Augenzeuge
Der Schock sitzt tief
25.07.2010 | 12:36 Uhr 2010-07-25T12:36:00+0200
Duisburg.Tiefe Betroffenheit und das Gefühl, noch einmal Glück gehabt zu haben: DerWesten-Redakteur Ingmar Kreienbrink berichtet von seinen Erfahrungen vor und auf dem Loveparade-Gelände.
Der Schock sitzt tief bei vielen Besuchern der Loveparade. Hunderttausende Raver sind bis zu dem tragischen Unglück mit zahlreichen Toten durch den Tunnel an der Karl-Lehr-Straße geschleust worden. Bereits Stunden zuvor gibt es vor dem einzigen Weg zum Festival-Gelände einen riesigen Ansturm. Gegen 13.30 Uhr drängelten aus Richtung Süden Tausende Raver auf das Nadelöhr zu. Die Kreuzung an der Düsseldorfer Straße ist bereits völlig überfüllt. Pro Minute geht es lediglich einen Meter voran. Ein Krankenwagen mit Blaulicht kommt aus dem Tunnel in Richtung Kreuzung und versucht sich einen Weg mitten durch die Menge zu bahnen, doch minutenlang rollt auch er nur im Schneckentempo voran.
Die Polizei versucht die Besucher über Lautsprecher zu beschwichtigen: „Habt bitte Geduld, ihr kommt alle zur Loveparade“. Doch die meisten Durchsagen sind kaum zu verstehen und gehen schließlich in einem Pfeifkonzert der frustrierten Besucher unter. Beschwerden und Unmut über eine schlechte Organisation werden laut. „Wie kann man die Leute nur über einen einzigen Zugang zum Gelände führen“, schimpft ein Raver.
Warterei zerrt an den Nerven
Vielen Wartenden steht der Schweiß auf der Stirn. Wenn sich die Sonne durch die Wolken kämpft, wird es heiß. Alkoholfreie Getränke haben die wenigsten dabei – mit so einer Situation weit vor dem Eingang hatte wohl kaum einer gerechnet. Einige Raver geben entnervt auf und schlagen den Rückweg ein. Andere wanken leicht, können aber in dem dichten Gedränge nicht umfallen. Mehrere Jugendliche übergeben sich auf den Boden – ein schlapper Kreislauf oder zu viel Alkohol könnten Gründe sein.
Die Warterei zerrt bei einigen an den Nerven. Immer wieder wird an den Absperrgittern gerüttelt – manchmal fällt eines sogar kurz um. Nach 35 Minuten zwischen schweißtriefenden Körpern geht es plötzlich schneller voran – und die Besucher stehen vor Schleusen, die nur einzeln passiert werden können. Dort kontrollieren Ordner die Rucksäcke auf der Suche nach verbotenen Glasflaschen. Anschließend ist erst einmal Durchatmen angesagt. Erleichtert betreten die Besucher den Tunnel, der zu diesem Zeitpunkt noch jede Menge Bewegungsfreiheit bietet.
Rückstau auf der Rampe
Eng wird es erst wieder im oberen Teil des Aufgangs zum eigentlichen Party-Gelände – nach einigen Minuten ist gegen 14.30 Uhr der Schotter-Platz erreicht. Allerdings wird schon wenig später klar, dass sich dieser Aufgang zu einem Nadelöhr entwickelt. Weil sich die Besucher nicht richtig auf dem Partygelände verteilen, sondern direkt auf die Floats zusteuern, bildet sich ein immer größerer Rückstau. Gegen 15 Uhr befreien sich Dutzende aus dem Gedränge am Aufgang, indem sie Geländer umreißen und niedertrampeln.
Schon jetzt ist vielen Ravern klar, dass sie auf dem Rückweg nicht noch einmal durch den Tunnel wollen. Die ersten erkundigen sich besorgt bei Sicherheitskräften: Doch diese bestätigen, dass der Tunnel die einzige Möglichkeit sei, das Gelände wieder zu verlassen. Mittlerweile ist von einem erhöhten Punkt zu sehen, dass Polizisten einen menschlichen Gürtel am Ausgang des Tunnels gebildet haben und so den Zustrom auf das Gelände stoppen. Einzelne versuchen auf diesem Weg das Gelände wieder zu verlassen, doch die Masse hat sich zu einer Wand aus Beton entwickelt – da gibt es kein Durchkommen.
