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Der tiefe Fall des Prof. Dr. Broelsch

30.09.2011 | 19:28 Uhr

Essen.  Vom Gott in Weiß in die Unterwelt deutscher Gefängnisse: Professor Dr. med. Dr. hc. mult. Broelsch wird bald in Bielefeld-Senne vor dem Tor der Justizvollzugsanstalt stehen und den Weg in seine Zelle antreten. Der einst gefeierte Essener Chef-Chirurg erlebte einen steilen Abstieg.

Viereinhalb Jahre – so lange dauerte für Christoph Broelsch, den ehemals renommierten Chef-Chirurgen des Essener Universitätsklinikums, der Abstieg vom Olymp der Halbgötter in Weiß in die Unterwelt deutscher Gefängnisse. Voraussichtlich am Mittwoch, 19. Oktober, wird der in Düsseldorf wohnende Professor Dr. med. Dr. hc. mult. in Bielefeld-Senne mit seiner persönlichen Habe vor dem Tor der Justizvollzugsanstalt stehen und den Weg in seine Zelle antreten.

Was für ein Abstieg. „Leber-Papst“ wurde er genannt. Rühmte sich, Leibarzt und Skatbruder des damaligen Bundespräsidenten und NRW-Ministerpräsidenten Johannes Rau (SPD) gewesen zu sein. Und als die Staatsanwaltschaft im Sommer 2007 gegen ihn ermittelte und er wenige Monate später vom Dienst in Essen suspendiert wurde, setzte sich sogar der damalige Bundesfinanzminister Peer Steinbrück (SPD) bei NRW-Hochschulminister Andreas Pinkwart (FDP) „aus einer jahrelangen Bekanntschaft“ für den Mediziner als „eine überaus integre, überragende medizinische Kapazität“ ein.

Doch als das Landgericht Essen Broelsch am 12. März 2010 wegen Bestechlichkeit, Steuerhinterziehung, Nötigung und Betruges zu drei Jahren Haft verurteilte, brach die Fassade des ehrenwerten Spitzenmediziners zusammen. Von Raffgier zeugten seine Taten: Lebensbedrohlich erkrankten Patienten verlangte der Sohn eines evangelischen Pfarrers, der immer wieder seine christlichen Grundsätze betonte, bis zu 7500 Euro „Spenden“ ab, wenn er sie persönlich operieren sollte. „Bar und in kleinen Scheinen“ sollten sie zahlen – diesen Ausspruch des Arztes erwähnte sogar der Bundesgerichtshof (BGH) in einer Pressemitteilung über das Verfahren.

Anklage auf Karl-May-Niveau

Vollmundig und arrogant hatte der Mediziner zum Prozessauftakt der Staatsanwaltschaft eine Anklage „auf Karl-May-Niveau“ attestiert. Zum Schluss sprach der Essener Richter Wolfgang Schmidt im Urteil von einem „absolut unerträglichen Verhalten“ des Arztes, und der BGH machte ein Jahr später den Deckel zu: rechtskräftig.

Jetzt sein Abstieg: Operieren darf er nicht mehr, nicht einmal mehr einen Patienten wegen Bauchschmerzen behandeln. „Der Herr hat keine Approbation mehr“, teilt die Sprecherin der Bezirksregierung auf Anfrage dieser Zeitung mit. Weitere Auskünfte gibt sie nicht. Da die Behörde aber erst wenige Wochen zuvor ein Verfahren eingeleitet hatte, um Broelsch die ärztliche Zulassung zu entziehen, dürfte er die Approbation selbst zurückgegeben haben.

Seine Mitgliedschaft in der Deutschen Gesellschaft für Chirurgie hat er nach der Verurteilung gekündigt, bestätigt Sprecherin Corinna Spirgat. Probleme dürfte der Jäger ­Bro­­­elsch­ auch mit seinem Waffenschein bekommen, weil bei derartigen Verurteilungen Zweifel an der „Zuverlässigkeit“ des Schützen nahe liegen.

