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Loveparade

Alt-OB Krings: Mit Sauerland gibt es keinen Neuanfang

23.07.2011 | 16:59 Uhr
Alt-OB Krings: Mit Sauerland gibt es keinen Neuanfang
Der ehemalige Oberbürgermeister der Stadt Duisburg, Josef Krings (SPD), sprach bei der Übergabe des Mahnmals für die Opfer des Unglücks der Loveparade. Foto: Mark Keppler/dapd

Duisburg.   Am diesem Wochenende gedenkt Duisburg der Opfer der Loveparade. Im Interview plädiert Duisburgs Alt-Oberbürgermeister Josef Krings für eine neue Duisburger Politik - ohne Adolf Sauerland.

Josef Krings gilt als moralische Instanz in Duisburg. 22 Jahre lang, von 1975 bis 1997, war er Oberbürgermeister und wurde durch seinen Einsatz für die Krupp-Arbeiter in Rheinhausen auch überregional bekannt. Eine Woche nach der Loveparade-Katastrophe hatte der 85 Jahre alte Ehrenbürger als einer der Ersten die richtigen Worte gefunden. Er hielt die Reden beim Trauermarsch und bei der Aufstellung des Loveparade-Mahnmals. Im NRZ-Interview spricht Josef Krings über den Jahrestag der Katastrophe und einen Neuanfang für Duisburg.

Herr Krings, was werden Sie am morgigen Jahrestag der Loveparade tun?

Josef Krings: Ich werde die zentrale Gedenkfeier im Stadion besuchen, auch wenn ich die Salvatorkirche als Ort für die Gedenkfeier für geeigneter halte. Aber wir müssen den Wunsch der Betroffenen respektieren, und es steht mir nicht zu, dies zu kritisieren.

Wie haben Sie den Tag der Katastrophe erlebt?

Josef Krings: Ich war nicht in Duisburg, sondern in Essen beim 50-jährigen Priesterjubiläum des früheren Duisburger Stadtdechanten Heinz-Josef Tillmann. Die ersten schrecklichen Meldungen habe ich auf dem Weg im Radio gehört. Beim Festgottesdienst hatte sich die Nachricht bei vielen noch gar nicht herumgesprochen.

Was sagen Sie dazu, dass OB Adolf Sauerland erst jetzt nach einem Jahr die moralische Verantwortung übernimmt?

Josef Krings: Man sollte sich fragen, was der Begriff überhaupt bedeutet. Verantwortung übernimmt man nicht, sie gehört zum politischen Amt einfach dazu.

Wird er dieser Verantwortung denn jetzt gerecht?

Trauernde am Tunnel

Josef Krings: Mein Eindruck ist, er ist traumatisiert und hat seine Kraft verloren. Dass er aus Mitleid toleriert wird, das kann nicht gut sein für jemanden, der sich auf der politischen Bühne bewegt. Wenn er schon überlegt, ob er einen Termin wahrnehmen kann oder ein Veranstalter damit hadert, ihn einzuladen, dann ist er nicht mehr haltbar.

Warum will Adolf Sauerland seinen Stuhl nicht räumen?

Josef Krings: Das Amt des Oberbürgermeisters birgt eine gewisse Verlockung. Man wird oft hofiert, erfährt Anerkennung, Akzeptanz und Zuwendung. Ich denke, Adolf Sauerland ist dafür empfänglich.

Diese Anerkennung hat sich aber doch in Ablehnung gewandelt. Innerhalb eines Monats haben bereits mehr als 30 000 Bürger für seine Abwahl unterschrieben.

Josef Krings: Er hält ja bei bestimmten Empfängen und Gelegenheiten immer noch Reden, bei denen es auch Beifall gibt. Jetzt zum Jahrestag wird aber eben vieles wieder wachgerufen und in den Fokus gerückt, was das ganze Jahr über vielleicht nur latent vorhanden war.

Da kein Rücktritt in Sicht ist, bleibt das Abwahlverfahren. Werden die nötigen 55 000 Unterschriften dafür bis Oktober zusammenkommen?