Wie mögen wir hier wohl wieder rauskommen?
Während die meisten Besucher zu den harten Bässen ausgelassen tanzen, hat sich bei einigen längst ein mulmiges Gefühl in der Magengegend festgesetzt. Wie mögen wir hier wohl wieder rauskommen? Noch bietet das Gelände abseits der Bühnen genügend Platz, aber bereits im Vorfeld hatten die Veranstalter von Lopavent gegenüber DerWesten bestätigt, dass das Gelände maximal 400.000 bis 500.000 Menschen fassen würde. Gerüchte kursierten in Internetforen, dass es sogar nur rund 250.000 sein könnten. Doch die Organisatoren rechneten mit mindestens einer Million Besucher. Das sei kein Problem, da sie sich über den Tag verteilen würden, hatte Sicherheitsdezernent Rabe im Vorfeld gesagt. Doch ein Durchlauf ist nicht möglich, wenn der einzige Zugang über die Karl-Lehr-Straße völlig verstopft ist.
Einige Raver überlegen bereits, was eine vielleicht illegale, aber möglichst sichere Fluchtmöglichkeit wäre. Die ersten Besucher laufen neben dem Gelände in der Nähe der Bahnlinie. Kurz nach 18 Uhr öffnen sich die Notausgänge in der Nähe der Bühne „Love Stage“ zur A59 hin. Diese Möglichkeit nutzen einige hundert Besucher und verlassen das Gelände. Von den Ereignissen im Tunnel erfahren die meisten erst, nachdem sie die Innenstadt verlassen haben und sie wieder ein Handynetz haben. Viele besorgte Angehörige hatten SMS geschrieben.
Was von dem Loveparade-Besuch bleibt, ist eine tiefe Betroffenheit und das Gefühl, noch einmal Glück gehabt zu haben – „auch wir hätten in der Tunnel-Falle stecken können.“

12:34
Das war das vierte Mal, dass ich auf der Loveparade dabei war. Das erste Mal bin ich 1997 nach Berlin gefahren, dann 2001 wieder in der Hauptstadt und in Essen war ich auch dabei. Die Entscheidung nach Duisburg zu fahren, kam am Morgen der Parade ganz spontan. Mein 20-jähriger Cousin rief mich an und überredete mich zu fahren. Um 15.30 Uhr trafen wir uns am Hauptbahnhof und schlossen uns der Menge an Richtung Party an. Schon nach ein paar Hundert Metern war eine kleine Straßenkreuzung mit Leuten verstopft. Mein kleiner flinker Cousin schaffte es aber trotzdem uns einen Weg durch die Menschenmassen zu bahnen. Als wir durch die ersten Absperrungen Richtung Tunnel gingen, sahen wir, dass die Tore bereits vor dem eigentlichen Zugang, durch die Mauerwälle, hinter uns versperrt wurden und zahlreiche verständnislose Menschen sich dahinter versammelten. Wir hatten es also noch geschafft.
Dann kamen wir in den ersten Tunnel. Am Rand kam man noch gut durch. Allerdings war es schon etwas unheimlich in den 500 Meter langen Tunneln, ohne Notausgänge. Um 16.30 Uhr erreichten wir die besagte Kreuzung zwischen den Tunneln, wo es plötzlich immer enger wurde. Nun waren wir schon in dem Massenfluss und bewegten uns wellenartig immer weiter nach vorne. Plötzlich wurde es immer enger und wir konnten nicht mehr weiter gehen. Wir standen so dicht gedrängt auf einer Stelle, konnten weder die Füße noch die Arme bewegen, um etwas zu trinken. Es wurde immer enger, da von hinten nachgedrückt wurde, vorne jedoch offensichtlich die Zugänge versperrt wurden, da der Platz auf dem die Loveparade stattfinden sollte, „überfüllt“ war.