Von der Jagdgesellschaft ausgeschlossen

Selbst kleineren Steuersündern wird der Schein entzogen. Der gesellschaftliche Abstieg geht einher. Von Jägern ist zu hören, dass er zu Jagdgesellschaften im Umfeld der Essener Krupp-Stiftung, an denen er regelmäßig teilnahm, nach Prozessauftakt nicht mehr eingeladen wurde. Auch sein „Großes Verdienstkreuz des Verdienstordens der Bundesrepublik Deutschland“, das ihm 2004 Peer Steinbrück im Auftrag des Bundespräsidenten überreichte, müsste bald wieder in Berlin im Schrank liegen. Der Ex-VW-Vorstand Peter Hartz gab sein Verdienstkreuz „nach Rücksprache mit dem Bundespräsidialamt“ freiwillig zurück, nachdem er zu zwei Jahren Haft mit Bewährung verurteilt wurde.

Das Gnadengesuch, das ein niedersächsischer Finanzrichter und früherer Broelsch-Patient beim Bundespräsidenten eingereicht hatte, wird mittlerweile an der zuständigen Stelle bei der Gnadenbeauftragten am Landgericht Essen geprüft. Es sind sogar Gesuche von „mehreren Bittstellern“ eingegangen, teilt Mathias Kirsten, Sprecher des Landgerichts mit. Ob sie sich Hoffnung machen dürfen? „Das Gnadenrecht sieht keine Korrektur des Urteils vor. Es prüft lediglich, ob es seit der Verurteilung neue Entwicklungen gab, die eine Gnadenentscheidung rechtfertigen“, sagt Kirsten.

Beschäftigt ist er jetzt als Immobilienmakler

Anlass zur Gnade sieht die von Broelsch so oft gescholtene Essener Staatsanwaltschaft nicht. Anträge von Broelsch-Verteidiger Wolfgang Küpper-Fahrenberg, den Professor abweichend vom üblichen Verfahren direkt im komplett offenen Vollzug in der JVA Castrop-Rauxel unterzubringen, lehnte die Behörde ab, sagt Sprecher Willi Kassenböhmer.

Allerdings muss noch die Generalstaatsanwaltschaft Hamm über die Beschwerde des ehemaligen Arztes entscheiden. Falls die abgewiesen wird, muss Broelsch am 19. Oktober erst einmal in Bielefeld-Senne für etwa vier Wochen in den geschlossenen Knast. Dort wird geprüft, ob er für den offenen Vollzug geeignet ist.

Eine Voraussetzung, damit er seine Haftzeit nur nachts hinter Gittern verbringt, hat er erfüllt. Er kann nämlich einen Beruf vorweisen: Beschäftigt ist er jetzt bei einem Immobilienmakler. Der Spruch eines altgedienten Knackis, der die Vorteile des offenen Vollzugs aus seiner Sicht nennt, entspricht nicht ganz dem Niveau des Professors: „Super. Tagsüber bist du nicht im Knast und nachts nicht bei der Frau.“

Essener Starchirurg Broelsch muss drei...

 

Stefan Wette

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Kommentare
10.10.2011
09:36
Der tiefe Fall des Prof. Dr. Broelsch
von Simonaike | #44

Das Problem war wohl auch sein Rechtsanwalt Reiner Hamm. Dessen Entlastungsanträge rissen den Broelsch immer tiefer rein und belasteten ihn.

03.10.2011
13:29
Der tiefe Fall des Prof. Dr. Broelsch
von fredfunk | #43

Und heute erscheint in der Online-Ausgabe das Schicksal der kleinen Melisa, die auf Spenden der Essener Bevölkerung angewiesen ist, um zu überleben.....

02.10.2011
12:18
Der tiefe Fall des Prof. Dr. Broelsch
von meigustu | #42

Wie ist das eigentlich, muss er die kleinen Scheine zurückgeben ? Haftet er mit seinem Weltvermögen ?

02.10.2011
09:51
Der tiefe Fall des Prof. Dr. Broelsch
von vantast | #41

Das große Böse in der Welt scheint die Gier zu sein. Heute sehen wir den Nachteil, daß man die Gier zur Wirtschaftsform erklärte. Die Gier des Einzelnen soll der Gesamtheit nutzen, aber das scheint nicht mehr zu funktionieren....

