Die Angst sitzt mit im Klassenzimmer
02.12.2010 | 16:06 Uhr 2010-12-02T16:06:00+0100
Dortmund.Als ich mich 2008 am Fritz-Henßler-Berufskolleg beworben habe, tat ich es in dem Glauben, eine schöne angenehme Lernatmosphäre vorzufinden. Doch je länger man im FHBK zur Schule geht, desto häufiger fällt einem das genaue Gegenteil auf.
Nach und nach sah man Risse in Wänden, die sich, während man sich eigentlich auf den Deutschunterricht konzentrieren sollte, immer weiter durch das Mauerwerk ziehen. Einige sind beinahe einen Zentimeter breit und über drei Meter lang. Es herrschten etwa einen Monat lang reges Treiben auf den Fluren und Chaos auf den Stundenplänen, da die Räume von Bauarbeitern besetzt wurden. Sie sollten so schnell wie möglich Stahlträger in die Wände ziehen, da sonst der Boden keine Klasse mehr hätte tragen können. Wände, Decken und Böden wurden aufgerissen, notdürftig saniert und ebenso nachlässig wieder verschlossen. Wenn überhaupt.
Und wenn man nun bei Mathematik sitzt und die herausgerissenen, teilweise zerfetzten Decken sieht, bekommt man es mit der Angst zu tun. Man deutete an, ein Gutachten hätte der Schule noch etwa fünf Jahre Stabilität versichert. Doch wie sehr sich Gutachten irren können, hat man ja schon bei der Loveparade gesehen. 21 Todesopfer hatte ein solches, falsches erstes Gutachten zur Folge.
Sogar Lehrer sagen, dass es ihnen unangenehm ist, dort zu unterrichten. Sie berichten davon, dass sie diese Zustände aktiv ausblenden müssen, um nicht mit Angst in die Klassen zu gehen. Außerdem gibt es hier immer noch Holzfenster, die gerade jetzt im Winter im dritten Stock alles andere als warm halten.
Ich frage mich: Wie soll das weiter gehen? Auf der Homepage des Fritz-Henßler-Berufskollegs wird zwar berichtet, dass die Sanierung des Gebäudes bis 2013 abgeschlossen sein soll, doch ganz zufrieden kann man mit solch einer Lösung sicher nicht sein. Warum sollte man sich mit einer Sanierung zufrieden geben, wenn ein Neubau für mehr Zuversicht und Vertrauen in die Zukunft bietet?
Doch wie immer wird hier an den Kosten gespart, die durch einen Neubau von zunächst geschätzten 16 bis 18 Millionen Euro auf 24 Millionen Euro steigen würden. Stattdessen investiert die Stadt Dortmund lieber in Prestigeobjekte wie die Union-Brauerei und den U-Turm und steigert dessen Kosten willentlich um 200 Prozent.
Man fragt sich, wie so etwas sein kann, man aber dann nicht das restliche Geld für einen kompletten Neubau der Schule hat? Auch versteht man nicht, warum das scheinbar alles so hingenommen wird. Doch das scheint egal zu sein, denn wie immer werden Schüler außen vorgelassen.
Nur eines steht fest: Angst im Unterricht zu haben ist mit Sicherheit nicht das Ziel einer guten Ausbildung.
Stephanie Dresemann, Klasse 13 GT1, Fritz-Henßler-Berufskolleg Dortmund

07:12
Ich bin beeindruckt von Frau Dresemann, dass sie so offen auf die Missstände hinweist. Damit beweist sie zum einen Zivilcourage und zum anderen, dass wir auf unsere Jugend bauen können. Wollen wir hoffen, dass bald das Problem der bröckeligen Schule gelöst wird.
14:53
Ein kritischer Bericht über die Dortmunder Schullandschaft und die Lokalpolitik in diesem Internetauftritt!? Na hoffentlich gibt das keinen Ärger in der Redaktionskonferenz!