Besucherzahlen bei Loveparade gefälscht
17.08.2010 | 07:37 Uhr 2010-08-17T07:37:00+0200
Duisburg.Duisburgs Oberbürgermeister Adolf Sauerland hat eingeräumt, dass im Vorfeld der Loveparade falsche Besucherzahlen genannt wurden. Er verteidigte außerdem die Erteilung der Genehmigung.
Der Duisburger Oberbürgermeister Adolf Sauerland hat zugegeben, dass vor der Loveparade-Katastrophe mit 21 Toten falsche Besucherzahlen bekanntgegeben wurden. „Wir sind vom Veranstalter aufgefordert worden, die realen Zahlen nicht zu veröffentlichen“, sagte der CDU-Politiker dem Nachrichtenmagazin „Der Spiegel“.
Während offiziell von einer Besucherzahl im Millionenbereich in die Rede war, gab es nur eine Genehmigung für 250.000 Technofans. „Mehr ging gar nicht“, wurde Sauerland zitiert. Mit den hohen Zahlen habe man nur Marketing betrieben.
„Plausibel und stimmig“
Sauerland verteidigte zudem erneut die Genehmigungsprozess für die Großveranstaltung. Polizei, Bundespolizei, Feuerwehr und Ordnungsamt seien an den Vorbereitungen beteiligt gewesen. „Und am Ende steht die Frage: Ist dieses Konzept sicher? Das haben alle bejaht. Also wird genehmigt.“
Auch bei der letzten großen Sitzung habe es keine Bedenken gegeben. Er sehe keine Punkte, die man intensiver hätte prüfen müssen. „Was wir gemacht haben, war plausibel und stimmig“, sagte der Oberbürgermeister. (apn)

16:44
@ #110 joergel
Im übrigen haben die gepuschten Besucherzahlen nichts mit den Toten der Veranstaltung zu tun. Ob sie diese gängige Praxis interessiert oder nicht, ist völlig egal.
Die Begehrlichkeit von Politik und Kulturmanagement in NRW, die LoPas im Ruhrgebiet und speziell die in Duisburg zum Kulturhauptstadtjahr als Marketing-Instrument und Selbstdarstellungs-Plattform zu nutzen, basiert genau auf dieser gelogenen Zahlen.
Es gab einen Wettbewerb unter den Städten, die sich ja auch ansonsten gegenseitig nicht das Schwarze unterm Fingernagel gönnen (in Dortmund war es Ziel, auf jeden Fall mehr Besucher als in Essen zu verkünden). Die mediale Präsentation von mehr als 1 Million ist nun mal gleich doppelt so viel für die Auflage wert als einige Hunderttausend.
All diese völlig egalen Traumzahlen spielten schon eine gewichtige Rolle beim Durchführungs-Druck, der auf den Verantwortlichen im Vorfeld lastete. Einzig Bochum hat klaren Kopf behalten.
16:20
Ein öffentliches Amt ist keine Werbeabteilung! Wenn es akzeptierte Kultur wird in dieser Funktion aus Marketinggründen beliebige Wahrheiten zu akzeptieren oder laut Spiegel sogar aktiv zu verwenden, sollte man sich über Politikverdrossenheit keine Gedanken mehr machen. Erschreckend ist, dass dies bei anderen Amtsträgeren bisher zu keinem Aufschrei geführt hat. Haben sie sich vielleicht möglicherweise an den Satz der Bibel gehalten: Wer ohne Schuld ist, werfe den 1. Stein....? Die wäre immerhin ein Stück restlicher Anstand, der uns ungewollt zeigt wo wir hingekommen sind!
14:37
tja, mit dem verschwindenlassen von unterlagen im internet ist das anscheinen so eine sache. hier ist ein ganz interessanter artikel zu den verbotenen sauerland-papieren, über die gestern berichtet wurde.
http://www.ruhrbarone.de/die-verbotenen-sauerland-papier-sind-wieder-da/
09:32
#110 joergel
Ich spiele jetzt beim Erbsenzählen mit. Es wird gegen unbekannt ermittelt, was bedeutet, gegen alle, die irgendwie beteiligt waren, deshalb meine Formulierung u.a.. Gehen Sie mal einfach davon aus, dass ich schon weiss, was ich schreibe.