02.10.2011
09:48
Der tiefe Fall des Prof. Dr. Broelsch
von Murphy07 | #40

# 38 nein er kann es nicht durch OP wieder gutmachen....er hat gelogen und betrogen...er Menschen hinters Licht geführt und will und kannn sein Unrecht bis heute nicht begreifen. Er sieht es erst gar nicht ein das er als selbsaternannter Gott FEHLER gemacht hat. Bis heute sieht er das nicht ein. Darum schickt er andere vor. die für ihn überall reden und betteln sollen.
Er lässt es erst gar nicht zu einmal in sich zu gehen und zu sagen Mensch was habe ich da angerichtetr...
Andere auch in hohen Positionen mussten in den Knast...und da gehört der Unbelehrbare auch hin, anders kappiert er nicht, dass auch er nur ein Mensch ist... Andere durften das auch erfahren und er muß es endlich Begreifen am eigenen Leibe...sonst sitzt der Herr grinsend zuhause und schwadroniert herum siehste ich habe es wieder geschafft.....so geht es nicht ....das ist menschenverachtend.....das bringen auch angebliche wiedergutmachungs OP nicht.....es kommt auf den geläuterten Geist an.....

02.10.2011
02:28
Der tiefe Fall des Prof. Dr. Broelsch
von DanielSauer | #39

Da wird ein korrupter aber hoch kompetenter Chirug nun aus dem Arztberuf geworfen und in den Knast gesteckt, damit ein politisch korrekter und steuer- und verwaltungsrechtliche einwandfreier medizinischer Stümper die Stelle besetzen kann - Na denn viel Spass noch bei den korrekten OPs.

Hätte er seine Strafe nicht auch durch kostenlose Operationen abgelten können?

02.10.2011
01:34
Der tiefe Fall des Prof. Dr. Broelsch
von nothdurft | #38

Schon seltsam. dass das so lange gut ging.
Viele Kunden waren von weit hergereist und ihre letzte Hoffnung lag in seiner Hand , was auch oft schief ging, da man das Schiksal nicht erkaufen und
erzwingen kann.
Wer dann noch zu kaufmännisch denkt, scheitert letztendlich.
Gier führt nicht ans Ziel, sondern immer ins Elend.

01.10.2011
21:19
Der tiefe Fall des Prof. Dr. Broelsch
von Murphy07 | #37

## 35....ja wir Alle wollen von einem Arzt gut behandelt werden, wer will das nicht. Hier geht es darum das ein Prof. den Angehörigen von Todkranken gegen Geld , aber bitte in kleinen Scheinen angeboten hat selbst zu operieren. der größte Teil dieser angehörigen haben ihr ganzes Erspartes zusammen gekratzt, Darlehn aufgenommen und noch mehr...im Glauben dem Kranken wird geholfen...und was Wahr?...er nahm das Geld und hat ihnen vielen Fällen gar nicht operiert. Nur Prominente durften ihn persönlich im OP sehen.....Er spielte Gott und hat Urvertrauen der Patienten zerstört. Es waren Fälle dabei wo jeder andere Arzt gesagt hat odeer hätte..so traurig wie es ist...aber eine OP hat keinen Zweck mehr...nein er nahm das Geld und erzeugte den Eindruck..jetzt wird alles gut...nein nichts wurde gut....
Dieser Prof. kann nur am eigenen Leibe spüren und darum muß er einsitzen..was er mit den Menschen gemacht hat...so und nichts anderes bringt ihm bei den Anderen zu respektieren....er glaubt nämlich er steht über den Anderen und dem Gesetz....umsonst veranstaltet er nicht die Aktion mit dem neuen Beruf...wer glaubt er macht tatsächlich den Immobilienhändler , der glaubt auch an den Osterhasen.....das sind alles nur versuche das er nicht einsitzen muss.
Ich hoffe die Staatsanwaltschaft lässt sich nicht hinters Licht führen.....

01.10.2011
20:37
Der tiefe Fall des Prof. Dr. Broelsch
von koeniggluckgluck | #36

Irgendwie erinnert mich die Angelegenheit an die Muppet-Show. Obwohl, hier war der Arzt, Dr. Bob, ein Hund und die Krankenschwester/ Assistentin das Schwein, gespielt übrigens von Miss Piggy.

01.10.2011
19:57
Der tiefe Fall des Prof. Dr. Broelsch
von tom009 | #35

hihi

nun mit eurem verstand kann ich einige kommentare nicht verstehen.

ihr wollt doch immer das beste für euch.
inklusive chefarzt.
und das kostet.

nur ob der chefarzt auch wirklich dann an euch gearbeitet habt könnt ihr doch garnicht prüfen.

neenee so ist der deutsche halt.

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