Stichwort Gedenkfeier
Namen der Opfer werden verlesen

21 Menschen kamen bei der Loveparade in Duisburg ums Leben. Ihre Namen werden am Sonntag, am ersten Jahrestag der Katastrophe, bei der Gedenkfeier in der MSV-Arena verlesen. Die Feier beginnt um 15 Uhr. Sie ist öffentlich und der Eintritt kostenlos. Die DVG setzt Extrabusse ein (Linie 934, ab Hbf). Eine Angehörige aus Italien, ein Rettungssanitäter und eine bei der Loveparade verletzte Frau werden bei der Feier sprechen. „Der Graf“ von der Band „Unheilig“ singt auf Wunsch von Angehörigen das Lied „Geboren um zu leben“. Weihbischof Franz Grave und Petra Bosse-Huber, Vizepräses der ev. Kirche im Rheinland, sprechen Segensworte. Eine der Fürbitten wird Ministerpräsidentin Hannelore Kraft verlesen. Um 17 Uhr läuten die Glocken aller Duisburger Kirchen zum Gedenken an die Opfer der Loveparade.

Josef Krings: Davon gehe ich aus. Aber wenn es dann zu dem eigentlichen Abwahlentscheid kommt, wird es bei der generell schwachen Wahlbeteiligung in Duisburg schwierig, die notwendigen 92 000 Stimmen zu erreichen.

Sollte die Abwahl scheitern, kann sich die Stadt an einen derart umstrittenen OB gewöhnen?

Josef Krings: Nein. Das glaube ich nicht und das sollte sie auch nicht. So kann es keinen Neuanfang geben, das gelingt nur mit einer neuen Person auf dieser Position. Aber ich plädiere auch für eine generelle Entschleunigung der Politik und für eine Abkehr von der Besessenheit auf Größe.

Können Sie das näher erläutern?

Josef Krings: Es gibt auch in Duisburg genug Beispiele für dieses Höher, weiter, größer. Dazu gehört auch die Loveparade, die als größtes Musikereignis der Welt betitelt wurde. Oder nehmen Sie die Erweiterung des Museums Küppersmühle am Innenhafen das ein Leuchtturm-Projekt für die Stadt werden soll. Dieser Schuhkarton oben auf dem Dach werde ein echter Hingucker, höre ich immer…

…der momentan aber droht, wegen der explodierenden Kosten am Boden zu bleiben…

Sauerland und die Loveparade

Josef Krings: Ich denke, in einem Museum sollten eher die Exponate wirken und nicht die Architektur. Und nebenbei lässt man für dieses Projekt auch womöglich noch die städtische Wohnungsgesellschaft über die Wupper gehen.

Wie soll Politik stattdessen aussehen?

Wie Duisburger ihre Stadt im Jahr nach...

Josef Krings: Der zunehmende Protest gegen Großprojekte und die Ereignisse in Stuttgart sollten einen doch stutzig machen. In Norddeutschland würde man sagen, Politik muss sich um den Kiez bewegen. Dort muss man die Bürger aktivieren. Das Loveparade-Mahnmal ist ein gutes Beispiel für ein neues Denken. Es wurde von Bürgern initiiert, sie haben den Entwurf ausgewählt. Dann haben andere Bürger geholfen, Unternehmen haben das Material, die Herstellung und den Transport gesponsert. So kann die Stadt wieder Selbstbewusstsein aufbauen.

Manfred Lachniet u. Ingo Blazejewski

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Kommentare
09.08.2011
07:26
Alt-OB Krings: Mit Sauerland gibt es keinen Neuanfang
von banane666 | #51

Herr Sauerland die Politik des Aussitzens funktioniert diesmal nicht, die Bürger vergessen nicht mehr so schnell......