Da ich 1,82 Meter groß bin, hatte ich eine gute Übersicht und ich sah, dass die Leute verzweifelt ihre Köpfe aus der Menge regten, um nach Luft zu schnappen. Alle wunderten sich, dass es nicht mehr weiter ging. Nicht mehr nach links, nach rechts – nichts ging mehr. Es wurde immer heißer, die Sonne brannte. Wir standen 20 Minuten in der Hitze. Die ersten Frauen, vor allem die kleinen zierlichen fingen an zu weinen. Ich sah wir Jungs ihre Freundinnen auf den Arm nahmen um sie nach oben zu drücken, weil sie unten zerquetscht worden wären. Den einzigen Ausweg, den die Leute anpeilten, war eine schmal Treppe, die von drei Polizisten versperrt wurde. Ich sah wie dort die Menschen beiden Arme hoch streckten, um zu signalisieren, dass sie dort hoch wollen. Die Treppe wurde nicht frei gegeben. Die ersten kletterten auf das Umweltzonenschild und von da aus über Kabelleitungen die 12 Meter hohe Mauer hoch.
Plötzlich wurde eine Menge, zwei Meter von uns entfernt ganz aufgeregt. Jemand war zusammengebrochen. Wie wild winkten sie den Polizisten, die oben auf der Brücke standen und sich das Gedränge anschauten. Sie machten nichts. Die Leute wurden panisch und in ihrer Not hievten sie gemeinsam die bewusstlos Person nach oben auf ihre Hände und reichten sie über alle die hochgesteckten Arme weiter nach vorne. Dort wurde sie dann von einem Besucher über die Treppe nach oben getragen. Weitere Personen brachen zusammen. Wieder das gleiche Spiel – so wie ein Rockstar, der von der Bühne springt und auf den Händen seiner Fans getragen wird.
Mein kleiner Cousin, der nicht gerade der kräftigste ist, hatte seinen Arm schützend um mich gelegt. Wir blieben ganz ruhig und hofften einfach, dass irgendwas passiert. Aber es passierte nichts. Die ersten fingen an nach Strickleitern zu schreien, die bestimmt geholfen hätten die Menge etwas zu entzerren und vor allem auch die Schwangeren und die Kinder dort hoch zu lassen. Oben auf der Brücke beobachteten Partygäste das Treiben und rannten immer wieder zu den „Loveparade-Helfern“ oder den Polizisten, um sie auf bewusstlose Personen in der Menge aufmerksam zu machen. Manche schmissen auch Wasserflaschen runter.
Immer mehr bewusstlose wurden über die Treppe abtransportiert. Unten gab es weder Polizei, noch Helfer, noch Feuerwehr, noch Sanitäter. Die Party-Gäste halfen sich selbst, hielten zusammen. Ich sah immer mehr verzweifelte Gesichter, erkundigte mich immer wieder nach dem Befinden meines Cousins. Ich habe so etwas noch nie erlebt. Nun weiß ich, was Menschen alles aushalten können. Zum Glück hatten wir noch nicht so viel getrunken. Andere hatten um diese Zeit aber sicher schon ordentlich vorgeglüht.
Plötzlich kam ein riesiger Ruck nach links und wir alle gingen acht große Schritte nach links. Plötzlich stand ich mit meinem Cousin an der Wand des linken Tunnels und wir konnten uns wieder bewegen. Wir waren kletsch nass. Die Haare tropften, meine Tasche war so nass, dass ich dachte meine Wasserflasche sei darin geplatzt. Es war aber unsere Schweiß und der Schweiß der anderen jungen Party-Gäste. Wir hatten es geschafft, es konnte weiter gehen.
Danach war uns gar nicht so richtig bewusst, was da eigentlich passiert war. Im Nachhinein oder während wir da standen dachte ich, es ist so surreal, wie in einem Horror- oder Katastrophen-Film. Als wir raus waren, dachten wir, müsste es ja auch gleich für die anderen weiter gehen. Wir hätten gerne den Polizisten oder Helfern Bescheid gegeben, aber weit und breit war keiner zu sehen, weder im noch außerhalb des Tunnels. Nur oben auf der Brücke, also weit ab von den Mauerwällen.