Lüge ist Lüge und in der derzeitigen Lage des OBs ganz und gar nicht verzeihlich.
Dass Sie mir parteipolitischen Populismus unterstellen, zeigt, wie wenig Sie meine Argumente verstehen. Hab nämlich mit keiner Partei zu tun, jedoch schon seit langer Zeit ein Problem mit dem Wort christlich für eine Partei, die uns schon lange das Gegenteil vorlebt übrigens ebenso wie mit dem Wort sozial für eine andere Partei. Nur gehört Sauerland eben den sogenannten Christlichen an.
Also, falschen Schluss gezogen. Tut mir leid.
#111 Stefano
Danke, wieder mal sehr gut argumentiert. Ihren Bedenken kann ich mich hundertpro anschliessen. Deshalb wäre es so wichtig, dass dem OB viele Fragen dort gestellt werden, wo er Antworten geben muss, nämlich vor dem Rat. Es ist nicht mehr hinnehmbar, dass er wie ein Aal überall durchflutscht.
07:20
#110 von joergel
Da weiß man doch gleich, wo der eigentliche Hase im Pfeffer liegt...
Vielleicht hätten Sie mal auch noch ein paar weitere Beiträge von @taosnm lesen sollen. Dann wäre Ihnen aufgefallen, das gerade dieser Kommentator besonders ausgewogen argumentiert und für viele Argumente offen war.
Was die Lügen unseres OB angeht: Vielleicht lebte ich in einer Traumwelt - hatte ich doch gedacht, dass Aussagen des OB zunächst mal Glauben geschenkt werden muss. Es kann doch nicht sein, dass falsche Auskünfte von offiziellen Verantwortwortungsträgern plötzlich deshalb zu rechtfertigen sind, weil Sie einem höheren Zweck - dem Marketing - dienten. Das bedeutete: erst kommt die Knete, dann die Moral.
Nach dieser Logik ist dann aber auch klar, dass sämtliche anderen Aussgen der Verantwortlichen und des OB grundsätzlich zu misstrauen ist. Denn letztlich wäre auch jede Trickserei im Genehmigungsverfahren damit zu rechtfertigen, dass schließlich Marketing-Interessen berührt waren.
Aber abgesehen davon: Wie werten Sie denn die weiteren Lügen unseres OB, dass er beispielsweise den Opfern nicht kondolieren konnte, weil er keinen Zugang zu deren Anschriften hatte. Oder dass er vor der Loveparade nicht über konkrete Planungsabläufe informiert war, was durch mehrere Dokumente widerlegt ist. Oder, oder, ...
So kann man sich nur wünschen, dass auch weitere Aussagen des OB (die ausschließlich dem Zweck dienen, ihn als Opfer zu generieren) gründlichst nachrecherchiert werden.
Denn auch seine Aussagen, er wird von einem Auftragskiller bedroht oder man hätte ihn mit der Sprengung eines Kindergartens erpresst, scheinen im Licht seiner bisherigen Lügen zumindest zweifelhaft.
Wenn es diese nicht akzeptablen und barbarbischen Drohungen wirklich gab und Ernst genommen werden mussten, sollte sich dies dann ja eigentlich nachvollziehen lassen (etwa in Form von Anzeigen ,die er gestellt hat - oder nachvollziehbaren Telefonaten oder Mails, Briefen ...
Ich bin mal gespannt, was uns noch weiter erwartet.
01:30
@taosnm
Wer noch weiß was er geschrieben hat, ist noch klarer im Vorteil: ...halte es aber für bedenklich, dass er Zugang zu Dokumenten hat, die die Ermittlungen u.a. gegen ihn betreffen...
Im übrigen haben die gepuschten Besucherzahlen nichts mit den Toten der Veranstaltung zu tun. Ob sie diese gängige Praxis interessiert oder nicht, ist völlig egal. Ebenso was sie an Stelle des OB getan hätten, denn parteipolitischer Populismus ist in diesem Zusammenhang nicht angebracht: ...kommt noch die Wut hinzu, von einer sogenannten christlichen Partei derartig verschaukelt zu werden.