08.08.2011
20:30
Alt-OB Krings: Mit Sauerland gibt es keinen Neuanfang
von Sentinel | #50

Herr Sauerland ist nicht weiter als ein verlogener Politiker der sein übersteigertes EGO befriedigen muss. Sein Ziel mit der Durchführung der LoPa hatte nur den Hintergrund, sich für einen Tag im Rampenlicht zu sehen. Was er durch seine starköpfigkeit erreicht hat hätte er sich niemals so erträumt. Er ist der OB der für ewig Geschichte geschrieben hat, für ewig der OB von DU bleiben wird, der 21 Menschen in den Tod geführt hat. Sein Gefolge (Rabe - Dressler - Bölling) werden ihre Strafe erhalten, die Ermittler werden ihnen nachweisen, dass sie die hauptverantwortliche Schuld an der Katastrophe tragen. So ist es eben wenn man seinem Chef blind folgt und wenn die Rechnung des Herrn Sauerland aufgeht, dann wird er seinen finanziell abgesicherten Ruhestand in seinem Häuschen genießen und die drei anderen Herrn schön die Suppe als juristisch verurteilte Dummbauern auslöffeln. Ob SPD oder CDU, vollkommen egal, solange es nur um das eigene Hemd geht und Profit gewittert wird, sind alle gleich.... Ach so Herr Sauerland, hätten sie sich mal lieber um Erhaltung und Schaffung von Arbeitsplätzen gekümmert dann hätten sie A was sinnvolles für die Stadt erreicht und B wären wir von ihrem Gejammer nach der LoPa verschont geblieben. In diesem Sinne und in der Hoffnung auf eine gerechte Strafe...

30.07.2011
09:09
Alt-OB Krings: Mit Sauerland gibt es keinen Neuanfang
von banane666 | #49

@#36 @48das ist doch Quatsch, es geht um die politische Verantwortung und nicht um die SPD; ich habe H.Sauerland gewählt und wußte nicht dass er für sein Ego unbedingt, trotz aller Warnungen die LP haben wollte, er hat seine Mitarbeiter indoktriniert zu unterschreiben, es ist und bleibt für mich ein Mann ohne Rückrat und muß weg für einen Neuanfang in Duisburg

29.07.2011
17:54
Alt-OB Krings: Mit Sauerland gibt es keinen Neuanfang
von hannesvanhomberg | #48

Wer schmeißt den da mit Lehm der sollte sich waß schämen.
Es geht doch mittlerweile gar nicht mehr um Herrn Sauerland, nein er passt nicht in das Konzept der SPD.
Doch wer hat den unsere Stadt Jahre lang in in einer dollen Verschuldung geführt, wer hat die Verwaltung immer weiter aufgebläht.?

26.07.2011
08:01
Alt-OB Krings: Mit Sauerland gibt es keinen Neuanfang
von Sentinel | #47

Ich denke, man sollt Herrn Krings einfach nur den Respekt für sein Aufttreten zollen, den er verdient. Er hat sich einer Aufgabe verschrieben, bei der man auch schnell mal verlieren kann, besonders wenn man für andere Aufgaben erfüllt, die sich aus der politischen so wie der moralischen Verantwortung schleichen möchten aber die Konsequenz eines Rücktritts nicht in betracht ziehen. Ich denke, Herr Krings ist ein sehr charismatischer Mensch. Das Rathaus ist voll mit Amtsträgern die sich der Christlichen Partei verschrieben haben, ihr Handeln & ihre Äußerungen sind leider sehr wenig christlich & die Parteifreunde halten sich dezent zurück mit dem verständlichen Hintergrund, nur verlieren zu können & damit seine eigene Karriere eventuell zu gefährden. Politik heißt handeln, entscheiden & verbessern aber dafür ist es wichtig charakterlich gefestigt & gradliniges Denken zu repräsentieren. Von dem einzuhaltendem Denken, das Hemd ist mir näher als die Jacke, sollte man Abstand nehmen. Grade in der Politik sollte man sich immer vor Augen halten, wahre Worte sind nicht angenehm, angenehme Worte sind nicht wahr. In diesem Sinne wünsche ich uns Bürgern der Stadt DU, dass Einsicht einkehrt & Herr Sauerland entweder selber merkt, dass die Karre vor die Wand gefahren wurde oder seine christlichen Parteifreunde ihren Einfluss geltend machen, so oder so & dann die Basis für einen Neuanfang schaffen.

