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Archäologie

Archäologen feiern Römerlager bei Olfen als „Sensationsfund“

26.10.2011 | 09:11 Uhr
Archäologen feiern Römerlager bei Olfen als „Sensationsfund“
Römischer Legionärshelm, präsentiert vom Direktor des Landschaftsverbandes Westfalen-Lippe, Dr. Wolfgang Kirsch. (Foto: Joachim Kleine-Büning/WAZ FotoPool)

Olfen.  Archäologen freuen sich über einen Sensationsfund aus der Römerzeit. Knapp 2.000 Jahre lagen die Überreste eines alten Militärlagers im Erdboden bei Olfen (Kreis Coesfeld), ehe sie nun von Wissenschaftlern des Landschaftsverbandes Westfalen-Lippe (LWL) präsentiert wurden.

Als er die zweite Münze gefunden hatte, kannte Andre Eibisch kein Halten mehr. Er sprang in die Luft, er jubelte, er war sicher: Hier, am Kaninchenberg, 15 Meter über dem Ufer, wo die Lippe bei Olfen einen Bogen schlägt, hier gab es ein Römerlager .

Fiebernd sucht der Hobby-Archäologe weiter, zusammen mit seinen Eltern, die eigentlich nach Steinzeit-Resten suchen wollten. Sie finden noch eine Münze – und eine Keramikscherbe, groß wie ein Daumennnagel. „RVFIO LVMBRIC“ ist darauf eingeritzt – „Rufius, Töpfersklave des L. Umbricius“. Römische Keramik. 2000 Jahre alt. Aus Arezzo, Toskana.

Und heute, zwei Jahre später, ist auch die Wissenschaft sicher: Am Lippe-Ufer im münsterländischen Olfen gab es in der Zeit zwischen 11 und 7 vor Christus ein Römerlager. Zwei Kohorten, also 1000 Legionäre, könnten hier gelebt haben, auf einer Fläche, die sieben Fußballfeldern entspricht, geschützt von einem fünf Meter breiten, über zwei Meter tiefen Wassergraben und erdwall-verstärkten Holzpalisaden, gut vier Meter hoch.

Expedition ins Bierreich

Die Römer versuchten damals, vom Rhein aus über die Lippe flussaufwärts ins tiefe Germanien vorzudringen – zu jenen Stämmen, von denen sie mit unschöner Regelmäßigkeit überfallen wurden. Für die weinseligen Römer war es eine Expedition ins Bierreich, aber sie stand unter einem unglücklichen Stern – ihr Feldherr Drusus, Stiefsohn des Kaisers Augustus, stürzte im Jahr 9 vor Christus vom Pferd und starb an den Folgen. Man zog sich wieder zurück. Zwei Jahrzehnte später versuchte es Varus, was mit der Schlacht bei Kalkriese bekanntlich auch kein gutes Ende nahm.

So könnte das Olfener Lager ausgesehen haben. (Foto: Joachim Kleine-Büning/WAZ FotoPool)

Aber davon hat jener Legionär ja noch nichts wissen können, der jene Münze verloren hat, die Andre Eibisch 2000 Jahre später jubelnd in Händen halten wird. Den Legionären ging es jedenfalls prima im Versorgungslager von Olfen, ihre Geldbeutel quollen derart über, dass sich auf dem gesamten Gelände rund 100 Münzen fanden. Wofür sollten sie ihren Sold denn auch ausgeben? Die Verpflegung der Armee war gut, meist gab es Brot und Brei aus Weizen, aber dann und wann auch ein saftiges Stück Schweinefleisch. Es gab Amphoren voller Olivenöl oder Rotwein aus den südlichen Provinzen, deren Scherben im Außengraben des Lagers landeten, warum auch immer. Aus dem spanischen Cadiz wiederum wurde das legendäre Garum angeliefert, das Maggi der Römer, dessen Zubereitungsweise man bis heute nicht kennt. Man weiß nur, dass es recht ordentlich nach Fisch schmeckte.

Der römische Mann, auf Reinlichkeit bedacht

Es gab sogar – in Olfen, wo ringsum die Germanen beinahe noch auf den Bäumen hockten – Duft- und Heil-Öle in Glasfläschchen, auch deren Scherben fand man zwei Jahrtausende später auf dem Acker am Kaninchenberg: „Der römische Mann“, sagt die Grabungsleiterin Dr. Bettina Tremmler, „war ja nicht weniger auf Reinlichkeit und Körperpflege bedacht als die Frau.“ Aber ein Warenangebot wie in Rom oder in Lutetia, dem späteren Paris, das gab es in Olfen eben nicht, da schlich sich leicht eine gewisse Sorglosigkeit im Umgang mit dem Münzbeutel ein.