Da weiß man doch gleich, wo der eigentliche Hase im Pfeffer liegt...
23:51
@ #106 joergel
Wenn sie dagegen den OB für die falschen Zahlenangaben des Veranstalters verantwortlich machen, dann bitte auch die OB der anderen Ruhrgebietsstädte..
Sie können sicher sein, dass genau dies auch geschieht.
23:20
#106 joergel
Wer lesen kann, ist klar im Vorteil. Es ist meine Meinung, dass gegen Sauerland in seiner Funktion als OB ermittelt werden muss. Dass gegen ihn ermittelt wird, sagte ich nicht.
Man darf einen erwachsenen Menschen sehr wohl dafür verantwortlich machen, dass er wissentlich die Unwahrheit sagt, unabhängig davon welches die Beweggründe waren. Das wäre jedoch für mich noch eine lässliche Sünde gewesen.
Die viel grössere Sünde beging er jedoch im TV-Interview, in dem er sagt, dass die Kondolenz-Karten aus Datenschutzgründen nicht zugestellt werden könnten. Ein Gang ins Standesamt, und er hätte alle Anschriften gehabt. Und ich, an der Stelle von OB Sauerland, hätte meinen Koffer gepackt, und jede, aber wirklich jede Familie, auch die in Australien, besucht. Diese Reisekosten hätte jeder Bürger in Kauf genommen, nicht aber die für seinen Personenschutz, für die Kanzlei und den PR-Profi.
Lassen wir den Ermittlungen ihren Gang und hoffen, dass sie ohne Ansehen der Person erfolgen werden.
Dennoch bleibt der Knackpunkt, dass ein hochbezahlter Mann nicht begriffen hat, was sein Amt beinhaltet, nämlich Verantwortung, die man auch in schlechten Zeiten übernehmen muss.
Zusätzlich zu der Trauer und Fassungslosigkeit, die den Duisburgern zugemutet wird, kommt noch die Wut hinzu, von einer sogenannten christlichen Partei derartig verschaukelt zu werden.
Die OBs der anderen Ruhrgebietsstädte interessieren mich nicht, sie hatten nicht 21 Tote - junge Menschen - und Hunderte von physisch und psychisch Traumatisierten - einschliesslich der Hilfskräfte. Sprechen Sie mal mit denen, wie ihnen zumute ist.
20:14
Kikimurks
Denkende Menschen kommen nie zum gleichen Ergebnis, sie müssen zwangsläufig zu EIGENEN Ergebnissen kommen.
So wie Sie argumentieren (gegen Frau Zieling und Herrn Brandt) outen Sie sich lediglich als Parteigängerin, mehr nicht.
Und so schreiben Sie auch. Noch so intelligente Argumentationen wie die von Stefano oder taosm können anscheinend bei Ihnen keine wirklichen Gedanken auslösen. Gebetsmühlenartig wiederholen Sie Ihre blinde Verteidigung des OB. Die veröffentlichen Dokumente, gegen die nun Sauerland klagt, sprechen Bände.
Ich habe keine Lust mehr auf Ihren Quark und bewundere Stefano und Taosm, die so viel Ausdauer haben.
19:11
@taosnm
Ach, gegen Sauerland wird ermittelt? Das ist ja ganz was Neues.
Bisher war nur bekannt, dass gegen Unbekannt ermittelt wird. Weil überhaupt nicht feststeht, ob die Stadtverwaltung rechtswidrig eine Genemigung erteilt hat, der Veranstalter sich über Genemigungsauflagen hinweg gesetzt hat, Polizei und Sicherheitsdienste Pflichtverletzungen begangen haben oder ob einzelne Persönlichkeiten unzulässigen Druck ausgeübt bzw. sich schuldhaft verhalten haben.
Wenn sie dagegen den OB für die falschen Zahlenangaben des Veranstalters verantwortlich machen, dann bitte auch die OB der anderen Ruhrgebietsstädte wo die Loveparade stattgefunden hat. Dort wurden die Besucherzahlen ebenso falsch von Veranstalter und Stadt angegeben...