Wir schlängelten uns am Rand durch den Tunnel, wo die Leute wie wild Fußball-Lieder grölten. Dann ging es nach rechts weiter raus aus dem Tunnel in einen Mauerwall. Dort versuchten schon zahlreiche Leute über die vier Meter hohe Mauer zu klettern, um auf das Festival zu kommen und um einer weiteren Massen-Quetschung zu entgehen. Mein Cousin wollte, dass ich auch die Mauer hochklettere und obwohl ich das noch nie in meinem ganzen Leben gemacht habe. Da ich aber einfach nur raus aus den eingemauerten Wällen wollte, bin ich über einen umgekippten Bauzaun die Mauer hochgeklettert. Oben hat mich ein freundlicher Herr hochgezogen. Die Party-Gäste zeigten wirklich viel Solidarität. Sie halfen sich gegenseitig die Mauer hoch, machten Räuberleiter und schmissen die Rucksäcke hinter den Kletterern hoch.
Oben angekommen, standen wir plötzlich mitten auf der Party. Und weil wir ja darum gekommen waren, und auch echt froh waren endlich angekommen zu sein, haben wir dann gefeiert. Die Musik war super, wir hatten genug Platz, um bis in die erste Reihe der Wagen zu kommen. Das hatte ich bei den anderen drei Paraden übrigens noch nie erlebt. So nah an die Wagen zu kommen. Und das freie Bewegen tat nach diesen Erlebnissen auch echt gut. Und so feierten wir ausgelassen in der Sonne. Allerdings habe ich schon festgestellt, dass die Stimmung anders war als sonst, irgendwie war das Loveparade-Fieber wie man es sonst kennt, nicht auf den Wagen zu spüren. Vielleicht hatten die Leute auf den Wagen schon die schlimme Nachricht erhalten. Wir wussten allerdings nichts davon.
Erst als wir am frühen Abend zurück durch die Mauerwälle gingen und die ganzen Helfer blass und von oben bis unten mit Dreck verschmiert völlig verstört an den Ausgängen stehen sahen, wussten wir, hier ist was schlimmes passiert und wir erinnerten uns an das Gedränge. Die Helfer mit dem blauen Loveparade-T-Shirts sagten uns, dass sie tote Leute aus dem Gedränge gezogen hätten. Ich glaube übrigens nicht, dass diese Helfer für so eine Katastrophe ausgebildet waren.
Nun mussten wir Zeugen der Katastrophe werden, denn in dem Tunnel, der als Ausgang genutzt wurde stand eine ganze Reihe von Polizisten, bestimmt 50 und dahinter lagen sie, die verletzten Leute auf Notfall-Liegen mit verzerrten Gesichtern in Aludecken eingewickelt. Wir liefen beide mit offenem Mund an den Menschen und Polizisten vorbei, zügigen Schrittes blieben nicht stehen, schauten nur entsetzt auf die zahlreichen Verletzten die gegen 19 Uhr dort aufgebahrt wurden. So etwas hatten wir beide noch nie gesehen. Noch nie. Wir sind keine Schaulustigen, wir mussten dort vorbei, weil das der einzige Ausgang war. Entsetzlich.
Am Ende angekommen, hörten wir von einer Polizistin 15 Tote, 50 Verletzte. Wir waren geschockt. 30 Minuten nachdem wir es durch einen glücklichen Zufall geschafft hatten aus der Menge zu kommen, passierte das Unglück. Zum Glück sind wir beide mit ein paar Rippen-Quetschungen, blauen Flecken und schürfwunden von dem Mauer-Klettern weggekommen.
Wir hatten ein schlechtes Gewissen, weil wir gefeiert hatten, aber oben bekam man nicht von dem Unglück mit. Gar nichts. Die Party lief weiter, weil man sonst die gleiche Katastrophe nur von der anderen Seite erlebt hätte. Der Unglücksort, also die Tunnel durch die wir gekommen waren, waren abgesperrt und wieder konnte man das Gelände nur durch einen Tunnel verlassen.
Wir sind sehr spät erst nach Haus gekommen und verfolgten die ganze Zeit die gute Berichterstattung auf 1Live über unseren Player. Wir waren völlig geschockt und wir trauern um die Toten, die Verletzten und ihre Angehörigen.