Verpflegung und Waren schafften die Römer mit Schiffen (die meist gezogen werden mussten) flussaufwärts. Straßen gab es ja noch nicht. Und in Olfen hatte die Lippe eine flache Furt, so dass die römischen Plattbodenschiffe hier öfters auf Grund liefen. So wurden die Waren hier ins Versorgungslager entladen.

Ein großer Segen

Für Archäologen wie Prof. Dr. Michael Rind vom zuständigen Landschaftsverband Westfalen-Lippe (LWL) ist der Fund von Olfen ein großer Segen, weil die Reste des Lagers 2000 Jahre lang ohne jede Überbauung im Boden lagerten. Die Wissenschaftler reden weihevoll von einem „jungfräulichen Primärdenkmal“, das sie „mit aller Sanftmut“ behandeln wollen. Mit vorsichtigen Suchschnitten und punktuellen Sondierungen förderten sie 200 Funde zutage, die sie gestern in den Fachwerkstätten des LWL in Münster der Öffentlichkeit vorführten. Wie man das Denkmal vor Ort sichtbar machen will, darüber soll jetzt erst einmal nachgedacht werden; man wolle hier keine großen Menschenaufläufe, hieß es am Dienstag. Vorläufig darf der Bauer, der den Acker gepachtet hat, hier weiter pflügen.

Jens Dirksen

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Kommentare
26.10.2011
13:37
Archäologen feiern Römerlager bei Olfen als „Sensationsfund“
von Otto99 | #10

Ich tue mich schwer, daran zu glauben, daß man wirklich 100 Jahre danach gesucht hat. So groß war der vermutete Bereich nun auch wieder nicht, und Luftbildaufnahmen kann man auch schon seit Jahrzehnten machen.

26.10.2011
13:31
Archäologen feiern Römerlager bei Olfen als „Sensationsfund“
von Jaykay4466 | #9

Man sollte sich wohl weniger Gedanken darüber machen, wofür der LWL sein Geld ausgibt, als darüber, wie er es einnimmt. Und damit meine ich nicht die Museumseintrittsgelder, sondern die Millionen, die von den Kommunen jährlich gezahlt werden müssen, wenn sie dem LWL beitreten. Angesichts der Haushaltslage der Kommunen sollte man lieber an dieser Stelle den Rotstift ansetzen. Nichtsdestotrotz bin ich mit dem, was mit dem Geld an Kulturgut erhalten und angeschafft wird, sehr zufrieden. Wenngleich es nicht unbedingt ein weiteres Römerlager-Museum sein muss. Immerhin gab es, soweit ich weiss, einige hundert Haupt und Feldlager. Man stelle sich vor, es würde auf jedem Standort gleich ein Freilichtmuseum gebaut. Wäre mir etwas zu viel Rom in Germanien! Schlag drop, Vianden!

26.10.2011
12:24
Archäologen feiern Römerlager bei Olfen als „Sensationsfund“
von kulturliebende | #8

Ups, ein paar Tippfehler. Da wird mich der LWL-Claqueur AntonC bestimmt nun auch den Unterschichten zuordnen ;-)

26.10.2011
12:21
Archäologen feiern Römerlager bei Olfen als „Sensationsfund“
von kulturliebende | #7

#5 und 6 Bei dem Helm handelt es sich ganz eindeutig um das Original aus Olfen und nicht um eine Kopie. Jeder Fachmann/jede Fachfrau erkennt dies selbst auf dem Foto.
Die Volontäre erhalten überall Anwärterbezüge für den Höheren Dienst. Genau wie Ärzte in Ausbildung, die im Übrigen noch weniger erhalten, sind sie eben in der Ausbildung. Viel interessanter sich doch die übrigen Personalkosten bei den fest angestellten und verbeamteten Mitarbeiter. Auch da schwelgt der LWL in der Üppigkeit, leider aber weniger in der Qualität. Letzteres wird dann durch Vergaben und Geld wett gemacht. Sprich: Was Museen der Kommungen durch Engagement der wenigen Mitarbeiter und bei immer geringeren Etats leisten müssen, dass wird im LWL durch üppige Etats und freigiebige Vergagen an externe Firmen geleistet. In Kultureinrichtungen außerhalb des LWL ist schon seit langem der Eindruck entstanden, dass der LWL auf Geld nur dann Rücksicht nimmt, wenn er in der öffentlichen Diskussion steht. Insofern hat schwenke durchaus den Nagel auf den Kopf getroffen, wenngleich auch ein wenig überzogen.

26.10.2011
11:23
Archäologen feiern Römerlager bei Olfen als „Sensationsfund“
von AntonC | #6

@schwenke, schauen sie mal weiter ihr Unterschichtenfernsehen, das wir schließlich über die in den Produktpreisen enthaltene Werbung mitfinanzieren müssen und unterlassen sie es über Kultur und Geschichte, von deren Bedeutung sie offensichtlich nichts verstehen, zu schwadronieren.

