgeber und Politiker:
Langzeitarbeitslose und alle anderen Arbeitnehmer müssen keine "Praktika" machen. Um zu überprüfen, ob ein Arbeitnehmer für die Arbeit geeignet ist, gibt es die Probezeit.
Während dieser Zeit kann der Arbeitgeber den Arbeitnehmer und umgekehrt! erproben. Zumeist ist in der Zeit auch das reguläre Gehalt sowieso geringer.
Allerdings herrscht keine Waffengleichheit. Denn wenn der Arbeitnehmer kündigt, weil z.B. Arbeitssicherheit im Betrieb mangelhaft ist oder der Arbeitgeber schlicht mit dem Gehalt in Verzug ist, bekommt er Probleme bei der Arbeitsagentur, wenn er kündigt, besonders als vorher Hartz IV-Bezieher. Da geht es schnell an die Existenz und Wohnungsverlust. Dagegen kann man in der Probezeit vom Arbeitgeber jederzeit _ohne_ Begründung gekündigt werden. Und die Probezeit kann schamlos 6 Monate dauern - vor 1 1/2 Jahrzehnten waren ja maximal drei Monate Probezeit vorgesehen.
Das wird auch von den Arbeitgebern gerne ausgenutzt -6 Monate einstellen, ohne Begründung kündigen und dann die nächsten vom Amt geförderten einstellen, um die Betriebskosten zu senken und den Gewinn zu maximieren.
Die Gekündigten sind dann doppelt geschlagen, aussortiert vom Arbeitgeber und gebrandmarkt vor dem amt als "unwillig", "unfähig", etc.
Wird wirklich Zeit, dass die Subventionierung der Arbeitgeber durch die Arbeitnehmer (in Form der Arbetisagentur) gestrichen wird.
@7: Das mit den Rechtsschreibfehlern kommt, weil man keine Vorausschau mehr hat beim DerWesten und nicht mehr korrigieren kann... ärgere mich auch.
10:32
Auch wenn ich hier bewußt den ein oder andern Rechtschreibfehler stehen lies, ist es mir doch peinlich was ich da so übersehen habe...
Ich meine natürlich "Langzeitarbeitsloser" anstatt ""Langzeitarbeitnehmer". Und SO viele Adjektive wollte ich eigentlich auch nicht groß geschrieben lassen....
Naja. Is jetzt numa so....
10:24
Herr BrettBumms! Mir scheint Sie verdienen auch ein wenig an dieser umstrittenen Parktik(a) seitens Amazon.
Und ihre seltsame Ansicht -alle (bzw. viele) langzeitarbeitnehmer sind generell Unanpassundsfähig oder Arbeitsunwillig- zeugt nicht gerade von einer gesunden und Vorurteilsfreien Meinung zu diesem Thema.
Jaja, jetzt kommt bestimmt die alle Leier, Sie arbeiten ja da und deswegen haben auch nur Sie den wahren durchblick und so.
Lassen Sie sich gesagt sein: andere arbeiten auch mit Langzeitarbeitslosen und die haben teilweise eine andere Sicht der Dinge. Ist schon Komisch was? Die Welt ist nicht nur Schwarz und Weiß....
Aber wahrscheinlich prallt dies Kritik an ihnen ab und Sie machen sich lieber daran bei mir Rechtschreibfehler zu suchen. Da werden Sie dann aber auch wahrscheinlich fündig...
P.S.:
Haben oder würden Sie bei ihrem Arbeitgeber eigentlich auch ersteinmal 2 Wochen für nöppes arbeiten?
Lassen Sie mich raten: NATRÜRLICH würden Sie das.....
06:45
Viele potenzielle Arbeitnehmer sind heute nicht mehr in der Lage mehrere Tage hintereinander pünktlich zur Arbeit zu erscheinen bzw. überhaupt bereit zu arbeiten.
Da ist es doch absolut legitim und notwendig, mal im Vorfeld zu prüfen wen man sich dort als zukünftigen Mitarbeiter "eingefangen" hat.
Ich würde mich genauso wie Amazon verhalten und habe für das Unternehmen allergrößtes Verständnis.
das heutige Arbeitsrecht kennt die Möglichkeit einer Probezeit, in deren Verlauf ohne Angabe von Gründen kurzfristig gekündigt werden kann. Zudem braucht der Arbeitgeber keinen Lohn zahlen, wenn der Arbeitnehmer den Arbeitsvertragsprlichten nicht nachkommt. Aber Arbeit ist zu entlohnen. Alles andere ist Ausbeutung.
Praktika zur Ausbildung sind sicherlich anders zu werten, denn dort wird keine Arbeitsleistung verlangt, sondern der Arbeitgeber erfüllt Ausbildungsaufgaben.
17:03
Was ist das für ein trauriges Land geworden: Amazon ist ja kein Einzelfall. Praktika, befristete Verträge, (Schein-)Selbsständigkeit, Leiharbeit überall und bei (fast) allen Unternehmen und Unternehmungen. Arbeitsverhältnisse, die von Perspektivlosigkeit ebenso geprägt sind, wie von tendenzieller Armut.
Welcher Politiker wird dieser grenzenlosen Gier endlich Einhalt gebieten???
Statt Millarden für Milliardäre, brauchen wir zum Leben hinreichende Löhne und Gehälter!!! Anständiges Geld für anständige Arbeit!
11:30
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03:18
Es gibt nun mal verschiedene Arten Praktika.
Schlimm ist, wenn ausgelernte Kräfte von einem Praktikum zum nächsten vertröstet werden und so umsonst monatelang für einen potenzielen Arbeitgeber schuften, der sie letztlich doch nicht einstellt. Dieses gesetzlich gedeckte Schlufloch, das Arbeitgebern ermöglicht Arbeitssuchende gnadenlos auszunutzen, gehört wirklich baldmöglichst gestopft.
Was aber bei Amazon abgeht, ist eine ganz andere Kategorie. Hier werden Langzeitarbeitslose bei ihrem freiwilligen vierzehntäglichen Praktikum weiterhin vom Jobcenter unterstützt. Sie sind also nicht schlechter gestellt, als wenn sie weiterhin Hartz IV kassieren und zuhause bleiben. Dafür haben sie die Chance bei Eignung von Amazon eingestellt zu werden und aus ihrem Hartz IV Dasein herauszukommen. Was vielen auf diesem Wege auch gelungen ist.
Somit ist dies durchaus legitim und mit den Praktika, wie sie ansonsten in der Wirtschaft angeboten werden, überhaupt nicht zu vergleichen...
20:01
Freiheit und Anstand u. Verantwortungsbewußtsein schließen sich beim Reibach machen aus!
Das hätte Herr Schröder schon beachten müssen, als er sich auf die Versprechen der Wirtschaft verließ und hoffte im Gegenzug zu den Wohltaten Arbeitsplätze zu bekommen.