Aufgeregt haben wir uns vor allem über die erste Meldung des Polizei-Sprechers, der aussagt, die Leute seien gestürzt, weil sie über die Absperrung kletterten, um schneller zu der Party zu kommen. Das stimmt nicht! Die Leute wollten einfach nur aus der Masse raus. Es ging nicht darum eine Abkürzung zu finden. Es ging darum, sein Leben zu retten, weil man immer mehr eingequetscht wurden. Außerdem finde ich es auch unverantwortlich 1,4 Millionen Menschen durch einen Tunnel ohne Notausgänge zu schicken. Dass mit so vielen Party-Gästen zu rechnen war, müsste ja durch die vorherigen Paraden deutlich geworden sein. Ich habe auch nicht gesehen, dass da Leute von der Treppe gefallen sind, sondern, dass bewusstlose dort abtransportiert wurde und zwar nicht von der Polizei, sondern von den Leuten selbst!
Julischka Kiss
10:10
es ging viel zu schnell, was geschehen ist . erst jetzt Realisiere ich es wie tief der schock in mir drin ist, sehe andauernd Bilder von verletzten Menschen und tote die bedeckt worden sind wie viele auf den Boden lagen. Menschen die mir entgegen gekommen sind und schon am weinen waren , die nicht wussten was jetzt auf sie zukommen wird .
wir alle hatten den Gedanken, wir kommen nie wieder raus.
Ich lief mit meinen Freund und noch mit anderen Kollegen, wir waren schon etwas angetrunken aber wir wussten was wir machten, wir liefen alle hintereinander so das wir uns nicht verlieren.
Am Anfang ging es schon los als wir auf den Tunnel zu liefen, es wurde immer enger und jede menge Leute kamen und es wurde immer dichter. Ich hab gemerkt dass ich keine Luft mehr bekommen habe und es mir schlechter ging, versuchte tief durch zu atmen. Wir liefen immer weiter als uns die ersten Personen entgegen gekommen sind, man hatte uns gesagt dass wir nicht weiter kommen, die Polizisten versperren den weg. Wir sind trotzdem weiter gelaufen bis zur Rampe. Dort standen wir auch genau in der Mitte und haben gewartet dass es endlich weiter geht. Nach paar Minuten ging es schon los. Mädchen fingen an zu weinen .und zu schreien dass sie keine Luft mehr bekommen. Es wurde gedrückt von allen Seiten man konnte sich nicht mehr halten. Man konnte nur noch Gesichter sehen. Fast neben mir ist jemand ungekippt, ich hörte nur noch Hilfe, wir versuchten platz zu machen, in so einer enge masse. Es kam keine Hilfe für sie, keine Polizistin, kein Rettungsdienst einfach nichts: Die Frau starb vor unseren Augen und in dem Moment wussten wir, wir kommen nie wieder mehr raus aus der masse. Wir alle haben daran gedacht wenn einer von uns umkippt dann ist ende für die Person.
Es gab drei Fluchtwege, wir versuchten zur Treppe zu gelangen doch wir sind immer weiter weg gedrückt worden: Ich sah das Leute zur Treppe geschafft haben doch sie konnten nicht hoch laufen, zu wackelig auf den Beinen: Es wurden Frauen getragen die Ohnmächtig geworden oder die schon tot sind. Als wir fast an der Treppe gelangen sind guckte ich nach oben. Eine Frau die alles von oben beobachtet hatte war am weinen. Sie bückte sich und goss Wasser über die menge was sehr erfrischend war. Die meisten haben es gar nicht verstanden wieso sie es gemacht hat und fingen an sie anzuschreien. Ich guckte noch mal nach oben und viele zeigten, dass wir nach rechts gehen sollten. Es wurde wieder gedrückt so das ich gestolpert bin mein Freund versuchte mich aufzuhalten und hab es Gott sei dank noch geschafft auf den Beinen zu stehen: Nach der Situation fing ich an zu weinen an und begann danach keine Luft mehr zubekommen weil es immer enger wurde. Als die Sperrung weg war liefen wir in der Richtung endlich raus zukommen, mein Freund versuchte jemanden zu Hilfe zu kommen weil, ich kurz vom ende war um zu kippen doch sie haben uns abgewiesen und das wir zur Mauer gehen sollten. Ich war froh raus zukommen, als ich zur Mauer schaute habe ich gedacht, dass kann doch nicht war sein so viele verletzte, es sah so aus als wären wir wie beim krieg: Nach dem das passiert ist war die Laune für uns zu ende.