26.07.2011
00:10
Alt-OB Krings: Mit Sauerland gibt es keinen Neuanfang
von taosnm | #46

#45 albertus28
Mir scheint, dass Sie die Personalgeschichten der SPD doch nicht so richtig intensiv verfolgt haben, was ich ja verstehe, täte ich als Christ wahrscheinich auch nicht. Dass Sie allerdings nicht in der Lage sind zu erkennen, wie fair Herr Krings mit Herrn Sauerland umgegangen ist, lässt schon einige Rückschlüsse zu. Er hat sich ausserordentlich korrekt verhalten, jedenfalls habe ich das als Nichtgenossin so empfunden. Nur von Herrn Krings war zu hören, dass er AS mit sehr guter Begründung den Rücktritt angeraten hat. Die Freunde des OB hätten dasselbe tun müssen, wenn sie denn Freunde wären, waren wohl aus politischer Verblendung dazu unfähig.

25.07.2011
18:39
Alt-OB Krings: Mit Sauerland gibt es keinen Neuanfang
von albertus28 | #45

zu #40
die Nummer ist doch immer die gleiche:
Ob Helmut Schmidt oder Beck oder Steinbrück oder eben Jupp Krings.
Erst werden sie wie die Altbauernn vom Hof gejagt und irgendwann erhalten sie den Status eine Erweckungsprediger.
Nachdem Krings von Zieling und Brandt und der SPD -Fraktion eiskalt und skrupelos aus dem Amt gejagt wurde,hat er an keiner SPD - Veranstaltung menr teilgenommem und auch das Rathaus nicht mehr betreten.Seine Verbitterung darüber hat er ja auch öffentlich gemacht.Erst Sauerland (sic) hat Krings wieder zu offiziellen und öffentlichen Veranstaltungen ins Rathaus eingeladen.Er sollte sich gelegentlich daran erinnern,wenn er seine unerbetenen und vergifteten Ratschläge an Sauerland (v)erteilt.Dass Jupp Krings jetzt das Hosianna der Genossen genießt,nun ja,die Milde des Alters und wer mag nicht Lob.
Aber er sollte sich bewußt sein - denn er kennt ja seine Genossen - wenn die Abwahl-Story durch ist,egal mit welchem Ergebnis,hat Jupp seine Schudigkeit getan.

25.07.2011
11:37
Alt-OB Krings: Mit Sauerland gibt es keinen Neuanfang
von marianus | #44

für mich ist es gleich welcher partei ein OB angehört,wenn dieser so handelt wie der derzeitige dann ist er für mich untragbar.

25.07.2011
07:50
Alt-OB Krings: Mit Sauerland gibt es keinen Neuanfang
von Sentinel | #43

Erstmal möchte ich mich bei unserem Altbürgermeister Josef Krings dafür bedanken, dass er sich der Aufgabe angenommen hat, sich im Namen unserer Stadt gestellt hat & das für Amtsträger die sich ihrer moralischen so wie politischen Verantwortung bis heute nicht bewußt sind. Es ist auch ein sichtbares Zeichen, warum man auf Herrn Krings (trotz seines hohen Alters) zurück greifen mußte denn er ist der letzte seiner Art der politisch fest & menschlich verantwortlich handelte. Danke Herr Krings!!!!
Wut, Zorn & Trauer sind schlechte Ratgeber wenn man sich äußert, sich mitteilen möchte.
Vertrauen in die Deutsche Justiz, in unser Rechtssystem & Rechtssprechung wird am Ende auch einen OB Sauerland vor den Richtertisch zerren & am Ende dafür sorgen, das auch seine Schuld am Tod der 21 Menschen bewiesen wird. Herr Rabe ist ja studierter Jurist & schon jetzt mit dem Gefühl & Wissen gestraft, dass er weiss, seine Schuld wird bewiesen werden :) :) The punishment of God wird für die Herrn durch das Deutsche Gericht gesprochen. Danke!!!!

25.07.2011
06:12
Alt-OB Krings: Mit Sauerland gibt es keinen Neuanfang
von Linker-Genosse | #42

@kreiner

Sie sprechen von einer Hexenjagd die keine ist.
Sie sprechen davon das Sauerland kein Talent zur Selbstdarstellung hat.

Beides vollkommener Quatsch.

Sauerland hat sich in selbstdarstellischer Art selbst als Opfer dargestellt und stets die Schuld auf andere geschoben. Aber genau das übersehen Sie in Ihrer Verblendheit.

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