26.10.2011
10:44
Archäologen feiern Römerlager bei Olfen als „Sensationsfund“
von Manni_Bananenflanke | #5

@ schwenke:
Haben Sie auch mal darauf geschaut, um was für Gehälter es beispielsweise bei den Volontariaten geht? Dort werden rund 1200 € brutto (!) bezahlt. Die Stellen sind ausgeschrieben für Master-Absolventen und Promovierte.
Immer schön und vor allem bei der Kultur streichen, die ist ja auch nicht wichtig. Wo die Sonne der Kultur niedrig steht, werfen Zwerge lange Schatten, oder wie war das noch gleich?

@ Ex-Leser: Der Helm auf dem Foto wird schon kein Original-Fundstück sein, schon gar nicht aus Olfen. Es werden originalgetreue Nachbildungen angefertigt, z. B. wenn die Fundstücke wegen ihres Zustandes nicht ausgestellt werden können.
Dass das Foto dennoch ein wenig albern daherkommt, da sind wir einer Meinung.

26.10.2011
10:28
Archäologen feiern Römerlager bei Olfen als „Sensationsfund“
von Ex-Leser | #4

Zu schwenkes Ausführungen kann ich nichts sagen.

Jedoch als ich das Foto gesehen habe, entstand bei mir kein sehr professioneller Eindruck.

Geht man so mit erhaltenswerten Fundstücken um ??

Ich gehe sicher nicht zum Lachen in den Keller, aber muss man sich so darstellen ??

26.10.2011
10:26
Archäologen feiern Römerlager bei Olfen als „Sensationsfund“
von KFR001 | #3

ein wenig spät ....
das Jahr 09 mit den Feiern zur Varus-schlacht ist lange vorbei;
oh sorry die TV AÖRs spielen immer noch Wiederholungen ihere Halbwahrheiten und Propaganda zwecks cash-in der Tantiemen ihrer Seilschaften, ohne wirklich zu verstehen was da los war.

26.10.2011
10:20
Archäologen feiern Römerlager bei Olfen als „Sensationsfund“
von schwenke | #2

Ein anderes Beispiel ist die Millionen Euro teuere Ausstellung im Museum für Kunst- und Kulturgeschichte in Münster, die 2014 Bacon gewidmet sein soll. Ein völlig überzogenes und abgehobenes Projekt, das neben Sponsorengeldern auch Millionen Steuergelder fressen wird. Nach 2-3 Jahren ist diese Ausstellung dann vergessen und vergangen. Die Finanznot des LWL ist dann noch größer geworden. Das Gejammere und Gerede, dass der Kulturetat nur 3 Prozent des Gesamthaushalts betrifft, sollte auch einmal unter die unabhängige Lupe genommen werden. Allein die exorbitant hohen Personalzahlen in diesem Bereich gehen in den zweistelligen Millionenbereich. Die sollten sich auf die Pflichtaufgaben konzentrieren und nicht ständig neue Museen eröffnen, neue Stellen schaffen und noch mehr anbieten, sondern endlich Stellen streichen und einsparen sowie die laufenden Kosten deckeln. Auch wenn dann ein Industriemuseum, eine Abteilung (das Kunstmuseum in Münster hat für jeden Bereich einen Referenten, in den Industriemuseen gibt es einen Leiter, einen Referenten etc. für jeden Standort) schließen oder sich auf lohnende Standorte beschränken, um nicht weniger lohnende künstlich am Leben zu erhalten.

26.10.2011
10:13
Archäologen feiern Römerlager bei Olfen als „Sensationsfund“
von schwenke | #1

Dafür hat der LWL Geld? Auch für einen teueren Film extra für diesen Sensationsfund? Den kann man im Internet anschauen! Gestern stand in der Zeitung, dass der LWL kein Geld mehr für seine sozialen Aufgaben hat. Er will jetzt die ebenfalls klammen Städte noch mehr melken. Schaut man in den Kulturbereich des LWL, kann man sich vor lauter Personal, ausgeschrieben werden auch ständig neue Stellen von Volontären, Referenten usw., kaum noch durch die Angebote schlagen. Allein die Kulturabteilung unter der Frau Rüschhoff-Thale hat so viel Personal, da kann ein Großstadtsamt nur von träumen.
Da sollte endlich einmal gespart werden! Wenn man dann noch von den Freilichtplänen für das neue Römerlager liest, dann versteht man die Welt nicht mehr. Der LWL ist wohl völlig abgehoben, vielleich kommuniziert Herr Dr. Kirsch über seinen Helm mit Aliens, aber sparen sieht anders aus.

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