22:46
Hallo, ich war auch mit Freunden da und wir hatten Glück. Wir standen auf der anderen Seite des Tunnels und haben an der Kreuzung mit ca. 2000 Mann auf Einlass gewartet. Das war gegen 17Uhr. Eine Polizistin saß mit Kamera im Baum und hat uns gefilmt! (von wegen die Polizei hatte keine Kameras!!!) Wir waren ausgelassen und ahnungslos, die ganze Zeit. Und auf einmal tat sich was, wir haben uns gefreud den die Zäune wurden geöffnet und wir konnten unkontroliert in den Tunnel strömen...wir wollten doch nur Tanzen...zu dem Zeitpunkt muß das Unglück schon seinen lauf genommen haben, denn wir kamen nicht weit. Mit der Masse im Rücken, passierten wir den ersten Teil des Tunnels. Danach konnten wir nur noch nach links den Nebeneingang benutzen, denn der Tunnel war ab da mit Menschen vollgestopf. Der Nebeneingang(bis dato gingen wir davon aus den Haupteingang zubenutzen) führte uns dann auch in einen Menschenpulk.STOP. 45 min. später erreichten wir unversehrt den Festplatz.
Da wir ja den Nebeneingang benutzten, muß ich davon ausgehen(siehe Pressebericht) das es da schon die ersten Toten zubedauern gab.
Ich kann einfach nicht verstehen warum die Polizei uns zu diesem Zeitpunkt den Tunnel passieren lies...Warum nur?
Erst Abends erfuhren wir von der Tragödie.
Mein tiefstes Mitgefühl an all Trauernden..
16:23
Ich kann mich vielen Vorrednern nur anschließen. Ein absolute Katastrophe die Chaosparade! Ich wohne direkt um der Ecke und stand in dem Gedrängel mit meiner Freundin. Wir hatten schon vor der Katastrophe im Tunnel Panik und konnte uns seitwärts an der Polizei durch das Gitter durchboxen. Freunde von uns sind weiter gegangen, haben alles live miterlebt und haben gerade Glück gehabt, dass sie überlebt haben. Ganz ehrlich! Seit Wochen betrachte ich mir die Vorbereitungen und habe auch Informationen aus erster Hand der Stadt, wie die sich das vorgestellt haben. Ich habe vor 2 Wochen noch jmd. kontaktiert und Kund getan, dass es durch diesen Tunnel in eine Katastrophe ausarten kann. Das es jetzt so kam, es kein wirkliches Wunde. Bedenkt man, dass Laien so etwas schon feststellen! Ganz ehrlich! Überstürzt einen Schuldigen zu suchen ist sinnlos und falsch. Ich habe die Pressekonferenz gesehen und bin ehrlich gesagt bestürzt, wie die Tatschen und die Realität verdreht wird. Ich hoffe nur, dass freiwillig einige Involvierte das Handtuch werfen und sich und der Menge eingestehen, dass es ein Fehler war. Das Organisationskommitee der Stadt, wie das von McFit bzw. dem Veranstaltern hat sich nicht nur verplant, sondern einfach vieles nicht bedacht. Ich bekunde hiermit mein absolutes Beileid und Mitgefühl den Opfern und Angehörigen gegenüber! Sowie allen Involvierten! Das war ein trauriger Tag für Duisburg, für Deutschland und für die Menschheit!
15:11
Ich sehe auch einen krassen Widerspruch zu den Angaben des Polizeisprechers und Zeugenaussagen sowie den Videos: Der Polizeisprecher gibt an den Tunnel gut kontrolliert zu haben, es wären nicht zuviele Menschen reingeströmt. Zeugen sprechen aber von Überfüllung des Tunnels und auf den Bildern/ Videos ist das auch deutlich zu sehen!!!
Unglaublich und eine Schande für die Opfer wie alle sich jetzt rausreden wollen.
15:00
Das Sicherheitskonzept war stichhaltig
Das Unglück war das Resultat individueller Schwäche - so OB Sauerland.
Wenn ich die Filme und Bilder sehe, kann ich förmlich die unerträgliche Enge am eigenem Leib spüren. Es schnürt mir die Luft ein. Wäre ich dort gewesen, weiß ich ganz genau, dass ich auch in Panik geraten wäre.
Erst recht wenn ich mich in die Lage der Fremden versetzte, die den Ort nicht kannten und einschätzen konnten - war das etwa die damit gemeinte individuelle Schwäche der Besucher? Ich glaube mir wäre das auch passiert...
15:00
Hallo Herr Panikforscher, auf N24 in einer Doku kam eben einer ihrer Internationalen Kollegen zu Wort, lesen Sie sich das Zitat gut durch An Massenpaniken sind nie Menschen selber in Schuld, sondern die Umstände. Früher ist man von der Schuld der Menschen ausgegangen und hat das bei der Planung ignieroriert, Heute wird sowas bei Gebäudeplanungen mit einbezogen.
Meine Frage an Sie ist, aus welchem Jahrhundert stammen Sie, wenn Sie den Menschen die Schuld geben ?
14:59
Die Deutsche Bahn gab die Zahl 105.000 beförderte Personen bekannt. Insgesamt wurden aber fast 700 Sonderzüge eingesetzt, die nur für die Besucher der Loverparade gedacht waren. Im Fußball habe ich noch nie einen Sonderzug gesehen, der mit weniger als 750 Personen besetzt war. Selbst wenn nur 500 Personen im Zug waren, haut das mit 105.000 schon gar nicht hin. Das die DB ein schlechtes Zahlenmanagment hat, sieht man ja an den Klimageschädigten. Dort waren im Anfang ja nur von wenigen Opfern die Rede.
Der Duisbuger Polizeisprecher hat doch hier in der Zeitung dargestellt, wie sich die Besucherzahl berechnen ließ. Schon da stand die Zahl 575000 im Raume. Das Gelände war zwar nicht komplett gefüllt, aber deutlich mehr als die zugelassenen 300000 Menschen waren da !!!
Die PK auf WDR war eine Schande und eine absolute Frechheit. Da wird die vermeintliche Schuld versucht so weit wie möglich abuwelzen. Ich glaube, die Verantwortlichen dachten: Das geht schon irgendwie gut...Da werden schon nicht so viele kommen, sind ja Ferien...Da kann man mal sehen, wei weltfremd zum Teil Politiker sind.
Die Einsatzleitungen sind mit absoluten Profis besetzt worden. zum Glück für uns alle, das dort keine Politiker saßen. Die diversen Einsatzleitungen konnten nur noch reagieren. Trotzdem muß man ihnen trotz der schlimmen Situation danken.
14:34
es war totale scheiße dort.
ich konnte mich in sicherheit bringen
wollte auch über dieses metal gerüst nach oben
ich bin mir sicher? wen die verantwortlichen
diese absperung am hügel wo es zum gelände ging äher aufgemacht hätten
wäre es nicht zu so einer weiteren panik gekommen.
die autobahn hätte von anfang an aufgemacht werden sollen !!!
zumindest in einer richtung !!! nochmals mein beileid der beteiligten toten
13:42
Der Artikel deckt sich mit meinen eigenen Beobachtungen und Einschätzungen. Ich bin um etwa zwanzig vor drei auf das Gelände gekommen und habe es gegen zwanzig vor sechs wieder verlassen, noch über die Rampe und dann durch den Tunnel Richtung Neudorf und zunächst ohne zu wissen, was geschehen war. Rechts auf der Rampe, im Bereich der ominösen Treppe, lagen Menschen, die offenbar gerade erstversorgt wurden, der Zaun mit Sichtschutz stand noch nicht, stattdessen Polizei in einer Reihe davor. Richtig begriffen, dass eine Katastrophe passiert sein muss, habe ich aber erst, als ich gesehen habe, dass der Teil des Tunnels Richtung Hochfeld voll mit Rettungswagen war und dass im Tunnel keine Menschen mehr auf dem Weg zum Gelände waren.
Eins ist Fakt, jenseits aller Spekulationen über den genauen Ablauf: Wären die Gäste ebenerdig und nicht über diesen Tunnel (den ich gut kenne, weil ich ihn jeden zweiten Tag mit dem Fahrrad durchfahren habe) zum Gelände geleitet worden, hätte die Katastrophe so nicht passieren können.